Lieber Daniel,
Ich versuche mal auf der Sachebene zu antworten, denn ich weiß noch immer nicht so genau, wie ich deine Mail einschätzen kann, denn es wirkt auf mich so, als seist Du entnervt von dem, was ich schreibe. Und ich habe mich von Dir unverstanden gefühlt. Aber Worte werden ja immer gedeutet und können falsch gedeutet werden.... Sie haben mich auf jeden Fall irritiert und ich wusste einfach nicht, was und wie ich antworten sollte. Ich höre immer eine Stimme, wenn ich deine Sätze lese und sie klang ärgerlich, so als ob man mit einem kleinen Kind spricht, dass sich ungeschickt anstellt. Ich mochte diese Stimme nicht. Die löst in mir Ärger und Rebellion aus. Das musste ich erst für mich klar haben und herausfinden wohin das gehört, damit Du das nicht ungefiltert abkriegst, denn Ich schätze Dich sehr und habe mich voller Vertauen geöffnet.
Gib mir ein Beispiel, WAS willentlich kontrolliert wird.
Schau nach.
Nun Nichts. Hab nur ein Konzept wiedergegeben. Es gibt nichts, was willentlich kontrolliert wird, das ist klar. Es wirkt zwar manchmal so, aber es sind Entscheidungen, die automatisch, der Konditionierung entsprechend ablaufen oder es sind Impulse aus dem Bewusstsein, die im Nachhinein einem Ich zugeordnet werden, das ein Gedankenkonstrukt ist.
Hast Du immer noch eine Erwartung, wie es zu sein hat?
Ich habe nicht eine Erwartung WIE es zu sein hat, Ich möchte nur sicher gehen, dass es keine Täuschung ist oder nur ein kognitives Erkennen. Ich hätte gerne die Gewissheit, dass die Ich-Illusion wirklich durchschaut ist.
Es klingt alles nach einem ‚Abgleichen‘ von Vorstellungen.
Ich habe nur versucht auf Deine Frage zu antworten:
Berichte doch mal, was ist anders als vor unserem Dialog? Was hat sich verändert? Wie ist das Erleben im Alltag?
Im Eingangsstatement schriebst Du, dass sich das Leid auflösen solle, von einem erfülltem Leben in Verbundenheit, Lebendigkeit und Liebe. Vertrauen zu wählen, statt Angst.
Gemeint ist das Leid, das durch die Ich-Trennung verursacht wird. Alles andere bezieht sich auch darauf. Liebe ist für mich eine universelle Kraft und gleichbedeutend mit dem unpersönlichen Bewusstsein als Ursprung allen Seins. Es war in einer meditativen Erfahrung direkt erfahrbar, und wenn die Ich-Illusion durchschaut ist, wird erkannt, dass es immer als Urgrund da ist. Bewusstsein muss nicht erreicht werden, sondern ist da.
Du untersuchst vielleicht, um dahin zu gelangen, ‚um zu‘....
ICH untersuche um zu erkennen, dass ich bereits frei bin, weil es dieses Ich nicht gibt.
Diese Vorstellungen stehen im Wege, liebe Dagmar.
Hilf mir zu erkennen, wie ICH MIR im Wege stehe.
Es gibt keine ‚bessere‘ Welt nach dem Erkennen.[/quote]
Ich habe nicht die Vorstellung, dass die Welt besser wird, sondern dass sich der Blick verändert auf die Welt.
Ich habe erkannt, dass es kein autonomes Ich gibt, außer als gedankliches Konzept. Ich habe erkannt, dass es keine Kontrolle gibt über den Körper, die Sinne, die Gedanken und über das, was geschieht. Ich habe keine Kontrolle über das Leben. Alles geschieht im Bewusstsein und aus dem Bewusstsein heraus. Es ist nicht mein Bewusstsein und nichts geschieht einem Ich oder Mir. Es wird nur durch Gedanken einem Ich zugeordnet. Dieses Ichkonzept bekommt noch ein Gefühl von Beständigkeit durch die Identifikation mit dem Körper als Meiner. Ich habe erkannt, dass die Konditionierungen noch immer wirksam sind, dass die ganze Gefühlspallette noch immer vorhanden ist und die gewohnten Gedankenmuster sowie Vorlieben und Abneigungen, nur dass sie niemanden gehören. Das ist aber nicht immer eine Erfahrungsgewissheit. Die alte Seh/Ichgewohnheit ist immer wieder wirksam. So als ob es vergessen würde. "Ich" würde mir wünschen, dass ich immer aus dieser Gewissheit heraus sein könnte, auch in herausfordernden Lebenssituationen.
Liebe Grüße Dagmar