Page 6 of 11

Re: Wohin?

Posted: Wed Mar 22, 2017 11:25 pm
by Milkyway
Hallo Truthcounts,

prima, bin jetzt auch durch mit allem, was wir geschrieben haben.

Hier meine Bilanz:

Ich habe die Ich-Illusion in sofern durchschaut, dass ich in vielen Situationen genau hinschauen kann und entdecke, dass Gedanken eine Verbindung aus Gefühlen, Erinnerungen und Bildern "ich" nennen und dass da einfach nicht mehr dahintersteckt. Kein wahres Ich, keine Berufung, kein tieferer Sinn, kein höheres Bewusstsein oder irgendeine andere Bedeutung...

Etwas genauer ausgeführt, entlang Deiner Fragen:
Was hat sich gegenüber Deiner Ankunft hier im Forum bei Dir verändert[?]
- Ich habe gelernt, dass meine Gedanken nicht die ganze Welt ausmachen, dass es noch viel mehr gibt.
- Wenn ich an mich denke, merke ich sehr schnell, dass es das, was ich bisher mit "ich" meinte, gar nicht gibt. Meistens ist dann da ein Gefühl und ein Gedanke, der sich auf das Gefühl bezieht, woraus der Eindruck entsteht, dass hätte mit einem Ich zu tun oder sonst eine größere Bedeutung. Dabei wird erkannt, dass das nicht wahr ist. Erfahrungen von Gedanken, Gefühlen, Sehen und Hören sind da, mal ist das eine mehr im Vordergrund, dann das andere. Oft werden sie zu einem Ich gebildet, aber auch sehr oft fällt auf, dass es das Ich nicht gibt. Gedanken nennen Ansammlungen von Gefühlen, Bildern, Erinnerungen und Vorstellungen "Ich" und oft verfalle ich dem auch noch.
- Ich beginne zu merken, wie grundlegend das sein kann. Heute hatte ich ein Erlebnis, wo unklar war, ob ich Gabriel oder Gabriels Sohn bin. Da waren hauptsächlich Gefühle, Gedanken und Menschen und die Gedanken und Gefühle gehörten zu keinem der beiden Menschen, sie waren einfach da. Und irgendwo dabei auch der Eindruck eher Gabriels Sohn zu sein...
was ist geblieben?
- Eine grundlegende Traurigkeit.
- Ziemlich viele Gedanken, denen oft auch noch wie früher in Form eines Ichs gefolgt wird.
- Ansonsten ist alles andere einfach so da, wie schon immer, nur irgendwie grundlegender, realer, näher und echter.

Heute ging mit durch den Kopf, dass die Fluchtmöglichkeiten weggefallen sind. Jetzt bin ich hier (mit ich meine ich die Erfahrungen des Sehens, der Gedanken, usw.) und kann nicht mehr raus in Phantasien, wie zum Beispiel darüber, was ich eines Tages tolles sein werde oder eigentlich schon bin oder so.
Fehlt noch etwas?
- Immer weniger... Heute ging mir kurz durch den Kopf, dass ich auch einfach aufhören könnte, etwas zu suchen, wenn ich so deutlich gemerkt habe, dass da nichts ist.
- Das Gefühl, angekommen zu sein. Vielleicht habe ich hier auch falsche Erwartungen.
- Dem Ich nicht mehr zu verfallen. Vielleicht auch falsche Erwartungen.
- Über eine Sache aus unserer Konversation bin ich noch gestolpert: Du hast mal geschrieben: "Gibt es überhaupt etwas anderes als Information? Gibt es tatsächliche Objekte, oder hast Du nur Zugang zu Information über scheinbare Objekte?"
Ich weiß nicht wirklich, was damit gemeint ist. Ich würde sagen, dass man nur Zugang über die Erfahrung auf Objekte hat. Anfassen, Ansehen, Hören, Gedanken... Das ist das, was da ist. Meintest Du noch etwas anderes damit?

Liebe Grüße
Gabriel

Re: Wohin?

Posted: Thu Mar 23, 2017 12:11 pm
by Truthcounts
Hallo Gabriel,

das ist doch ein gute Bilanz.
Über eine Sache aus unserer Konversation bin ich noch gestolpert: Du hast mal geschrieben: "Gibt es überhaupt etwas anderes als Information? Gibt es tatsächliche Objekte, oder hast Du nur Zugang zu Information über scheinbare Objekte?"
Ich weiß nicht wirklich, was damit gemeint ist. Ich würde sagen, dass man nur Zugang über die Erfahrung auf Objekte hat. Anfassen, Ansehen, Hören, Gedanken... Das ist das, was da ist. Meintest Du noch etwas anderes damit?
Was ich damit meinte, ist, dass - wenn es schon keinen Seher als Objekthaftes gibt - es dann auch naheliegt, dass es auch nichts Gesehenes als Materie gibt - jedenfalls können wir darüber nichts gegenteiliges sagen, da wir stets nur Zugang zur direkten Erfahrung haben, aber nie unmittelbar zu einem scheinbaren Objekt. Dann gibt es nur Sehen von Form und Farbe, das als Objekt gedeutet wird über das Denken, dass die Sinnesinformationen zu einem Konzept verarbeitet.

Ziemlich viele Gedanken, denen oft auch noch wie früher in Form eines Ichs gefolgt wird.
Klar, die Maschine läuft erst mal weiter. Aber hier steht im Vordergrund, den Gedankeninhalt als Illusion zu durchschauen und die Aufmerksamkeit auf die direkte Erfahrung zu richten. Dann wird es mit der Zeit automatisch ruhiger und die direkte Erfahrung auch tiefer.

eine grundlegende Traurigkeit
Hier stellt sich die Frage, ob sie bleibt, weil jemand dagegen ankämpfen will, sie nicht haben will, ihr entkommen will. Schau in der direkten Erfahrung, ob es in Wirklichkeit jemanden gibt, der unter der Traurigkeit leidet und vor ihr geschützt werden müsste.

Truthcounts

Re: Wohin?

Posted: Thu Mar 23, 2017 11:16 pm
by Milkyway
Hallo Truthcounts,
Was ich damit meinte, ist, dass - wenn es schon keinen Seher als Objekthaftes gibt - es dann auch naheliegt, dass es auch nichts Gesehenes als Materie gibt - jedenfalls können wir darüber nichts gegenteiliges sagen, da wir stets nur Zugang zur direkten Erfahrung haben, aber nie unmittelbar zu einem scheinbaren Objekt. Dann gibt es nur Sehen von Form und Farbe, das als Objekt gedeutet wird über das Denken, dass die Sinnesinformationen zu einem Konzept verarbeitet.
Danke, so hatte ich es vermutet. War erst etwas komisch, weil ich eigentlich bis vor Kurzem noch die Hoffnung hatte, "wahre Objekte" zu entdecken.
Klar, die Maschine läuft erst mal weiter. Aber hier steht im Vordergrund, den Gedankeninhalt als Illusion zu durchschauen und die Aufmerksamkeit auf die direkte Erfahrung zu richten. Dann wird es mit der Zeit automatisch ruhiger und die direkte Erfahrung auch tiefer.
Das macht Sinn für mich. Mein heutiger Tag hat mir das auch genau so gezeigt. Gibt es denn weiterhin äußere Erlebnisse, die große Unruhe bringen können, wenn einem irgendwelche blöde Sachen widerfahren?
Hier stellt sich die Frage, ob sie bleibt, weil jemand dagegen ankämpfen will, sie nicht haben will, ihr entkommen will. Schau in der direkten Erfahrung, ob es in Wirklichkeit jemanden gibt, der unter der Traurigkeit leidet und vor ihr geschützt werden müsste.
Stimmt, da ist niemand, der sich in irgendeinerweise mit der Traurigkeit beschäftigen müsste :).
Hat sich auch heute im Lauf des Tages schon geklärt: Die Traurigkeit bleibt nicht. Irgendwann habe ich bemerkt, dass es nur ein Gefühl ist und mit niemandem etwas zu tun hat. Das Ankämpfen ist sehr viel weniger geworden. Ist ja auch kein Wunder. Wer soll da noch mit wem kämpfen? Es läuft immer mehr ins Leere.

Für mich bleibt die Frage, ob/wie wir weitermachen. Wie weit geht hier die Begleitung? Ich habe die Ich-Illusion erkannt und verstanden, aber ich habe das Ich nicht völlig hinter mir gelassen. Es gibt noch einiges zu entdecken, ich habe auch das Gefühl, noch nicht am Ende zu sein und wäre auch froh, wenn ich dabei nicht alleine sein muss.

Bin gespannt, liebe Grüße
Gabriel

Re: Wohin?

Posted: Fri Mar 24, 2017 9:29 am
by Truthcounts
Lieber Gabriel,
Gibt es denn weiterhin äußere Erlebnisse, die große Unruhe bringen können, wenn einem irgendwelche blöde Sachen widerfahren?
Alte Gewohnheiten können noch nachwirken. So wie Du Dich sanft und stetig vorgearbeitet hast, dürfte es aber mit einer entspechenden Vertiefung weitergehen. Wenn das Nervensystem mal überreizt wird, ist der Fluchtreflex in die Ich-Illusion natürlich am größten, aber sobald Du das bemerkst, ist der Reality-Check Deine Rückfahrkarte. Lass ihn zur neuen Gewohnheit werden. Das muss nicht damit beginnen, in direkter Erfahrung nach einem Ich zu suchen, sondern kann in akuten Fällen erst mal überhaupt auf die direkte Erfahrung gehen und die Aufmerksamkeit darauf zu richten, was über die Sinne im hier und jetzt gerade tatsächlich wahrgenommen wird. Das beruhigt dann schon.
Für mich bleibt die Frage, ob/wie wir weitermachen. Wie weit geht hier die Begleitung? Ich habe die Ich-Illusion erkannt und verstanden, aber ich habe das Ich nicht völlig hinter mir gelassen. Es gibt noch einiges zu entdecken, ich habe auch das Gefühl, noch nicht am Ende zu sein und wäre auch froh, wenn ich dabei nicht alleine sein muss.
Die Begleitung hier endet mit Abschlussfragen, wenn Du sicher bist, dass die Ich-Illusion durchschaut ist, was schnell vorübergehende Rückfälle nicht ausschließt. Es ist ja wie beim Spielfilmgucken - da verliert man sich auch schon mal, aber dann doch nicht so, dass man versucht, in die Leinwand zu steigen. Deine Antworten auf die Abschlussfragen werden auch von anderen Guides dann noch gesichtet und ggf. weitere Fragen gestellt. Falls keine weiteren Fragen mehr bestehen oder befriedigend beantwortet sind, wirst Du in die geschlossenen Facebook Gruppen eingeladen, wo man die ganze Community der Crasher in Anspruch nehmen kann oder sich auch nochmal gezielt zu einzelnen Aspekten weiterhelfen lassen kann. Da bist Du dann nicht mehr auf mich alleine angewiesen und kannst von dem gesamten Feld profitieren.

Bist Du bereit für die Abschlussfragen?

Truthcounts

Re: Wohin?

Posted: Fri Mar 24, 2017 10:05 pm
by Milkyway
Lieber Truthcounts,
Wenn das Nervensystem mal überreizt wird, ist der Fluchtreflex in die Ich-Illusion natürlich am größten, aber sobald Du das bemerkst, ist der Reality-Check Deine Rückfahrkarte. Lass ihn zur neuen Gewohnheit werden. Das muss nicht damit beginnen, in direkter Erfahrung nach einem Ich zu suchen, sondern kann in akuten Fällen erst mal überhaupt auf die direkte Erfahrung gehen und die Aufmerksamkeit darauf zu richten, was über die Sinne im hier und jetzt gerade tatsächlich wahrgenommen wird. Das beruhigt dann schon.
Danke, das ist auf jeden Fall nochmal ein guter Tipp.
Die Begleitung hier endet mit Abschlussfragen, wenn Du sicher bist, dass die Ich-Illusion durchschaut ist, was schnell vorübergehende Rückfälle nicht ausschließt. ...
Bist Du bereit für die Abschlussfragen?
Ich bin noch unsicher.
Rein formal bin ich durch das Gate durch, habe die Ich-Illusion durchschaut, würde ich sagen. Dennoch gehen die Rückfälle nicht allzuschnell vorüber. Heute war es eher andersrum: Ich war viel ich-versunken und hatte immer wieder kurze Momente, in denen ich die Ich-Illusion durch Prüfung durchschaut habe. Zur Zeit räumt sich sehr viel auf, aber viele Erkenntnisse spielen sich auch in den Gedanken ab. Insofern ist da noch einige Stabilisierung notwendig, die ich - glaube ich - nicht alleine schaffe. Es fällt mir nach wie vor schwer, ohne Ich-Filterung wahrzunehmen.
Wenn Du noch etwas Geduld mit mir hast, würde ich also gerne noch etwas weiter machen. Macht das Sinn für Dich oder würdest Du eher empfehlen, hier einen Cut zu machen und in der Facebook-Gruppe weiterzumachen (oder über die App oder wie auch immer...)?

Wie auch immer Du das siehst, es ist auf jeden Fall nochmal der Zeitpunkt gekommen, mich ganz herzlich zu bedanken für Deine bisherige Begleitung. Ich habe so viele Dinge erkannt auf die ich alleine nie gekommen wäre, auch wenn sie jetzt sehr offensichtlich wirken. Wirklich wunderbar!

Liebe Grüße
Gabriel

Re: Wohin?

Posted: Sat Mar 25, 2017 5:50 am
by Truthcounts
Hallo Gabriel,
Ich war viel ich-versunken und hatte immer wieder kurze Momente, in denen ich die Ich-Illusion durch Prüfung durchschaut habe. Zur Zeit räumt sich sehr viel auf, aber viele Erkenntnisse spielen sich auch in den Gedanken ab. Insofern ist da noch einige Stabilisierung notwendig, die ich - glaube ich - nicht alleine schaffe. Es fällt mir nach wie vor schwer, ohne Ich-Filterung wahrzunehmen. Wenn Du noch etwas Geduld mit mir hast, würde ich also gerne noch etwas weiter machen.
In welchem Aspekt ist die Ich-Illusion denn noch am stärksten? Welche Rolle hat das Ich dabei? Ist es mehr Denker, oder Beobachter, oder Erleider, oder Handelnder, oder sonstwer?

Truthcounts

Re: Wohin?

Posted: Sat Mar 25, 2017 8:30 pm
by Milkyway
Hallo Truthcounts,
In welchem Aspekt ist die Ich-Illusion denn noch am stärksten? Welche Rolle hat das Ich dabei? Ist es mehr Denker, oder Beobachter, oder Erleider, oder Handelnder, oder sonstwer?
Bei der Überprüfung, ob alles OK ist. Das kann ganz viele verschiedene Themen betreffen. Gedanken fragen zum Beispiel, ob ich alles richtig gemacht habe, ob ich schon wieder kein Ich finden kann, warum die Gedanken schon wieder so präsent sind oder ob irgendjemand anders etwas hätte anders machen sollen.

Dabei ist das Ich erstmal der Prüfer und ist auch das Zentrum der Überprüfung: Die Überprüfung wird aus "meiner" Sicht durchgeführt. Was danach passiert ist immer einigermaßen ähnlich und kann sich über einen längeren Zeitraum hinweg in ungefähr der folgenden Reihenfolge abspielen:
Das Ich wird zum Denker, in dem es sich verschiedene Aspekte anschaut. Dabei entsteht dann auch Widerstand in Form von Gefühlen. Dann wird das Ich zum Zweifler: "Warum ist es nicht anders? Etwas sollte anders sein." Dann wird es der Erleider, es leidet sehr darunter. Und dann versucht es, der Handelnde zu werden. Dabei geht dann die Überprüfung von vorne los.

Dieses Spiel gab es heute viele Male.

Liebe Grüße
Gabriel

Re: Wohin?

Posted: Sat Mar 25, 2017 9:32 pm
by Truthcounts
Hallo Gabriel,
Das Ich wird zum Denker, in dem es sich verschiedene Aspekte anschaut. Dabei entsteht dann auch Widerstand in Form von Gefühlen. Dann wird das Ich zum Zweifler: "Warum ist es nicht anders? Etwas sollte anders sein." Dann wird es der Erleider, es leidet sehr darunter. Und dann versucht es, der Handelnde zu werden. Dabei geht dann die Überprüfung von vorne los.
Ok, also die ganze Palette ;o)

Der Verstand kann sich halt schwer vorstellen, dass ein Ablauf ohne einen Jemand geschehen könnte, so als wäre auch jemand da, der den Wind bläst, was im magischen Denken eines Kindes nicht wundern würde, aber der wissenschaftlich aufgeklärte Mensch von heute weiss natürlich, dass der Wind anders entsteht, überträgt das aber nicht konsequent auf alle Vorgänge. Unsere eigene Sprache hat uns diesbezüglich auch hypnotisiert - ein Verb braucht ein Subjekt. Aber ist das wirklich die Realität oder nur ein gedankliches Konzept mit dem Versuch, die Realität zu beschreiben?

Gehe in einen Park oder in die Natur und nimm dir Zeit zu schauen. Achte auf die Bewegung der Bäume, Sträucher, Pflanzen, Wolken...
Sieh, wie sich alles bewegt.

Was bewegt das alles? Gibt es etwas, was das Wetter macht? Gibt es etwas, was macht, dass die Pflanzen wachsen? Was macht, dass die Wolken ziehen und der Wind sich bewegt? Sitzt irgendwo ein Generalmanager, der das alles bewegt?

Richte die Aufmerksamkeit auf die Körperempfindungen. Beobachte, wie auch sie sich bewegen wie alles andere auch. Sieh wie Gedanken Teil derselben einen Bewegung sind.

Gibt es irgendetwas, was von allem anderen getrennt ist?

Gibt es dich, außerhalb des Lebens, das Leben betrachtend? Bist du von der Natur getrennt? Wo ist die Trennlinie, die dich vom Leben selbst trennt? Wo ist die Grenze zwischen hier und dort?

Truthcounts

Re: Wohin?

Posted: Mon Mar 27, 2017 8:41 pm
by Truthcounts
Hallo Gabriel,

wie sieht es aus?

Truthcounts

Re: Wohin?

Posted: Mon Mar 27, 2017 11:47 pm
by Milkyway
Hallo Truthcounts,

entschuldige, dass meine Antwort so lange gedauert hat. Ich habe es erst heute Abend geschafft, den Ausflug in die Natur zu machen.

Ich fand es nicht ganz einfach, mich darauf einzulassen. Auch wenn ich in den zwei Tagen mal nachgeschaut habe, wer/was das hier alles macht, war es schwer. Erst heute Abend in der Natur habe ich gemerkt, dass es wohl daran liegt, dass der Verstand seine Vorherrschaft nicht aufgeben will. Es fühlte sich richtig wie ein Kampf an. Als wollte er unbedingt zeigen, wie unverzichtbar er ist.
Der Verstand zeigte, dass er sich von den anderen Erfahrungen total unterscheidet. Er gibt alledem eine Bedeutung und die will er nicht aufgeben. Er kann zu allem etwas erzählen, kann es verbinden mit Erinnerungen und der Zukunft und der Bedeutung für mich selbst. Er gibt allem eine Bedeutung. Er hat auch einige Modelle geliefert, wer/was das hier alles macht, von denen ich nicht wusste, dass ich noch an sie glaube.

Ansonsten war die Szenerie total ruhig. Auch wenn einiges zu sehen war, wirkte alles leer und einfach. Nur die Gedanken liefen die ganze Zeit und erzählten mir unzählige Geschichten, die den ganzen Ausflug sehr unruhig, teilweise sogar aufregend sein ließen. Es dauerte sehr lange, bis wenigstens so viel Ruhe reinkam, dass ich dies so klar sehen konnte. Ich konnte erkennen, dass Trennung durch die Gedankeninhalte kommt. Sie nehmen sich etwas heraus, was gesehen wird (zum Beispiel den mir altbekannten Weg, auf dem ich gelaufen bin) und geben dem Objekt Bedeutung und packen es in 'meine' Geschichte.
Für mich ist die Erscheinung der Gedanken noch recht wirr. Gedanken sind ja Teil der Erfahrung. Aber ihre Inhalte sind nur modellhaft. Und trotzdem wirkt das so real. Bei dem Ausflug waren die Gedankeninhalte so präsent.

Leider habe ich in den letzten beiden Tagen auch gemerkt, dass ich noch nicht so weit bin, wie ich vor ein paar Tagen dachte. Ein unangenehmes Erlebnis gestern hat das Gedanken- und Gefühlskarussell sehr intensiv werden lassen. Es ist erst ruhiger geworden, als ich merkte, dass das Erlebnis nun mal so war, wie es war und nicht verändert werden kann. Dass es da also nichts mehr zu tun gibt für 'mich'. Danach bauten sich die unangenehmen Gefühle und Gedanken von ganz alleine wieder ab. Woher kommt eigentlich diese enge Verbindung von Gedanken und Gefühlen?

Liebe Grüße
Gabriel

Re: Wohin?

Posted: Tue Mar 28, 2017 11:29 am
by Truthcounts
Da Gedanken einen Schleier über die direkte Erfahrung legen können, kann das System durch Selbsttäuschung kurzfristig unangenehmen Gefühlen entkommen, aber solche eben auch herbeiführen, wenn sich die Gedanken verselbständigt haben. Und die ignorierten Gefühle sind durch vertuschen natürlich nicht bewältigt, womit das Management über die Gedanken zur Daueraufgabe wird. Das Durchschauen der Ich-Illusion bedeutet, dass viel unmittelbarer erlebt werden muss und verdrängte Gefühle wieder die Chance bekommen, ausgefühlt zu werden. Macht Dir das Angst? Ist jemand bedrohtes zu finden im Reality Check oder ist es nur eine mentale Katze, die sich in den Schwanz beisst?

Re: Wohin?

Posted: Tue Mar 28, 2017 11:33 pm
by Milkyway
Hallo Truthcounts,

es kommt mir sehr bekannt vor, wie Du das beschreibst. Es erinnert mich auch an etwas, was Du ziemlich am Anfang unserer Konversation geschrieben hast: Wer nicht fühlen will, muss denken. Ich glaube, die Schwierigkeit, die Gefühle zuzulassen, steht mir gerade auch am meisten im Weg.
Das Durchschauen der Ich-Illusion bedeutet, dass viel unmittelbarer erlebt werden muss und verdrängte Gefühle wieder die Chance bekommen, ausgefühlt zu werden. Macht Dir das Angst? Ist jemand bedrohtes zu finden im Reality Check oder ist es nur eine mentale Katze, die sich in den Schwanz beisst?
Ja, es macht mir Angst.
Die Bilder, die da auftauchen, haben mit Kontrollverlust zu tun. Wenn ich emotional überfordert bin, werde ich oft wütend oder handlungsunfähig. Diese Erinnerungen machen mir Angst.
Im Reality Check wird klar, dass an der Angst Bilder hängen, die die Gefühle wesentlich schlimmer erscheinen lassen, als sie wirklich sind.
Ist jemand Bedrohtes zu finden? Nein. Die Angst besteht aus Gefühlen, Bildern von Erinnerung und Erwartungen und Gedanken über all das zusammen und das Selbstbild. Und vor allem die Bilder der Erwartungen, wie die Situationen sein werden, wenn ich keine Kontrolle über die Gefühle habe, machen das alles zu einer hinderlichen Angst.

Mir ist gerade aufgefallen, dass es da einen Kreislauf gibt: Jede neue Situation wird aus den vorherigen Situationen genährt und es werden auch Erwartungen an die zukünftigen Situationen gemacht. Bisher habe ich dann versucht, die aktuelle Situation möglichst genau zu empfinden, um zu üben mit den Gefühle klar zu kommen. Dabei bin ich aber sofort in dem früher-zukünftig-Film gefangen gewesen, aus dem es kein Entkommen gab. Meintest Du das mit der Katze, die sich selbst in den Schwanz beißt?
Tatsächlich hat die aktuelle Situation den kleinsten Anteil an dem allen. Hier ist es möglich, den Kreislauf zu stoppen. Es muss nicht ertragen werden. Es reicht, die Täuschung zu durchschauen. Zu erkennen, wie vergangene Situationen die aktuelle Situation überstrahlen und der Ausblick auf zukünftige Situationen ebenso. Dabei muss auch nichts verdrängt werden. Wenn man in dieser Situation klar sieht, dass vergangene und zukünftige Situationen nichts mit der aktuellen Situation zu tun haben, kann man den Teufelskreislauf unterbrechen und ist alldem nicht mehr so ausgeliefert.

Puh, das ist doch mal eine sehr hilfreiche Erkenntnis!

Schöne Grüße,
Gabriel

Re: Wohin?

Posted: Wed Mar 29, 2017 5:40 pm
by Truthcounts
Hallo Gabriel,

gute Einsichten.

Zur Vertiefung noch eine Wahrnehmungsübung:

Setze dich hin und höre die Geräusche, die gerade vorhanden sind. Du kannst auch Musik auflegen, wenn du möchtest.

Sieh wie Gedanken die Geräusche benennen. Hund bellt, Auto fährt vorbei, Vogel singt....
Höre die Geräusche selbst. Was wird eigentlich gehört? Haben die Geräusche bereits einen Namen, wenn sie gehört werden?

Ist das Geräusch innen oder außen? Wo ist die Grenze zwischen innen und außen?
Gibt es jemanden, der hört und das Gehörte, oder ist da einfach hören?

Gibt es eine Wahrnehmung und wahrgenommenes Objekt oder wird einfach wahrgenommen? Was kommt der Erfahrung am nächsten?

Truthcounts

Re: Wohin?

Posted: Thu Mar 30, 2017 12:11 am
by Milkyway
Hallo Truthcounts,

Zuerst werden die Geräusche von Gedanken und Geschichten begleitet.
Wenn sich dieser Filter nicht einschaltet, ist da einfach nur das Geräusch. Es ist dann auch weder innen noch außen. Wenn ein neues Geräusch auftaucht, wird es wieder von Gedanken begleitet und es wirkt dann erstmal, als sei es außen. Die Gedanken scheinen innen zu sein, das Geräusch außen.

Wenn ich es laufen lasse, dann ist da niemand, der hört, aber es erscheint auch nicht als Hören oder als Wahrnehmung sondern als etwas Wahrgenommenes. Das Geräusch/die Musik wird wahrgenommen und steht für sich. Gerade Musik wird aber sehr viel von Bildern und Gefühlen begleitet. Hier erscheint dann das Gesamte als eine Erfahrung.

Liebe Grüße
Gabriel

Re: Wohin?

Posted: Thu Mar 30, 2017 11:29 am
by Truthcounts
Hallo Gabriel,

hier eine weitere Übung:

Stehe auf und gehe 5 Schritte hin und 5 Schritte her.

Gibt es eine Instanz, die den Befehl zum Aufstehen und dann Loslaufen gibt? Die regelt, dass die Füße abwechselnd gehoben werden, wieder abgesetzt werden....?

Ist ein "Ich" zu finden, das geht? Oder geschieht das Gehen einfach?

Truthcounts