Nun, bei der Wahl bin ich jetzt skeptisch. Bislang war ich davon überzeugt, dass einige der Entscheidungen auch aus der reinen Wahrnehmung getroffen werden. Wenn ich zum Beispiel Durst habe und ein Glas Wasser vor mir sehe, treffe ich eine Entscheidung, und zwar eine, die "aus dem Bauch" kommt.Hast Du diese Option, weil Du die Wahl hast? Oder erscheint diese Option als Wahlmöglichkeit, ohne das Du entscheidest oder auswählst?
Wenn ich aber denke, "ich werde wieder mal einen Schluck Wasser trinken, weil das gut für mich ist", dann bin ich in dem Bereich der Option die du vermutlich meinst. Und diese Entscheidungen kommen aus meiner Vorstellung und sind somit nicht real.
Oder, anders betrachtet, schaffen sie eine andere Realität, die sich über die reine Wahrnehmung legt und sie dabei verändert - womit ich bereits bei der Funktionsweise des "Ichs" bin, wie ich sie derzeit sehe: All unsere gelernten Verhaltensmuster und Routinen bestimmen, wie die Welt wahrgenommen wird, was ich denke, welche Gefühle dabei auftreten und welche Erwartungen auftauchen. Sie bilden zusammen das "Ich" und damit die Art, wie ich mir eine eigene Welt "erschaffe", die neben, vor oder hinter der objektiven Realität steht (je nach Gesichtspunkt). Diese "Ich-Welt" bestätigt sich durch die gemachten Erfahrungen von selbst und wird so zur Basis von fundamentalen Verhaltensmustern und gelernten Reaktionen. Vor mit ist dann kein Stück Frucht mehr mit bestimmtem Aussehen, Geruch, Geschmack, Konsistenz, sondern ein "Apfel" der Sorte Soundso, mit einer Geschichte vieler gesehener und gegessener Äpfel im Hintergrund, die bereits eine Erwartung aufbauen, was ich spüren werde, wenn ich hineinbeiße.
All diese Vorgänge sind natürlich und meine Gedanken dazu entstehen von selbst aus dem großen Fundus von Erinnerungen und Eindrücken. Real sind sie deswegen nicht. Real ist weder, was ich gestern oder vor zehn Jahren gemacht habe, noch was ich glaube, hoffe oder plane, in fünf Jahren zu machen. Real ist der Moment, der immer neu, spontan, unvorhersehbar und gegenwärtig ist, in dem ich wahrnehme, was ist und darauf eingehe.
Und mit Fülle (ich könnte auch "Leere" schreiben) meine ich genau das unbeschreibbare Etwas, das uns umgibt und in dem wir gut aufgehoben sind, ohne es erklären oder verändern zu müssen. Im Grunde gibt es überhaupt nichts zu tun, weil es nichts gibt, in dem "man" etwas tun kann. Das Ich ist nicht real und damit auch nicht all die Konzepte und Vorstellungen, die meinen Verstand belagern, während ich dies hier schreibe.
Du, Lars, stehts außerhalb dieser imaginären Welt, die ich mit meinen Gewohnheiten aufrecht erhalte, gehst dabei aber in Interaktion mit mir, um mich herauszuführen und mir zu zeigen, dass es nur eine Seifenblase ist, in der ich mich befunden habe, und zwar eine, die gleich vor meinen Augen zerplatzen wird. So sehe ich den Prozess des direct pointings und die Seifenblase, das ist mein "Ich", die nicht mehr notwendiger Weise gebraucht wird, um zu SEIN. Gebraucht wird gar nichts. Alles ist einfach.

