Ist "Abstand" mehr als ein gedanklicher Schluss über etwas Wahrgenommenes?
Ich finde es nicht raus. Die Vorgänge sind zu schnell. :-(
Aber der Reihe nach.
Von der Logik ist mir klar, dass der räumliche Eindruck im Sehen eine gedankliche Bearbeitung des Gesehenen sein muss.
Ich habe verschiedene Dinge probiert, um der gedanklichen Bearbeitung auf die Schliche zu kommen.
- Mit einem Auge ist der räumliche Eindruck weg. Mit zwei Augen ist er da. Und zwar sofort, ohne Übergangszeit.
- Kurz blinzeln. Auch hier ist der räumliche Eindruck sofort da.
- Taucht plötzlich ein Hindernis vor dem Kopf auf z.B. ein Ast beim Waldspaziergang, dann reagiert der Körper reflexartig mit wegtauchen oder Armheben. Was wiedrum ein Hinweis darauf ist, dass das Erkennen eines nahen Gegenstandes blitzschnell geht.
- Neben dem Fernseher steht eine große Pflanze. Ein Baum im Fernseher hat keinen Tiefeneindruck. Ein Blick auf die Pflanze vermittelt den Eindruck von Tiefe bzw. 3-D.
- Ein Trinkglas angeschaut. Mir ist mal zufällig aufgefallen, dass der hintere Rand so erschien als wäre er vorne. Das lag an der Transparenz des Glases. Hab dann eine Weile damit experimentiert. Teilweise konnte das Glas auch 2-D gesehen werden. Das war das erste Erleben einer gedanklichen Bearbeitung des Gesehenen.
- Mir ist was Ähnliches wie mit der Wespe passiert, wo ich die gedankliche Bearbeitung des Sehens erlebt habe. Irgendein Insekt flog in Richtung der "Augen", der Körper zuckte zurück. Einen Augenblick später wurde klar, dass das Insekt weiter weg war als "gedacht". Das lag an der Fehlfokussierung der Augen. Dadurch bekam das Gehirn eine falsche Entfernungsinformation.
- Dann gab es noch einen Effekt, der mir auffiel. Als ich nach einigen Übungen aufstand und ein paar Schritte ging, kam ich mir ungewohnt groß vor. Als mir das auffiel schrumpfte ich unter Normalgröße. Bis es dann wieder Normalmaß annahm.
Kannst du zB die Tausende von Lichtjahren, die zwischen zwei benachbarten Sternen am Nachthimmel liegen, wahrnehmen?
Nein. Auch der Mond erscheint flach und ohne Tiefe.
Gab es mit Verananda nicht die Übung mit der Tassenöffnung rund/elliptisch?
Ja gab es. Bei der Tasse kann ich aber nicht das erleben wie beim Glas. Die Öffnung erscheint zwar elliptisch, aber eben mit Tiefe.
Aber was sagt, dass die Dinge hintereinander angeordnet sind?
Genau das - die gedanklich Bearbeitung des Sehens, wie geschildert - erkenne ich nicht "ausreichend" gut.
Ist das im reinen Sehen, im "Farbeindruck" vorhanden?
In "meinem" reinen Sehen ist eben auch der 3-D-Effekt mit drin.
Im reinen Sehen, gibt es da eine Information über einen "Ort" oder einen "Ursprung"?
Allgemein nicht. Bei mir schon.
Ist da ein "Sehender" und das "Gesehene" - oder einfach "Sehen"?
Einen Sehenden finde ich nicht. Keiner da, der Sehen macht. Sehen ist einfach da. Allerdings ist im Sehen außer Farben eben der 3-D-Effekt.
Wird "Wespe nähert sich" wahrgenommen?
Wespe zunächst nicht. Soweit kann ich das wahrnehmen. Aber eben ein Etwas was nahe an den "Augen" ist.
Wird wirklich Ursprung oder Abstand wahrgenommen oder sind das nicht Gedanken über etwas Wahrgenommenes?
Wie schon geschrieben. Da wo ich am deutlichsten die gedankliche Bearbeitung des Sehens wahrgenommen habe ist bei der Übung mit dem Glas.
Stell dir ein kleines Kind in der Situation vor....
Wie schon geschrieben. Ich weiß ja, dass das Sehen gedanklich bearbeitet wird. Aber eine Schlussfolgerung bringt mich nicht weiter. Ich muss es wahrnehmen..
Das ganze experimentieren hat etwas die "Starrheit" des Körpergefühles aufgeweicht und damit die "Starrheit" des Subjektgefühles.
Der Vergleich mit der Fata Morgana ist nur ein blasser Abklatsch der wirklichen Verhältnisse. Das Wissen um die Wirklichkeit eines Teilaspektes des Wahrgenommenen - hier die Fata Morgana - macht nicht wirklich was aus. Da alles Fata Morgana ist, kommt Klarheit erst wenn die Wahrnehmung bzw. die gedankliche Bearbeitung der Sinneseindrücke sich ändert.
Ich hoffe du wirst aus dem ganzen schlau. :-)