Page 4 of 4

Re: Sehen was ist, tun was zu tun ist - eine große Sache?

Posted: Thu Feb 17, 2022 9:43 am
by BrunoAbano
Liebe Mina,
zwei Wochen sind vergangen, ich bin wieder gesund und habe (wie du geraten hast) mal einfach sacken lassen. Entspannt im Moment die aktuelle Situation, Gedanken, Gefühle wahrnehmen... anschauen - das hat gut getan und ließ Raum für Klarheit.
Ich bin fast besessen davon, die Antworten endlich zu formulieren,es zu schaffen.
Kann es sein, dass da noch ein paar Erwartungen schlummern?
Ich hab gleich nach deiner letzten Antwort "Was LU nicht ist" noch mal aufmerksam gelesen, wusste ja auch eigentlich was da steht.
Ja da waren/sind Erwartungen. Allen voran die, "durch die im LU Dialog zu erlangende(!) Befreiung würden sich hemmende Selbstbilder und jahrzehntealte depressive Gedanken- und Gefühlsstrukturen in nichts auflösen".
Das tun sie natürlich nicht und "der sich das ausgedacht hat" tut es auch nicht ;-) .
Allerdings kann tatsächlich erkannt werden, dass dies allesamt Geschichten und in sich verschachtelte Gedankenblasen sind. Zusammengehalten, produziert und ernährt von immer weiteren Gedanken, darunter der "Ich"-Gedanke.
Und dieses Erkennen ist schon das Wesentliche: All dies ist nicht real und war es auch nie. Ihre Vehemenz und geglaubte scheinbare Wirklichkeit erhalten all diese Gedanken und Vorstellungen einzig durch die da rein gegebene Aufmerksamkeit und Energie, mitsamt diesem "Ich".
Immerhin kann ich sehen: es sind nur Gedanken.
Stimmt das wirklich?
Wie ist dieses Ich beschaffen, das angeblich sehen kann: es sind nur Gedanken?
Untersuche das ganz genau!
Ja, dieses Ich ist auch nur ein Gedanke, eine Annahme, ein Konstrukt. Auch wenn es noch so lange geglaubt und für wichtig befunden wurde mit allen seinen Implikationen.
Nicht das "Ich" sieht: es sind nur Gedanken - nein, dies kann einfach gesehen werden.
Mehr ist es nicht, da ist nichts und niemand - und doch ist genau diese klare Wahrnehmung das Befreiende!
Es gibt auch nichts zu tun, zu kämpfen, erlangen oder zu überwinden.
Das Leben ist doch einfach da, in jedem Moment. Mal so, mal so.

Mir kommt's jetzt vor, als wär ich mit dem oben Geschriebenen eigentlich auch schon im Beantworten der beiden ersten Abschlussfragen drin... na ja, das beim nächsten Mal.
Werde versuchen, nicht mehr so viel Zeit dazwischen vergehen zu lassen.

Liebe Grüße
Bruno

Re: Sehen was ist, tun was zu tun ist - eine große Sache?

Posted: Thu Feb 17, 2022 9:48 am
by BrunoAbano
Hab eben geschrieben, Mina :)
Danke für's Nachfragen!
Lieben Gruß

Re: Sehen was ist, tun was zu tun ist - eine große Sache?

Posted: Thu Feb 17, 2022 10:31 am
by Mina7777
Lieber Bruno,

es ist sehr schön, von dir zu hören :)

Es gibt nichts zu ergänzen zu deiner letzten Nachricht, also warte ich gespannt auf die nächste!

:)

Re: Sehen was ist, tun was zu tun ist - eine große Sache?

Posted: Thu Mar 17, 2022 12:16 pm
by Mina7777
Lieber Bruno,

ich bin dein Guide, damit du da nicht alleine durch musst.

Mir kommt's jetzt vor, als wär ich mit dem oben Geschriebenen eigentlich auch schon im Beantworten der beiden ersten Abschlussfragen drin... na ja, das beim nächsten Mal.
So sehe ich das auch.

Es gibt kein "Sehr gut" für richtige Antworten.
Durch die Antworten können vielleicht nochmals Fragen/Unsicherheiten auftauchen.... und die können wir gerne Schritt für Schritt gemeinsam anschauen!

Liebe Grüße

Mina

Re: Sehen was ist, tun was zu tun ist - eine große Sache?

Posted: Fri Mar 18, 2022 8:15 am
by BrunoAbano
Liebe Mina,
danke für deine Nachricht von gestern und für den Hinweis, das es hier nicht um richtige Antworten und quasi das Bestehen einer Prüfung geht. Und auch v.a. dafür, als mein Guide für mich da zu sein. Das tut gut und rührt mich ganz tief an, wo ich immer wieder in so eine Isolation gerate, "da jetzt irgend was unbedingt hinbekommen zu müssen".

In den letzten Tagen habe ich an der folgenden Antwort geschrieben, auch jetzt noch einiges:

Nach der Aufregung und gedanklichen Verwirrung seit Anfang des Jahres wird jetzt die Wahrnehmung klarer, durch einen wichtigen Prozess durchgegangen zu sein und noch zu gehen. Ich erlebe und weiß, dass das seine Zeit braucht und bedaure doch die lange Verzögerung zwischen meinen letzten Antworten. Denn da war immer wieder das Gefühl, den Faden in unserem Dialog zu verlieren aber anders ging es einfach nicht. Na ja doch, es geht schon anders - ich könnte mich einfach melden und dir schreiben, dass ich da und da hänge... aber so war es jetzt halt - es ist hoffentlich auch für dich akzeptabel und verständlich.

Dass sich alte, teils ein Leben lang geglaubte und geübte Gedanken- und Gefühlstrukturen melden würden sobald im Verlaufe unseres Dialoges wirklich ein gleichzeitiges Frei Sein davon erkennbar und erfahrbar wurde - das an sich habe ich eigentlich erwartet. Aber überraschend und erstmal überwältigend war die Heftigkeit dieser Reaktionen:
Ärger dass "es" nicht schneller und leichter geht, dass "ich es nicht kann", Abwehr, Angst vor schmerzhaften Gefühlen und Erinnerungen, Abwertung "meiner Selbst", Depression, die verzweifelte Überzeugung kämpfen und mich anstrengen zu müssen, Angst davor unterzugehen und zu zerbrechen, Überforderung... So was alles.
Die Identifikation damit war fast total und die quälende, auch körperliche Intensität erkläre ich mir einfach mit posttraumatischem Stress. Mal wieder. Ich kenne das seit Jahren und habe ja inzwischen auch durch langjährige therapeutische Arbeit ziemlich gut gelernt, damit umzugehen. Und so stark ist halt immer wieder der Wunsch, diese eingefleischten Rektionen endlich mal loszuhaben.
Das immer mögliche Erkennen einer real bestehenden und erlebbaren Freiheit inmitten all dessen fiel sehr schwer. Also die letzten Wochen waren oft echt herausfordernd - aber auch eine Zeit des Lernens und der Einsicht.
1. Gibt es irgendwo oder in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges „Ich“, „mich“ oder „Selbst“? Gab es das jemals?
Nein so etwas gibt/gab es tatsächlich nicht und nie. "Ich", "mich" oder "Selbst" sind ineinander vermischte Denk- und Gefühlsgewohnheiten, Vorstellungen, die im Laufe des Lebens in Reaktion auf die jeweiligen Umstände angenommen und dann festgehalten, geglaubt und weiter gedacht/gefühlt werden. Aber wirklich nichts daran ist so real wie z.B. das klare Erkennen ihrer rein fiktionalen Natur oder auch wie die Finger, die diesen Text hier tippen.
Alle solchen Vorstellungen von "Ich" bringen immer eine diskriminierende Eingrenzung, Verengung und Verzerrung der tatsächlichen momentanen Wahrnehmung mit sich. Sie erzeugen die falsche Wahrnehmung (Illusion!) getrennt vom Leben, "mir Selbst" und den Anderen zu sein.
2. Erkläre detailliert was die Ich-Illusion ist, wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur deine eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie du es jetzt gerade erlebst.
Was passiert hier gerade?
"Ich" sitze jetzt im Moment hier und denke darüber nach, wie "ich" die Ich-Illusion erklären erklären kann um damit nachzuweisen, dass "ich" "es verstanden habe". "Ich" möchte das "Erwachen" bestätigt haben. ......Hä? Das ist doch irre!
Wer bitteschön soll sich da um was bemühen? Wozu und für wen denn? Wo ist "Ich", der Denker? Da ist schlicht nichts zu finden - es kann nur ausgedacht werden ;-) Wie unsinnig und anstrengend!
Was wirklich wahrnehmbar ist, sind Gedanken - einfach nur Gedanken. Die drehen sich jetzt hier fast alle irgendwie um den Ich-Gedanken. Ihren Inhalt für-wahr-zu-nehmen, im Sinne von für-real-halten, so als wäre der Gedankeninhalt die Wirklichkeit erzeugt die Illusion eines tatsächlich bestehenden "Ich". Die reingegebene Energie des Glaubens und Festhaltens an den Ich-Vorstellungen erschafft und erhält die Illusion, dass sie wahr, substanziell und irgendwie wichtig wären.
Wenn ich da genau hinschaue und hinspüre wo dieses vermeintliche Ich ist, nehme ich vor allem eine große Anspannung und Enge wahr, merke dass ich total im Kopf bin. Beim Entspannen und weiter Hinsehen kommen Gefühle der Kindheit:
"totale Hilflosigkeit, Überforderung, Wut. Nicht anders können als die eigenen Wahrnehmungen und Bedürfnisse komplett zu unterdrücken und alles dafür tun zu müssen, diesen erlebten, unerträglichen Zustand nicht wahrzunehmen..."
Die "Flucht" in Ich-Gedanken, also in eine sozusagen vom wirklichen Erleben dissoziierte gedankliche Ebene war damals eine notwendige, alternativlose Bewältigungsstrategie. Dass das "wahr" sei und sogar hilft, war schon immer eine Illusion. mit allen Nebenwirkungen wie Isolation, Depression, Lebendigkeitsverlust. Dies ist total menschlich. Vielen, eigentlich allen ergeht es mehr oder weniger so. Das Leiden daran ist so gesehen also auch gar nicht persönlich zu nehmen, was das Verständnis und Mitgefühl leichter macht und ermöglicht.
Das ist traurig, rückblickend gesehen auch tragisch und tut real weh, ist manchmal zum Heulen - aber es ist vor allem heute ganz klar erkennbar, dass nichts an den Ich-Gedanken, einfach gar nichts wirklich und substanziell ist.

Viele liebe Grüße, Mina
bin gespannt auf deine Antwort
Roman

Re: Sehen was ist, tun was zu tun ist - eine große Sache?

Posted: Fri Mar 18, 2022 3:37 pm
by Mina7777
Lieber Roman,
danke für deine Nachricht von gestern und für den Hinweis, das es hier nicht um richtige Antworten und quasi das Bestehen einer Prüfung geht. Und auch v.a. dafür, als mein Guide für mich da zu sein. Das tut gut und rührt mich ganz tief an, wo ich immer wieder in so eine Isolation gerate, "da jetzt irgend was unbedingt hinbekommen zu müssen".
Sehr gerne! Unser Dialog ist durchaus auch für mich bereichernd - das ist keine Einbahnstraße :)
Nach der Aufregung und gedanklichen Verwirrung seit Anfang des Jahres wird jetzt die Wahrnehmung klarer, durch einen wichtigen Prozess durchgegangen zu sein und noch zu gehen. Ich erlebe und weiß, dass das seine Zeit braucht und bedaure doch die lange Verzögerung zwischen meinen letzten Antworten. Denn da war immer wieder das Gefühl, den Faden in unserem Dialog zu verlieren aber anders ging es einfach nicht. Na ja doch, es geht schon anders - ich könnte mich einfach melden und dir schreiben, dass ich da und da hänge... aber so war es jetzt halt - es ist hoffentlich auch für dich akzeptabel und verständlich.
Es ist völlig akzeptabel und verständlich.
"Und ich hätte dich vielleicht öfter anstupsen sollen/müssen/können"...höre ich Gedanken.
Schlussendlich kommt man an einen Punkt, wo man weiß: es ist so wie es ist und kann gar nicht anders sein. :)
Ärger dass "es" nicht schneller und leichter geht, dass "ich es nicht kann", Abwehr, Angst vor schmerzhaften Gefühlen und Erinnerungen, Abwertung "meiner Selbst", Depression, die verzweifelte Überzeugung kämpfen und mich anstrengen zu müssen, Angst davor unterzugehen und zu zerbrechen, Überforderung... So was alles.
Es ist sehr mühsam, immer wieder in die selben Pfützen hineinzufallen. Lange Zeit wundert man sich darüber, irgendwann sieht man die Pfützen... ist ganz stolz....fällt trotzdem wieder hinein....vielleicht noch ein paar Mal... und dann, eines Tages, geht man locker flockig drum herum.
Du hast deine Strategien entwickelt, das ist gut so. Entspannung, gute Ernährung, frische Luft, schöne Beziehungen... diese Dinge machen das Leben sicher leichter.

Aber das alles hört nicht auf. Es ist das Spiel des Lebens.
Jeder Moment kann allerdings offenbaren: es spielt sich auf wundersame Weise von selbst!


DANKE für deine ersten beiden Antworten. Von meiner Seite keine Fragen dazu.

Und schon geht es weiter: die nächsten zwei Fragen.
Eine kleine Erinnerung noch (weil du geschrieben hast, dass der Faden durch die Lücken immer wieder mal verloren ging): beantworte aus der direkten Erfahrung heraus:

3. Wie fühlt es sich an die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Berichte aus den letzten paar Tagen.

4. Was hat dir den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?



Bis bald! :)

Re: Sehen was ist, tun was zu tun ist - eine große Sache?

Posted: Tue Mar 29, 2022 8:01 am
by BrunoAbano
Liebe Mina,
danke für deine letzte Antwort.
Hat nun doch wieder etwas gedauert, bis ich mich melde. Aber ich war die ganze Zeit dran, gibt auch echt viel anderes zu erledigen derzeit.
Schlussendlich kommt man an einen Punkt, wo man weiß: es ist so wie es ist und kann gar nicht anders sein. :)
Das ist ein schöner Satz, der auch ganz meine Erfahrung und Wahrnehmung wiedergibt - besonders "mein nicht anders können" der ersten Monate dieses Jahres.
Es ist sehr mühsam, immer wieder in die selben Pfützen hineinzufallen. Lange Zeit wundert man sich darüber, irgendwann sieht man die Pfützen... ist ganz stolz....fällt trotzdem wieder hinein....vielleicht noch ein paar Mal... und dann, eines Tages, geht man locker flockig drum herum.
Ja genau, es sind halt die Irrungen und Verwirrungen des Lebens. Sie gehören einfach dazu wie auch das Ringen damit und der Prozess des Erkennens.
Aber das alles hört nicht auf. Es ist das Spiel des Lebens.
Jeder Moment kann allerdings offenbaren: es spielt sich auf wundersame Weise von selbst!
Und das ist das wunderbare daran: in jedem Augenblick ist wirklich erkennbar, dass die Dinge im Grunde von alleine geschehen, in unendlicher Beziehung und Bedingung unter- und voneinander. Wir mit unserer Wahrnehmung sind Teil davon, auch unsere Illusion vom Ich.
3. Wie fühlt es sich an die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Berichte aus den letzten paar Tagen.
Das fühlt sich jetzt immer wieder sehr erleichternd, auch gelegentlich auf eine eigentlich erfreuliche Weise etwas verunsichernd an. Da ist das sichere Gefühl, mit dem klaren Blick durch die illusion immer mehr eine "wahre" Erfahrung davon zu bekommen, wie "es wirklich ist", einfach so und von sich aus. Das ist auch nicht mehr zurückzunehmen oder zu vergessen - von wem denn? Da ist wirklich etwas Wesentliches passiert. Da ist die Gewissheit dieser Wahrnehmung.
Allerdings ist es immer noch möglich und geschieht auch, mich/sich immer wieder in die Illusion oder in Teile davon zu verstricken. Z.B. am Wochenende kam es zu einem Streit mit meiner Freundin - wie die zum Glück gleich nachgehende gemeinsame Betrachtung zeigte, nur aufgrund von aufeinander prallenden gewohnten/alten Ichvorstellungen und -verletzungen. Bei mir wie bei ihr. ... Also von alleine lösen sich die gelernten und geglaubten "Ich-Dickichte" noch nicht ;-)
Aufpassen und immer wachsam, klar und freundlich hinsehen und kommunizieren! Auch wenn's vermeintlich ganz dramatisch hochkocht und leidvoll wird... Wahrer wird die Verwirrung von der Intensität des Leidens daran nicht.
Schon vor dem Dialog hatte ich immer wieder Ahnungen, auch teils wirklich "streifenweise" Erfahrung einer Befreiung, glaube ich. Immer war das aber gefolgt von quälender Frustration über den anschließenden Verlust und verbunden mit ungeheurer, oft verzweifelter Anstrengung und Suche, "es" erreichen zu wollen/müssen, "es zu haben und zu halten". Jahrzehnte lang... Das fantasierte Ziel meiner Suche war/ist Teil der illusion.
Die Qualität dieses Sehens der Illusion ist aber jetzt wirklich eine andere. Es ist auch körperlich zu merken. Manchmal, in Momenten der Einsicht in den total eingebildeten und unrealistischen Charakter "meiner Ichvorstellungen" merke ich jetzt wie die Atmung sich ganz tief löst, ein wirklich befreidendes Aufatmen geschieht dann. Da gibt's dann nichts mehr zu machen, reine Freude über die wunderbare, schiere Tatsache des Lebens und der Wahrnehmung mittendrin quillt auf. Einfach so.
"Gott sei Dank" fühle ich dann im Herzen. Über dieses Erleben zu schreiben, noch mehr es redend zu behaupten fühlt sich irgendwie "so besonders" an (bisschen unangenehm und eingebildet) - dabei ist es doch auch komplett profan.
4. Was hat dir den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?
Den letzten Kick gab mir in den vergangenen Monaten sicherlich die schlichte Verzweiflung darüber, dass "ich" einfach inmitten meiner ganzen gewohnten, unsinnig gewordenen Vorstellungen von mir selbst und dem zwanghaft gewohnten Identifizieren damit absolut und überhaupt nicht mehr weiter wusste. Da gab es einfach keine Lösung mehr - die jedenfalls auszudenken gewesen wäre. Der Dialog hatte die eigentliche Substanzlosigkeit des Denkens klar wahrnehmbar gemacht. Es gab kein Zurück mehr. Da war die Angst vor den alten Gefühlen aus Kindheit und Jugend, vor totaler Hilflosigkeit und Überwältigung. Ja gut, aber die sind/waren halt einfach so... sie sind aber erstens nicht mehr akut und zweitens sind es Gefühle. D.h. beim Fühlen und Erleben wird ihr veränderlicher Charakter erlebbar, sie kommen und gehen, flauen ab. Auch die lange unterdrückten und gefürchteten.
Gleichzeitig war auch in dieser Zeit jetzt in ganz alltäglich erfreuenden Lebenssituationen und Begegnungen mit Menschen (nahen und unbekannten) auf völlig "normale" und direkte Weise erlebbar, dass gar nichts an mir "kaputt", "unheilbar gestört" oder "hoffnungslos" ist, was ich immer befürchtet habe und doch so unbedingt heilen wollte.
Ich glaube beides zusammen hat jetzt den klaren Blick durch die Illusion und ein echtes Loslassen möglich gemacht, es ist halt einfach so.

Hab immer wieder herzlichen Dank, Mina!
Lustig auch, dass ich am Ende meiner letzten Antwort ohne es zu merken und wollen so ehrlich wie selten im Leben "meine wahre Identität" geoutet habe :)

mit besten Grüßen
Bruno/Roman (darfst mich nennen wie du magst, vielleicht auch sonstwie?)

Re: Sehen was ist, tun was zu tun ist - eine große Sache?

Posted: Tue Mar 29, 2022 12:07 pm
by Mina7777
Dann bleib ich mal bei Roman, obwohl mir Bruno auch sehr gut gefallen hat :)

Wunderschön zu lesen, was du schreibst.
Es bleibt nichts zu ergänzen, außer der Freude meinerseits.

Sehr gerne hier nun die letzten beiden Fragen:

5. Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wodurch entstehen sie? Wie funktionieren sie? Für was davon bist du verantwortlich? Gib ein paar Beispiele aus deiner direkten Erfahrung.

6. Möchtest du noch etwas ergänzen?


Bis bald!

Re: Sehen was ist, tun was zu tun ist - eine große Sache?

Posted: Sat Apr 09, 2022 7:40 pm
by BrunoAbano
Hallo Mina,
jetzt hat es wieder lange gedauert... Ich hab auch die ganze Zeit an dieser Antwort geschrieben.
5. Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wodurch entstehen sie? Wie funktionieren sie? Für was davon bist du verantwortlich? Gib ein paar Beispiele aus deiner direkten Erfahrung.
Mir scheint, dass diese fünf "Begriffe", "Ideen" oder "Prinzipien" in dem, was sie für uns Menschen als Gesellschaft und individuell bedeuten, zumindest teilweise von illusionärem Charakter sind. Das liegt vermutlich daran, dass sie eng mit der Vorstellung von "ich", bzw. "wir" vebunden sind. Diese fünf hängen (auch dadurch) eng miteinander zusammen. Man kann das eine nicht sinnvoll betrachten, ohne dass andere wesentlich mit hineinspielen.

Ein Versuch sie einzeln und vielleicht in ihrer Verbindung zu beschreiben:

Entscheidung
Bei der Übung aus dem Dialog "Entscheidung zwischen zwei Getränken" hat sich gezeigt dass nicht klar erkennbar war, wodurch und an welchem Punkt die "Entscheidung" für ein Getränk fiel oder getroffen wurde. Von wem denn? Sie ergab sich situativ irgendwie von selbst aus der genauen Betrachtung des Für und Wieder.
Bei der Entscheidung wie ich meine Altersvorsorge planen, bzw. absichern und anpassen möchte erscheint das konfliktreicher oder schwieriger. Da "ich die Absicht habe" mit meinen bescheidenen Möglichkeiten nur noch in nachhaltige, grüne Projekte zu investieren, muss ich wohl meine langjährige Einzahlung in einen klassischen Industriefond ändern und jetzt zur Verfügung stehendes Geld anders anlegen. "Habe ich" dabei einen freien Willen, die Wahl oder ist das überhaupt eine Entscheidung?
Nur theoretisch, gedacht. Es muss quasi einfach getan werden weil es sich richtig und wichtig anfühlt.
Verantwortung gibt es dabei sehr wohl - für "mich" und die Hoffnung, auch im Alter wohnen und Essen/Kleidung kaufen zu können (möglicherweise eher eine Beruhigung von Ängsten als wirkliche Sicherheit) - und für "meinen"/einen Beitrag, die Welt etwas sauberer und gesünder zu machen.

Absicht
Wodurch ensteht diese "meine" Absicht, "mein" Leben so gut wie machbar umweltverträglich, ressourcenschonend, in Verbindung und im Einklang mit der Natur und den Mitmenschen zu führen? Es ist (mir) einfach völlig unmöglich und unerträglich, angesichts der eingefahrenen Gewohnheiten unserer blind und rücksichtslos konsum- und wachstumsorientierten Gesellschaften nicht die unbegingte Notwendigkeit einer solchen "guten Absicht" zu sehen und zu fühlen - und auch mich bestens um Realisierung zu bemühen!
Verantwortung darin? Ein bisschen für "mich" und "mein gutes Gewissen". Das wohl nicht mehr als mein möglicher Beitrag eigentlich nutzlos gering ist im Vergleich zur Wucht unserer kollektiven Zerstörung und "ich mein" Leiden an der Misere damit auch kaum lindern kann. Vor allen Dingen doch aber weil einfach getan werden muss was geht!
Im übertragbaren Sinne: sollen Kinder heutzutage weiterhin täglich geschlagen werden nur weil man es schon immer so gemacht hat und die meisten anderen es auch noch gewohnheitsmäßig tun? Es geht um Verständnis, Liebe, Mitgefühl. Darum ein wacher und eben verantwortungsvoller Teil des Ganzen zu sein.
Es sieht so aus, als ob "Absicht" unter diesen fünf am ehesten nicht nur ein gedankliches Konstrukt und damit illusionär ist, sondern substanzielle Ausrichtung von Lebenskraft und -energie bedeuten/bewirken kann, die sehr real ist und Realität schafft. Aber das obige Beispiel zeigt: "ich" kann und muss mir hier meine Absicht eigentlich nicht aussuchen, das Leben bringt das einfach mit sich.

Freier Wille
Der ist wie es aussieht genauso wie die Vorstellung vom "Ich" einfach nur eine Illusion. Wer soll denn einen freien Willen "haben und benutzen" und wo soll er sein? An diesen Fragen wird sichtbar - ohne den festgehaltenen und geglaubten Gedanken vom "Ich" macht die Idee vom "freien Willen" keinen Sinn. Ausgedacht... keine Realität.

Wahl
Die Idee der Wahl gehört auch zur Vorstellung des freien Willens.
Stehe "ich" frei vor der Wahl, heute Nudeln oder Reis zum Gemüse zu kochen? So kann ich das sehen/denken und mir dabei so wichtig, unabhängig, selbstbewusst und mein Leben bestimmend vorkommen wie bei der gravierenderen Frage/Entscheidung ob ich meine Freundin bitten soll, mich zu heiraten. Aber in beiden Fällen geschieht letztlich das, was aus vielen sich gegenseitig bedingenden Einflüssen entsteht und sich schon längst anbahnte, das worauf "es hinausläuft". Nach meiner Erfahrung ist die Vorstellung von "ich muss eine Entscheidung treffen und wählen" eher hinderlich um in so einem Prozess klar zu sein, "sich nicht im Weg" zu sein.

Kontrolle
Wenn ich ein anspruchsvolles, technisch schwieriges Stück auf dem Klavier spiele - wie geschieht die "Kontrolle" und Koordination all der komplexen physiologischen, emotionalen und gedanklichen Vorgänge, die dabei gleichzeitig miteinander ablaufen? "Wer" macht das?
Wenn es gut und ungestört läuft ist die Erfahrung die, dass "es sich von selbst" reguliert. Das fühlt sich berauschend lebendig an und macht glücklich; noch mehr beim Improvisieren, wenn auch die Musik selbst intuitiv im Moment entsteht. Es geschieht einfach, niemand "tut" es. Kein Kontrolleur, obwohl Kontrolle offensichtlich stattfindet und mit dem Ganzen wahrgenommen wird.
...Ist leider nicht immer im gleichen Maße so ;-)
Denn wenn "ich" hingegen versuche, das Geschehen zu kontrollieren, Fehler zu vermeiden, es besonders gut zu machen, mir dabei große Mühe gebe und mir "meiner selbst" und dieses Wollens ganz bewusst bin - dann bin "ich" gehemmt, verspanne mich körperlich und in Überkonzentration, mache Fehler, verliere Lust und Freude, habe Angst.... das Ganze geht dann voll an der Musik vorbei und ist sehr frustrierend.
Kann kontrolliert werden, dass "Ich" mit "meinen" Absichten dem freien Spiel nicht im Weg bin?
Oder einfacher und treffender gesagt - dass nicht zu viel dabei gedacht wird? Na ja, geht eigentlich nicht... wozu auch?
Es passiert halt und ist immer wie es ist: mal läuft's besser, mal schlechter. Wie immer im Leben gibt es weder Sicherheit noch Perfektion - auch die sind nur Gedanken.

Nach dieser Betrachtung scheint es, dass Entscheidung, Absicht, Freier Wille, Wahl und Kontrolle als Vorstellungen (mehr sind sie offensichtlich nicht!) vor allem in der Beziehung und Kommunikation zwischen dem Individuum und der Gesellschaft von Bedeutung sind. Genau in dem Spannungsfeld, wo auch die Idee vom "Ich" als vielfältige Rolle im Zusammenspiel mit den Anderen sinnvoll und notwendig ist. An dem Punkt entsteht auch wahrscheinlich von früher Kindheit an und immer wieder neu der Gedanke von "Ich", "meins", "deins" usw. wie auch die Identifikation damit.
Wie schön und befreiend, bei genauem und ehrlichem Hinsehen klar erkennen zu können, dass all das "nur" Gedanken und der Glaube daran sind. Aber mitspielen und die Rollen bewusst gestalten und ausfüllen muss man schon! :)
6. Möchtest du noch etwas ergänzen?
Am schönsten und heilsamsten an unserem Dialog und dem damit verbundenen Prozess empfinde ich die Erfahrung, das Denken und seine Inhalte jetzt wirklich nicht mehr so wichtig zu nehmen. Das Leben ist einfach da und geschieht in jedem Moment von selbst, auf allen Ebenen... Es ist wundervoll und ganz lapidar gleichzeitig :)

Herzliche Grüße, Mina
von Roman

Re: Sehen was ist, tun was zu tun ist - eine große Sache?

Posted: Tue Apr 12, 2022 7:45 am
by Mina7777
Lieber Roman,

danke für deine Antworten!
Wie schön und befreiend, bei genauem und ehrlichem Hinsehen klar erkennen zu können, dass all das "nur" Gedanken und der Glaube daran sind. Aber mitspielen und die Rollen bewusst gestalten und ausfüllen muss man schon! :)
Ja, es ist wirklich schön und befreiend.
Ich wollte noch fragen, wer denn da mitspielen muss.....
aber ich nehme jetzt einfach den folgenden Satz als Antwort :) :
Das Leben ist einfach da und geschieht in jedem Moment von selbst, auf allen Ebenen... Es ist wundervoll und ganz lapidar gleichzeitig :)
Ich werde deine Antworten nun den anderen Guides noch vorlegen und melde mich, sobald ich was gehört habe.

Bis bald!

Re: Sehen was ist, tun was zu tun ist - eine große Sache?

Posted: Sat Apr 16, 2022 5:01 pm
by Mina7777
Lieber Bruno,

es gibt keine weiteren Fragen mehr.

Demnächst wirst du eine PN mit Einladungen zu diversen Facebook-Gruppen erhalten. Außerdem wird dein Name blau und du erhältst Zugang zu anderen Bereichen im Forum.

Danke für unseren Dialog, dein Vertrauen und deine Ehrlichkeit.
Es hat mir sehr viel Freude bereitet mit dir! :)

Bei Fragen kannst du mich auch gerne weiterhin hier über PN oder auf Facebook erreichen.

Mach's gut.
Mina

Re: Sehen was ist, tun was zu tun ist - eine große Sache?

Posted: Tue Apr 19, 2022 12:41 pm
by BrunoAbano
Liebe Mina,

Herzlichen Dank auch dir noch mal für deine überaus hilfreiche und einfühlsame Begleitung während unseres Dialoges!
In dieser Zeit sind jetzt wirklich ganz entscheidende „Groschen gefallen“…. :)

Alles Gute
Bruno