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Re: Gibt es mich?

Posted: Sat Feb 25, 2017 7:33 pm
by whoami4real
Hallo Daniel,
Ein kosmischer Witz. :)
Ja, wirklich! Auch die Tatsache, dass dieser die Pointe über Jahrzehnte verstecken konnte. Obwohl (jetzt) so offensichtlich.
Wurde klar gesehen, dass es niemals ein getrenntes Ich gab, dass das Leben kontrollieren könnte?
Ja. <3
Gibt es ein getrenntes Ich/ ein Wesen in irgendeiner Form, das für etwas verantwortlich sein könnte?
Ein getrenntes Ich/Selbst: Nein. Ob es ein Wesen in irgendeiner Form gibt, weiß ich nicht. Das, was zuvor als ich empfunden wurde, war jedenfalls ein Gedankenstrom. Was die Wahrnehmung am Ende ist, die einfach geschieht? Wie sie entsteht? Was sie erschafft? Am Leben hält? Ob es etwas gibt, das entscheidet, welchen Inhalt der nächste Gedanke hat? Etwas, das entscheidet, welche Bewegung der Körper als nächstes macht? Absolut keine Ahnung. Klingt ignorant, ist aber nur beschreibend: Es wird hier und jetzt auch nicht als wichtig empfunden. Ich kann lediglich keine Aussage machen, ob irgendetwas dafür verantwortlich sein könnte. Die direkte Erfahrung ist: Es ist einfach. Das fühlt sich „gut genug“ an, um mal ordentlich zu untertreiben :) Ein eigenständiges "Ich" oder "Selbst", das etwas kontrollieren könnte, ist jedenfalls nicht auffindbar. Deine Zufallszahl war für dieses Sehen extrem hilfreich!
Worüber besteht noch Unklarheit?
Über alles – und über nichts. In der reinen Wahrnehmung weiß ich gar nichts. Kein Geschlecht, kein Alter, kein sonstiges Label. Aber auch keiner, der nichts weiß. Keine Frage (weder nach einem Label, noch nach sonst etwas) und kein Ich, das fragen (haben) könnte.
Gibt es Zweifel?
Nein! NEIN :)

Von Herzen Danke!
Micha

Re: Gibt es mich?

Posted: Sat Feb 25, 2017 8:17 pm
by Daniel777
Lieber Micha,

sehr gerne. Hat Spaß gemacht.
Worüber besteht noch Unklarheit?

Über alles – und über nichts. In der reinen Wahrnehmung weiß ich gar nichts. Kein Geschlecht, kein Alter, kein sonstiges Label. Aber auch keiner, der nichts weiß. Keine Frage (weder nach einem Label, noch nach sonst etwas) und kein Ich, das fragen (haben) könnte.
Schön umschrieben. :)

Jetzt folgen noch die Abschlussfragen…die anderen Guides schauen nochmal drüber, ob auch nichts übersehen wurde.
Falls noch Fragen ihrerseits auftauchen, werden sie gestellt. Wie es dann weiter geht, schreibe ich Dir per PM. OK?

1) Gibt es irgendwo oder in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?

2) Erkläre detailliert was die Ich-Illusion ist, wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur Deine eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie Du es jetzt gerade erlebst.

3) Wie fühlt es sich an die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Berichte aus den letzten paar Tagen.

4) Was hat Dir den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?

5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wodurch entstehen sie? Wie funktionieren sie? Für was davon bist Du verantwortlich? Gib ein paar Beispiele aus Deiner direkten Erfahrung.

6) Möchtest Du noch etwas ergänzen?

Ich freue mich auf Deine Antworten.

Liebe Grüße
Daniel

Re: Gibt es mich?

Posted: Sat Feb 25, 2017 10:01 pm
by whoami4real
Lieber Daniel
sehr gerne. Hat Spaß gemacht.
Danke!
Wie es dann weiter geht, schreibe ich Dir per PM. OK?
Ja, sehr gerne.
1) Gibt es irgendwo oder in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?
Nein.
2) Erkläre detailliert was die Ich-Illusion ist, wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur Deine eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie Du es jetzt gerade erlebst.
Die Ich-Illusion ist die irrige Annahme, dass es ein eigenständiges Selbst gibt – das denkt, fühlt, handelt, kontrolliert, will, nicht will, die eine Vergangenheit hat, eine Zukunft hat, jetzt hier ist…
Die Illusion entstand/bestand, weil der Gedanke „Ich“ nicht als Teil des Gedankenstroms gesehen wurde. Es bestand schlicht die irrige Annahme, dass es jemanden gibt, der denkt, der Gedanken hat, der fühlt, der handelt, der die Ich-Illusion durchschauen will. Dass diese Annahme selbst lediglich im Gedankenstrom erscheint, war nicht klar – wurde gar nie in Erwägung gezogen. Sie wurde deshalb nie überprüft. Gleichzeitig war der Wahrnehmungsfokus so sehr auf Gedanken ausgerichtet, dass nicht erkannt wurde, dass hier lediglich ein permanenter Kommentar zur direkten Wahrnehmung abläuft, der eben auch den Teil „ich habe diese Gedanken“ enthält. Diesem „Supergedanken“ wurde geglaubt – ihm wurde eine selbständige Existenz zugerechnet.
3) Wie fühlt es sich an die Illusion durchschaut zu haben?
Es fühlt sich unglaublich leicht an. Es gibt nichts mehr zu lösen. Nichts mehr zu kontrollieren. Selbst in Situationen, die zuvor große Angst/Sorge/Ärger/Unsicherheit ausgelöst haben, sind diese Empfindungen teilweise (wenn auch abgeschwächt) zwar noch da – aber sie erscheinen lediglich – und gehen (im Gegensatz zu vorher) schnell wieder – und dazwischen hatte sie niemand. Sie kamen einfach – und gehen einfach. Sie erscheinen nicht mehr „mir“. Es ist absolut egal, ob sie da sind, oder nicht.
Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog?
Es gibt keinen mehr, der diese Frage stellen könnte oder beantwortet haben möchte. Das ist ein extrem großes Geschenk! Das Leben läuft bislang einfach weiter, obwohl Dinge, die vorher unglaublich wichtig waren (etwa Sicherheit im Job), deutlich nebensächlicher empfunden werden. Bzw. direkter: Ängste, die vorher da waren (die vorher Ich hatte), sind es jetzt nicht mehr bzw. ziehen fix wieder davon (und „gehörtem“ zwischenzeitlich niemandem). Andere Dinge, die vorher eine Übung waren, die „ich“ scheinbar gemacht habe („ich meditiere“), werden zum ziellosen Genuss des Seins („wahrnehmen“).
Der, der wissen wollte, wer er wirklich ist, war ein Gedanke. Die reine Wahrnehmung will nichts. Weder wissen, noch sonst etwas. Sie ist nur.
4) Was hat Dir den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?
Ich kann es nicht genau sagen. Es waren einige Schubser – jeder war nötig, damit der Folgeschubs sitzen konnte. Ein Meilenstein war die Zufallszahl-Beobachtung. Hier konnte ich zum ersten Mal völlig klar das Entstehen von Gedanken wahrnehmen, auf das nichts und niemand einen Einfluss hat. Dann die Prüfung ob „Ich“ nicht ebenfalls einfach ein Teil des Gedankenstroms ist, der permanent fleißig die reine Wahrnehmung kommentiert. Dann das Prüfen Deiner Frage „Ist da mehr als Sinneseindrücke, Körperempfindungen und Gedanken? Inklusive dem Gedanken, dass da ein Besitzer der Gefühle und Gedanken sein muss?“ und dem Sehen, dass da nicht mehr ist. Dieser Schubs konnte aber nur sitzen, da vorher schon geschubst wurde.
5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wodurch entstehen sie? Wie funktionieren sie? Für was davon bist Du verantwortlich? Gib ein paar Beispiele aus Deiner direkten Erfahrung.
Entscheidung: Sie entsteht im Gedankenstrom. Etwa als Gedanke „ich entscheide mir für x“. Wodurch, weiß ich nicht. Wie sie funktioniert, weiß ich nicht. Gedanken „sprechen“ mit Gedanken – scheinen miteinander zu diskutieren (Gedanke „ich“ mit Gedanke „Gedanken“) – scheinen zu entscheiden. Es gibt keine wahrnehmbare Instanz, die darüber entscheidet, wie, wann und welche Gedanken entstehen. In der Folge gibt es auch keine wahrnehmbare Instanz, die entscheidet. Für mich prominentes Beispiel: „Wähle eine Zufallszahl zwischen Null und 100“. Die Entscheidung für eine bestimmte Zahl erscheint einfach – bzw. erscheint einfach eine bestimmte Zahl. Sie wird nicht gewählt oder entschieden.
Für die „Absicht“, „Wahl“ und „Kontrolle“ gilt dasselbe. Es gibt keinen, der wählt, etwas kontrollieren könnte oder eine Absicht haben könnte. Im Gedankenstrom erscheinen lediglich Gedanken, die vorgeben, das zu tun – und Gedanken, die vorgeben zu glauben, dass sie das tun.
„Freier Wille“ – existiert daher nicht. Es gibt schlicht keinen, der einen freien Willen haben könnte.
Für was bin ich verantwortlich? Für nichts. Es gibt auch keinen, der für etwas verantwortlich sein könnte. Da war niemand, der gewählt hat oder hätte wählen können. Da ist auch keiner, der dafür verantwortlich sein könnte.
Beispiele… jetzt tue ich mir schwer. Beispiele dafür, dass es „mich“ nicht gibt, kann ich nicht finden – verstehe die Frage bestimmt falsch. Beispiele für einfaches Entstehen von scheinbaren „Entscheidungen“ wären etwa die Körperbewegungen. Es gibt keinerlei Möglichkeit, vorab zu sagen, welche Bewegung als nächstes ausgeführt wird. Falls die Bewegung einem Gedanken „laufe jetzt vorwärts“ folgt, gab es keine Möglichkeit, vorab zu sagen, dass dieser Gedanke erscheinen wird. Es geschieht einfach. Da bislang der Gedanke „ich“ nicht als Teil des Gedankenstroms entlarvt war, wurde dies nie bemerkt – so entstand die Illusion der freien Wahl, von Kontrolle, von persönlicher Absicht. Tatsächlich existiert das alles aber nicht. Einmal, weil es einfach geschieht – und insbesondere auch, weil es keinen gibt, der all das haben könnte.
6) Möchtest Du noch etwas ergänzen?
Danke für die Zeit und Geduld, die Du mir geschenkt hast. Ich empfinde unglaublich große Dankbarkeit!

<3
Micha

Re: Gibt es mich?

Posted: Sun Feb 26, 2017 11:38 am
by Daniel777
Lieber Micha,

die anderen Guides haben keine weiteren Fragen mehr. "Willkommen zu Hause". ;)
Der Dialog wird nun ins Archiv verschoben.

Ich schicke Dir eine PM.

Liebe Grüße
Daniel