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Re: Bis ans Ende des Weges

Posted: Fri Sep 07, 2018 6:27 am
by Stillness
:-) Ganz wunderbar. Eine Freude deine Antwort zu lesen.
dass Gedanken keine Rolle spielen, dass sie "neutral" sind, sich auf niemanden beziehen und daher niemand von ihnen gequält sein kann.. Das macht die Gedanken so "leer", so "inhaltslos".. "bedeutungslos". Es fühlt sich gleichermaßen leicht an - ob nun ein Gedanke auftaucht oder nicht.
Sehr schön beschrieben. Ja!

Denn
Wenn aber die "alte Perspektive am Hebel" ist, scheint da ein Ich zu sagen: "Wenn ich nur Freiheit von Gedanken hätte, dann könnte ich die Wahrheit erkennen!".
...was ist die "alte Perspektive" mehr als - Gedanken?

Es scheint 'deine' Perspektive zu sein, weil entsprechende Gedanken scheinbar verbunden sind mit einer Gedanken-Geschichte über 'Carolina'. Aber es ist überhaupt keine Perspektive, es ist nur Denken.

Ich möchte gern noch zwei Übungen machen, bevor wir uns nochmal der 'Geschichte über Carolina' zuwenden :-) Die erste kommt heute am späten Nachmittag.
Nämlich, dass ich die Wahrheit erkennen muss, um "in die Freiheit zu gelangen".. ("gelangen" ist ein schlechtes Wort. Verzeihung ;-) )
Ja, was du bist, ist frei. Es geht einzig darum, das zu sehen. Das ist, was gerade geschieht.

Re: Bis ans Ende des Weges

Posted: Fri Sep 07, 2018 9:27 am
by CarolinaS
Die erste kommt heute am späten Nachmittag.
...Freu mich schon!
DANKE!

Re: Bis ans Ende des Weges

Posted: Fri Sep 07, 2018 9:46 am
by CarolinaS
...was ist die "alte Perspektive" mehr als - Gedanken?
Es sind nur Gedanken, ...die aber nicht als nackte Gedanken gesehen werden (sondern mehr als "die Stimme in mir" / "meine innere Stimme"), so dass sich gefühlt ein Konglomerat aus Gedanken plus Gefühlen plus Identitätsempfinden aufbauen kann.
So würde ich es beschreiben...
Auch interessant. Mal zu sehen, dass da keine "innere Stimme" existiert...
All das Rätseln "Kommt diese Geschichte aus meinem Kopf oder kommt sie aus meinem Herz..? Und was soll ich jetzt tun?" entfällt. All das "Wie navigiere ich durchs Leben..?" entfällt!
Wow!
Das muss sich erst noch setzen..

Re: Bis ans Ende des Weges

Posted: Fri Sep 07, 2018 12:10 pm
by Stillness
Hallo Carolina,
bevor wir weitergehen, eine kurze Rückfrage zu dem, was du geschrieben hast: Erscheint es dir noch so, als ob Gedanken als eine Art innere Stimme 'aus dem Kopf' oder 'aus dem Herzen' kommen? Oder ist das etwas, das weggefallen ist?

Re: Bis ans Ende des Weges

Posted: Fri Sep 07, 2018 3:42 pm
by CarolinaS
...Ich würde sagen, ich habe es erkannt, dass da keine innere Stimme existiert.
In den Stunden des Tages, in denen ich die Ruhe habe, einfach da zu sein, mit dem, was ist, sehe ich ganz deutlich:
das sind "nackte Gedanken", oder einfach nur Hören (und tatsächlich: das Richtungsempfinden der Klänge beginnt sich aufzulösen), als ich heute nach einem kurzen Mittagsschlaf aufwachte, fand ich: schlafen und wach-sein ist am "selben Ort", der natürlich kein Ort ist..
Wenn ich dann bei der Arbeit bin (ich arbeite mit Menschen), werde ich scheinbar noch in die "alte Perspektive" zurückgezogen.. Wobei das auch nicht ganz richtig ist.. Es ist eher, dass ich einfach nicht mehr so genau hinschaue und dann scheinen manchmal die Geschichten (auch wenn es die Geschichten der anderen sind) wieder "realer"..
Manchmal höre ich dann auch nur dem Klang der Stimme zu, wenn mir jemand etwas erzählt und schaue wo dieses Hören stattfindet.. Aber da ist auf jeden Fall noch ein "neu Sortieren" und Stabilisieren im Gange.. So empfinde ich es jedenfalls.

Re: Bis ans Ende des Weges

Posted: Fri Sep 07, 2018 5:09 pm
by Stillness
Hallo Carolina,

danke für deine klare Antwort.
Wenn ich dann bei der Arbeit bin (ich arbeite mit Menschen), werde ich scheinbar noch in die "alte Perspektive" zurückgezogen.. Wobei das auch nicht ganz richtig ist.. Es ist eher, dass ich einfach nicht mehr so genau hinschaue und dann scheinen manchmal die Geschichten (auch wenn es die Geschichten der anderen sind) wieder "realer"..
Wow, toll erkannt und beschrieben! Ja, die Geschichten sind nie real, sie erscheinen nur manchmal realer und dann fühlt es sich wieder an wie 'ich'. Aber nur weil sich etwas, wie 'ich' anfühlt, heißt das nicht, dass da auch ein 'Ich' ist. Wir schauen da jetzt immer genauer hin :-)

Die nächste Übung für dich:

Schreibe 10 Minuten lang, was du gerade erlebst und benutze dabei "ich" und "mein".



Zum Beispiel: Ich höre das Klackern der Tastatur. Ich spüre Druck unter meinen Fingern von den Tasten. Ich sehe, wie die Buchstaben auf dem Bildschirm erscheinen. Mein Kopf tut weh etc.

Spüre deinen Körper. Empfindest du so etwas wie Anspannung oder Entspannung?



Dann schreibe 10 Minuten lang, was gerade erfahren wird ohne "ich" und "mein".


Zm Beispiel: Klackern der Tasten. Wechselnder Druck unter den Fingerkuppen. Buchstaben erscheinen auf dem 
Bildschirm. Leichtes Ziehen im Rücken etc.

Spüre wieder, was im Körper geschieht.



Vergleiche jetzt die beiden Möglichkeiten, die Erfahrung zu beschreiben.

Ist eine wahrer als die andere? Wenn ja, welche? 

Was ist ohne die Benennung mit "ich/mein" vorhanden? 

Beeinflussen "ich/mein" Benennungen die Erfahrung oder beschreiben sie sie einfach?


Was erkennst du noch bei dieser Übung? Was sagt sie dir über das 'Ich'?

Ich freu mich auf deine Antwort.

Re: Bis ans Ende des Weges

Posted: Sat Sep 08, 2018 12:55 am
by CarolinaS
Hallo Stillness,
Danke für die Übung.

Hier kommen die ersten 10 Minuten:
Ich höre die Tasten klickern Und das Reiben vom Stoff meiner Kleidung in der Bewegung.
Ich höre ein leises Summen meines Computers.
Ich fühle die Oberflächen der Tastatur in meinen Fingerspitzen.
Ich höre meinen Atem.
Ich fühle das Energiefeld meines Körpers.. und ein leichtes Druckgefühl in meinem Kopf.
Ich höre wieder meinen Atem.
Gerade fühlt es sich in meinem Kopf so an, als würde etwas "neu verkabelt" werden.
Ich höre wieder meinen Atem und die Tasten, wie sie klappern.
Ich fühle wie meine Hände und Füße pulsieren.
Ich fühle wie die Unterlage ist, auf der ich sitze und wie es sich anfühlt, sich anzulehnen.
Ich sehe die Überschrift dieser Webseite, die Farben und Formen, die sich auf meinem Bildschirm abbilden.

Nun die zweiten 10 Minuten:
Stille in der Nacht.
Da ist ein Atemgeräusch.
Da ist Fühlen.
Da ist Fühlen, das sich zu bewegen scheint (Körper).
Da ist gefühlter Kontakt zur Oberfläche des Rechners.
Da ist Sehen von Farben und Formen. Schriftzeichen erscheinen auf dem Bildschirm. Ein vertikaler Strich blinkt am Ende jeder geschriebenen Zeile auf und ab.
Da ist unrhythmisches Klackern der Tasten.
Da ist Wahrnehmen des "inneren Körpers" und Sehen von Fingern, die über die Tastatur huschen.
Da ist Hören eines "Geräuschs von der Straße" (vorbeifahrendes Auto).
Dann Stille.
Ist eine wahrer als die andere? Wenn ja, welche?
Die zweite ist wahrer im Sinne von direkter, intimer (,obwohl sie nüchterner klingt), natürlicher - ohne "Überbau", klarer.
Was ist ohne die Benennung mit "ich/mein" vorhanden?
Es ist genau dasselbe vorhanden, nur direkter erfahrbar.
Beeinflussen "ich/mein" Benennungen die Erfahrung oder beschreiben sie sie einfach?


In mir fördern die "ich/mein"-Benennungen noch ein Gefühl einer subtilen persönlichen Präsenz. Dieses Gefühl fällt ab, wenn die zweite Variante der Benennung geschieht. (Ich kann mir vorstellen, dass es irgendwann egal ist, welche Art der Benennung benutzt wird..)
Was erkennst du noch bei dieser Übung? Was sagt sie dir über das 'Ich'?
Ich sehe, dass kein Ich-Gefühl nötig ist, damit "Leben geschieht",
dass das Ich-Gefühl ein Gewohnheit ist, die durch Sprache unterstützt werden kann oder eben nicht,
dass das Ich als Subjekt Objekte "braucht",
dass es in Wahrheit weder ein Subjekt noch ein Objekt gibt,
dass Leben ohne Ich einfach so passiert,
dass das Ich "Beziehungen unterhält" - zu sich selbst und zu anderen - selbst zu den Dingen, von denen es umgeben ist,
dass da in Wahrheit gar keine Beziehungen sind. Keine Beziehungen, kein Hauptdarsteller, keine Story. Kein "Wie ist die Fortsetzung der Story?"..
Einfach immer nur das, was gerade ist.

Ich habe noch eine Frage. Ist das Ok?...
Ich war heute tagsüber immer wieder in einem wundervollen, friedlichen Sein, einem Zustand von "einfach Liebe".
Als ich heute Abend einen Film ansah, wurde ein alter Schmerzpunkt getriggert und die entsprechende "Storyline" samt den alten Gefühlen ist mir nur so um die Ohren geflogen.
Ich habe alles so gut ich konnte beobachtet und versucht all die unwahren Glaubenssätze einfach zu sehen. Es alles einfach zu sehen, einfach durchzufühlen, was eben da war.
Aber das Empfinden von Identität war nochmal recht stark spürbar.
Ich kenne dieses Wechselspiel ganz gut. Immer wieder scheinen solche "Kontrapunkte" durchzulaufen (erst wunderbarer Frieden und Klarheit, dann meldet sich der "Schmerzkörper").
Hast du diesbezüglich einen Rat für mich?
(Ich habe schon überlegt, ob's besser wäre zur Zeit mal auf Film und Kino zu verzichten.. weil es die Aufmerksamkeit so mächtig "reinziehen" kann.
Oder wird einfach alles ausgefühlt und angesehen, was immer sich zeigt?
Kann ich dabei irgendetwas besser machen?)

Jetzt kommt es mir schon komisch vor, in der Ich-Form zu schreiben ;-)
Alles nur noch "Halbwahrheiten"..
wenn überhaupt :-)

Re: Bis ans Ende des Weges

Posted: Sat Sep 08, 2018 3:15 pm
by Stillness
Hallo Carolina,

ganz prima, danke fürs Teilen deiner Übung!
(Ich kann mir vorstellen, dass es irgendwann egal ist, welche Art der Benennung benutzt wird..)
Ja, so ist es. Es ist egal. Die "Ich/mein"-Sprache hat praktische Zwecke und kann so weiterhin genutzt werden.
Ich habe noch eine Frage. Ist das Ok?...
Natürlich :-)
Aber das Empfinden von Identität war nochmal recht stark spürbar.
Ich kenne dieses Wechselspiel ganz gut. Immer wieder scheinen solche "Kontrapunkte" durchzulaufen (erst wunderbarer Frieden und Klarheit, dann meldet sich der "Schmerzkörper").
Das mit den "Kontrapunkten" kann ich gut nachvollziehen. Mit etwas Abstand betrachtet ist es so, dass scheinbar unterschiedliche Erfahrungen geschehen und der Organismus reagiert zum Beispiel auf 'Schmerz-Trigger' automatisch mit schmerzhaften Gedanken und Gefühlen. Ich nenne das mal 'Ich-Mechanismen'. Sie haben sich in vielen Jahren entwickelt und verschwinden als Automatismen nicht einfach so. Wenn das Ich als Illusion gesehen wird, werden auch alle Ich-Mechanismen, die immer noch auftreten können, als Illusion gesehen. Das heißt, die Freiheit von ihnen wird erkannt. Die Vorstellung, dass das vollständige Erkennen der Ich-Losigkeit bedeutet, dass überwiegend Zustände friedlichen Seins da sind, sitzt bei vielen 'Suchern' tief (und du hast bereits erkannt, dass es eine Vorstellung ist). Das Sehen der Illusion und ihrer Mechanismen bedeutet, die Freiheit von all dem zu sehen - auch wenn die Mechanismen vielleicht immer noch auftauchen, während sich eine neue Perspektive entfaltet.
Hast du diesbezüglich einen Rat für mich?
(Ich habe schon überlegt, ob's besser wäre zur Zeit mal auf Film und Kino zu verzichten..
Ja, es ist wirklich so, dass bei so ziemlich allen Filmen, Liedern etc. das 'Ich' im Vordergrund steht - und das entsprechende Drama :-). Wie oben beschrieben, sind automatische Ich-Mechanismen kein Problem. Und wenn du das Gefühl hast, dass du stärker auf die Begleitung hier fokussiert sein kannst, wenn du auf Filme etc. etwas verzichtest, dann würde ich das machen. Schau einfach, was für dich stimmig ist.
Empfinden von Identität
Damit geht es weiter :-)

Mich interessiert für heute noch: Wie geht es dir mit der Begleitung und deinem Prozess? Tauchen Befürchtungen oder ähnliches auf? Falls es etwas gibt, was du nicht hier im Forum teilen möchtest, kannst du das übrigens auch jederzeit per PM machen.

Ich freu mich auf deine Rückmeldung.

Re: Bis ans Ende des Weges

Posted: Sat Sep 08, 2018 3:42 pm
by CarolinaS
Hallo Stillness,
Mich interessiert für heute noch: Wie geht es dir mit der Begleitung und deinem Prozess?
Mir geht es großartig mit deiner Begleitung!
Ich kann meine Dankbarkeit WIRKLICH nicht in Worte fassen!!
Es macht den Prozess so viel leichter für mich - wirklich ein Himmelsgeschenk! :-)
Und ich merke, dass meine Ängste sich stark reduziert haben.
Ich könnte auch sagen: mein Vertrauen ist exponentiell gewachsen.. Zumindest fühlt es sich gerade so an.
Tauchen Befürchtungen oder ähnliches auf?
Im Moment freue ich mich auf jede Übung / Frage, weil ich spüre, wo es mich hin(ein) führt..
Nach Hause.
Falls es etwas gibt, was du nicht hier im Forum teilen möchtest, kannst du das übrigens auch jederzeit per PM machen.
Danke, dass du mich darauf hinweist. Daran hatte ich gar nicht gedacht.

DANKE FÜR ALLES!

Re: Bis ans Ende des Weges

Posted: Sat Sep 08, 2018 4:44 pm
by Stillness
Hallo Carolina,

wundervoll! Freut mich sehr, dass dieser Prozess so gut für dich funktioniert. Und ich begleite dich sehr gerne hier.

Weiter geht's:

"Das Empfinden von Identität" - damit meinst du, das Empfinden, eine Person zu sein, das Empfinden Carolina zu sein. Ja? Falls nicht, sag mir nochmal, was du darunter verstehst.

Du hast zuletzt gesehen, dass das unter anderem durch die Gewohnheit der 'Ich/mein'-Sprache entsteht. Da scheint jemand zu sein, dem all das 'gehört', was erfahren wird, jemand, dem all das 'widerfährt'. Und es gibt noch weitere Aspekte, die ich im Folgenden sehr genau mit dir anschauen möchte. Wir beginnen wieder mit dem Körper, lass uns da nochmal hinschauen.

Hier eine Übung:

Setze oder lege dich für ungefähr 15 Minuten hin. Schließe die Augen.
Achte nur auf die reinen körperlichen Empfindungen.

Kannst du erkennen, wie groß der Körper ist?
Hat der Körper ein Gewicht oder einen Umfang?

Hat dein Körper in der aktuellen Erfahrung eine Gestalt oder Form?
Gibt es eine Grenze zwischen dem Körper und der Kleidung?
Gibt es eine Grenze zwischen dem Körper und dem Stuhl?

Wieviel Zehen hast du?
Bist du männlich oder weiblich?
Hast du einen Namen?

Gibt es ein Innen oder Außen? Falls es ein innen gibt - innen wovon genau?
Falls es ein Außen gibt, das Außen wovon genau?

Worauf bezieht sich das Wort/die Bezeichnung ‘Körper’ eigentlich?
Fehlt dir irgendetwas, wenn du dich so erfährst?

Wo im Körper befindet sich ein Gefühl von 'Ich'?
Welche Körperempfindungen sind damit verbunden?

Re: Bis ans Ende des Weges

Posted: Sun Sep 09, 2018 12:46 pm
by CarolinaS
Hallo Stillness,
"Das Empfinden von Identität" - damit meinst du, das Empfinden, eine Person zu sein, das Empfinden Carolina zu sein. Ja?
Ja, genau. "A sense of personhood".

Ich habe mir die Fragen aufgesprochen und die Übung inzwischen zwei mal gemacht..
Beim zweiten Mal ging es tiefer. An einem Punkt, habe ich gemerkt, dass ich die Fragen höre, aber nicht mehr verstehe. Das war auch irgendwie 'interessant'. ;-)
Kannst du erkennen, wie groß der Körper ist?
Der Eindruck hat sich wie gesagt beim zweiten Mal stark verändert..
Anfänglich war da einfach das Wahrnehmen von Empfindung oder Fühlen, aber kein Ding, kein Körper. Je tiefer ich gerutscht bin, um so mehr haben sich auch die Empfindungen aufgelöst und damit auch der Eindruck von Größe, Form oder Gewicht etc..
Hat der Körper ein Gewicht oder einen Umfang?
Gewicht ist gleich/entspricht Fühlen und wird transparenter je mehr ich von alten Vorstellungen über den Körper loslasse. Umfang.. Konnte ich nicht finden. Höchstens eine Atembewegung = Fühlen.
Hat dein Körper in der aktuellen Erfahrung eine Gestalt oder Form?
Gestalt und Form scheinen völlig "variabel" zu sein - abhängig von der Art wie ich schaue. Wenn ich den Gedanken einen Körper zu haben fallen lasse, ist nichts mehr fixiert. Dann sind da nur vereinzelte Empfindungen, die mal mehr mal weniger aufzutauchen scheinen.
Gibt es eine Grenze zwischen dem Körper und der Kleidung?
Nein. Keine Grenzen. Nur ein vages, aber vertrautes Gefühl von etwas, das bei genauem Hinsehen undefinierbar ist.
Gibt es eine Grenze zwischen dem Körper und dem Stuhl?
Nein. Dasselbe wie mit der Kleidung.
Wieviel Zehen hast du?
Keine Ahnung. Zählen ist etwas, dass überhaupt keinen Bezug zu "Erfahren" zu haben scheint.
Bist du männlich oder weiblich?
Keins von beiden." Männlich/Weiblich" ist auch "weit weg" von "Erfahren".
Hast du einen Namen?
Nein.
Gibt es ein Innen oder Außen?
Im Verlauf der Übung wurde immer deutlicher: Nein.
Falls es ein innen gibt - innen wovon genau?
Das "Wovon"/das "Was-da-ist" ist undefinierbar. "Unsprechbar".
Falls es ein Außen gibt, das Außen wovon genau?
- Dasselbe.
Worauf bezieht sich das Wort/die Bezeichnung ‘Körper’ eigentlich?
Auf einen Glauben. Eine Annahme.
In der Erfahrung: maximal auf Fühlen. Je mehr ich loslasse, auf eine Erfahrung von "Entgrenzung". Ich könnte also auch sagen auf nichts, das definierbar wäre..
Fehlt dir irgendetwas, wenn du dich so erfährst?
Absolut nichts. Im Gegenteil. Es ist wunder-voll..
Wo im Körper befindet sich ein Gefühl von 'Ich'?
Da ist kein Ich.
Welche Körperempfindungen sind damit verbunden?
Keine Körperempfindung. Nur ein "nicht-genau-Hinschauen"...

Re: Bis ans Ende des Weges

Posted: Sun Sep 09, 2018 3:04 pm
by Stillness
Hallo Carolina,

so schön, deinen Bericht zu lesen.
Wenn ich den Gedanken einen Körper zu haben fallen lasse, ist nichts mehr fixiert. Dann sind da nur vereinzelte Empfindungen, die mal mehr mal weniger aufzutauchen scheinen.
Ja, ist das nicht erstaunlich? 'Nur' vereinzeltes Wahrnehmen/Erfahren. Ohne Definition.

Zum 'Ich':
Welche Körperempfindungen sind damit verbunden?
Keine Körperempfindung. Nur ein "nicht-genau-Hinschauen"...
Was meinst du mit "Nur ein "nicht-genau-Hinschauen"?

Re: Bis ans Ende des Weges

Posted: Sun Sep 09, 2018 3:56 pm
by CarolinaS
...wenn meine Aufmerksamkeit in eine mentale Aktion geht (heute: Stundenplan basteln, Leute informieren, manchmal an eine bestimmte Person denken), dann verschiebt sich der Fokus - weg von Empfinden / von Erfahren, hin zu Geschichten im Kopf.
Im einzelnen sind die Geschichten nur Gedanken. Das wurde erkannt / untersucht, das ist klar. Aber richtig sehen und es entsprechend erleben kann ich das nur, wenn ich jeden Gedanken "endschleunige". Wenn das Denken so dahingaloppiert, scheine ich den Blickwinkel zu verlieren und der alte Modus scheint aufzutauchen.. Mein Sehen scheint noch abhängig zu sein von bestimmtem Tun / Lassen / Ruhe / Hektik / bewusst Hinschauen / Fokus...

Re: Bis ans Ende des Weges

Posted: Sun Sep 09, 2018 4:04 pm
by Stillness
Danke für die Beschreibung. Lass uns näher hinschauen.
weg von Empfinden / von Erfahren, hin zu Geschichten im Kopf.
Sind "die Geschichten" im Kopf etwas anderes als Erfahren? Gibt es eine Hierarchie oder Qualität? Ist Erfahren von Geschichten im Kopf (Gedanken) "schlechter" als Erfahren von z.B. Körperempfindungen?
Mein Sehen scheint noch abhängig zu sein von bestimmtem Tun / Lassen / Ruhe / Hektik / bewusst Hinschauen / Fokus...
Dein Sehen von was?

Re: Bis ans Ende des Weges

Posted: Sun Sep 09, 2018 10:14 pm
by CarolinaS
Sind "die Geschichten" im Kopf etwas anderes als Erfahren?
Nein. Auch sie werden erfahren.
Gibt es eine Hierarchie oder Qualität? Ist Erfahren von Geschichten im Kopf (Gedanken) "schlechter" als Erfahren von z.B. Körperempfindungen?
Vielleicht nicht schlechter, ...aber diese Erfahrung fühlt sich auf eine Art kleiner, begrenzter, angestrengter und nicht so wahrhaftig an.. da die Geschichten ja immer versuchen eine Vergangenheit oder Zukunft aufrecht zu erhalten, die gar nicht existiert.
Dein Sehen von was?
Von dem, was real ist. Die Geschichten sind es nicht. Ich weiß das. Aber wenn die Gedanken genug "Fahrt aufgenommen haben", dann scheine ich es wieder zu vergessen.
Wenn ich genau hinsehe, kannst du mich fragen: wieviele Zehen hast du? (Jetzt nur mal als Beispiel.) Und ich kann eindeutig sagen, da sind keine Zehen.
Und es ist, als würde allein schon das Zählen selber einer anderen Kategorie angehören.
Das heißt, ich erlebe zwei Kategorien/Ebenen. In/auf der einen kann ich alles mögliche zählen, auf der anderen nichts.
Zwei Blickwinkel.
Vielleicht hänge ich tatsächlich an dem Punkt... Denn wenn ich ehrlich bin, dann muss ich zugeben, dass es mir sehr wohl schlechter vorkommt, in meinem kleinen mit Mangel-Gedanken behafteten Ich-Modus zu stecken, als mich als unbegrenztes freies Sein zu erleben..
...Wie kann sich das verändern?...