Hallo liebe Barb,
jetzt hat es doch länger gedauert, als ich wollte, bis ich zum antworten komme...
erstmal herzlichen Dank für diese wunderbare, befreiende Zeit, die ich mit diesen Beiträgen und mit dem Schauen erleben durfte. Es ist unglaublich, wie sehr ich von der Vergangenheit, und der Umgebung geprägt war. Und es ist fantastisch dies zu durchschauen und wirklich in die Wahrnehmung zu gehen! Danke!
Gibt es irgendwo in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "Mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?
Nein, Nein, Nein! es gibt und gab kein eigenständiges ich, mich, oder selbst. Als Kind hatte ich das realisiert, dass alles eins ist, zum Leben gehört, und miteinander verbunden ist. Durch viele Erfahrungen, und auch um dazuzugehören, bzw. um eben sich "eigenständig" zu entwickeln hab ich eine Personifizierung, ein Label über mich aufgebaut. Dies hat zu viel Frustation und Unstimmigkeit geführt. Es gibt kein separates Ich, das war immer bewusst.
Erkläre detailliert, was die Ich-Illusion ist. Wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie du es jetzt gerade erlebst.
Ein separates Ich entsteht durch Erleben, Erfahrung, die mit Gedanken und Gefühlen verknüpft sind. Dadurch entsteht eine Geschichte, die sich personifiziert, und dann um dies aufrecht zu erhalten, identifizert man sich damit. Meist ist dies, aus meiner Erfahrung, mit Leid verbunden. Ohne ein separates Ich gibt es kein Leid, da auch niemand da ist, der leiden kann. Gedanken und Gefühle sind oft miteinander gekoppelt und dadurch wird die Separation noch verstärkt. Dieses separate ich dient auch als Schutzmechanismus, um aus der direkten Wahrnehmung rauszugehen. Es scheint auch, dass es durchaus leichter ist, mit einer Geschichte zu leben, als das Leben direkt, bewusst wahrzunehmen.
es kommt mir so vor, dass man seinen Gedanken mehr "traut", die Wahrnehmung, die Wahrheit zu sein, als dem Leben selbst. Dadurch hemmt man sein Potential und auch den Lebensfluss.
Wie fühlt es sich an, die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Bitte berichte aus den letzten Tagen.
Da es ja keine Illusion zu durchschauen gibt, gab es für mich nur ein Erkennen des Lebens! die letzten Tage waren sehr intensiv, das liegt wohl auch an der aktuellen Zeit. Vieles wird von den Medien berichtet, ich spüre viel Verunsicherung bei meinen Mitmenschen, auch bei meinen Patienten. Es ist eine wirkliche Herausforderung in der Wahrnehmung zu bleiben, und nicht sich den Gedanken hinzugeben. ich fühle eine unglaubliche Kraft in dieses Zeit, und ich beobachte nur, was um mich herum geschieht. Ich nehme meine Gedanken und Gefühle wahr, lass mich davon inspirieren, und beobachte weiter was geschieht. Vorher hätten mich diese Gedanken mit Gefühlen aus dem Gleichgewicht gebracht, aber ich kann mich dem Leben, der Gesamtheit, hingeben und dennoch meine Tätigkeiten ausführen. Es ist spannend die Gedanken, die kommen, zu bestimmten Themen, wahrzunehmen, sie im Kontext mit den Erlebnissen, der "Geschichte", zu betrachten, und dann beobachten was tatsächlich entsteht, aus der Liebe, dem Leben heraus.
Was hat den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?
das ist eine interessante Frage. Für mich war es eher so, was hat es zugelassen, wieder das Leben als Leben, ohne Geschichte, Wertung zu sehen. Die Wahrnehmung der Gefühle, der Gedanken, ohne sie zu personifizieren.
für mich kam die Freiheit, zu realisieren, dass Gedanken, Gefühle kommen, wie Wolken, wie das Wetter. Sie haben keinerlei Absicht, oder Wertung, sie kommen, sie gehen; und so ist es mit den Gedanken, Gefühlen auch. Das Leben lebt sich, durch das was geschieht. Ich bin das Leben, und das Leben ist ich. Auch Herausforderungen die vorkommen, sind wie ein Berg, der bestiegen wird. Manchmal dauert es eben etwas länger, bis man die Aussicht wieder frei überblicken kann. Ein Fluss fließt unabhängig der Biegungen, Neigungen, Hindernisse. Er sucht sich seinen Weg, und ist immer Teil des Ganzen.
Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wofür bist du verantwortlich? Bitte gib auch ein paar Beispiele aus direkter Erfahrung.
Aus der eigenen Vergangenheit, aus der man seine Geschichte-mit personifiziertem Ich darstellt, könnte man glauben, dass ein freier Wille, Wahl und Kontrolle möglich ist. die Frage, die sich dabei stellt ist ja dann wer hat den freien Willen, wer kontrolliert. Das Leben ereignet sich, es passiert. Auch bestimmte Situationen geschehen. Es ist garnicht so einfach, dass was ich gerade fühle, und nicht denken kann, in Worte zu fassen. Es kommt mir so vor, als gäbe es dafür keine Worte, bzw. hab ich sie noch nicht gefunden. Worte sind wichtig für die menschliche Kommunikation. allerdings findet soviel mehr Austausch an Inhalt ohne Worte statt. Worte bringen immer schon eine gewisse Bedeutung mit sich, und bekommen dadurch eine Bewertung. Dies schaffe ich in diesem Zusammenhang nicht. Leben, Aktion-Reaktion, Liebe, Beobachtung, Wahrnehmung findet auf sovielen Ebenen statt, dass mir hier die Worte fehlen. ich denke, (nehme wahr, oder der Gedanke kommt), dass ich für das was ich sage, mache, Verantwortung habe. nicht alle Gedanken die kommen, müssen in Worte gefasst werden, und da gibt es in der Wahrnehmung schon Differenzierungen. so wie jetzt, nicht alles was gerade gedacht wird, schreibe ich auf. Auch da kommen Gedanken, werden registriert, kommt der nächste Gedanke, und das was sinnvoll erscheint, wird geschrieben. Das Denken ist dafür da, um aus dem was man gelernt, erfahren hat, die aktuelle Wahrnehmung zu verarbeiten und dann in einem bestimmten Zusammenhang differenziert zu handeln.
Gedanken und Gefühle sind auch unabhängig voneinander wahrnehmbar.
Hätte je irgendetwas irgendwie anders entschieden worden oder geschehen können?
Nein! wie denn? es ist wie es ist. Der Fluss der seinen Lauf hat, fliesst nun eben so wie er fließt. Die Situation und auch die eigene Erfahrung, und das Leben bringen einen dazu, auf bestimmte Weise zu entscheiden, bzw. gibt es keine Entscheidung nur ein sich hingeben. Das ist eine sehr beruhigende Erkenntnis. Darauf zu vertrauen, das Leben anzunehmen, dass jedes Geschehen so stattfindet, wie es stattfindet. Auch Gefühle, die dabei entstehen, sind Teil des Lebens, und das macht das Leben intensiver und verbundener mit dem Ganzen. Es ist auch unglaublich beruhigend zu erfahren, dass alle Gefühle, auch die, die von außen als negativ bewertet werden, wie Wut, Zorn, Ärger, Hass, auch ein Teil sind, der erfahren werden darf, und auch gelebt werden kann. Dadurch kann erst das Gleichgewicht, die Harmonie, die dem Leben so wichtig ist, wieder hergestellt werden. So wie der Fluss aus der Quelle entspringt, mal langsam, mal schnell, rasant, im Wasserfall, im See, im Bächlein, im rauschenden Fluss bis zum Ozean fließt. Alles ist Teil, und in Bewegung mit dem gesamten Leben.
Das Verhalten meiner Kinder zu beobachten, ihre Gedanken und Gefühle wahrzunehmen und dann darauf einzugehen, ohne sie zu bewerten- aus einer Separation heraus, sondern aus der Gesamtheit, dem Einssein, ist eine wunderbare Bereicherung.
Es ist unbeschreiblich, sich dem Fluss des Lebens, ohne Ruder, hinzugeben, wahrzunehmen, teilzunehmen in seiner Gesamtheit, ohne zu werten. Dadurch wird das Leben viel intensiver, und man ist offen für das was gerade, im Moment geschieht, man ist im Einklang mit dem Leben. ich kann es leichter in Bildern beschreiben.
Gibt es noch etwas zu ergänzen?
Ich danke dir von ganzem Herzen für deine Begleitung, die mir geholfen hat, wieder das Leben wahrzunehmen, den Moment zu leben, und die Liebe fließen zu lassen.
ich wünsche dir alles Gute, Freude, Zufriedenheit, Einklang mit dem Lied des Lebens.
Herzlichste Umarmung, Daniela