mit großer Ehrfurcht vor dem Tor

User avatar
One
Posts: 80
Joined: Sat Jan 14, 2017 5:31 pm
Location: NRW

Re: mit großer Ehrfurcht vor dem Tor

Postby One » Sat Feb 04, 2017 6:26 pm

Im Augenblick bin ich familiär zu stark abgelenkt.

Vor ca. 10 Tagen hatte ich ein kurzes sehr starkes Gefühl. Es kam aus dem Zentrum des Brustraumes und breitete sich schlagartig aus. Ein uralt bekanntes tiefes Glücksgefühl. Allerdings war ich im Arbeitsmodus und lies es nicht entfalten. Es entfernte sich wieder nach wenigen Sekunden. Schade.

Es entwickeln sich zurzeit in nicht zu großen zeitlichen Abständen starke Momente. Leider sind auch die Ablenkungssituationen zu störend. Ab Montag werde ich mehr Ruhe finden und hoffe dann mich intensiver und ernsthafter den Übungen direkter Wahrnehmung widmen zu können.

User avatar
Daniel777
Posts: 648
Joined: Sat Apr 02, 2016 4:02 pm

Re: mit großer Ehrfurcht vor dem Tor

Postby Daniel777 » Sun Feb 05, 2017 11:02 am

Hi One,

Schön zu hören.
Was meinst du mit 'starken Momenten'?
Wie ist das Erleben dann?

User avatar
One
Posts: 80
Joined: Sat Jan 14, 2017 5:31 pm
Location: NRW

Re: mit großer Ehrfurcht vor dem Tor

Postby One » Sun Feb 05, 2017 9:45 pm

Wenn es um die letzten Wochen geht, dann sind es doch sehr unterschiedliche Erfahrungen.

Das zuletzt beschriebene Glücksgefühl war sehr kurz und sehr euphorisch. Es erinnerte mich an eine Situation vor 23 Jahren, als ich in einem Tai-Chi Kurs war. Die Schüler sollten sich alle auf die Matten legen, die Augen schließen und auf den Augenblick konzentrieren. Die Lehrerin ging zu jedem Schüler, rieb die Hände bis sie heiß waren und legte sie auf die Mitte des Brustkorbes. Das sah ich vorher nicht und wurde vom Gefühl des Auflegens überrascht. Ein starker Strom breitete sich von dieser Stelle über den ganzen Körper und erzeugte ein euphorisches Glücksgefühl in einer Heftigkeit, wie ich es zuvor nie erlebt hatte. Wie ich im Threat zuvor berichtet hatte, kam vor einigen Tagen, für wenige Sekunden dieses Gefühl zurück. Nur wenige Sekunden, unvorbereitet, während der Arbeit. Es kam und verschwand und ich wusste, dass ich es kannte. Nun will ich dem keine zu große Bedeutung zumessen, aber es erinnert mich an das Potential das dort existiert.

Die andere Erfahrung, war die eines bewussten Erlebens des Tastsinns. Letzte Woche vor dem Einschlafen konzentrierte ich mich auf das Loslassen aller Körperspannungen und der konzentrierten Beobachtung des Geschehens. Es war dunkel und still. Dann war plötzlich eine neu sehr intensive Erfahrung, denn ich spürte an Händen und Unterarmen alles was war und es war anders als im restlichen Körper. Was dort war erschien mir größer, wichtiger und präsenter.
Wie hast du Hände und Unterarme wahrgenommen während des Tastens/Fühlens?
Was ich empfand war nicht Hand oder Unterarm, sondern Präsenz.
Kann das, was wir „Hand“, "Unterarm" nennen, in der direkten Erfahrung des Fühlens/ Tastens gefunden werden, oder gibt es ausschließlich Gedanken über „Hand“, "Unterarm"?
„Hand und Unterarm“ waren eigentlich nicht da, nur der Gedanke, dass sie theoretisch dort sein müssten.
Ist da Fühlen, Gefühltes und ein Fühlender? Was ist da? Tauch mal ein in die sinnliche Empfindung "fühlen/tasten".
Fühlen, Gefühltes und Fühlender habe ich nicht erlebt. Da war nur eine Vorstellung von einem Körper und diese Präsenz. Beides Gleichzeitig. Zeitlich begrenzt.

Das war wohl die wichtigste Erfahrung der letzten Zeit.

Die dritte Erfahrung habe ich häufig zwischendurch. Es ist eine Erfahrung der Präsenz im Alltag. Ich erfahre für kurze Zeit (vielleicht 2 Minuten) eine klare Aufmerksamkeit und Präsenz im Jetzt. Es ist ein leichtes aber flüchtiges Gefühl.

Ich merke, dass da Mehr ist. Ich merke, dass Mehr kommt. Es brauch Zeit und Aufmerksamkeit. Die Übungen sind hilfreich. Mal sehen was jetzt so passiert …

User avatar
Daniel777
Posts: 648
Joined: Sat Apr 02, 2016 4:02 pm

Re: mit großer Ehrfurcht vor dem Tor

Postby Daniel777 » Mon Feb 06, 2017 10:14 am

Danke für den Bericht. Schön. :)

Zu dieser "Präsenz", die Du erwähnst....ist sie mal da, und mal nicht da?

Erwartest Du, das nach dem Durchschauen der ICH-Illusion ein ständiges Glücksgefühl präsent ist, das nicht mehr vergeht?

User avatar
One
Posts: 80
Joined: Sat Jan 14, 2017 5:31 pm
Location: NRW

Re: mit großer Ehrfurcht vor dem Tor

Postby One » Mon Feb 06, 2017 4:00 pm

Lieber Daniel,

das erwarte ich nicht. Glückseligkeit ist sicher nett und angenehm, aber nicht mein angestrebtes Ziel.

Es geht vielmehr darum die Realität zu erkennen und es ist offensichtlich, dass die ICH-haftigkeit in meinem Leben dominiert. Sie ist definitiv noch der „Führer“, damit meine ich nicht der Entscheider, den es nicht gibt, sondern der stets präsente „erste Seher“ (der Analogien knüpft). Außerdem ist der Gedankenstrom meist am Werk, möglicherweise auch durch die Arbeit bedingt und dadurch immer wieder angefacht. EGO Gedanken dominieren häufig und vernebeln die Realität.

Da ist ein guter Weg. Er ist zu spüren. Da ist ein Ruf, ein Sog und Deine Hilfe. Da ist großer Optimismus.

Herzlichen Dank!
One

User avatar
One
Posts: 80
Joined: Sat Jan 14, 2017 5:31 pm
Location: NRW

Re: mit großer Ehrfurcht vor dem Tor

Postby One » Mon Feb 06, 2017 9:34 pm

Da ist eine Vermutung über den Ort des Widerstandes.

Das ist ein Gerechtigkeitswunsch und da ist Zorn. Die Bilder aus den frühen 70er Jahren, aus dem Schwarz-Weiß-Fernseher. Die Mutter die spricht und sagt: „Sieh die armen Kinder.“. Schwarze ängstliche Kinder mit aufgeblähten Bauch. Da ist Trauer, da ist Zorn, das ist Wunsch nach Gerechtigkeit. Gefühle die jetzt wieder präsent sind, wenn flüchtende Menschen verzweifelt sind und ihnen Schmerz zugefügt wird. Zorn auf einen neuen Präsidenten, der sehr zornig ist. Da will ein ICH Richter sein und Gerechtigkeit in die Welt bringen. Dieses ICH ist sehr zornig und stark. Stärker als die direkte Erfahrung.

User avatar
Daniel777
Posts: 648
Joined: Sat Apr 02, 2016 4:02 pm

Re: mit großer Ehrfurcht vor dem Tor

Postby Daniel777 » Tue Feb 07, 2017 9:44 am

Lieber One,

Danke für Deinen ehrlichen und offenen Post.

Die Trauer, die Wut, der Frust über die Welt und ihren Zustand...ja, darüber kann es endlose Diskussionen geben. Damit kann die Ich-Illusion allerdings nicht durchschaut werden. Ich begleite Dich, um diesen Schleier zu lüften. Bleib bei 'Dir', schau was da genau vor sich geht.
Da will ein ICH Richter sein und Gerechtigkeit in die Welt bringen. Dieses ICH ist sehr zornig und stark. Stärker als die direkte Erfahrung.
Wo nimmst Du diesen Richter als separate Instanz im Körper wahr, der zornig ist, stark ist und den Richter spielt? Wenn Du mit dem Finger auf ihn zeigen sollst, wo würde der Finger hinzeigen? Wie groß und stark ist er genau? Was für eine Form und Gestalt hat dieser zornige, starke Richter?

User avatar
One
Posts: 80
Joined: Sat Jan 14, 2017 5:31 pm
Location: NRW

Re: mit großer Ehrfurcht vor dem Tor

Postby One » Tue Feb 07, 2017 1:16 pm

Lieber Daniel,

in meinem letzten Thread beschrieb ich den Widerstand den ich spüre. Er ist aber selbstverständlich nicht unüberwindbar. Insgesamt würde ich aber meinen, dass ich mehr so eine Art Traktor bin und kein ICE. Nun, Hauptsache die Kiste fährt.
Wo nimmst Du diesen Richter als separate Instanz im Körper wahr, der zornig ist, stark ist und den Richter spielt? Wenn Du mit dem Finger auf ihn zeigen sollst, wo würde der Finger hinzeigen?
Ich würde mit dem Finger auf den Solarplexus (zwischen Magen und Brust) zeigen.
Wie groß und stark ist er genau?
Es ist häufig ein aufbrausendes Gefühl, dass wie ein Sektkorken hochschnellt und schließlich in der Kehle zu spüren ist.
Was für eine Form und Gestalt hat dieser zornige, starke Richter?
Es ist eine brutale Gestalt, die entschlossen ist mit einem scharfen Schwert einen vernichtenden Schlag zu setzen. Diese Gestalt ist sehr groß, wird aber wieder verhältnismäßig klein, wenn kurz nach Erscheinen eine weitere Gestalt hinzukommt, die diesen „Richter“ in die Schranken weist. Dann ringen Beide, der Körper erzittert und schließlich kehrt Beruhigung auf.

Diese Show hätte ich mir doch lieber erspart.

LG
One

User avatar
Daniel777
Posts: 648
Joined: Sat Apr 02, 2016 4:02 pm

Re: mit großer Ehrfurcht vor dem Tor

Postby Daniel777 » Tue Feb 07, 2017 1:59 pm

in meinem letzten Thread beschrieb ich den Widerstand den ich spüre. Er ist aber selbstverständlich nicht unüberwindbar.
Und wir wollen schauen, was hinter dem Widerstand steckt. Überwinden müssen wir ihn nicht, nur schauen was "dahinter" steckt. Was geschützt werden will, was Dir anscheinend nicht erlaubt, die Dinge einmal unvoreingenommen, wertfrei, urteilslos zu betrachten.
Was für eine Form und Gestalt hat dieser zornige, starke Richter?

Es ist eine brutale Gestalt, die entschlossen ist mit einem scharfen Schwert einen vernichtenden Schlag zu setzen. Diese Gestalt ist sehr groß, wird aber wieder verhältnismäßig klein, wenn kurz nach Erscheinen eine weitere Gestalt hinzukommt, die diesen „Richter“ in die Schranken weist. Dann ringen Beide, der Körper erzittert und schließlich kehrt Beruhigung auf.
Da irgendwo zwischen Magen und Brust sitzt also eine zornige, große, starke Gestalt mit einem scharfen Schwert, das kleiner wird, wenn eine weitere Gestalt hinzukommt und diese - nach einem Ringkampf - die andere Gestalt in die Schranken verweist. Eine tolle Geschichte. Ist sie Real? Wenn ich nach Form und Gestalt frage, dann meine ich eine tatsächliche Form und Gestalt, die mit den Sinnen erfasst werden kann, lieber One.
Wo nimmst Du diesen Richter als separate Instanz im Körper wahr, der zornig ist, stark ist und den Richter spielt? Wenn Du mit dem Finger auf ihn zeigen sollst, wo würde der Finger hinzeigen?

Ich würde mit dem Finger auf den Solarplexus (zwischen Magen und Brust) zeigen.
Schau nochmal hin. Was ist da in der nähe des Solarplexus genau? Was spürst Du da wirklich?
Haben die Körperempfindungen dort an sich einen Namen? Wo kommt der Name her und wann kommt er dazu? Was sagt, das da ein ICH ist?

Wenn nur die reinen Sinneseindrücke wahrgenommen werden und alles weggelassen wird, was Gedanken dazutun - das ist das, was übrig bleibt und wirklich ist.

Ich möchte Dich bitten zu schauen, zu untersuchen, zu erleben. Antworten aus dem Strom der Gedanken bringen nichts, wenn Du nicht nachsiehst, was tatsächlich da ist. Niemand kann Dir das hinschauen abnehmen. Sei ehrlich zu Dir selbst. :)

User avatar
Daniel777
Posts: 648
Joined: Sat Apr 02, 2016 4:02 pm

Re: mit großer Ehrfurcht vor dem Tor

Postby Daniel777 » Tue Feb 07, 2017 2:31 pm

Lieber One,

Noch einmal zur Erinnerung. Ich habe es bereits erwähnt zu Anfang. Dennoch...
Was wir hier machen ist das, was wirklich wahrgenommen wird von den Gedanken zu trennen, die die Wahrnehmung interpretieren.
Das Erkennen geschieht nur, wenn wir ganz in die sog. direkte Wahrnehmung eintauchen, also alle interpretierenden Gedanken zur Seite stellen und einmal einfach wahrnehmen, was die Sinne melden.
Liebe Grüße

User avatar
One
Posts: 80
Joined: Sat Jan 14, 2017 5:31 pm
Location: NRW

Re: mit großer Ehrfurcht vor dem Tor

Postby One » Thu Feb 09, 2017 1:49 am

Ich möchte Dich bitten zu schauen, zu untersuchen, zu erleben. Antworten aus dem Strom der Gedanken bringen nichts, wenn Du nicht nachsiehst, was tatsächlich da ist. Niemand kann Dir das hinschauen abnehmen. Sei ehrlich zu Dir selbst. :)
Ja. Es braucht mehr Zeit um sorgfältig zu sein. Genauer und tiefer hineinschauen.

User avatar
One
Posts: 80
Joined: Sat Jan 14, 2017 5:31 pm
Location: NRW

Re: mit großer Ehrfurcht vor dem Tor

Postby One » Thu Feb 09, 2017 9:17 pm

Wenn nur die reinen Sinneseindrücke wahrgenommen werden und alles weggelassen wird, was Gedanken dazutun - das ist das, was übrig bleibt und wirklich ist.
Heute habe ich versucht mich auf diese Frage zu konzentrieren. Während eines Vortrages habe ich versucht alle Bewertungen zu identifizieren. Das scheint mir sogar machbar. Allerdings fällt es leichter, wenn die Situation einen eh zum Beobachter macht, also wenn man sonst nichts in diesem Augenblick tun kann.

User avatar
One
Posts: 80
Joined: Sat Jan 14, 2017 5:31 pm
Location: NRW

Re: mit großer Ehrfurcht vor dem Tor

Postby One » Fri Feb 10, 2017 10:28 am

Ich kann still sein und beobachten. Ich kann im Gedankenstrom sein. Aber die Beobachtung des Gedankenstroms funktioniert nicht. Also beides gleichzeitig funktioniert bei mir nicht.

User avatar
Daniel777
Posts: 648
Joined: Sat Apr 02, 2016 4:02 pm

Re: mit großer Ehrfurcht vor dem Tor

Postby Daniel777 » Fri Feb 10, 2017 1:06 pm

Hi One,

Schön, das du am Ball bleibst und untersuchst.
Ich kann still sein und beobachten. Ich kann im Gedankenstrom sein.
Beobachte mal den gedanklichen Kommentar. Wann wird das Wort "ICH" hinzugefügt? Vor, während oder nach dem Erleben?

Wie wird aus Beobachten "ich beobachte", aus Denken "ich denke"? Prüfe mal den Ablauf...

Und "Ich kann im Gedankenstrom sein"...meinst du damit, dass die Aufmerksamkeit beim Gedankenstrom ist? Ok. Kannst DU Aufmerksamkeit lenken? Entscheiden, worauf die Aufmerksamkeit sich "hinbewegt"? Ist Aufmerksamkeit das "ICH"?

Beobachte das mal im Alltag, bei alltäglichen Dingen...du brauchst keinen abgeschotteten Raum dafür.

Liebe Grüße
Daniel

User avatar
One
Posts: 80
Joined: Sat Jan 14, 2017 5:31 pm
Location: NRW

Re: mit großer Ehrfurcht vor dem Tor

Postby One » Sat Feb 11, 2017 7:59 pm

Wenn man nichts macht und nur wahrnimmt was gerade ist: Sinneswahrnehmung, Gefühlswahrnehmung; dann herrscht Stille (keine erzählte Geschichte). Nach einiger Zeit meldet sich wieder der Gedankenstrom, das Ego findet Analogien mit bestimmten Wahrnehmungen. Die Geschichte geht los. Wenn viel Ruhe und Wachheit da ist, kann es bemerkt werden und der Gedankenstrom zieht wieder vorbei. Bei Müdigkeit, Unruhe oder Ablenkung übernimmt der Gedankenstrom die Situation und ein "ICH" steht im Zentrum aller Geschichten, Dialoge und Gedanken. Besser kann es aus der Sicht eines "One" noch nicht beschrieben werden.
Kannst DU Aufmerksamkeit lenken? Entscheiden, worauf die Aufmerksamkeit sich "hinbewegt"?
Es scheint als werde Aufmerksamkeit nicht gelenkt, sondern abgelenkt. Eine Wahrnehmung, sei es eine Gefühlswahrnehmung, ein neuer Gedanke oder eine äußere Ablenkung könnte die "Aufmerksamkeit" auf sich ziehen. Da ist aber Keiner der sich das so ausdenkt. Es geschieht.
Ist Aufmerksamkeit das "ICH"?
Im Augenblick: "Keine Ahnung". Das muss beobachtet werden.


Return to “Deutsch”

Who is online

Users browsing this forum: No registered users and 39 guests