Die Umkleidekabine

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Leo J.
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Re: Die Umkleidekabine

Postby Leo J. » Wed Aug 29, 2012 10:58 pm

Hast Du diese Option, weil Du die Wahl hast? Oder erscheint diese Option als Wahlmöglichkeit, ohne das Du entscheidest oder auswählst?
Nun, bei der Wahl bin ich jetzt skeptisch. Bislang war ich davon überzeugt, dass einige der Entscheidungen auch aus der reinen Wahrnehmung getroffen werden. Wenn ich zum Beispiel Durst habe und ein Glas Wasser vor mir sehe, treffe ich eine Entscheidung, und zwar eine, die "aus dem Bauch" kommt.
Wenn ich aber denke, "ich werde wieder mal einen Schluck Wasser trinken, weil das gut für mich ist", dann bin ich in dem Bereich der Option die du vermutlich meinst. Und diese Entscheidungen kommen aus meiner Vorstellung und sind somit nicht real.

Oder, anders betrachtet, schaffen sie eine andere Realität, die sich über die reine Wahrnehmung legt und sie dabei verändert - womit ich bereits bei der Funktionsweise des "Ichs" bin, wie ich sie derzeit sehe: All unsere gelernten Verhaltensmuster und Routinen bestimmen, wie die Welt wahrgenommen wird, was ich denke, welche Gefühle dabei auftreten und welche Erwartungen auftauchen. Sie bilden zusammen das "Ich" und damit die Art, wie ich mir eine eigene Welt "erschaffe", die neben, vor oder hinter der objektiven Realität steht (je nach Gesichtspunkt). Diese "Ich-Welt" bestätigt sich durch die gemachten Erfahrungen von selbst und wird so zur Basis von fundamentalen Verhaltensmustern und gelernten Reaktionen. Vor mit ist dann kein Stück Frucht mehr mit bestimmtem Aussehen, Geruch, Geschmack, Konsistenz, sondern ein "Apfel" der Sorte Soundso, mit einer Geschichte vieler gesehener und gegessener Äpfel im Hintergrund, die bereits eine Erwartung aufbauen, was ich spüren werde, wenn ich hineinbeiße.

All diese Vorgänge sind natürlich und meine Gedanken dazu entstehen von selbst aus dem großen Fundus von Erinnerungen und Eindrücken. Real sind sie deswegen nicht. Real ist weder, was ich gestern oder vor zehn Jahren gemacht habe, noch was ich glaube, hoffe oder plane, in fünf Jahren zu machen. Real ist der Moment, der immer neu, spontan, unvorhersehbar und gegenwärtig ist, in dem ich wahrnehme, was ist und darauf eingehe.

Und mit Fülle (ich könnte auch "Leere" schreiben) meine ich genau das unbeschreibbare Etwas, das uns umgibt und in dem wir gut aufgehoben sind, ohne es erklären oder verändern zu müssen. Im Grunde gibt es überhaupt nichts zu tun, weil es nichts gibt, in dem "man" etwas tun kann. Das Ich ist nicht real und damit auch nicht all die Konzepte und Vorstellungen, die meinen Verstand belagern, während ich dies hier schreibe.

Du, Lars, stehts außerhalb dieser imaginären Welt, die ich mit meinen Gewohnheiten aufrecht erhalte, gehst dabei aber in Interaktion mit mir, um mich herauszuführen und mir zu zeigen, dass es nur eine Seifenblase ist, in der ich mich befunden habe, und zwar eine, die gleich vor meinen Augen zerplatzen wird. So sehe ich den Prozess des direct pointings und die Seifenblase, das ist mein "Ich", die nicht mehr notwendiger Weise gebraucht wird, um zu SEIN. Gebraucht wird gar nichts. Alles ist einfach.

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Re: Die Umkleidekabine

Postby Lars » Fri Aug 31, 2012 6:32 am

Alles ist ganz einfach, richtig!

Leo, Lars - das ganze Universum - taucht in diesem "Alles ist einfach" auf. Und jede Trennung ist nur eine künstliche, virtuelle und nachträglich eingefügte. Wahrnehmen ist, was übrig bleibt, wenn alle Ideen und Konzepte nicht länger greifen.

Alle "Ebenen", alle "imaginären Welten" weisen deutlich auf das hin, Leo, was Du schon weisst! Ich bin nicht ausserhalb, noch bist Du innerhalb. Leo und Lars sind nicht real und bleiben unauffindbar. Die Seifenblase ist schon geplatzt. Und Leo längst Geschichte. Es bleibt ______

Entscheidungen werden getroffen. Wahlmöglichkeiten erscheinen. Notwendigkeiten drücken sich spontan und ganz natürlich aus. "Durst" führt zu "trinken". "Hunger" zu "essen". Wir können im Alltag zu jederzeit die Ereignisketten beobachten.

"Glas Wasser" - "Durst" - "Trinken" - "Durst gelöscht".

Beobachte bitte, wie Entscheidungen entstehen. Kannst Du wahrnehmen, wie eine "reine Wahrnehmung" entscheidet? Oder - wie "Leo" entscheidet? Oder sind auch das nur nachträglich eingefügte "Ebenen", die eine Trennung bedingen -

"Ich/reine Wahrnehmung" - "entscheide" - "zu trinken"?

Wenn da einfach Wahrnehmen ist - ist da (dann) noch eine Trennung? Gibt es irgendetwas inner- oder ausserhalb dessen, was gerade ist? Ist eine Trennung wirklich... wirklich?

100% nur das, was jetzt und hier gerade wahrgenommen wird.

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Re: Die Umkleidekabine

Postby Leo J. » Mon Sep 03, 2012 10:10 pm

In der reinen Wahrnehmung kann ich keine Trennung ausmachen. Entscheidungen "passieren" einfach und sind Ausdruck der Interaktion von Wahrnehmung mit der Umgebung. Die Dinge sind miteinander durch einen lebendigen Strom aus Anziehung und Aufmerksamkeit verbunden und bewirken sich so gegenseitig. Es gibt keinen offensichtlichen Beweger und auch das Bewegte unterliegt nur in meiner Phantasie der Kontrolle. Real habe ich den Eindruck, als stoßen sich die Dinge, Ereignisse und Situationen wie Kugeln in einem riesigen Billardspiel an und folgen damit vorgegebenen Bahnen, die aber auf den ersten Blick willkürlich wirken.

Die Trennung erfolgt als Teil einer Gewohnheit und auch die nachträglich stattfindende Einteilung in Schubladen, Ebenen und Kästchen ist nur eine Illusion, die durch Wiederholung und Routine aufrechterhalten wird. Reine Wahrnehmung erkennt die Routine dahinter und deckt das Spiel als Täuschung, als Gespinst meines Verstandes auf.

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Re: Die Umkleidekabine

Postby Lars » Tue Sep 04, 2012 5:26 am

Ganz zu Beginn unseres Dialogs hast Du u.a. folgendes geschrieben:
"Es gibt einen Schleier vor meiner Wahrnehmung, den würde ich gern durchdringen."
Wie siehst Du es jetzt? Was ist aus dem "Schleier" geworden?

Und meine Bitte an Dich - wiederum einen Beitrag pro Tag.

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Re: Die Umkleidekabine

Postby Leo J. » Tue Sep 04, 2012 7:55 am

Der Schleier hat sich ebenso als eine Illusion herausgestellt, die nicht vorhanden ist, wie das ICH. Wahrnehmung ist und war immer vorhanden - mein Denken hat allerdings einen Schleier "erfunden" und damit einen Grund, der Wahrnehmung nicht zu trauen.

Solche Gedanken tauchen auch jetzt noch hin und wieder auf. Dann betrachte ich sie mit Wohlwollen und lasse sie ziehen... und mit dieser Betrachtung verschwinden die Schleier, Schicht für Schicht.

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Re: Die Umkleidekabine

Postby Lars » Tue Sep 04, 2012 5:09 pm

Lieber Leo,

was ich lese, lässt mich erfreut bemerken, dass es nicht mehr viel zu sagen oder schreiben zu geben scheint. Du siehst nun die wahre Natur des "Schleiers" deutlich. Herrlich!

Bitte beschreibe mir doch noch einmal ein wenig ausführlicher, wie es sich gerade anfühlt - das 'einfach Sein', blosse oder "reine", entspannte Wahrnehmen. Wie ist es im Alltag, in Beziehungen, Konflikten?

Hat sich etwas verändert? Gab es einen "Aha" Moment? Tauchen noch Zweifel auf und muss da noch etwas "gelöst" werden?

Ist dieser Moment - so wie er ist - genug?

Ganz einfach und entspannt, aus dem Bauch heraus, ohne Korrektur.

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Re: Die Umkleidekabine

Postby Leo J. » Wed Sep 05, 2012 8:14 am

Meinen Alltag kann ich derzeit durchaus als "herausfordernd" bezeichnen, denn in meiner Arbeitssituation zeichnen sich gerade massive Veränderungen (innerhalb meiner Tätigkeit) ab, die viel Einsatz und Aufmerksamkeit erfordern.

Dabei nehme ich wahr, wie ich auch in den Momenten der größten Anstrengung immer eine Achtsamkeit dafür vorfinde, mein Handeln, meine Ziele, meine Bemühungen nicht zu ernst oder über das Maß wichtig zu nehmen. Die Tage fließen dahin und ich gebe meinen Beitrag, ganz ohne Wertung und Beurteilung.

Im Umgang mit anderen bin ich sehr tolerant und zugleich einfühlsamer geworden. Ich habe eine stärkere Sensibilität dafür gefunden, zu sehen, was es in einer Situation braucht, damit sie mit weniger Reibung und Widerstand ablaufen kann. Mein Gespür für andere ist intensiver geworden und die Vergleiche, die früher allgegenwärtig waren, sind nun zu einer Ausnahmeerscheinung geworden.

In diesem Sinne erlebe ich täglich viele "Aha-Momente", die mir ganz entspannt zufliegen, mein Denken wieder ein Stück weit öffnen und mich meinen Alltag ruhiger und weitgehend ohne "Stress" erleben lassen, in einer nun intensiveren Qualität von Gelassenheit.

Auf deine Frage, ob der aktuelle Moment, so wie er ist, genug ist, kann ich vorsichtig mit "Ja" beantworten. Vorsichtig deshalb, weil ich merke, dass es schon noch Sehnsüchte gibt, die immer wieder auftauchen. Dabei bin ich mir noch nicht im Klaren, ob das nun Teile meiner alten Ich-Illusion sind oder ob darin eine Botschaft versteckt ist, die es zu erforschen gilt.

Vielleicht hast du aus deinem Erfahrungsschatz eine Anregung dazu?

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Re: Die Umkleidekabine

Postby Lars » Thu Sep 06, 2012 6:24 pm

Gehört Dir noch etwas?

Die Gelassenheit, Sensibilität, Achtsamkeit? Handeln, Denken? Sehnsüchte? Gar - die Ich-Illusion?

Was, wenn dieser Körper morgen sterben würde? Wäre das ein Problem?
Dabei bin ich mir noch nicht im Klaren, ob das nun Teile meiner alten Ich-Illusion sind oder ob darin eine Botschaft versteckt ist, die es zu erforschen gilt.
Sehnsüchte tauchen auf. Ok. Kein Problem! Denn - es gibt keinen "Vermittler", niemanden der etwas für oder gegen das Ausdrücken und Ausleben von Sehnsüchten tun könnte. Entweder geschieht Handeln oder nicht.

Die "Ich-Idee" jedoch will immer weiter, höher, tiefer. Mehr. Doch das was (schon) ist, ist sich selbst stets genug. Braucht nichts. Sucht nichts. Muss nichts. Ist schon vollständig.


Eine Anregung wäre zum Beispiel zu hinterfragen, wer das wissen will! Wer hat Sehnsüchte? Wer ist sich nicht klar? Wer glaubt die Ich-Illusion zu haben? Wer will da etwas erforschen? Wer sieht darin eine mögliche Botschaft?

Wer oder was also bist Du?

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Re: Die Umkleidekabine

Postby Leo J. » Fri Sep 07, 2012 7:36 am

Gehört mir noch etwas?

Eindeutig nein, die Zeiten des Besitzes und der Vereinnahmung sind vorbei. Waren sie zum Teil schon vor diesem Prozess und sind sie jetzt noch viel deutlicher.

Und der Körper ist ein Vehikel, dass ich benutze, um spezielle Formen der Wahrnehmung zu ermöglichen, vergleichbar mit einem Auto, das mich von A nach B befördert. Selbst wenn es kein A und B gibt und ich nur ziellos herumfahre, ist und bleibt das Auto ein Werkzeug, ein Hilfsmittel, dass mir diese Art der Erfahrung ermöglich. Geht das Auto kaputt, ist deshalb mein Leben nicht vorbei. Ähnlich sehe ich es in der Beziehung zu meinem Körper: ich achte ihn, ich ehre ihn für das, was er mir an Erfahrung ermöglicht, und wenn ich sterbe ändert sich für mich die Art der Wahrnehmung meines "Lebens" oder "Seins". Nicht mehr und nicht weniger.
Die "Ich-Idee" jedoch will immer weiter, höher, tiefer. Mehr. Doch das was (schon) ist, ist sich selbst stets genug. Braucht nichts. Sucht nichts. Muss nichts. Ist schon vollständig.
Diese Anregungen zeigen mir, dass es noch Teile meines Denkens gibt, die sich in alten, bekannten Gefilden tummeln und dort nach einer trügerischen Art von "Sicherheit" suchen. Das zeigt mir, dass mein Verstand hochbeschäftigt damit ist, etwas zu verstehen, wo es kein Verstehen gibt. Es gibt nur Sein, Leben und Wahrnehmen, was ebenfalls ist.
Ich würde es derzeit so beschreiben, dass da eine LEERE ist, in der ich mich befinde; und in dieser Leere ist die gesamte Fülle des Lebens enthalten, ganz ohne Zwang und Drängen, Anstoßen oder daran zu rühren. Sein, sehen, lassen und gleiten ... das sind die neuen Parameter meines Lebens.

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Re: Die Umkleidekabine

Postby Lars » Sat Sep 08, 2012 7:54 pm

"Und der Körper ist ein Vehikel, dass ich benutze"
Dies impliziert einen Besitzer. Was wiederum dem
"...die Zeiten des Besitzes und der Vereinnahmung sind vorbei..."
widerspricht. Was stimmt? Benutzt Du den Körper?

Eventuell gilt hier auch, was Du dann wiederum schreibst:
Diese Anregungen zeigen mir, dass es noch Teile meines Denkens gibt, die sich in alten, bekannten Gefilden tummeln und dort nach einer trügerischen Art von "Sicherheit" suchen. Das zeigt mir, dass mein Verstand hochbeschäftigt damit ist, etwas zu verstehen, wo es kein Verstehen gibt. Es gibt nur Sein, Leben und Wahrnehmen, was ebenfalls ist.
Hier müsste eigentlich ein tiefes "Ahh" folgen. Stattdessen wiederum einen Schritt zurück:
dass da eine LEERE ist, in der ich mich befinde;
und wenn ich sterbe ändert sich für mich die Art der Wahrnehmung meines "Lebens" oder "Seins".
Leo - es gibt das Ich nicht, deswegen bist Du nicht IN etwas noch AUSSERHALB. Schaue nach! Nimm Dir Zeit um Deine Aussagen zu überprüfen. Wenn da kein Ich ist - wie lässt sich da eine "Leere" oder "Fülle" ausmachen?

Und schau Dich um - was nimmst Du um Dich herum wahr? Fülle, Leere? Ist das nicht ein und dasselbe Blatt Papier, nur auf der jeweils anderen Seite beschrieben?

Erkennst Du, dass Du Dich im Kreis drehst? Kannst Du dieses "Ich" wahrnehmen? Was bleibt denn noch, wenn es durch Abwesenheit "glänzt"? Wer nimmt eine vermeintliche Leere wahr und sich in dieser? Wer glaubt den Körper zu benutzen? Wer glaubt denn da an sich als Leben oder Sein? Wer ist so hartnäckig mit diesen Konzepten verbunden?

Wer?

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Re: Die Umkleidekabine

Postby Leo J. » Sat Sep 08, 2012 8:58 pm

Jetzt säst du beim Haare Spalten wieder Zweifel, wo bei mir vorher schon so etwas wie Erkennen war. Da es MICH nicht gibt, ist es auch nicht MEIN Körper, sondern einfach ein Körper an sich, der Teil meiner Wahrnehmung ist. Aber natürlich gibt es da noch einen Graubereich in der Wahrnehmung, in dem sich Sehen, Interpretation und altes Denken in einer Kreisbewegung begegnen. Vor allem dann, wenn ich diese Wahrnehmung mit geschriebenen Worten ausdrücke.

Wenn ich von LEERE schreibe meine ich Abwesenheit von etikettierendem Denken; wenn ich FÜLLE beschreibe, meine ich die Vielzahl der spontanen Eindrücke, die ich durch mein "Sehen" aufnehme und die allesamt in eine Empfindung des einfachen Seins münden. Natürlich ist das das selbe Blatt für mich, ist das aus meiner Beschreibung nicht hervorgegangen?

Ich habe aber inzwischen einen ganz anderen Verdacht: vielleicht habe ich diese Ich-Illusion auch noch gar nicht durchschaut, sondern nur die Richtung meiner Denkmuster geändert, sodass sie der Vorstellung von Ich-Losigkeit gerecht werden.
Möglicherweise ist das, was ich als "Wahrnehmung" bezeichne, erst eine Vorstufe des Erwachens. Anders kann ich mir die ständigen Aufdeckungen nicht erklären, mit denen du immer punktgenau darauf hinweist, dass da noch Reste von Ich-haftem Denken auftauchen. Absolute Ich-Losigkeit fühlt sich zweifelsfreier an und misst den Gedanken nicht so viel Bedeutung bei. Ich habe den Eindruck, als würde ich abwechselnd einmal im einen, dann wieder im anderen Zustand sein ...

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Re: Die Umkleidekabine

Postby Lars » Sun Sep 09, 2012 9:57 am

Wir spalten Haare so lange, bis nichts mehr übrig bleibt vom behaarten Konzepteschopf. ;)
Absolute Ich-Losigkeit fühlt sich zweifelsfreier an und misst den Gedanken nicht so viel Bedeutung bei. Ich habe den Eindruck, als würde ich abwechselnd einmal im einen, dann wieder im anderen Zustand sein ...
Wer glaubt denn da zu wissen, wie die "Absolute Ich-Losigkeit" ist? Das ist die Wurzel der scheinbar wechselnden Aussicht. Mal ist da einfach nichts bestimmtes, einfach was ist und dann wird auf Wissen zurück gegriffen. Wie es ist, was ist, warum das was ist, ist wie es ist. Doch was weisst Du wirklich?

Ich sage Dir - VERGISS all das Wissen.

Schaue JETZT nach was wirklich ist! Es gibt nur das Sehen - da ist kein Ich. Und das ist nicht riesig, nicht rosig, nicht grandios. Sondern ganz einfach und simpel - "Aha." Mehr nicht. Eventuell vertraust Du dem Durchschauen auch nicht, weil Du weiterhin auf die Erfüllung der Erwachensgeschichte wartest...
Möglicherweise ist das, was ich als "Wahrnehmung" bezeichne, erst eine Vorstufe des Erwachens.
;) Erwachen - wer erwacht? Wer steht auf einer Stufe und will die "nächste" erreichen? Wer weiss etwas darüber, wie es sein wird oder sein könnte?

Du kommst niemals an, Leo! Denn Du hast Dich noch NIE von hier weg bewegt!

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Re: Die Umkleidekabine

Postby Leo J. » Mon Sep 10, 2012 7:49 am

Ja, definitiv gibt es da einen "Sucher" in mir, der sich ständig einmischt und die Momente des Gewahrseins an sich reißen uns mit seinen Erwartungen schmücken möchte.

Deinem Vorschlag, JETZT nachzusehen, was wirklich ist kann ich nachkommen, das gelingt mir leicht. Was noch schwierig ist, ist diesen Seinszustand, diese Wahrheit, längere Zeit aufrecht zu erhalten. Sehr schnell und sehr zielsicher baue ich wieder ein Konzeptgerüst über das, was ich wahrnehme, dann findet gleich wieder eine Verfremdung statt.

Und mein Verstand hat auch schon einen zielsicheren Vorschlag parat, wie ich dem entgegnen kann: meine Gedanken zum Schweigen bringen! Ist das nicht paradox? Ich erhalte einen Vorschlag aus meinem Denken, wie ich das Denken abstellen kann ... köstlich. :-)

Glücklicherweise schimmert die Wahrheit auch immer wieder durch und ich sehe, dass es all das Bemühen und die Erwartungen nicht braucht, sie überhaupt nur eine Art "Beschäftigungstherapie" für meinen Verstand sind, der fleißig nach einer Aktivität sucht. Dann kann ich in den Moment eintauchen und ihn so sehen und nehmen wie er ist, unvorhersehbar und gnadenlos einfach.

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Re: Die Umkleidekabine

Postby Lars » Mon Sep 10, 2012 4:34 pm

Nicht mehr weit, Leo...


Sage mir bitte:

Wer oder was ist der "Sucher"?

Wer oder was ist das, was einen Zustand aufrecht erhalten möchte?

Wer oder was baut Konzeptgerüste auf?

Wer oder was taucht in "den Moment" ein?


???

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Re: Die Umkleidekabine

Postby Leo J. » Tue Sep 11, 2012 7:43 am

Der "Sucher" ist eine gelernte Einstellung in meinem Denken, die ich in mein Leben übernommen habe, weil sie in sehr frühen Jahren Erfolg versprechend war. Sie hat mich dahin geführt, als Kind geliebt und anerkannt zu sein (= eine Erinnerung an die allgegenwärtige Harmonie), weil ich danach gestrebt habe "mehr" zu wissen und durch Wissen zu wachsen.

Es ist immer mein Verstand, der die Wahrnehmung in Konzeptgerüste einsortiert um sie "verstehen" zu können. Er hat das Bestreben, alles in ein größeres Bild einzufügen ... dass aber nicht ZU groß sein darf, weil es sonst nicht mehr fassbar ist.

Er ist es auch, der einen "angenehmen" oder befreiten Zustand aufrecht erhalten möchte ... weil dann eine kleine Pause im Zwang, immer denken zu müssen, auftaucht.

Und es ist auch der Verstand - mein konditioniertes Denken - das "in den Moment eintaucht" ... denn der Moment ist ewig und immer da. Es gibt kein Eintauchen und kein Auftauchen, ich bin immer schon dagewesen und kann gar nicht irgendwo anders sein. Mein Denken hat aber die Macht, mich diese Wahrnehmung vergessen zu lassen, sie zu verschleiern, bis ich tatsächlich glaube, irgend etwas "tun" zu müssen.

... mir wird gerade klar, wie mächtig diese Strategie des Denkens ist!


!!!


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