Hola, Ichbin,
ja, das ist ja „aufregend“! Abschlussfragen, die nochmal von anderen guides gelesen werden... Ein Zertifikat gibt’s aber nicht, oder?! (Also, der Verlust der Ich-Illusion zieht definitiv nicht den Verlust des Humors nach sich!)
Okay, ein „dickes Fragebündel“, auf geht’s.
Gibt es irgendwo oder in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?
Kannst Du zu 100% bestätigen, dass die ICH-Illusion durchschaut wurde?
Nein, gibt und/oder gab es nicht.
Kurze Panik. Kann man denn irgendetwas zu 100% bestätigen?!
Ja, man (in dem Fall: „ICH“) kann: Finger tippen gerade, es wird wahrgenommen, was auf dem Bildschirm erscheint. Geräusche werden gehört: ein Hämmern draußen und Klavierspiel von unten. (Gedanken-Ergänzung: mein Sohn „arbeitet“ in seinem Garten, meine Tochter übt Klavier.) All das kann ich 100% bestätigen. Leichter Schweiß bricht aus (wegen der subtropischen Sommerhitze, nicht wegen der Fragen.)
Bei alledem: Kein „Ich“ zu finden, außer sprachlICH.
Erkläre detailliert was die Ich-Illusion ist, wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur Deine eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie Du es jetzt gerade erlebst.
Ich-Illusion entsteht, wenn eigentlich unpersönliche, einfach auftauchende Gedanken und ihre Bewertungen „mir“ als Person zugeordnet werden und in einen linearen, zeitlichen Zusammenhang gebracht werden.
Gerade erlebe ich genau das nicht (siehe oben), aber ich kann mich (noch?) gut daran erinnern, wie es war.
Eine besondere Rolle spielt dabei, dass man den jetzigen Moment „ablehnt“ oder anders haben möchte, dass man anfängt über Entscheidungen zu grübeln und denkt, man könnte „etwas falsch“ machen (oder man hätte etwas falsch gemacht), dass man in Gedanken in der Vergangenheit festhängt oder in die Zukunft wünscht und spekuliert.
Wie fühlt es sich an die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Berichte aus den letzten paar Tagen.
Gut.
Nicht irgendwie „spektakulär“ oder so. Zwischendurch fühle ich eine Art Heiterkeit, ein Gefühl im Bauch wie „frisch verliebt“.
Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog?
Ja, da kann ich eigentlich nur auf die letzten Posts verweisen, da habe ich das ja schon dargestellt. Was mir auffällt, ist, dass alltägliche Handlungen eine andere Qualität bekommen, durch den Fokus auf die direkte Wahrnehmung: z.B. liebe ich es geradezu zu fegen! Das Geräusch, das der Besen macht, ist einfach klasse. Auch dazusitzen und eine Tasse Kaffee zu trinken. Der Duft, der Geschmack und Farbe und Muster des Sofabezugs sind einfach der Hammer! (nein, ich trinke nur Kaffee, es sind keine sonstigen Drogen im Spiel, grins.) Unsere Terrakottafliesen sind auch so ein Kunstwerk! Ist mir vorher nie aufgefallen, wegen Gedanken wie: „Wir hätten doch besser andere, glasierte Fliesen nehmen sollen, was wohl die anderen Leute denken, irgendwie sieht unser Boden immer dreckig aus, selbst wenn ich gerade gewischt habe.)
Das mögen alles Kleinigkeiten sein. Aber der Moment hat jetzt eine andere Gewichtung! Das ist etwas, was ich früher durch Achtsamkeitsübungen sozusagen „künstlich“ versucht habe, zu erreichen. Hat bei mir nicht funktioniert. Vielleicht funktioniert das bei anderen, mir scheint das eher in die Kategorie zu gehören: Das Pferd wird von hinten aufgezäumt. Ohne Ich-Illusion im Weg, ist die vorher erstrebte Achtsamkeit von alleine da.
Was hat Dir den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?
Ich glaube, es waren mehrere Schubse! Der erste (und heftigste) war definitiv, als mein “Glaubenskonstrukt an die höhere Macht“ als Gedankenkonzept offensichtlich wurde und wie so ein Kartenhaus zusammenfiel. Das war ein unerwarteter „Schock“! Denn im Nachhinein kann ich sagen, dass ich bei der Registrierung hier (unbewusst) dachte, dass es an diesem Punkt keinen Zweifel gäbe und dass ich das beibehalten würde und nur noch „etwas“ hinzufügen würde (Durchschauen der Ich-Illusion). Dass in meinem Fall diese Illusion gerade durch diese Art von Konzepten enorm verstärkt wurde, war mir überhaupt nicht bewusst, wäre mir nie in den Sinn gekommen!
Auch die Phase der Unruhe/des Widerstands und die Art und Weise, wie du darauf reagiert hast, war so ein Schubs. Eben nicht einfach ausweichen, flüchten, drüberbügeln, sondern sich dem zu stellen, war eine sehr wichtige Erfahrung.
Und der letzte Schubs? Ich weiß nicht genau, da ist noch die Erinnerung an einen Moment auf meinem Lieblingsplatz auf dem Turm, der Blick in den Himmel, auf den Wald, dieses Erleben und - und nur das. Und ein Gefühl der Einheit mit allem.
) Beschreibe
Entscheidung
Absicht
freier Wille
Wahl
Kontrolle
Wodurch entstehen sie? Wie funktionieren sie? Für was davon bist Du verantwortlich? Gib ein paar Beispiele aus Deiner direkten Erfahrung.
All diese Begriffe kann ich nur als „Scheinwahrheiten“ bezeichnen, die entstehen, weil man den Fluss des Lebens in „Scheibchen schneidet“, bestimmte Aspekte aus dem Zusammenhang herauslöst und „sich“ als Handelnder/Steuernder sieht. Dadurch findet eine weitere Stärkung der Ich-Illusion statt.
Beim Thema „Entscheidung“ ist mir das schon länger bewusst geworden, weil alle sog. „wichtigen“ Entscheidungen in meinem Leben (Studien- und Berufswahl, Wohnort, Partner, Kinder) sich „einfach so ergeben“ haben. Da war keine „Entscheidungsfindungsprozess“ nötig, höchstens hinterher als so eine Art gedankliche Rechtfertigung. (Damit wäre auch der Begriff „Wahl“ , der ja mit der Entscheidung zusammenhängt ad absurdum geführt.)
Wie ist der Begriff „Absicht“ gemeint? Im Sinne von „eine Absicht fassen, etwas zu tun“ oder im Sinne von „etwas mit Absicht“/absichtlich tun. Na ja, eigentlich egal, bei beidem kommt zum Ausdruck, dass (scheinbar) eine „eigene Entscheidung“ dem „eigenen“ Handeln zugrundeliegt – eine Art Widerspruch in sich selbst, nur möglich in der Illusion, ein Selbst zu sein (und diese dann wiederum bekräftigend).
„Freier Wille“ hängt wiederum mit der „Entscheidung“ zusammen, irgendwie läuft das alles immer wieder auf dasselbe raus.
Kontrolle ist ja ebenfalls nur scheinbar vorhanden, das wird jedem sofort klar, der mal daran denkt, was sein Körper so alles „nebenbei“ erledigt, völlig unkontolliert und unkontrollierbar!
Zum Thema „verantwortlich sein“ habe ich ja auch in meinem letzten Post schon geschrieben. Das gilt hier genauso.
Möchtest Du noch etwas ergänzen?
Ja, vielen Dank, Ichbin, für die unermüdlichen Hinweise bei diesem „Topfschlagen“! Es war ein sehr spannender Prozess, ich bin froh, dass ich mich darauf eingelassen habe. (Auch da, s.oben: keine Entscheidung nötig, als ich auf LU stieß, war klar: das wird gemacht!)
Fast empfinde ich so was wie Wehmut, dass unser Dialog jetzt zu einem Abschluss kommt. Aber das „gute“ Gefühl überwiegt eindeutig sowie eine Art von Neugier, Offenheit für alles das, was noch kommt!
Gracias!
Sharifa