Lieber Barbarossa, hier bin ich wieder, sorry, dass ich diesmal länger gebraucht habe!
Aaaber, wenn das Ich nur eine Vorstellung wie jede andere wäre, würde sie sich nicht so hartnäckig halten.
Was ist es, was das Ich so echt erscheinen lässt?
Ich hätte gern mit einem Satz geantwortet. Aber hier kommt nun doch ein Roman. Ich habe den Aspekten jetzt Überschriften gegeben. Ich bin wirklich sehr gespannt auf Deine Antwort!
Kultur
Das Ich erscheint so echt, weil alle davon ausgehen, dass es das Ich gibt und es einem als Kind so beigebracht wird. Darüber ließen sich Bücher füllen, wie genau die Illusion vom Ich im Kontakt mit den Kindern entsteht, und eben auch, wie man den Kontakt mit Kinder gestalten kann, so dass sie wissen, dass das Ich eine Illusion ist (gibt es so ein Buch schon?)
Unterscheindung Ich/Du und Verantwortung
Mein Ich erscheint mir so echt, weil es klar ist, was bspw. ich rede oder eben jmd anders. D.h. es gibt da eine klare Zuordnung der Nutzung der Fähigkeit des Sprechens. Wie auch immer die Kontrolle über das Sprechen funktioniert, wenn jmd. sagt, "seid alle ruhig", dann kann ich nur dafür sorgen, dass ich ruhig bin, und du musst dafür sorgen, dass du ruhig bist. Die Verantwortung liegt bei mir. Ich muss mich darum kümmern, mein Redeverhalten anzupassen.
Der Begriff Ich unterscheidet also zwischen mir und den anderen und markiert auch Verantwortlichkeiten.
Logik
Das Ich erscheint echt, weil es die Quelle oder Urheberschaft von Handlungen angibt. Wenn es kein Ich gibt, wo liegt dann die Urheberschaft? Hier entsteht einen Erklärungslücke. Der Verstand hätte aber gern eine Erklärung.
Kontrolle
Das Ich erscheint echt, weil es gerichtetes/intentionales Verhalten erklären will, und wir verhalten uns oft gerichtet und es erscheint intentional. "Ich will heute endlich Barbarossa antworten, also mache ich das jetzt." Sieht so aus, als hätte ich etwas gewollt, entschieden und gemacht, bei sowas entsteht kein Zweifel, dass hier eine steuernde Zentrale am Werk wäre. Zweifel entstehen erst, wenn das nicht klappt...
Erinnerung und Prägung
Und dann gibt es noch das Phänomen, dass ich mit mir allein bin, mit meinen Erinnerungen, Gefühlen, Kränkungen, Erfahrungen. Insbesondere bei Schmerz wird das deutlich. Ich muss ihn verarbeiten, scheitere daran evtl. habe Angst in bestimmten Situationen, bin also geprägt, man sagt, man trägt einen Rucksack. In diesen Erfahrungen über die Lebensspanne bildet sich das Ich scheinbar immer weiter heraus.