Lieber Daniel,
hier meine Untersuchungen zu den Gedanken:
Sind sie immer nachgeordnet?
Ist das so? Beobachte das heute noch ein wenig weiter.
Hinken Gedanken immer hinterher? Aus der Forschung weiß man wohl, dass man schon in der Aktivität begriffen ist und dann erst die Gedanken dazu auftauchen. Aber manchmal gehen sie auch voran. Bei Plänen zB. Sie tauchen einfach auf als Impuls aus dem Nichts. Der Impuls führt nicht zwingend zur Handlung, kann aber.
So kam gestern der Gedanke bei dem schönen Wetter nach der Arbeit joggen zu gehen. Der Gedanke fand Zustimmung. Bin mir gar nicht sicher ob Zustimmung auch ein Gedanke war. Es ging einfach klar, keine weiteren Kommentare.
Als ich nach Hause kam, musste kein weiterer Gedanke mich daran erinnern. Es War klar, das ich joggen gehe. Es hätte aber auch ein anderer Impuls auftauchen können, es nicht zu tun. Gedanken sind nicht verbindlich. Und manchmal tauchen gegensätzliche Gedanken auf und die Entscheidung fällt dann irgendwann. Wer entscheidet das? Früher hätte ich gesagt, dass ich das tue. Aber jetzt würde ich einfach sagen, es geschieht. Aber es wirkt trotzdem nicht willkürlich.
Und...können Gedanken Handlungen ausführen, entscheiden?
Der Gedanke entscheidet nicht über eine Handlung und führt diese auch nicht aus. Aber ich weiß nicht ob ich joggen gegangen wäre, hätte es den Gedanken nicht gegeben. Aber der Gedanke selbst hat mich nicht zum Joggen gebracht. Pläne erscheinen und werden umgesetzt. Manchmal auch nicht.
Entscheidung fällt im Moment und wird nicht gefällt. Es fühlt sich gar nicht wie Entscheidung an, irgendwie ist es dann stimmig. Gedanken tauchen auf, dass ein neues Smartphone gebraucht wird. Andere Gedanken halten dagegen, zu teuer,das Alte geht noch und dann kommt der Impuls auf Amazon zu schauen und ehe du dich versiehst ist es bestellt. Das ist nicht vernünftig ;)
Heute morgen kam der Gedanke, Ich sollte das Visum für die USA ausdrucken, aber es war dafür keine Zeit. Ein weitere Gedanke folgte, es heute Abend zu tun, nach dem Sport, nach dem Essen. Als ich nach Hause kam, viel der Blick auf den Laptop und die Handlung folgte. Planänderung aus dem Moment heraus.
Gedanken scheinen Erinnerungshilfen zu sein, die Infos übermitteln. Steh auf, mach Sport, drucke aus.... und sie sind trotzdem nicht nötig für die Handlungen, die dann folgen. Es geschehen auch Handlungen ohne Gedanken. Heute kam der Gedanke zu kochen und eine Vorstellung folgte, was es werden könnte. Gedanken erschienen, was im Kühlschrank ist und eine Rezeptidee tauchte auf. Das Kochen selbst brauchte keine Gedanken, Schälen geschah, schneiden, braten.... da waren zwar Gedanken dazwischen, aber nicht zum Vorgang selbst. Und dann ist da viel Platz für Improvisation.
Wenn Ich mir das so anschaue, bin ich weder Herr meiner Gedanken, noch meiner Taten. Aber es fühlt sich schön lebendig an :)))
In meiner Arbeit verlasse ich mich auch auf diese Intuition und die Impulse, die auftauchen. Die Ideen, Interventionen tauchen von ganz alleine auf und sind meist hilfreich. Das ist schön, denn so kann ich mich immer ganz auf den Moment einlassen und bin so immer bestens "vorbereitet". Ich bekomme immer das, was ich brauche. Ich gehe nie mit festen Plänen in eine Gruppe, so ist immer Offenheit da gegenüber dem sich entfaltenden Augenblick, auch wenn es nicht rund läuft.
Halte deine Hand mit der Handfläche nach oben. Dann drehe sie um. Und wieder zurück, immer wieder, unterschiedlich schnell.
Und jetzt passe wie ein Adler auf, ob du herausfindest, wie die Entscheidung getroffen wird, wann sich die Hand dreht.
Findest du jemanden, der entscheidet?
Wie sind Gedanken an der Handlung beteiligt?
Steuern Gedanken irgendetwas? Steuert ein ICH-Gedanke irgendetwas?
Das drehen passiert wie von alleine. Kann keinen ausfindig machen, der das initiiert oder eine Entscheidung trifft.Auch sind dabei keine weiteren Gedanken daran beteiligt. Auch kein Ich-Gedanke da, der die Verantwortug für die Handlung beansprucht. Aber was, wenn die Entscheidung so schnell fällt, dass sie nicht wahrgenommen wird, oder was, wenn sie auf unbewusster Ebene gefällt wird. Aber es gibt da sicher kein autonomesICH, das Entscheidungen fällt.
Liebe Grüße
Dagmar