Ist das mehr als eine Geschichte, eine Interpretation, dass Anspannungen etwas mit Negativität/Ich-Gefühl zu tun haben?
Nein. Eigentlich sind beides vollkommen unabhängige Erfahrungen. Ich merke verwunderte Gedanken: aber was gibt der Erfahrung von Negativität dann ihren Wert bzw. macht sie so „negativ“? Aber zurück zur DE: Es ist also nur eine Story, dass Anspannungen und Negativität zusammenhängen.
Wenn du jetzt lernen würdest zu entspannen (und das ist wirklich nur Übungssache, wenn du willst kann ich dir da mal ein paar Tipps geben), wäre dann das Ich-Gefühl weg? Keine Anspannung- kein Ichgefühl?
Das Ich-Gefühl kann gleich bleiben, sowohl wenn die Muskeln/das Gesicht relativ entspannt sind, als auch wenn es sehr angespannt ist. Von daher gibt es erstmal keinen Grund davon auszugehen, dass ohne die Anspannung das Ich-Gefühl weg wäre. Aber wenn du ein paar Tipps zum entspannen hättest, könnte ich das noch direkter untersuchen. :)
Glaubst du den Gedanken mehr, als dem was du beim Hinschauen findest?
In dem Fall war es scheinbar so. Generell würde ich sagen ist das dann der Fall, wenn man sehr überzeugt ist von Gedanken, oder halt nicht glauben kann, dass sie nicht zutreffen.
Wenn ich dich frage welche Socken du anhast, kannst du darüber nachsinnieren, alle möglichen Stationen in deiner Erinnerung durchgehen welche du wohl angezogen hast, und dann ist trotzdem nicht sicher, dass es stimmt. Oder du schaust einfach nach :)
Erinnerungen sind trügerisch, und alle Gedanken kommen aus der Erinnerung! Wir wollen hier auch nicht deine Gedankeninhalte ändern, es ist komplett irrelevant welche Gedanken auftauchen, das Ziel ist zu erkennen, dass nur die direkte Erfahrung real sein kann! Durchs Tor durchdenken geht nicht, es ist im Reich der Sinneswahrnehmungen! Also nicht denken – schauen!
Das hat viel Klarheit geschaffen, danke :) Es ist einfach immer noch schwer zu glauben, dass es einfach soo simpel ist.
Dass du glaubst, dass du denkst ist ja auch nur ein Gedanke, nicht wahr?
Ja, absolut richtig. Auch nur ein Gedanke …
hör auch nicht auf damit, während Alltagserfahrungen die direkte Erfahrung mit den Gedankeninhalten zu vergleichen und sie auf deren Wahrheitsgehalt zu überprüfen, das ist der Schlüssel!
Was meinst du mit „... und sie auf deren Wahrheitsgehalt zu überprüfen“, meinst du zu sehen, dass die Gedanken nichts von der direkten Erfahrung wissen, oder meinst du das genereller? :) Aber danke für die Pointer!
Kannst du erkennen, wie groß der Körper ist?
Hat der Körper ein Gewicht oder Umfang?
In der direkten Erfahrung ist da nur ein undefiniertes Empfinden von dem was wir Körperempfindungen nennen. Der Verstand interpretiert hinzu, dass die Empfindungen von bestimmten Körperteilen stammen, aber das ist konzeptuell. Es wirkt zwar so als würden die Empfindungen nicht über einen bestimmten Radius hinaus gehen, aber in der direkten Erfahrung ist da kein Körper der dadurch begrenzt ist. Also kann man auch nicht erkennen, wie groß er ist, oder welchen Umfang er hat. Ein Gewicht kann ich in der direkten Erfahrung nicht feststellen. Das ist rein konzeptuell.
Hat dein Körper in der aktuellen Erfahrung eine Gestalt oder Form?
Nein. In der DE ist es ein bisschen so, als würden die Körperempfindungen einfach im leeren Raum auftauchen.
Gibt es eine Grenze zwischen dem Körper und der Kleidung?
Nein. Es gibt nur die Sensation von Kleidung auf der Haut, aber eigentlich ist das schon zu viel hinzu interpretiert – eigentlich ist da nur diese Sensation, die ich anders nicht beschreiben kann. Aber Kleidung und Körper sind wenn sie auftauchen nur geistige Bilder und Gedanken.
Gibt es eine Grenze zwischen dem Körper und der Unterlage?
Nein, auch das Gefühl meines Rückens an der Rückenlehne taucht einfach im leeren Raum auf. Und wenn ich mich so erfahre, ist da auch keine Grenze feststellbar. Da ist einfach nur diese Empfindung, aber keine Grenze zwischen zwei Dingen feststellbar. Das interpretieren wenn überhaupt wieder nur die Gedanken hinzu.
Wieviel Zehen hast du?
Haha, die einzelnen Zehen sind gar nicht direkt erfühlbar. Also wenn man sich tatsächlich nur auf die direkte Erfahrung bezieht, gibt es eigentlich gar keine Zehen.
Gibt es ein innen oder außen? Falls es ein innen gibt - innen wovon genau?
Falls es ein außen gibt, das Außen wovon genau?
Kein Außen oder Innen – wieder Empfindungen im „leeren Raum“. Es gibt zwar die Empfindung von dem was wir die Grenzen unseres Körpers lassen, aber diese Empfindungen trennen nichts voneinander. Sie sind irgendwie durchlässig, falls das Sinn ergibt. Jedenfalls ist in der direkten Erfahrung außen oder innen nicht vorhanden.
Worauf bezieht sich das Wort/die Bezeichnung 'Körper' eigentlich?
Körper ist ein Konzept bzw. Konstrukt. In der direkten Erfahrung gibt es „den Körper“ nicht. Es gibt die Empfindungen und die visuellen Wahrnehmungen eines Körpers (und vielleicht auch noch seine Geräusche). Aber das was wir Körper nennen, ist eine Einheit, die so nur in Gedanken existiert.
Fehlt irgendetwas, wenn du dich so erfährst?
Nein, gerade nicht :)
Hast du einen Namen?
Das war die einzige Frage, die mich irgendwie irritiert hat. Also irgendwie kann ich sie gerade nicht beantworten. Aber ich kann sagen, dass dieser „Körper“ keinen Namen hat, weil er selbst ja nur ein Konzept ist. Und .. naja, in meiner direkten Erfahrung kann ich insofern halt keinen Namen finden.
Ich hatte bei dieser Übung übrigens auch das Gefühl, etwas mehr die Natur des Hinschauens oder Untersuchens zu verstehen. Es war ziemlich deutlich, dass es gar nicht darum geht „genauer hinzuschauen“, sondern eher darum die ganzen Interpretationen wegzulassen, und insofern aufzuhören wegzuschauen :D Stimmst du damit überein?
Ansonsten schonmal danke für die interessanten Fragen und Aufgaben. Ich bin mir noch nicht sicher, wieviel Zeit ich bis zum Feiertag am Donnerstag habe. Es kann zwar gut sein, dass ich es zeitlich alles hinbekommen, aber bitte nicht wundern wenn ich die Tage nochmal eine Antwort aufschieben sollte :)