Hallo Kalle,
Danke für deine Nachricht.
Plötzlich ist sie da, genau. Ein Impuls in eine Richtung.
Ich wollte einfach darauf hinaus, dass "Entscheidung" eben auch nur ein Etikett ist, eine gedankliche Benennung von etwas, das einfach passiert - ohne dass ein Entscheider gefunden werden kann.
Danke. Langsam wird es klarer...
ok, aber dass Gedanken irgendwie erscheinen, ist doch Teil der Erfahrung, oder?
Lass uns genau sein. Das, wovon sie erzählen, ist nicht da - richtig?
Ja, dass Gedanken erscheinen, ist eine Erfahrung. Und das, wovon sie erzählen, ist ein Erzählen über eine gemachte oder mögliche Erfahrung und nicht die Erfahrung selbst...
:-) Ja genau..... ein endloses blabla, ganz von allein - einfach ein Teil der direkten Erfahrung, nämlich "Denken-wahrnehmen".
Siehst du wie sich dieses Denken permanent um "dich" dreht; dauernd dieser Bezug auf ein Ich, das verteidigt, geschützt, das "sein Leben" kontrollieren muss - aber wo ist es?
Denken, "Entscheiden", Handeln - ist dazu ein Ich nötig? Passiert es nicht einfach?
Geburt, Atmen, Tod... machst du das?
Ja, stimmt. Wo ist dieses „Ich“...
Und alles geschieht. Auch ohne mein Zutun.
Zum tieferen Verständnis: Angenommen, es gibt kein Ich. Dennoch erfährt sich etwas ja in und durch diesen Körper und ist mit seiner Wahrnehmung hauptsächlich in diesem Körper zentriert, in dieser Persönlichkeit, in diesem speziellen Leben. Und nicht gleichzeitig an allen anderen Orten. Auch, wenn das Bewusstsein grenzenlos ist, was ich ein Stück weit nachvollziehen kann, so gibt es doch diesen Fokus auf dieses individuelle Leben. Und hat dies nicht auch seinen Sinn, dass es so ist?
Will das Leben, das Sein, sich vielleicht in all diesen verschiedenen Ausdrucks- und Lebensformen erfahren, in all seiner Vielfalt und auch Verschiedenheit? ... Was spricht dagegen, dieses individuelle Bewusstsein „Ich“ zu nennen? Kann „Ich“ nicht dennoch frei sein und mit allem verbunden? Ich bin... das, was ist... (?)
Mit "wahr" meine ich, dass es jetzt erfahren wird.
Erinnere dich nochmal an die Fruchtübung!
Wird das, was in den Gedanken erscheint, wovon sie erzählen, jetzt erfahren??
Z.B.
Der Gedanke an einen Kopfsprung ins Wasser - und der tatsächliche Kopfsprung ins Wasser
Die Erinnerung an eine fetzige Musik - und das Hören, Erleben dieser Musik
Der Gedanke an Wasser - kann er deinen Durst löschen?
Ok. Erfahren werden im Moment, wo die Gedanken auftauchen, die Gedanken. Nicht das, wovon sie erzählen.
Ja, der Gedanke ist nicht die gedachte Erfahrung.
Auch, wenn das jetzt wieder in die Theorie abgleitet, aber man hat wissenschaftlich untersucht, dass ein Gedanke, verbunden mit dem erinnerten Gefühl an eine bestimmte Erfahrung, im Körper ähnliche Reaktionen hervorrufen kann, wie die Erfahrung selbst.
Auf diese Weise haben z.B. Sportler nach einem Unfall während der Genesungszeit mit ihrem Bewusstsein, also unter Einbeziehung ihrer Vorstellungskraft, trainiert, mit körperlichen Resultaten wie Muskelaufbau, ohne, dass sie sich tatsächlich bewegten, ähnlich der tatsächlichen Erfahrung und wurden auf diese Weise oft wieder schneller fit als andere, die nicht geistig trainierten...
Widerspricht dies nicht in gewisser Weise der Behauptung, dass ein Gedanke an eine Erfahrung nicht die reale Erfahrung ist?
Wenn es „nur“ ein Gedanke ist und nicht die wirkliche Erfahrung, warum hat er dann so eine Macht über meine erfahrene Realität, wie z.B. die Gefühle und die daraus entstehenden Handlungen?
Ich habe oft erlebt, wie ein Gedanke zu einer unmittelbaren Erfahrung wurde. Nicht im selben Moment, doch kurz darauf.
Wie siehst du das mit dem schöpferischen Potenzial von Gedanken? In meinen Gedanken scheint es oft so zu sein, dass „ich“ die Gedanken wählen kann und dann entsprechende Erfahrungen mache. So gesehen scheint es eine gewisse Art von Kontrolle über die erlebte Realität zu geben. Ist das eine Illusion aus deiner Sicht? Wenn es kein Ich gibt, wer oder was steuert dann die Gedanken und meine erfahrene Realität?
Du schreibst immer, ich soll bei der direkten Erfahrung bleiben. Diese Fragen tauchen in mir auf und ich möchte nicht darüber hinweggehen, da ich es gerne verstehen möchte...
Liebe Grüße und eine gute Nacht,
Jeanne