Page 7 of 13

Re: Bis ans Ende des Weges

Posted: Sun Sep 23, 2018 5:29 pm
by Stillness
Liebe Carolina,

ich hake noch einmal ein:
Das Kreisen um das gegenwärtige "ich" erscheint mir irgendwie durchschaubarer, d.h. ich sehe die einzelnen Elemente aus denen sich Erfahrung zusammensetzt deutlich,
Was siehst du da als 'Erfahrung'? Beschreibe mal, was du da genau siehst.

Kann echte Erfahrung nicht nur in der Realität erfahren werden?

Dieses 'gegenwärtige Ich', das du da siehst - erfährt das irgendwas?

Re: Bis ans Ende des Weges

Posted: Sun Sep 23, 2018 6:30 pm
by CarolinaS
Liebe Stillness,
Was siehst du da als 'Erfahrung'?
Es taucht zum Beispiel ein Gedanke auf.
Früher wäre der Gedanke als "meine innere Stimme" interpretiert worden, die zu mir spricht / mich adressiert.
Jetzt ist es einfach ein Gedanke, der "im Hier" auftaucht und wahrgenommen wird, aber zu niemandem spricht / weder geglaubt werden muss, noch befolgt werden muss. Er läuft einfach ab.
Es taucht zum Beispiel ein Gefühl auf.
Früher wäre das als mein Gefühl erlebt worden.. und hätte scheinbare Bedeutung und Historie enthalten.
Jetzt ist es einfach Energie, die auftaucht und mal länger, mal kürzer wahrnehmbar ist und (zugegeben) mal mehr mal weniger Widerstand und manchmal auch gar keinen Widerstand mehr auslöst; und gar nichts weiter bedeuten muss.
Es taucht zum Beispiel ein inneres Bild auf..
und ich sehe, es ist einfach ein Bild.
Es sagt nicht mir etwas.
Es ist einfach so da.
All das taucht hier auf. Ein unbewegtes Hier.
Hier setzt sich alles zusammen, so dass Zeit / Geschichte und Ort zu entstehen scheinen, gemacht aus Sehen, Hören, Körperempfinden, Fühlen und Denken.
"Hier" ist irgendwie "fühlbar". Nicht beschreibbar.
Kann echte Erfahrung nicht nur in der Realität erfahren werden?
Ja genau. Ich würde sagen, "das Hier" ist die Realität.
Dieses 'gegenwärtige Ich', das du da siehst - erfährt das irgendwas?
Nein. "Ich" ist ein Gedanke, der wahrgenommen wird (und der weitere Gedanken über ein "ich" nach sich ziehen kann).
Manchmal wird ein Gefühl eine Person zu sein wahrgenommen.
Dieser Gedanke und dieses Gefühl können selber nicht wahrnehmen.
Sie werden im Hier erfahren..
und sie sind frei von Inhalt.
Das sehe ich nun immer öfter sehr deutlich.
Manchmal scheint noch eine Art Vergessen aufzutreten.. Eben 'gerne' wenn Gedanken offenbar gewohnheitsmäßig in Phantasie abschweifen.
Aber selbst dieses "Vergessen" wird ja im Hier wahrgenommen..
und ist somit auch nur ein weiteres Phänomen?

Re: Bis ans Ende des Weges

Posted: Sun Sep 23, 2018 6:45 pm
by Stillness
Danke für deine Beschreibungen. Ich habe im Moment noch folgende Fragen:

Was ist Carolina?

Und was ist Carolinas Leben?

Versuche das bitte mal möglichst genau zu beschreiben, in eigenen Worten.

Und:
Ein unbewegtes Hier.
Was ist dieses unbewegte Hier?

Re: Bis ans Ende des Weges

Posted: Sun Sep 23, 2018 8:19 pm
by CarolinaS
Was ist Carolina?

Ein Name, ein Wort, das einmal auf etwas verweisen sollte, das wie ich jetzt sehe nicht gefunden werden kann / niemals da war.
Etwas von dem ich früher dachte, das es geschützt werden müsste... und jetzt wo klar ist, dass es nicht existiert, kann alles, was geschieht, geschehen ohne dass etwas davon "betroffen wäre".
Jeder Gedanke kann geschehen ohne dass jemand davon betroffen wäre,
jedes Gefühl kann geschehen ohne dass jemand davon betroffen wäre.
Jede Phantasie kann geschehen ohne dass jemand davon betroffen wäre.....

Alles taucht einfach so auf.
Da ist Erfahrung, die einfach nur Erfahrung ist. Nichts weiter. Ohne einen Besitzer.
Früher dachte ich, Carolina wäre der Besitzer der Erfahrung und dafür verantwortlich!

"Carolina" (= "ich") ist ein sich wiederholender Gedanke, der gekoppelt an sich wiederholende Gedankenmuster (oder Gefühlsmuster) im Hier auftaucht und auf nichts verweist - auf Leere verweist..
Und was ist Carolinas Leben?
Was ist ihr Leben..
Früher schien das etwas zu sein, das sich mit dem "ich" linear wie durch eine Art Korridor bewegt (oder schleppt).
Jetzt fühlt es sich eher so an wie ein ständiges Sich-Entfalten in diesem Moment.
Mehr wie ein Musikstück, das in diesem Moment sich selbst ständig fortsetzt, ertönt, verklingt, ertönt, verklingt..
Die Töne sind die Sinneseindrücke, die sich ständig wandeln, auftauchen und verschwinden.
Sie tauchen im nicht-linearen Jetzt bzw. Hier auf. Da ist kein Korridor und keine Bewegung.
Und niemand hat dafür Verantwortung.
Was ist dieses unbewegte Hier?
Puhhh..
Kann das beschrieben werden?
Ich weiß nicht, was das ist..
Aber es ist immer da.
Es hat kein Zentrum.
Es "beherbergt" alles... es ist da, wo alles auftaucht.
Es ist... still... scheint aber auch alles hervorbringen zu können.
Es ist Sein. Bewusstes Sein...
In der 'Hingabe an es' zeigt es sich wie grenzenlose Liebe, es bringt aber auch alle anderen Zustände hervor..
Es ist "hinter" und "in" allem, was auftaucht.
Es ist leer und voll zugleich.
Transparent.
Bewegt und unbewegt.
Ich weiß nicht, was es ist.
Aber es ist..
überall.

Re: Bis ans Ende des Weges

Posted: Sun Sep 23, 2018 10:09 pm
by Stillness
Prima. Ich habe immer noch weitere Fragen :-)
Was ist Carolina?
Ein Name, ein Wort, das einmal auf etwas verweisen sollte, das wie ich jetzt sehe nicht gefunden werden kann / niemals da war.
Etwas von dem ich früher dachte, das es geschützt werden müsste... und jetzt wo klar ist, dass es nicht existiert,
Warum ist das jetzt klar? Was hast du gesehen, um zweifelsfrei zu wissen, dass es Carolina nicht gibt und nie gab? Wie würdest du es jemandem beschreiben, der dich genau das fragt - nicht wie dein Erfahren jetzt ist, sondern was es ist, das du zweifelsfrei gesehen hast.

Und was ist Carolinas Leben?
Was ist ihr Leben..Früher schien das etwas zu sein, das sich mit dem "ich" linear wie durch eine Art Korridor bewegt (oder schleppt).
Das kann ich nicht ganz nachvollziehen...waren das 'Ich' und 'Carolinas Leben' zwei verschiedene Dinge? Falls ja, wie haben sie sich unterschieden?
Jetzt fühlt es sich eher so an wie ein ständiges Sich-Entfalten in diesem Moment.
Das heißt, 'Carolinas Leben' gibt es noch...nur jetzt ist es ein unpersönliches Sich-Entfalten?
Was ist dieses unbewegte Hier?
...
Es hat kein Zentrum.
Es "beherbergt" alles... es ist da, wo alles auftaucht.
Es ist... still... scheint aber auch alles hervorbringen zu können.
Es ist Sein. Bewusstes Sein...
In der 'Hingabe an es' zeigt es sich wie grenzenlose Liebe, es bringt aber auch alle anderen Zustände hervor..
Es ist "hinter" und "in" allem, was auftaucht.
Es ist leer und voll zugleich.
Transparent.
Bewegt und unbewegt.
Ich weiß nicht, was es ist.
Aber es ist..
überall.
Wie - mit welchen Sinnen - erfährst du all das, um es so beschreiben zu können. Oder sind das Gedanken?

Re: Bis ans Ende des Weges

Posted: Sun Sep 23, 2018 11:50 pm
by CarolinaS
Warum ist das jetzt klar?
Weil ich durch dein immer wieder Nachfragen immer wieder hingesehen habe. Einfach wieder und wieder. Es ist wie ein gepusht-werden (Danke dafür).
Auch zu versuchen es selbst zu beschreiben (was mir unmöglich erscheint), macht energetisch etwas mit meinem System.
Alles kribbelt.. Die Augenlider flattern wie wild, wenn ich die Augen schließe... Irgendetwas windet sich auch in mir.. Aber es ist trotzdem gut. ;-)
Was hast du gesehen, um zweifelsfrei zu wissen, dass es Carolina nicht gibt und nie gab?
Unmöglich zu beschreiben, finde ich, aber ich versuche es trotzdem.
Vorher schien da etwas zu sein. Ein Wesen. Aber es war nur ein ungeprüfte Annahme.
Jetzt schaue ich und finde keins. Nirgends. Hinter keinem Gedanken, Gefühl oder sonstiger Erscheinung..
Da ist einfach keins.
Auch der Körper ist frei von einer Entität.
Hinter allen Erscheinungen ist nichts messbares, nichts fassbares.. Kein Objekt oder Subjekt hinter all den Phänomenen.
Das wird gesehen.
waren das 'Ich' und 'Carolinas Leben' zwei verschiedene Dinge? Falls ja, wie haben sie sich unterschieden?
Es waren nie zwei verschiedene Dinge.
Aber es war die Vorstellung da von "Ich und mein Leben": Subjekt und Objekt. Und das Ich schien sich auf einer Zeitlinie durch "sein Leben" zu bewegen. ("Dem Tod entgegen.")
Das heißt, 'Carolinas Leben' gibt es noch...nur jetzt ist es ein unpersönliches Sich-Entfalten?
Mensch-Sein gibt es noch. Und den Namen / das Wort "Carolina" als Bezeichnung gibt es auch noch. Und da ist Leben, das sich entfaltet ohne Zutun.
Wie - mit welchen Sinnen - erfährst du all das, um es so beschreiben zu können.
Ich hab ehrlich gesagt keine Ahnung, ob das etwas mit "irgendwelchen Sinnen" zu tun hat...
Denn es ist nicht hörbar oder sichtbar .. nicht fassbar.
Es scheint mir auf eine Art fühlbar zu sein, aber auch nicht wirklich.
Vielleicht ist 'Sehen' tatsächlich der beste Begriff.
Oder sind das Gedanken?
Meine Beschreibung besteht aus Worten, die in einem hilflosen Versuch mein Erleben "einfangen" wollten.. ;-)

Gute Nacht, liebe Stillness...

Re: Bis ans Ende des Weges

Posted: Mon Sep 24, 2018 9:26 am
by Stillness
Und da ist Leben, das sich entfaltet ohne Zutun.

Meine Frage nun an dich:

Wurde die Ich-Illusion durchschaut? Wurde die Illusion von 'Ich' sowie 'Ich und mein Leben' zweifelsfrei gesehen?

~

Nur du kannst das wissen, daher antworte bitte 100% ehrlich. Die Antwort ist entweder ein klares 'Ja' oder es gibt noch Zweifel.

Wurde die Illusion durch die wiederkehrenden Einblicke 'verstanden', gibt es in der Regel noch Zweifel. Beim deutlichen Sehen gibt es keine mehr. Falls es also noch irgendwelche Zweifel gibt, ist das Sehen noch nicht ganz vollständig und wir können schauen, was noch nicht im Klaren ist. Wenn ein zweifelsfreies Sehen da ist, sollte sich die Perspektive deutlich verändert haben - damit meine ich nicht in erster Linie ein verändertes Gefühl, sondern eine deutlich andere Perspektive auf das Leben.

Von Herzen

Re: Bis ans Ende des Weges

Posted: Mon Sep 24, 2018 9:51 am
by CarolinaS
sondern eine deutlich andere Perspektive auf das Leben.
Da ist eine deutlich andere Perspektive auf das Leben. Ein Shift. Noch neu.
Was ich als zweifelnden Gedanken identifizieren würde, wäre lediglich:
"Kann "ich" diese Perspektive wieder verlieren?" oder "Bitte bleib so."
Und da ist das Sehen, dass das ein Gedanke ist, der gewohnheitsmäßig etwas adressieren möchte, von dem ich klar sehe, dass es nicht da ist. Einfach nur ein Gedanke, der im Hier auftaucht und wieder verschwindet.. Ohne Wiederhall.
Ich kann nicht wieder an den "Weihnachtsmann" glauben..
:-)

Herzensgruß zu dir

Re: Bis ans Ende des Weges

Posted: Mon Sep 24, 2018 10:13 am
by Stillness
:-) Das ging ja schnell. 'Zweifelsfrei' bezieht sich auf das Sehen der Illusion, nicht auf auftauchende Gedanken.

Hier daher nochmal die Frage:

Wurde die Illusion von 'Ich' sowie 'Ich und mein Leben' zweifelsfrei gesehen?

Oder sind da noch irgendwelche Zweifel daran, dass es kein Ich gibt und niemals gab.

Re: Bis ans Ende des Weges

Posted: Mon Sep 24, 2018 10:34 am
by CarolinaS
Oder sind da noch irgendwelche Zweifel daran, dass es kein Ich gibt und niemals gab.
Wenn du mich jetzt fragst, sage ich ganz klar:
Da ist kein Zweifel, dass es kein Ich gibt. Und niemals gab.
Aber lass mich das heute den Tag über nochmal beobachten.
Ich berichte heute Abend nochmal. :-)
Ich will nichts übersehen.

So vielen Dank!!!!!!!!!!!!!!

Re: Bis ans Ende des Weges

Posted: Mon Sep 24, 2018 12:37 pm
by Stillness
Prima, ich bin gespannt :-)

Re: Bis ans Ende des Weges

Posted: Mon Sep 24, 2018 10:42 pm
by CarolinaS
...Also:
:-)
Mein Tag war anders.
Keine Feuerwerke oder Erleuchtungswellen, aber:
Neu war, dass ich deutlich gesehen habe, wenn ein Gefühl auftauchte, das früher automatisch zu einem "Identitäts-Flash" geführt hätte, dass dieses Gefühl einfach gesehen wurde - frei von Identifikation .. so als könnte ich sehen, dass selbst im Identifizieren / im "Identitäts-Flash" kein "ich" ist. Ich habe in allen möglichen Situationen gesehen: egal was ist: kein "ich".
Was immer ich tue: kein "ich". Was immer mir begegnet: kein "ich". Wie auch immer ich reagiere: kein "ich". Wie sehr ich mich auch in einer Unterhaltung "verliere": kein "ich".
Das hat sich sehr "leicht und offen" angefühlt. Wie eine totale Erlaubnis an ALLES einfach da zu sein. Nichts ist ausgeschlossen. Und es ist nichts da, auf dem irgendetwas "landen" könnte. Etwas taucht auf wird "als ich-los erkannt" und "verdunstet".
Alles ist irgendwie weicher gewesen heute.
Ich erledigte alles ganz normal, war sogar zwischendurch mal in Eile, aber dieses Pflichtbewusstsein / Verantwortungsgefühl ist im Inneren nicht mehr da. Alles geschieht wie es geschieht.. ohne getrenntes "ich".
Ein Gefühl von Freiheit wird empfunden, das jenseits von äußeren "guten oder schlechten" Erfahrungen liegt.

Nur der Gedanke "Lass mich das nie mehr verlieren" taucht, wie heute morgen schon erwähnt, irgendwo in mir auf..
"Das will ich vertiefen."
"Das ist es, was ich wirklich will, wonach ich immer gesucht habe.."


Kann "ich" etwas bestimmtes "tun", um es weiter zu vertiefen?

Wieder: Danke an dich, Stillness.

Love C.

Re: Bis ans Ende des Weges

Posted: Tue Sep 25, 2018 7:29 am
by CarolinaS
PS:
Ich bemerke: morgens nach dem Aufwachen erscheint es wie eine Wahl:
Falle ich in den "alten Modus" zurück oder bleibe ich wach in meinem Sehen..
Wenn etwas auftaucht, das als körperliche / gesundheitliche "Bedrohung" empfunden wird, dann scheine ich in der Angst um mein "Instrument" (=>Identifikation als Sängerin) nicht mehr so klar zu sein wie gestern in all den durchaus turbulenten Alltagssituationen.
Heute morgen kommt es mir so vor, als würde meine "Erkenntnis" auch wieder verblassen können..

Re: Bis ans Ende des Weges

Posted: Tue Sep 25, 2018 8:24 am
by Stillness
Nur der Gedanke "Lass mich das nie mehr verlieren" taucht, wie heute morgen schon erwähnt, irgendwo in mir auf..
Was gibt es zu verlieren?

Das Ich ist eine Illusion, es war nie da. Du sagst, dass das ohne Zweifel erkannt wurde. Kann diese Erkenntnis verloren werden?

Jeder Zustand ist frei von Ich...das siehst du ebenfalls.

Also - was ist dann zu verlieren?

Und wer könnte etwas verlieren?
"Das ist es, was ich wirklich will, wonach ich immer gesucht habe.."
Wonach hast du gesucht? Nach einem Zustand oder einem Gefühl (z.B. von Freiheit oder Frieden)? Das alles wird vorübergehen, so wie alle Zustände und Gefühle.

Wer hat etwas gefunden? Und was?

Re: Bis ans Ende des Weges

Posted: Tue Sep 25, 2018 8:31 am
by Stillness
Falle ich in den "alten Modus" zurück oder bleibe ich wach in meinem Sehen..
Was bedeutet dieses "wach in deinem Sehen" bleiben?

Musst du wach bleiben im Sehen, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt?