Lieber Barbarossa,
ja, das habe ich schon oft versucht. Ich habe mir zweitweilig eine Art überzogene Achtsamkeit auf meine Gefühle angewöhnt, von der ich zunächst dachte, sie wäre akzeptierend, und letztlich war sie doch kontrollierend. D.h. ich hatte eine bestimmte Art der Ablenkung aufgegeben und unbemerkt eine neue erfunden.
Unser Dialog hat zu einer klareren Trennung von Gefühl und Gedanken und einfach Existieren geführt. Da es kein Ich gibt, ist es mir endlich klarer geworden, dass es unmöglich ist, in die Gefühlswelt einzugreifen, oder sie auch nur zu verstehen. Es fügt sich nicht zu einer kohärenten Geschichte. Die Gefühle sind einfach wie sie sind. Es hat sich eine neue Neugierde entwickelt, oder gewisse Bereitschaft, hier den Geschehnissen ihren Lauf zu lassen. Die "lieber nicht, Achtung, stop, vorsicht, kann zu doll werden"-Seite hat sich jedoch noch nicht in Luft aufgelöst. Die Neugierde und die Vorsicht gibt es jetzt beide. Ich habe eine Meditation, da sagt er "don't feel it, be it". Das heißt so viel wie "schieb kein Ego zwischen Dich und Deine Empfindung". Nun verstehe ich, wie das geht. Das ist schön.
Wie ist das, wenn nicht in die Ablenkung/ Vermeidung gegangen wird?
Was ist dann anders?
Wenn ich bspw. in meine innere Nervosität spüre, dann höre ich meine Gedanke sowas sagen wie "guck, das ist Angst, guck, das ist Trauer usw, also ich höre dieses permanente kontrollierende Labelling. Das ist teilweise so penetrant, dass ich gar nix mehr fühle. Es ist für mich neu, dass ich merke, dass ich dem nicht zuhören muss, und dass es für meine Gefühle irrelevant ist, was die Gedanken sich so denken. Dann sind diese Gefühle da. Ich höre noch den Kommentar, ich hätte mir sehr ein einfacheres Leben gewünscht. Den Zahn hast Du mir ja zu Beginn gezogen. Es ist, wie es ist. Jetzt gerade in diesem Moment (ich habe ca. 20 min über Deiner Frage meditiert) kommt wieder ein Festhalten auf.
Ohne Vermeidung wird es weit und strudelig, aber auch gruselig in mir, und dann greift wieder der Schutzmechanismus. Das braucht wohl etwas Zeit, wirklich auch mit dem ganzen Körper zu merken, dass ich den nicht brauche.