Postby Ghata » Sat Mar 05, 2016 9:35 pm
FB-Chat vom 5.3.2016:
Lucas:
Hallo Ghata,
ich bin Lucas aus LU, habe hier einen anderen Namen, nicht um zu verwirren, sondern weil mir Lucas nicht mehr so gefiel... Passt es bei dir noch jetzt??
LG
Lucas
G.
Ja, es passt. Ich dachte du hättest meine Nachricht nicht bekommen.
Wollen wir direkt loslegen?
L.
Ah, hallo. Ja, gern. Ich hab gerade noch gesucht, wie man den Chat startet... Also, wie fangen wir an?
Zunächst wollte ich noch DANKE sagen, dass du dir die Zeit dafür nimmst!
G.
Sehr gerne, Lucas „smile“-Emoticon! Wollen wir mal sehen, was da für Hindernisse im Weg liegen. Der Chat ist schon gestartet. Ich habe den Eindruck, dass es hauptsächlich zwei Sachen sind. Die eine ist deine Vorstellung von dem, was geschieht, wenn die Illusion durchschaut wird. Du hast das mit dem Sterben des Ichs geschrieben. Was meinst du, wie sich das anfühlen wird, Das Tor zu passieren.
L.
Es ist natürlich eine Vorstellung... Ich hatte immer gedacht, dass das Tun mehr aus dem Sein heraus geschieht, und weniger - wie bisher -, dass "ich" es mache. Es ist die Erwartung da, dass die Dinge nicht mehr so kompliziert sind, da die verschiedenen - sich ja oft widersprechenden - Anteile des ichs durchschaut werden...
G.
Ok. Du hast ja bestimmt schon andere Diskussionen gelesen. Was ist dein Eindruck aus den Schilderungen?
L.
Andere Erwachte beschreiben es schon so, dass sie nicht den Eindruck haben, dass ein ich handelt.
Was ich auch immer gedacht habe, ist dass eben jederzeit klar ist, dass es dieses ich nicht gibt. Bisher ist es so, dass ich zwar nachsehen kann (und auch nichts finde), dass es aber im täglichen Tun dann doch so ist, dass "ich" es zu machen scheine und die Verantwortung trage.
G.
Das heißt, du verstehst intellektuell, dass es kein Ich gibt und findest auch keins, aber irgendwie kommt diese Erkenntnis nicht in deinem Wesen an.
L.
Ja, so könnte man es beschreiben.
G.
Also wird etwas den Weg blockieren. Meistens sind das entweder Erwartungen oder Ängste. Hast du eine Idee?
L.
Es sind zwar Erwartungen da, aber ich glaube, dass die relativ offen sind. Was die Ängst angeht: Es ist so, dass ich seit langer Zeit ziemlich lästige körperliche Symptome habe. Irgendwie habe ich mir immer eingeredet, dass Erwachen daran etwas ändern könnte, da die Ursache vielleicht eben im Leben in der Illusion zu finden ist. Und sollte das nicht so sein, dann wäre es ein Enttäuschung. Vielleicht habe ich Angst davor... Wobe es möglicherweise nach dem Erwachen gar nicht mehr so schlimm ist, weil dann die Identifikation wegfällt, d.h. es niemanden mehr gibt, der leidet.
G.
Bitte drücke zwischendurch mal enter, sonst wird es so schwierig zu lesen.
L.
Ok, mach ich.
Bin ziemlich unerfahren mit Chats „wink“-Emoticon
G.
Kein Problem. Bei mir wurde angezeigt, dass du schon eine Weile schreibst.
L.
Ach so, das wusste ich nicht, dass man das sieht, ich dachte du würdest schreiben... Was ich inzwischen schrieb ist dies:
Ah, noch etwas... Eine weitere Angst ist immer, dass dieser Körper-Geist-Mechanismus nach dem Erwachen nicht mehr so funktionieren könnte wie zuvor, dass ich den Verantwortungen (bin Familienvater) nicht mehr gerecht werde oder ähnliches.
Das ist natürlich Quatsch, da das ich ja auch bisher nicht der Handelnde war, aber das wirklich zu VERSTEHEN, ist eben noch etwas anderes.
G.
Ich fange mal mit dem letzten an. In vielen Schulen wird ja davon gesprochen, dass das Ich stirbt. - Das überbenutzte Beispiel des Weihnachtsmannes ist da sehr treffend. Wenn ein Kind herausfindet, dass es den Weihnachtsmann nicht wirklich gibt, ist der Weihnachtsmann auch nicht gestorben oder umgebracht worden. Das Kind hat einfach gesehen, hei, das ist ja Onkel Sebastian, ich habe seine Schuhe und sein Auto erkannt. Durch das Durchschauen der Ich-Illusion ändert sich nicht an den Fähigkeiten. Es ändert sich etwas am Blickwinkel auf das Leben.
L.
Ja, das ist mir intellektuell schon klar. Aber es sackt noch nicht ganz bis nach unten durch.
Und mit den Symptomen - kam gerade der Gedanke, dass es vielleicht auch Angst macht, diese eben nicht mehr zu haben und dann ganz anders wieder raus in "die Welt" gehen zu können...
G.
gehen zu müssen?
L.
... du denkst ich glaube, dass ich es MUSS??
G.
Wenn du vielleicht Angst davor hast, ist es vermutlich nicht freiwillig.
L.
Hm. Es ist nicht so, dass ich nicht gern wieder mehr raus in die Welt gehen würde, aber vielleicht ist da auch der Aspekt, dass ich Geld verdienen muss. Bin gerade Hausmann und mit den Kindern zuhause, das Geld reicht aber nicht...
G.
Fühle mal in dich hinein. Sieh dich wieder zur Arbeit gehen. Welche Gefühle kommen hoch, welche Gedanken?
L.
Das Problem ist, dass ich Musiker bin und daher meist zuhause. Und da hier immer Kinder und Haushalt auf einen warten, ist das Gefühl, was hochkommt, Überforderung.
Denn so lange ich versucht habe, beides unter einen Hut zu bringen, war es nur Stress. Vor einigen Monaten hab ich dann gesagt, es geht nicht. Zu lange habe ich auch erfolglos versucht mit der Musik Geld zu verdienen, ist wirklich schwierig. Und es war irgendwie das Gefühl da, dass es jetzt langsam reicht mit dem Suchen. Also ist der Fokus gerade auf Erwachen - und DANN erst sehen wie es weiter geht...
G.
ok
L.
Ich kann gerade auch nichts anderes machen, als nach dem ich zu suchen. Es ist keine Freude an anderen Sachen da. Mann könnte natürlich sagen: Ja, Burnout. Aber ich denke, dass ist es nicht. Es reicht einfach mit dem ewigen Suchen!
G.
Gut. Dann lass uns die Hindernisse aus dem Weg räumen. Was wäre, wenn die Suche zu Ende wäre. (Das ist das Zeichen, das das Tor passiert ist).
L.
Das kann ich irgendwie nicht glauben... Wollte zuerst schreiben: Guter Trick „smile“-Emoticon
G.
Stelle dir jetzt wirklich vor, die Suche wäre zu Ende. Wie würde dein Leben ohne die Suche und ohne die Identität als Sucher weitergehen?
L.
Also, wenn ich sicher bin, dass das ich wirklich nicht mehr da ist, würde ich das Buch überarbeiten, das ich vor 20 Jahren angefangen habe. Ich würde Meetings anbieten, um anderen zu helfen, auch aufzuwachen. Und das Ganze vielleicht kombinieren mit Musik.
G.
Was machst du für Musik?
L.
Bin Liedermacher.
G.
Ah. Gut. Also das wäre sozusagen deine Geschäftsidee ß
?
Du hast auch die Hoffnung, dass deine Symptome sich verringern würden oder du nicht mehr leidest, weil es kein du mehr gibt.
L.
Ja, die Musik, aber auch Meetings machen, Bücher schreiben. Zur Zeit läuft auch ein Online-Kongress zum Thema Erwachen. So etwas vielleicht organisieren.
Bei der Musik ging es mir in letzter Zeit nur immer so, dass ich dachte: Sch... jetzt singe ich diese ganzen sprirituellen Songs und FÜHLE es aber gar nicht wirklich. So geht es nicht, ich möchte SICHER wissen, dass es kein ich gibt...
Ja, das mit den Symptomen wird schon gehofft. Es wäre aber auch schon gut, wenn es gelingen würde, die Dinge so anzunehmen wie sie gerade sind.
G.
Alles, ALLES, wird nach dem Tor genauso gefühlt wie vor dem Tor. Auch hier liegt der Unterschied im Blickwinkel darauf.
die dinge so anzunehmen, wie sie sind - also alle Wahrnehmungen einfach da sein zu lassen, dazu ist das Tor ein wichtiger Schritt.
L.
Also Ursache des Gefühls ist doch der Gedanke, dass "ich" eben noch nicht erwacht bin. Du meinst also, dass nur der Gedanke wegfallen müsste?
Aber ist dann automatisch das WISSEN da, dass Erwachen oder das Passieren des Tors geschehen ist??
Ich glaube, das ist eine Hauptfrage, die ich habe: WAS bringt mich dahin, dass ich mit der gleichen Überzeugung wie andere Erwachte sagen, kann: ich hab's erkannt!
Dazu reicht es doch nicht, nur den Gedanken, nicht erwacht zu sein wegzulassen...?
G.
<Also Ursache des Gefühls ist doch der Gedanke, dass "ich" eben noch nicht erwacht bin. > Das habe ich nicht ganz verstanden. Der Gedanke muss nicht wegfallen. Die Erfahrung, dass es das Ich nur als Gedanke gibt, wird vollständig gesehen und erfasst, vom ganzen Wesen. Es ist nichts Schweres. Ich gebe dir Übungen und/oder Fragen und schaust in deinem direkten Erleben nach dem Antworten. Wann genau "der Groschen fällt", kann niemand vorhersagen, du brauchst also nicht immerzu darauf zu warten. Wenn er fällt, wirst du es sofort wissen.
L.
Ja, das habe ich befürchtet „wink“-Emoticon
G.
*Lach, was?
L.
Dass niemand vorhersagen kann, wann der Groschen fällt. Es wird halt gehofft, dass der bald mal in den Gully fällt...
Was machen wir jetzt? Weiter bei LU schauen und Tee trinken? Oder hast du noch eine Idee?
G.
Ich höre dich. Ich habe 40 J. gesucht und weiß, wovon du redest. Kannst du trotzdem einfach die Übungen machen, gewissermaßen mit ihnen spielen? Es ist ein bisschen wie in der Musik. Spielen, den Klängen lauschen, hören, fühlen ...
Nein, wir trinken jetzt keinen Tee. Spüre noch einmal in dich hinein. Gibt es noch etwas, was dem Nachschauen im Weg stehen könnte?
L.
Nein, ich kann nichts finden. Es sind Wahrnehmungen da, sonst nichts - oder besser gesagt Wahrnehmen.
Ich versuche, die Übungen spielerischer zu sehen.
G.
Gut. Es ist eigentlich eine sehr spannende Untersuchung. Genieße sie. Ok, dann machen wir im Forum weiter. Wäre es dir möglich, jeden Tag zu schreiben? Es ist wirklich wichtig.
L.
Gut, das mache ich.
Ich danke dir ganz herzlich, dass du diesen Chat mit mir gemacht hast!!! Für mich ist chatten noch sehr ungewohnt, es ist leicht, Dinge falsch zu verstehen.
Wünsche dir einen entspannten, wunderbaren Rest-Samstagabend „smile“-Emoticon
G.
Ich danke dir. Wärest du damit einverstanden, dass ich diesen Chat als Teil des Gespräches im Forum poste? Ich würde deinen Webseitenlink rausnehmen.
L.
Ja, gern. Das ist eine gute Idee. Hatte gerade überlegt, wie das speichern kann.
G.
Kannst du jeden Tag im Forum schreiben?
L.
Ok. Bisher war ich nicht sicher, ob man es so machen soll. Bei einigen Fragen/Hinweisen habe ich auch einfach länger benötigt, da ich tagsüber einfach nie die Zeit hatte, mich intensiv damit auseinander zu setzen, sondern immer nur quasi die ganze Zeit nebenbei.
G.
Ich achte darauf, die Übungen kurz zu halten. Schreibe einfach einmal am Tag, was du bis dahin rausgefunden hast. Wenn es nicht vollständig ist, ist es nicht so schlimm. Die Kontinuität hilft sehr viel.
L.
Alles klar. Danke!
G.
Dann bis morgen im Forum.
Ich danke dir für deine Offenheit. Es hat mir Freude gemacht mit dir zu chatten. Dieses Gespräch bleibt übrigens auf Facebook bestehen, du kannst es jederzeit auch hier nachlesen.
L.
Ok.
G.
Tschüß bis morgen „smile“-Emoticon
L.
Tschüß!