Liebe Karin,
nun denn...
1) Gibt es irgendwo oder in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?
Nein !!!Es gibt kein eigenständiges ICH in der Wirklichkeit !!! Es hat es nie gegeben !!!
2) Erkläre detailliert was die Ich-Illusion ist, wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur Deine eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie Du es jetzt gerade erlebst.
Sie ist eine Täuschung , es gäbe eine eigene unveränderliche Instanz in jenem/jeden Körper.
Die Ich-Illussion entsteht in der frühen Kindheit mit dem Namen. Der Prozess nimmt Fahrt auf durch die Identifizierung des Namens mit einem ICH (Gesicht im Spiegel: Das bin ICH !) Die Basis-Konditionierung beginnt, indem reine Erfahrungen in Geschichten verwandelt werden und dem unschuldigen Kind von der Gesellschaft zugeschrieben werden. Und so weiter verstärkt sich diese Konditionierung.
Geschichten/Gedanken häufen sich auf Geschichten... Geschichten/Gedanken "Ich habe das damals so gemacht, also..." über Geschichten... Bei der Frage "Urlaub in Frankreich-wo?" wurde dieser Mechanismus besonders deutlich wahrgenommen. Bei einem kurzen Flow bei der Hausarbeit wurde dieser Mechanismus ähnlich erlebt, als im Nachgang ein Ich diese Tätigkeiten für sich beanspruchte. Viele weitere folgten und die Ich-Identifikation erscheint immer wieder.
Die Geschichten erhalten Bedeutung werden weiter konstruiert, verändert, angepasst... Selbstbilder entstehen etc.
Das jetzige Erleben von Donna: Sitzen auf dem Stuhl, Tastendruck der Finger, Sehen des Textes, PCs und der Vielfalt im Zimmer, Hören von VÖgeln, des Bellens und eines Staubsaugers. Aufsteigen einer leichten Gereiztheit; Gedanke: "ICH bräuchte etwas mehr Ruhe"... ein blitzartiges Auftauchen der Ich-Illusion mittels Gedanken aus dem direkten Erleben.
3) Wie fühlt es sich an die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Berichte aus den letzten paar Tagen.
Das Gefühl bei Donna war zunächst ein ungläubiges Staunen, Erleichterung sowie ein Befreiungsgefühl. Diese Gefühle sind immer wieder da, unterbrochen von jetzt kürzeren Phasen der Ich-Identifikation (z.B. im Gespräch mit Ehemann). Jetzt tauchen weniger Ich- Gedanken auf, besonders die Müssens und Sollens sind markant reduziert ! Schneller wird ein Durchschauen von Ich-Gedanken im Nachhinein registriert. Donna konnte sich sogar beim Gespräch mit der alten Mutter in einer kurzen Sentenz sprechen hören ! wie sich Wort für Wort aus dem Nichts entwickelte und relative Gelassenheit vorhanden war! Körperliche Empfindungen /Gefühlte Stimmungen werden intensiver wahrgenommen, kürzere Angstwellen erscheinen, begleitet von weniger Gedanken. Auf die Frage "Wem gehört dieses Gefühl?" erscheint ein "Loch"- Die Sinneseindrücke sind intensiver, beim längeren Verweilen z.B. besonders bei geschlossenen Augen verschwindet der Eindruck von Getrenntsein, Innen und Außen völlig. Ein neues Erleben wird wahrgenommen, und will vom kritischen Verstand immer wieder einmal verstanden, erklärt , hinterfragt werden. Doch die innere Klarheit bleibt ungebrochen !
4) Was hat Dir den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?
Markant - als Vorstufe- war die Erschütterung des Glaubens an eine Körperidentifikation.
Der letzte Schubs war der Anstieg von Gefühlen/etikettierten Körperempfindungen der Angst, Ohnmacht und Hilflosigkeit und einer Denkblockade beim Verständnis einer Aufgabe. Weiterhin die Zuspitzung zum Thema Wahl und Kontrolle im Alltag, wo das "Leben" immer wieder Situationen präsentierte, die im direkten Erleben als unkontrollierbar im engeren Sinne und einer generellen Kontrollillusion im Allgemeinen erfahren wurde. Auf das plötzliche Auftauchen der Frage "Wem gehört die Angst?" erschien eine "Leerstelle", die Angst verschwand und Staunen und Befreiung machte sich breit. Das war der endgültige Durchbruch der Klarheit!
5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wodurch entstehen sie? Wie funktionieren sie? Wofür bist Du verantwortlich? Gib ein paar Beispiele aus Deiner direkten Erfahrung.
Die Lieblingsfrage :)) !!
Entscheidungen, Handlungsimpulse ergeben sich. Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle sind eine "Erfindung", sprachlich-begriffliche Verengung durch die Ich-Konditionierung. Diese tritt blitzartig im Nachgang eines Erlebens auf. Im DE wird wahrgenommen, wie Gedanken, Gefühle, körperliche Empfindungen aus dem Nichts erscheinen und sich irgendwie weiter ausbreiten und verschwinden (siehe dazu die Urlaubsfrage). Auf einen Reiz folgt eine Reaktion des Körperhirns entsprechend der Festgelegtheit seines Variationsrahmens.
Genauso bei Sinneseindrücken gibt es weder Wahl noch Kontrolle etc. Wohin der Blick schweift von Sekunde zu Sekunde, was gehört, gerochen etc. wird, wie sich die Aufmerksamkeit verändert oder wohin sie zielt, alles geschieht einfach so. So wie das Leben im Moment spielt.
In diesem Sinne gibt es keine Verantwortung, keine Schuld, der Organismus reagiert einfach auf Reize entsprechend seines Referenzrahmens.
Im DE wurden dazu Erfahrungen gesammelt:
Ein Abendessen wurde verabredet, kurzfristig aufgehoben; ein Thema "wollte" im Gespäch nicht berührt werden, Wörter und Sätze darüber kullerten einfach heraus; gewisse Bewertungen und Beurteilungen/Gedanken "sollten" vermieden werden, sie erscheinen trotzdem; schmerzliche Gefühle "wollen" nicht gefühlt werden, Widerstand "sollte" nicht da sein, keine Chance!
Das Sprichwort, das im Moment gerade dazu "einfällt": Der Mensch denkt und Gott lenkt. Besser: "Dein Wille geschehe";
Hingabe an den Fluß des Lebens...
6) Möchtest Du noch etwas ergänzen?
Dankbarkeit für den Prozess LU... obwohl und gerade weil er so schmerzlich war..., Dankbarkeit für meinen persönlichen Guide und Dankbarkeit für die liebe Freundin, die mich auf diese Möglichkeit hingewiesen hat, steigt auf im Moment...
Herzensgrüße Donna