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Re: Offene Einladung zur (Nicht)-Ich Suche

Posted: Sun Feb 26, 2012 8:42 pm
by ruediger
Das hatten wir schon und ich hab hier das Gefühl, dass du der ganzen Sache ausweichst, weil da eben Angst ist die Kontrolle zu verlieren.
Hi Rahaen
möglichwer weise versuche ich unbewusst, der Sache auszuweichen. Aber ist die Angst, Kontrolle zu verlieren nicht natürlich, solange die Ich-Illusion noch vorherrscht? Klar, wenn es kein Selbst gibt, gibt es auch keine Kontrolle. Dann gibt es auch keine Angst vor Kontrollverlust.
Ich versuche hier nicht irgendwas zu negieren. Ich empfehle dir nicht irgendwas zu negieren. Das hat mit der Wahrheitssuche überhaupt nichts zu tun. Es geht hier rein darum zu erkennen, was real ist und was ein rein in Gedanken gezeichnetes Bild ist bzw. eine Illusion.
Naja, mein Verstand erkundet hier neues Gebiet und es entstehen Fragen in allen Richtungen. Wir haben dann im vorigen post geschrieben, dass wir im Grunde keine Möglichkeit haben, die wahre Natur der Realität zu erkunden, sondern nur, was wir wahrnehmen, und wir können daher auch nicht wissen, woher die Sinneseindrücke kommen. Daher meine Bemerkung.
Willst du die Wahrheit, egal wie sie ausschaut, egal was das für Auswirkungen auf dein Leben hat?
Ich denke, wenn es denn die Wahrheit ist und ich sie als solche erkenne, dann stellt sich diese Frage nicht mehr. Alle Auswirkungen der Wahrheit sind nur relativ vom jetzigen Standpunkt aus als möglicherweise bedrohlich anzusehen. Wenn ich die Welt nach Erkennen der Wahrheit anders sehe, dann kann die Bedrohung nicht mehr existieren. Von daher kann die Antwort auf deine Frage nur JA lauten.

Re: Offene Einladung zur (Nicht)-Ich Suche

Posted: Mon Feb 27, 2012 6:59 pm
by ruediger
In den letzten Tagen habe ich das Gefühl, sehr viel deutlicher die Illusion zu sehen. Gedanken entstehen, angestossen durch mentale Bilder und Gefühle. Sinneseindrücke, Erinnerungen und Gefühle verschmelzen zu einer Art Brei, der die Gefühle hervorruft. Gedanken führen zu Handlungen und neuen Sinneswahrnehmungen (Feedback). Das alles passiert selbständig und im Hintergrund.
Bestimmte Eindrücke, Gefühle und Gedanken treten ins Feld der bewussten Wahrnehmung. Diese bewussten Wahrnehmungen scheinen die Ich-Illusion zu nähren. Es ist nicht so, dass diese "Wahrnehmungen" gesehen werden, da es keinen Seher gibt. Sie erzeugen nur das Ich-Gefühl, und gleichzeitig ist da ein Gefühl von Besitznahme und Verantwortung. Dieses Gefühl wird leicht unangenmehm, wenn ein Konflikt nicht aufgelöst werden kann, weil die Ich-Illusion vorgaukelt, man hätte Kontrolle.
Wenn die Illusion erkannt ist, wird dieses Schema aufgelöst. Die Wahrnehmung wird objektiv und leicht. Die Fehlersuche und das Verantwortungsgefühl dafür fällt weg........

Re: Offene Einladung zur (Nicht)-Ich Suche

Posted: Tue Feb 28, 2012 10:08 pm
by Rahaen
Ich seh da tut sich einiges, das gefällt mir.
Es ist nicht so, dass diese "Wahrnehmungen" gesehen werden, da es keinen Seher gibt.
Wie funktioniert das dann, wie beobachtest du all diese Dinge? Wie liest du diese Zeilen? Wie versuchst du die Existenz eines Ichs zu überprüfen?
Dieses Gefühl wird leicht unangenmehm, wenn ein Konflikt nicht aufgelöst werden kann, weil die Ich-Illusion vorgaukelt, man hätte Kontrolle.
Gibt es in irgendeiner Art und Weise ein Du, ein Selbst, das Kontrolle oder Nicht-Kontrolle haben könnte?

Wer oder was ist Rüdiger?

Re: Offene Einladung zur (Nicht)-Ich Suche

Posted: Wed Feb 29, 2012 6:08 pm
by ruediger
Wie funktioniert das dann, wie beobachtest du all diese Dinge? Wie liest du diese Zeilen? Wie versuchst du die Existenz eines Ichs zu überprüfen?
Es gibt keinen Beobachter, der wie im Kino Realität anschaut. Vielmehr werden die Wahrnehmungen in einer Art Wahrnehmungsraum verkörpert, wobei dieser Wahrnehmungsraum selber die Ich -Illusion nähert. Das heisst, die Wahrnehmungen und Gefühle selber werden zur ich-Illusion. Ich hatte es früher schon mal beschrieben: Es fühlt sich so an, als sei "Ich" das Gefühl selbst. Nur so kann ich die Ich-Illusion beschreiben.
Ich versuche, die Ich-Illusion zu überprüfen, indem ich nachsehe, was das ist, auf das sich "Ich" bezieht. Diese Überprüfung läuft ins leere, es gibt kein Objekt oder Wesen, welches dahintersteht. "Ich" ist immer nur ein Gefühl von Verantwortung für das Wahrgenommene. Es wird verglichen mit irgendwelchen Wunschbildern und wenn es gut ist, dann fühle ich mich auch gut.
Gibt es in irgendeiner Art und Weise ein Du, ein Selbst, das Kontrolle oder Nicht-Kontrolle haben könnte?
Offensichtlich nicht. Es ist nichts zu finden, nur das Gefühl wie oben beschrieben.

Re: Offene Einladung zur (Nicht)-Ich Suche

Posted: Wed Feb 29, 2012 9:08 pm
by Rahaen
Kannst du den Moment irgendwie festhalten, wo es Klick gemacht hat und wenn ja - wie ist das genau passiert?
Wie fühlt sich das an?
Wie würdest du das jemandem erklären, der noch nie was davon gehört hat?

Re: Offene Einladung zur (Nicht)-Ich Suche

Posted: Sat Mar 03, 2012 12:32 am
by ruediger
Kannst du den Moment irgendwie festhalten, wo es Klick gemacht hat und wenn ja - wie ist das genau passiert?
Es hat nicht direkt klick gemacht sondern mir wurden anch und nach verschiedene Aspekte klar. Das da kein extra Wesen oder ähnliches im Hintergrund ist, war mir schon ziehmlich bald klar. Ich wusste aber nicht, was es sonst war von dem man spricht wenn man Ich sagt. Darüber hatte ich mir nie Gedanken gemacht. Nachdem ich eine Weile nach dem Ich gesucht habe, wurde mir klar, das da ein Körper mit einem Gehirn ist, sonst nichts. Das ist aber nichts, was an sich eine Identität dastellen könnte. Dann erkannte ich, dass es sich um eine Art Gefühl von Besitz und Verantwortung handelt, welches das "Ich" ausmacht.
Einiges wurde klarer, als du mich gefragt hast, wo sich Wahrnehmung abspielt. Mir wurde dann klar, dass der Verstand (oder das Gehirn oder was immer) eine Art Wahrnehmungraum aus Sinneseindrücken, Erinnerungsbildern und Gefühlen erzeug und das wir eigentlich nicht wirklich wissen können, was innen und was aussen ist.
Wie fühlt sich das an?
Habe ich das (Nicht)-Ich gefunden? ich weiss es nicht. Wie soll ich es merken? Im Alltag fühle ich wenig Veränderung. Ich stehe aber entspannter der Realität gegenüber, seit ich weiss, dass sie nicht mein Gegener ist, sondern einfach "ist". Die Ich-illusion ist aber bei mir nicht aufgelöst. Erst wenn ich reflektiere und in Erinnerung rufe, das "Ich" nicht da bin und irgendwie angegriffen werden kann, entspannt sich dei Lage.
Wenn das was ich hier schreibe, das ist was es zu erkennen gab, dann hoffe ich, dass diese Erkenntnisse einsinken und die Illsuion irgendwann ganz abfällt.
Wie würdest du das jemandem erklären, der noch nie was davon gehört hat?
Wenn man den menschlichen Körper noch so sorgfältig untersucht und seziert, wird man dort nichts finden als Körperzellen und Gehirnzellen wie in jedem anderen Körper auch. Nichts, was irgendwie besonders ist. Man kann sogar Körperzellen austauschen, sofern sie sich nicht abstossen, ohne dass dadurch irgendwas vom "Ich" mit ausgetauscht wird. Das, was wir als Ich in uns spüren, bildet sich erst während wir aufwachsen. Erlebnisse und Eindrücke wirken auf uns ein und setzen sich als mentale Bilder fest. Der Verstand reflektiert und macht daraus ein Bild eines scheinbaren selbst. Vielleicht muss ein imaginäres Ich geschaffen werden, ein Subjekt mit Bedürfnissen, um diese Bedürfnisse befriedigen zu können.
Dieses eingebildete Ich ist abgespalten von der Umwelt und steht in ständigem Konflikt mit ihr. Dadurch fühlen wir uns ständig in der Pflicht und Verantwortung, handeln zu müssen. Das erzeugt Ängste, Frustrationen, aber auch Stolz, Arroganz, Neid etc. , all das als Reaktion auf unser eigenes Handeln oder nicht Handeln können.
Wenn wir diese Illusion erkennen, dann wissen wir, dass wir einfach nur in der Umwelt existieren, nicht gegen sie. Was getan werden muss, das tun wir. Der Begriff "muss" ist hier eigentlich überflüssig, denn es wird einfach getan. Dahinter steht kein Rechtfertigungs- oder Verantwortungsgefühl.

Re: Offene Einladung zur (Nicht)-Ich Suche

Posted: Mon Mar 05, 2012 12:37 pm
by Rahaen
Im Alltag fühle ich wenig Veränderung. Ich stehe aber entspannter der Realität gegenüber, seit ich weiss, dass sie nicht mein Gegener ist, sondern einfach "ist". Die Ich-illusion ist aber bei mir nicht aufgelöst.
Die Ich-Illusion verschwindet normalerweise nicht einfach, wenn sie als solche erkannt wird. Das ist sozusagen nur der Anfang vom Ende der Ich-bedingten Gefühle, Gedanken und Reaktionen, da diese durch den Glauben an das Ich am Leben gehalten und immer wieder gestärkt werden. Wenn der Glaube als solcher erkannt wird, beginnen diese Dinge wegzufallen.

Ich hab einige weitere Begleiter gebeten hier drüber zu schauen, bevor ich dich zu unserer Aftercare-Gruppe einlade. Gute Arbeit. :)

Ich hab in der Zwischenzeit noch eine Frage:
Erst wenn ich reflektiere und in Erinnerung rufe, das "Ich" nicht da bin und irgendwie angegriffen werden kann, entspannt sich dei Lage.
Muss das in Erinnerung gerufen werden oder kannst du das in jedem Augenblick erkennen?

Re: Offene Einladung zur (Nicht)-Ich Suche

Posted: Mon Mar 05, 2012 9:14 pm
by ruediger
Hallo Rahaen
Wenn der Glaube als solcher erkannt wird, beginnen diese Dinge wegzufallen.
ja, dann sind wir wohl so gut wie durch :) Ich danke dir auf jeden Fall für deine Unterstützung und Zeit, durch die sich mir viele Einsichten erschlossen haben. Ich hoffe, dass damnn auch meine "Ich-Gewohnheiten" nach un nach abfallen.
Zu deiner Frage:
Muss das in Erinnerung gerufen werden oder kannst du das in jedem Augenblick erkennen?
Es ist noch eine Art Kampf im Gange. Die Ich-Losigkeit ist aber durchaus present. Ich bin viel gelassener in Konfrontation mit vielen egogesteuerten Reaktionen bei anderen, da ich sie als solche erkenne. Bei mir selbst sind sie sehr viel geringer geworden, auch ohne es ständig in Erinnerung zu rufen. Ixch merke es besonders da, wocjh ich früher Neid gespürt hätte, weil jemand zB mehr erreicht hat. Heute kann ich das -nicht immer aber meistens- gelassen sehen und diese Leistung anerkennen.
Wenn ich spontan in Situationen geraten, wo das eingebildete Ich sich verteidigen oder rechtfertigen will, dann bin ich meistens gestresst und verfalle in alte Muster. Wenn ich dann etwas Zeit zum Durchatmen habe, mache ich mir klar, dass da niemand zu verteidigen ist und kann diese Muster abschütteln :)

Re: Offene Einladung zur (Nicht)-Ich Suche

Posted: Wed Mar 07, 2012 12:00 am
by Rahaen
Wenn ich spontan in Situationen geraten, wo das eingebildete Ich sich verteidigen oder rechtfertigen will, dann bin ich meistens gestresst und verfalle in alte Muster. Wenn ich dann etwas Zeit zum Durchatmen habe, mache ich mir klar, dass da niemand zu verteidigen ist und kann diese Muster abschütteln :)
Das freut mich zu hören, ist ein echt schönes Gefühl :)
ja, dann sind wir wohl so gut wie durch :) Ich danke dir auf jeden Fall für deine Unterstützung und Zeit, durch die sich mir viele Einsichten erschlossen haben.
Das sind wir :) Sehr gern geschehen. Schick mir deinen Benutzernamen auf Facebook (per Privatnachricht, wenn es dir lieber ist), dann kann ich dich zu unserer Aftercare Gruppe einladen.