Hallo Kalle,
Jeden Morgen, direkt nach dem Aufwachen - ist da unmittelbar die Überzeugung da, ein getrenntes Ich zu sein?
Wenn du ein Tier beobachtest, ein spannendes Buch liest, eine Dusche genießt - ist da ein abgetrenntes Ich?
Wie entsteht die Illusion der Abgetrenntheit immer wieder?
Nein. Sie ist nicht immer da. Ich glaube, sobald ich mich mit dem, was erfahren wird, identifiziere.
Bitte etwas genauer.....:
"Mein Erleben.." - wer ist denn für das Erleben verantwortlich?
Und für die Gedanken darüber?
Es geschieht. Das Erleben und die Gedanken. Da ist gerade der Gedanke, dass „ich“ gerne wüsste, wer dafür verantwortlich ist und entscheidet und was der freie Wille ist, wenn alles einfach geschieht. Ohne „Ich“...
"mein Leben" - Wem gehört es? konntest du die Eltern aussuchen? warst du verantwortlich für die Zeugung, für das Überstehen der vielen Unwägbarkeiten in der Schwangerschaft?
Ist jemals ein unabhängig agierendes "Ich" aufgetaucht, dem das Leben gehört??
"das Leid in mir" - ist das wahr? Kannst du mir "Das Leid" mal zeigen? Was genau wird erfahren?
Das Leben gehört vermutlich sich selbst. Und ja, etwas in mir glaubt, dass „ich“ mir meine Eltern ausgesucht habe, aus einem bestimmten Grund.
Zeugung und Schwangerschaft scheinen einerseits große, übergeordnete Vorgänge zu sein. Gleichzeitig ist in meinem Denken die Auffassung, dass die Seele sich alles, was sie erlebt, aussucht oder dem zumindest zustimmt. Insofern existiert, auch in meiner Wahrnehmung, definitiv etwas Individuelles, jeder Mensch hat eigene Gaben und Herausforderungen. Die Seele und das als „Ich“ bezeichnete sind verschiedene Dinge. Die Seele kann ich teilweise wahrnehmen, wenn ich mich darauf fokussiere, etwas, dass in meinen Gedanken als „Ich“ spricht, und sich getrennt von allem glaubt, unabhängig agiert, wie du es nennst, nehme ich jedoch nicht wahr.
Das Leid ist der Glaube an Trennung. Ich nehme es nicht wahr, das Leid, doch etwas in mir erlebt immer wieder Leid. „Ich“ weiß, dass „ich“ nicht dieses Leid bin. Doch es ist „mir“ nicht immer bewusst. Und wenn es mir nicht bewusst ist und ich die „Geschichte“ glaube, leide ich. Mit Leid ist das Gefühl von Schmerz gemeint.
Ich bemühe mich, das Ganze wirklich zu verstehen, zu verinnerlichen. Doch immer wieder entgleitet es mir.
Wie ist das eigentlich für dich? Bist „du“ allmählich genervt, weil mein Prozess sich so hinzieht oder geht es noch? ...
Manchmal denke ich, ein, zwei Gespräche würden vielleicht schneller zu einem Erkennen führen, auch wenn das Schreiben natürlich seine Vorteile hat... Wie auch immer.
DANKE und liebe Grüße!
Jeanne