Direct Pointing

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Martinma
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Re: Direct Pointing

Postby Martinma » Thu Jun 27, 2013 8:15 pm

Liebe Renate,
In den oben beschriebenen Momenten, gibt es da ein ICH?
Besonders wenn Zweifel oder Erwartungen auftauchen, findest du dann ein ICH?
Hängt sich da vielleicht nur der Verstand mit seiner Konditionierung rein?
Schaue genau hin und beschreibe bitte detailliert was da abläuft.
Da ist Nachdenken über deine Frage. Kein ICH und ein ICH scheinen abzuwechseln.
Für kurze Zeit ist da kein ICH, dann taucht kurz ein ICH auf usw. Wie du schreibst,
hängt sich der Verstand dann rein, weil Zweifel und Erwartungen auftreten.
Oder das ICH erscheint und verschwindet wieder. Es ist nicht gänzlich verschwunden,
auch wenn es nicht da ist. Es ist in jenen Momenten weg, in denen keine Gedanken da sind
bzw. in denen nur Jetzt da ist.
Als heute Erwartungen oder Zweifel auftauchten, übte ich mit den Erwartungen und Zweifeln.
Da ist Zweifel, aber niemand, der zweifelt. Dabei tritt das ICH in den Hintergrund.
Entspannung tritt ein, körperliche Erweiterung.
Wenn ich mit unangenehmen Gefühlen wie Angst übe, verschwindet die Angst fast unmittelbar.
Kurze Zeit ist noch Anspannung in einem Körperteil, meist Magen, Bauch, da.
Auch die verschwindet dann. Was bleibt, ist Leichtigkeit.
Bis sich dann der Verstand wieder reinhängt. Ich merke aber, dass das allmählich nachlässt.
Dann kommt ein Zweifel: "Bilde ich mir das ein?" (dass das nachlässt).
Ich übe mit dem Zweifel, er verschwindet wie auch der Verstand.
Der Gedanke "Bilde ich mir das ein?" wird damit praktisch abgeschnitten.
Nun taucht die Frage auf: "Ist das gut, einen Gedanken nicht zum Ende zu verfolgen?"
Antwort: "Es ist egal." Entspannung.

Liebe Grüße
Martin

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Renate
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Re: Direct Pointing

Postby Renate » Fri Jun 28, 2013 7:00 am

Hallo Martin,
Es ist nicht gänzlich verschwunden,
auch wenn es nicht da ist. Es ist in jenen Momenten weg, in denen keine Gedanken da sind
bzw. in denen nur Jetzt da ist.
Was, wie oder wer ist denn dieses ICH, dass scheinbar kommt und geht wie es will?


Lieber Martin ich bin das WE ohne Internetzugang
und kann mich erst wieder Montagabend melden.

Liebe Grüße
Renate

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Martinma
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Re: Direct Pointing

Postby Martinma » Sat Jun 29, 2013 4:46 pm

Liebe Renate,

dann wieder bis Montag.
Was, wie oder wer ist denn dieses ICH, dass scheinbar kommt und geht wie es will?
Als ich die Frage gelesen habe, kam spontan ein Gefühl so ähnlich wie Klarheit. Allerdings
verschwand es wieder beim zweiten Mal Lesen und ich wusste nicht mehr, was beim ersten
Lesen los war. So erging es mir schon öfter beim Lesen von gewissen Sätzen. Hat aber
wahrscheinlich nicht viel zu bedeuten. Ich glaube, da war auch der Gedanke: "Dieses ICH
bin nicht Ich." Soll wohl heißen, dieses ICH existiert eigentlich nicht.
Wie ist dieses ICH?
Es ist eigensinnig, tut, was es will und "Ich" scheine keinen Einfluss auf es zu haben.
Aber es ist nicht gehaltvoll, nicht wichtig. Es kommt und geht einfach.

Im Tagesablauf merke ich, dass bei Gesprächen das Meiste aus dem Verstand passiert und
gesprochen wird. Ansonsten fällt mir auf, dass mein Körper roboterartig Dinge erledigt,
wie Zähneputzen, gehen, jetzt z.B. tippen, Essen.

Ich hätte da eine Frage: Hab immer wieder gelesen und auch gesagt bekommen, dass es
wichtig sei, geerdet zu sein z.B. bei Meditation. Tolle nennt das, glaube ich, im Körper sein.
Nun habe ich oft das Gefühl, dass ich das - auch bei Übungen - eben nicht bin.
Manchmal spüre ich meinen Körper (nicht nur, wo es zwickt) und fühle z.B. Hände und Beine.
Meistens aber läuft der Körper sozusagen unabhängig neben dem rundherum und inneren
Geschehen her.

Liebe Grüße
Martin

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Re: Direct Pointing

Postby Martinma » Mon Jul 01, 2013 8:44 am

Hallo Renate,

hab gestern wieder versucht, ausfindig zu machen, wo die Gedanken herkommen
und wo sie enden. Ich konnte aber weder Anfang noch Ende erkennen. Sie kommen
einfach aus dem Nichts und gehen wieder genauso schnell dorthin zurück.
Manchmal ist es ein ganzes Knäuel von Gedanken, die sich rasch abwechseln - wie beim
Hin- und Herzappen mit der Fernbedienung. Wenn sie bewusst werden, verschwinden sie
auch gleich. Das ist besonders hilfreich bei ängstlichen Gedanken, wo sich dann die
Identifizierung mit einem Ich auflöst.

Bei einer Wanderung auf meine Almhütte gestern machte ich die Übungen. Die zwischenzeitliche
Anstrengung wurde jedoch als belastend empfunden. Es wurde mir bewusst,
dass ich die Situation des Gehens ablehnte und in Gedanken bereits bei der Ankunft auf
der Hütte war. Damit war ich wieder mehr in der Gegenwart, die Anstrengung wurde
angenommen und nicht mehr als unangenehm empfunden, auch wenn weiterhin Gedanken
auftauchten und gingen.

Heute morgen beobachtete ich die vor allem körperlichen Tätigkeiten, welche meist nach dem
selben Schema und beinahe automatisch ablaufen (Gesicht waschen, Zähneputzen, rasieren etc.).
Gleich war da mehr Bewusstsein für den Körper aber auch für die Gedanken, welche ansonsten
parallel zu den körperlichen Tätigkeiten stattfinden.
Jetzt 3 Stunden später muss ich feststellen, dass es immer noch schwer ist, diese Konzentration
beständiger aufrecht zu erhalten bzw. diese in den Alltag, Arbeitsablauf und Kontakt mit Menschen
kontinuierlich einzubauen. Aber es wird besser.

Liebe Grüße
Martin

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Re: Direct Pointing

Postby Renate » Mon Jul 01, 2013 12:10 pm

Hallo lieber Martin,
Ich glaube, da war auch der Gedanke: "Dieses ICH
bin nicht Ich." Soll wohl heißen, dieses ICH existiert eigentlich nicht.
Eigentlich?

Wie entsteht dieses Ich, worauf du keinen Einfluss hast und was du nicht bist?

Ich hätte da eine Frage: Hab immer wieder gelesen und auch gesagt bekommen, dass es
wichtig sei, geerdet zu sein z.B. bei Meditation. Tolle nennt das, glaube ich, im Körper sein.
Nun habe ich oft das Gefühl, dass ich das - auch bei Übungen - eben nicht bin.
Bitte verschiebe diese Überlegungen auf später, hier geht es zuerst um die „Ich-Illusion“.
Lege auch dein Wissen zur Seite, wenn möglich, es lenkt nur ab.
Über solche Themen können wir uns später austauschen.

Liebe Grüße und viel Spaß auf der Alm.

Renate

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Re: Direct Pointing

Postby Martinma » Tue Jul 02, 2013 5:40 pm

Liebe Renate!
Wie entsteht dieses Ich, worauf du keinen Einfluss hast und was du nicht bist?
Durch Gedanken. Gedanken tauchen auf, gleichzeitig findet Identifizierung mit dem Ich,
welches ich immer schon glaubte zu sein, statt. Ich erlebe mich als Ich und scheine vergessen
zu haben, dass es ein Ich nicht gibt. Bis mich ein Gedanke oder ein Blick auf die Merkzettel an
meine Übungen erinnern. Mittlerweile passiert das sehr häufig. Dennoch gibt es täglich viele
Situationen, in denen zuerst die Illusion des Ichs da ist, dann kommt die Erinnerung, dass es
keines gibt und danach die Desidentifikation. Diese geschieht einerseits gedanklich, indem der
Gedanke auftaucht, dass es kein Ich gibt. Damit sind die Gefühle oder Gedanken, für welche
vorher noch Ich verantwortlich war, einfach nur Gedanken oder Gefühle.
Andererseits ensteht durch die Entkoppelung (Gedanken, Gefühle und Ich) auf körperlicher
und psychischer Ebene Entspannung. Das Drama, die Gedankespiele, die Emotionen, Ängste,
welche derzeit vermehrt auftauchen etc. werden nicht weiterverfolgt.

Liebe Grüße
Martin

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Re: Direct Pointing

Postby Renate » Wed Jul 03, 2013 11:21 am

Lieber Martin! :-)
Dennoch gibt es täglich viele
Situationen, in denen zuerst die Illusion des Ichs da ist, dann kommt die Erinnerung, dass es
keines gibt und danach die Desidentifikation.
Auch wenn man scheinbar in der Illusion ist, ist kein wirkliches Ich vorhanden.
Scheinbar ja, aber wie du weißt ist es eine Fatamorgana. Wenn sie durchschaut ist geht man nicht mehr dort hin um Wasser zu holen. Man sieht die Fatamorgana und weiß.
Dieses „Wissen“ ist wie ein leiser Ton eines bestimmten Instrumentes in einem großen Orchester.
Wenn man diesen Ton einmal erkannt hat, hört man ihn immer wieder heraus. Egal wie laut das Orchester spielt.
Das Drama, die Gedankespiele, die Emotionen, Ängste,
welche derzeit vermehrt auftauchen etc. werden nicht weiterverfolgt.
Schön, sie tauchen auf, du erkennst und lässt los.

Nochmal zur Erinnerung, wie entstehen Ängste?


Liebe Grüße
Renate

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Re: Direct Pointing

Postby Martinma » Wed Jul 03, 2013 8:33 pm

Liebe Renate!
Nochmal zur Erinnerung, wie entstehen Ängste?
Es ist keine Erinnerung an diese Frage da, aber ich versuche es.
Ich höre oder lese etwas, z.B. von einer Epidemie, einem Unfall
ganz in der Nähe. Gedanken tauchen auf, dass auch meine Familie
oder ich davon betroffen sein könnten. Die Gedanken erzeugen Angst,
welche je nachdem, wie lange diese Gedanken um dieses Thema kreisen,
andauert.
Ängste sind meist Ängste vor irgendwelchen Dingen, die in der Zukunft
geschehen könnten. Somit enstehen die meisten Ängste im Kopf.
Ängste haben aber auch mit der Überzeugung zu tun, dass es ein Ich gibt,
welches sterben oder Schaden nehmen könnte und dass da jemand ist,
der Täter ist und den Lauf der Dinge beeinflussen und steuern kann.
Ängste können vielerlei "psychologische" Ursachen haben und können analysiert
und therapiert werden. Ich glaube, die Grundangst ist die Angst vor dem Tod
und die Angst als Ich aufzuhören zu existieren.
Ängste können auch sozusagen als Impuls auftauchen, wenn eine unmittelbare Gefahr
droht. Doch meist sind Ängste gedankliche Konstruktionen und ein Beweis dafür,
dass ich das, was ist, nicht akzeptieren will.

Heute entstanden bei den Übungen zum Teil tiefe Gefühle. Z.B. Trauer beim Hören eines Liedes,
welches Erinnerungen in mir wachrief. Es war ein wenig von der altbekannten Trauer dabei, die
auch eine gewisse Süße beinhaltet. Doch mit der Übung (da ist nur Trauer und niemand, der traurig
ist) löste sich die Trauer sogleich auf. Dasselbe war bei der Freude, die ich immer wieder verspürte,
weil sich eine gewisse Leichtigkeit und Zufriedenheit einstellte.
Bei den Gesprächen kam einmal der Gedanke "Reden aber kein Redner". Will das morgen üben.

Liebe Grüße
Martin

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Re: Direct Pointing

Postby Renate » Thu Jul 04, 2013 8:02 pm

Lieber Martin,
ja die Frage habe ich der Form noch nicht gestellt.
Ich wollte in Erinnerung bringen wie solche komplexen Gedankengeschichten
ablaufen und du erkennst gut wie sie ablaufen.

Wie ist es mit den Metaphern die ich zuletzt benutzt habe (Fatamorgana, leiser Ton im Orchester).
Wie wirkten sie auf dich, gibt es Gegenwehr oder Zustimmung?

Ich denke du hast das "Klassenziel" erreicht, du durchschaust die Illusion und brauchst lediglich noch
Übung bis es tiefer sinkt.
Fehlt noch was?

Liebe Grüße
Renate

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Re: Direct Pointing

Postby Martinma » Sat Jul 06, 2013 2:35 pm

Liebe Renate,

tut mir leid, bin wegen eines akuten schweren Krankheitsfalles in der
Familie gestern nicht zum Antworten gekommen.
Zudem habe ich auch Reisevorbereitungen, da ich ab nächsten Montag
für eine Woche bei meiner Tochter in Portugal sein werde. Da kann
ich dann auch nicht jeden Tag schreiben.
Ich denke du hast das "Klassenziel" erreicht, du durchschaust die Illusion und brauchst lediglich noch
Übung bis es tiefer sinkt.


Als ich deine Worte las, war da so etwas wie freudige Überraschung, dann doch Zweifel, da ich selbst es
nicht so eingeschätzt habe. Dennoch ist da das Gefühl, als wäre ein Durchschauen der Illusion da, jedenfalls auf
einer rationalen Ebene, auch intuitiv.
Fehlt noch was?
Wie du schreibst, fehlt Übung. Die Illusion ist doch noch sehr gegenwärtig und real.
Auch das Ich und der Glaube an den freien Willen sind da, auch wenn sie immer öfter als
Fiktion gesehen werden. Dann sind da noch Erwartungen.
Der erste Gedanke, welcher nach Lesen der Frage auftauchte, war:
Es fehlt dieses Gefühl der Verbundenheit. (z.B. Das Ich fühlt sich noch getrennt vom Wassertropfen -
aber wie soll ein Ich, das es nicht gibt eins mit dem Wassertropfen sein?).

Vielleicht fehlt auch noch Loslassen von der Eigenheit des ständigen Hinterfragens, vom Glauben an
Kompliziertheit, vom Zweifel, "ICH" könnte es nicht schaffen.
Beim Schreiben dieser Zeilen kommt das Gefühl, als würde ein kleiner Schritt genügen, und gleichzeitig
die Frage, warum dann dieser kleine Schritt nicht gegangen wird.
Gelassenheit und Leichtigkeit sind auch da.

Dann ist da auch der Wunsch, dass wir noch weitermachen. Also fehlen mir auch noch Fragen,
welche weiß ich aber nicht. Es ist ja eigentlich alles beantwortet, obschon du geschrieben hast,
dass du auf einige Antworten auf meine Fragen später zurückkommen wirst.

Also ich übe weiter.

Vielen Dank und liebe Grüße
Martin

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Re: Direct Pointing

Postby Renate » Sat Jul 06, 2013 11:21 pm

Lieber Martin,

viel Spass in Portugal bei deiner Tochter :-)

Ich fahre auch nächste Woche in die Ferien
allerdings in die andere Richtung, Dänemark ich komme ;-)
---------------------------------------------------------------------
Deine Erwartungen wie es sein soll, stehen im Weg.
Da du diese Geschichten durchschaust wirst du die Vorgehensweise deines
Verstandes immer schneller erkennen.
(z.B. Das Ich fühlt sich noch getrennt vom Wassertropfen -
aber wie soll ein Ich, das es nicht gibt eins mit dem Wassertropfen sein?).
Ja dieses Konzept kann nicht eins sein mit einem Wassertropfen aber
das was du bist schon. Was bist du wenn du nicht das Konzept bist?

Freue mich auf deine Antwort.

Renate

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Re: Direct Pointing

Postby Martinma » Mon Jul 08, 2013 9:44 am

Liebe Renate,

ich wünsch dir einen wunderschönen Urlaub in Dänemark.
Da will ich auch einmal hin. Kopenhagen ist übrigens die Stadt mit dem besten
Radwegenetz der Welt.

Kurz vor meiner Abreise nach Portugal noch meine Antwort.
Was bist du wenn du nicht das Konzept bist?
Wenn das Konzept wegfällt oder ich mich nicht mehr mit dem Ich identifiziere,
dann ist da wahrscheinlich pures Sein. Und auch dann, wenn es Identifizierung gibt,
aber kein Ich mehr, welches sich identifizert.
Es kommt zum unmittelbaren Kontakt mit dem, was gerade ist. Dann bin ich alles,
was ist. Das habe ich einmal gelesen, aber es erscheint nun auch sehr logisch.
Gefühle, Gedanken, Wahrnehmungen können nicht von etwas, was vorher als Ich
bezeichnet wurde, getrennt sein oder verändert, erzeugt, unterdrückt etc. werden.
Darüber hinaus (Gefühle, Gedanken ..) sind noch keine Vorstellungen vorhanden.

Liebe Grüße und alles Gute
Martin

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Re: Direct Pointing

Postby Renate » Mon Jul 08, 2013 1:24 pm

Hallo lieber Martin,

"dieser" der sich hartnäckig mit dem ICH Konzept identifiziert
wo ist er. Zeig mit dem Finger drauf. Wo ist er?
Stelle dich vor den Spiegel. Wo ist er?



Wenn Identifikation stattfindet gibt es dann plötzlich ein ICH in irgend einer Form.
Außer in Gedanken?
Wenn du dir "Nacht" vorstellst ist es dann plötzlich dunkel?
Es kommt zum unmittelbaren Kontakt mit dem, was gerade ist. Dann bin ich alles,
was ist.
Das bist du bereits, du hast bereits den Kontakt mit dem was gerade ist. Immer und andauernd :-)
Mache die Augen auf und schau um dich.

Der Verstand möchte aber gerne den großen "Bliss", möchte dies und jenes,
vor allen Dingen das was er mal gelesen hat und als "besser" einstuft hat als das was gerade ist.

Liebe Grüße
Renate

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Re: Direct Pointing

Postby Martinma » Wed Jul 10, 2013 11:23 pm

Hallo liebe Renate!
"dieser" der sich hartnäckig mit dem ICH Konzept identifiziert
wo ist er. Zeig mit dem Finger drauf. Wo ist er?
Stelle dich vor den Spiegel. Wo ist er?
Im Spiegel sehe ich nur ein Gesicht. Und da ist nur Gesicht betrachten. Kaum Gedanken,
Fast als wuerde die Zeit still stehen. Da ist niemand, der sich mit Konzepten identifiziert.
Also wo ist der, der sich identifiziert?
Er wird aus Situationen immer wieder geboren. Gerade jetzt sehe ich ihn als aufdringlichen Fremden,
der meine Gedanken lenken will. Aber wo ist dieser Fremde? Ein Hirngespinst, auch nicht zu finden.

Da ist jemand, der sich oft wuenscht, dass es anders ware als es jetzt gerade ist. Und er erscheint
in dem Moment sehr real.

Wenn Identifikation stattfindet gibt es dann plötzlich ein ICH in irgend einer Form.
Außer in Gedanken?
Wenn du dir "Nacht" vorstellst ist es dann plötzlich dunkel?
Ich tue mir schwer die beiden Gedankengaenge zu verbinden. Wenn ich mir Nacht vorstelle,
ist es nicht automatisch dunkel. Das ist sehr offensichtlich. Das Erstere ist vielleicht dasselbe,
aber ungewohnt. Ich denke "Nacht" und Dunkel taucht als Vorstellung wie von selbst auf, mitten
am Tag. Aber nur in Gedanken ist es dunkel.
Also gibt es auch nur in Gedanken ein ICH.

Manchmal faellt mir auf, dass ich fast mantraartig vor mir hinsage: Hoeren ohne Hoerer, Sehen
ohne Seher, Ungeduld aber niemand der ungeduldig ist. Dann beginne ich wieder die Suche nach
dem ICH.
Es ist auch nicht jeden Tag gleich. An manchen Tagen gehen die Uebungen tiefer als an anderen.
Aber wie du schreibst:
Der Verstand möchte aber gerne den großen "Bliss", möchte dies und jenes,
vor allen Dingen das was er mal gelesen hat und als "besser" einstuft hat als das was gerade ist.
Liebe Gruesse
Martin

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Re: Direct Pointing

Postby Renate » Sat Jul 13, 2013 8:45 pm

Hallo Martin,
Also wo ist der, der sich identifiziert?
Er wird aus Situationen immer wieder geboren.
Ja, immer wieder neu.

"Ein aufdringlicher Fremde der deine Gedanken lenkt."
In dem Moment, in dem du denkst das deine Gedanken gelenkt
werden, wer ist da deine ? Wie entsteht das Gefühl, das es deine sind?
Ich tue mir schwer die beiden Gedankengaenge zu verbinden. Wenn ich mir Nacht vorstelle,
ist es nicht automatisch dunkel. Das ist sehr offensichtlich.
Und wenn du dir "ICH" vorstellst ist da genau so wenig automatisch ein Ich.
Das Erstere ist vielleicht dasselbe, aber ungewohnt. Ich denke "Nacht" und Dunkel taucht als Vorstellung wie von selbst auf, mitten am Tag. Aber nur in Gedanken ist es dunkel.
Also gibt es auch nur in Gedanken ein ICH.
Genau, es ist das selbe. Gehe über diesen Vergleich nicht so schnell hinweg.
Hole dir diesen Vergleich oft ins Gedächtnis.
Dann beginne ich wieder die Suche nach
dem ICH.
Und? findest du es in irgend einer Form?
Es ist auch nicht jeden Tag gleich. An manchen Tagen gehen die Uebungen tiefer als an anderen.
Was bedeutet "tiefer" in deinem Satz?
"Tiefer" impliziert ein "Etwas" in das es sinken kann. Schau ob du da was findest.

Liebe Grüße
Renate


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