4.
Was hat Dir den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?
Die Beständigkeit der Begleitung löste einen Sog aus, es wurde immer dichter und enger bis zu dem Moment, wo das direkte Erleben spürbar war. Das Vertrauen, das da entstanden ist, ist wie eine Brücke. Mir war bewusst, dass da eine Stimme ist, die sagt: geh einfach weiter, das passt schon. Ich habe dir vertraut und mich dem Sehen anvertraut. Das war der Moment, an dem ganz klar war: es gibt nur das. Sehen ist untrennbar verbunden mit dem Sehenden und dem Gesehenen. Da ist nur das und nichts anderes.
Ich glaube, ich würde jemandem, dem ich das erklären sollte, mit zu meinem Pferd nehmen. Meine Stute hat ein großes Herz und kein Ich. Sie bewertet nicht, lässt sich ganz auf den Moment ein und kommuniziert sehr fein. Auf ihrem Rücken spürt man ihre Wärme, sie nimmt Kontakt auf. Wer sich darauf einlässt, kann den Moment ganz spüren, ganz im Erleben sein. Das ist für die Menschen, die nicht öfter reiten, eine Erfahrung, in der sie nicht denken und nichts wollen.
.
5.
Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wodurch entstehen sie? Wie funktionieren sie? Wofür bist Du verantwortlich? Gib ein paar Beispiele aus Deiner direkten Erfahrung.
Entscheidung
Ich habe keine Entscheidung getroffen, das reine Erleben zu suchen. Es hat sich Schritt für Schritt ergeben. Auch die Anmeldung in diesem Forum hat sich irgendwie ergeben und fühlt sich nicht wie eine frei getroffene Wahl an.
Entscheidung setzt voraus, dass es zwei Möglichkeiten gibt: zum Beispiel Chemo ja oder nein. Ich glaube, dass diese Entscheidung deshalb zum Problem wurde, weil ich so getan habe, als könnte ich die Alternativen von außen anschauen und vergleichen. Ich habe versucht, die Möglichkeit des Sterbens zu minimieren.
Absicht
Ich bin in dem, was ich sehe, mehr gibt es nicht, abgesehen davon gibt es nichts. Ich brauche also keine Absichten.
Doch, es gibt noch die alltäglichen Absichten, wie, dass ich die Absicht habe, arbeiten zu gehen. Wenn das aus irgendeinem Grund nicht klappt, dann ist das halt so.
Freier Wille
brauche ich nicht. Von was frei sein? Von dem, was ist? Macht keinen Sinn, ich will nichts anderes.
In der Welt des Ich funktioniert der freie Wille auch nur, weil es die Trennung gibt und dadurch Wahlmöglichkeiten. Man tut so, als wäre man ohne den freien Willen eingeschränkt.
Wahl gibt es auch nicht wirklich. Es gibt nur das Erleben im Moment, also keine zweite Möglichkeit. Wirklich anders war das aber vorher auch nicht. Ich habe mir eingebildet, ein Studienfach zu wählen. Es hat sich aber eher so ergeben.
Kontrolle gibt es auch nicht. Das wäre wieder von außen, wenn es denn ein Außen gäbe. Es würde auch nichts bringen. Ich kann das Erleben in einer Achterbahn nicht kontrollieren, wenn ich von außen darauf schaue.
Ich bilde mir einr, dass ich die Kontrolle über mein Auto habe, wenn ich morgen fahre. Habe ich aber unter Umständen nicht. Die Einbildung aber reicht, dass ich mich ans Steuer setze
6. Diese Begriffe zu beschreiben, fällt mir schwer. Sie haben jetzt so ganz andere Bedeutungen als vorher. Gleichzeitig sind sie aber nicht weg.
Beschäftigt haben mich die Begriffe Empörung und Schuld.
Ich kenne die Empörung gut, jetzt ist sie weg.
Ich gab mir 20 Jahre lang die Schuld am Tod meines zweiten Kindes. Ich kann sie im direkten Erleben nicht wahrnehmen. Sie muss mit dem Ich zu tun haben. Es war ein Abgang im dritten Monat, niemand anders gab mir die Schuld.