1) Gibt es irgendwo oder in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?
Ein eigenständiges „Ich“ , „mein“ oder „Selbst“ ist in der direkten Erfahrung nicht auffindbar. Auch nicht in der Vergangenheit.
2) Erkläre detailliert was die Ich-Illusion ist, wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur Deine eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie Du es jetzt gerade erlebst.
Ich spüre einen Sog in der Verkörperung sich auf ein Zentrum zu beziehen, eine Gewohnheit, die entstanden ist, sich als begrenzter Körper mit einem Zentrum zu begreifen. Denken und Fühlen wird sodann als zu diesem Zentrum gehörend gedeutet, etwas, worum sich sorgend und sichernd gekümmert werden muss.Das "ich" das tun muss. Dies wird wohl auch beobachtend wahrgenommen bei Anderen. „Begreifen“, „deuten“, Wahrnehmung wird als Wesen in diesem Körper denkend verarbeitet. Sprache kommt hinzu, Kategorien, Interpretationen gebildet. Das Kind lernt Wörter und Begriffe, Deutungen durch Bewertungen, gut und schlecht, die ganze Welt der Interaktionen. Die Anderen verhalten sich zu mir, ich beobachte, was geschieht an Verhalten der Anderen miteinander. Interpretationen werden vorgenommen von dem, was ich erlebe. Daran hängt sich die entsprechende Emotion mit der körperlichen Anspannung dazu. Ganze „Selbst“ – Überzeugungen über dieses Zentrum, dieses „Ich“ entstehen, über Andere, über die „Welt“. Mehr und mehr bestimmen unbewusste Gedankenkonstrukte die Wahrnehmung dieser Welt. Eine Spaltung geschieht. Gefühle von Bedrohung, sich absichern müssen, sich hervorheben, unterscheiden müssen. Das Sein, unteilbar „vergisst“ sich hinein in die eigene Schöpfung aus Gedanken, die zunächst nicht mehr als Gedanken hinterfragt werden können, weil es so real erscheint.
3) Wie fühlt es sich an die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Berichte aus den letzten paar Tagen.
Vor dem Dialog war ich unruhiger auf der Suche, ich hatte eine Art Ekstase in mir und wusste nicht, was damit tun? Was ist das? Angst, sie zu verlieren. Es entstand ein Konflikt mit meinem Umfeld, besonders in meiner Ehe, ich wollte mich mitteilen, mein Mann wollte davon nichts hören. Große Unruhe. Jetzt ist mehr Klarheit da, weniger tun – müssen und weniger Fragen. Wenn sich emotional etwas leidvoll verfestigt schaue ich mit diesem „ich-losen Blick“ hinein und es wird müheloser, leichter darin. Ich genieße das, was entsteht, Gedanken, Empfindungen oder Zustände sind da, vergehen wieder.
4) Was hat Dir den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?
Immer wieder nach dem „Ich“ zu suchen und zu entdecken, dass es nicht gefunden werden kann. Es ist ein Prozess im Gang, Ich wechsele zwischen gewohnter Ich-Identifikation und dem Schauen der Ich- Illusion, die ein Gefühl der Leere, des Nichts- ist -da hervorruft. Das, was übrig bleibt, das dann zu genießen oder zu erleben.
5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wodurch entstehen sie? Wie funktionieren sie? Wofür bist Du verantwortlich? Gib ein paar Beispiele aus Deiner direkten Erfahrung.
Es gibt nichts zu entscheiden, die Dinge nehmen ihren Lauf, ebenso die Absicht ist jedenfalls nicht „meine“ Absicht. Es ist mehr ein Spiel, eine ganze Situation, die sich entfaltet. Im Ich losen Bewusstsein ist es ein Zuschauen, , erleben, was passiert, ohne eigenen Willen. Wahl und Kontrolle sind Konstrukte oder Eindrücke, die in der Ich-Illusion entstehen mit allen Lasten und Verwirrungen, Ängsten und Wünschen, wie etwas sein soll oder nicht sein soll.
Z.B. erlebe ich momentan Bereiche, Konflikte innen und mit dem Außen (Ehepartner) die ich nicht lösen kann, ich habe keine Kontrolle und Handhabe über eine bestimmte Vertiefung in der Kommunikation miteinander, da tut sich nichts, was immer ich auch versuche, die Beziehung auflösen geht ebenso wenig. Das Gleiche Muster spielt sich in einer körperlichen Symptomatik ab: eine Hyperreagibilität meiner Lunge produziert Asthmaähnliche Schmerzen und Symptome, für die es scheinbar keine Medikamente gibt. In der Ich Illusion könnte ich viele Gedanken konstruieren, Bewertungen über Scheitern, über den Anderen ect.. Ich-los erlebe ich im Scherz und in der Anspannung eine Weite, etwas liebevolles, unpersönliches und etwas wie: schauen wir mal, was kommt daraus, Impulse entstehen vielleicht, die in Handlung umgesetzt werden. Das stockende des Prozesses wird ebenso wahrgenommen und erlebt ohne Wertung. Was weiß ich, woher das alles kommt, wofür? Krass gesagt, keine Verantwortung.
6) Möchtest Du noch etwas ergänzen?
Nein, erstmal nicht. Bin gespannt auf die nächsten Anmerkungen evtl..