Ich komme allein nicht weiter

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Nordmann
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Re: Ich komme allein nicht weiter

Postby Nordmann » Wed Mar 30, 2016 4:18 pm

„Kontrolle“ bedarf ein „Kontroller“. Oder?
Ja und einen Kontrolleur gibt es nicht, weil es auch kein Ich gibt. Das habe ich rational wohl verstanden, erfahren aber nicht.
„Allerdings kann man einen begrenzten Einfluss…“
Wer ist „man“? Wer nimmt Einfluss? Die Skandhas?
In der Konsequenz gibt es folgerichtig auch keinen begrenzten Einfluss auf etwas, aber auch dies ist für mich nur theoretisch nachvollziehbar. Bei diesem Gedanken empfinde ich Unbehangen. Es würde ja bedeuten, dass wir alle Marionetten unserer Gedanken und anderer Impulse wären und folglich alle Handlungen vorbestimmt sind. Ich denke, dass Du mit Deiner Frage keine philosophische Diskussion beginnen, sondern eher meine Konzepte zu diesem Thema infrage stellen möchtest. Somit setze ich mich gerne weiter mit dieser "Provokation" auseinander ;-) und versuche, dies tiefer zu verstehen.

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Joram
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Re: Ich komme allein nicht weiter

Postby Joram » Wed Mar 30, 2016 4:49 pm

Es würde ja bedeuten, dass wir alle Marionetten unserer Gedanken und anderer Impulse wären und folglich alle Handlungen vorbestimmt sind.
„wir alle Marionetten“? Dafür müsste so ein „Ding“ existieren, der „Marionette“ heißt.
Zeig mir die Marionetten.

Impuls: „Hunger“ Handlung: Essen. Wo ist da eine Marionette zu finden? „Ich esse“? Und was ist dann dieses „Ich“? Der Körper? Die Gedanken? Die Wahrnehmung?
Wo ist der, der isst?

Zu „Gedanken“: Stehen Gedanken für sich, oder sind sie auch nur eine Ursache (Handlungsursache) die zu Wirkung (Gefühl wie Freude oder Enttäuschung) wird?

Schau dir ein Gedankenablauf an und den Impuls zu denken. Was hat zum Denken geführt?


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Re: Ich komme allein nicht weiter

Postby Nordmann » Thu Mar 31, 2016 4:08 pm

Impuls: „Hunger“ Handlung: Essen. Wo ist da eine Marionette zu finden?
Genau das meine ich mit Marionette: ein Impuls (durch den Marionettenspieler) und eine Handlung (ausgeführt von der Maríonette). Mit dem Bild der Marionette möchte ich ausdrücken, dass es keine Handlungsoptionen gibt: Die Marionette macht nur das, was der Marionettenspieler, also der Impuls, vorgibt. Wie gesagt, mit dieser Sichtweise habe ich Probleme.
„Ich esse“? Und was ist dann dieses „Ich“? Der Körper? Die Gedanken? Die Wahrnehmung?
Dieses Ich gibt es wohl nicht.
Wo ist der, der isst?
Offensichtlich ist da kein Selbst, sondern lediglich die Illusion davon.
Zu „Gedanken“: Stehen Gedanken für sich, oder sind sie auch nur eine Ursache (Handlungsursache) die zu Wirkung (Gefühl wie Freude oder Enttäuschung) wird?
Gedanken sind eine Ursache, können aber auch Wirkung anderer Ursachen sein.
Schau dir ein Gedankenablauf an und den Impuls zu denken. Was hat zum Denken geführt?
Den Impuls für einen Gedanken kann ich nicht direkt erkennen, ich kann aber nach Erscheinen des Gedankens Gründe rekonstruieren, warum sich der Gedanke manifestiert hat.

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Re: Ich komme allein nicht weiter

Postby Joram » Thu Mar 31, 2016 4:16 pm

ein Impuls (durch den Marionettenspieler) und eine Handlung (ausgeführt von der Maríonette). Mit dem Bild der Marionette möchte ich ausdrücken, dass es keine Handlungsoptionen gibt: Die Marionette macht nur das, was der Marionettenspieler, also der Impuls, vorgibt. Wie gesagt, mit dieser Sichtweise habe ich Probleme.
Wieso machst du aus dem Impuls ein „Ding“?
Impuls: „Hunger“ Handlung: Essen. Wie ist der Impuls „Hunger“ entstanden?
Ist „Hunger“ ein „Ding“?
Den Impuls für einen Gedanken kann ich nicht direkt erkennen
Wann entstehen viele Gedanken und wann weniger bis kaum?

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Re: Ich komme allein nicht weiter

Postby Nordmann » Fri Apr 01, 2016 9:38 pm

Wieso machst du aus dem Impuls ein „Ding“?
Ich habe das "Ding" (Marionette) lediglich im übertragenden Sinne als Bild gebraucht, um die Beziehung von Handlung und Impuls aus meiner Sicht darzustellen. Tatsächlich ist ein Impuls kein Ding oder Gegenständliches.
Impuls: „Hunger“ Handlung: Essen. Wie ist der Impuls „Hunger“ entstanden?
Durch andere Impulse wie Unterzuckerung, Verlangen
Ist „Hunger“ ein „Ding“?
Nein, ein Zustand, hervorgerufen durch andere Impulse: "Dies ist, weil jenes ist"
Wann entstehen viele Gedanken und wann weniger bis kaum?
Das liegt an der Verfassung des Geistes. Wenn der Geist aufgewühlt ist, entstehen viele Gedanken (oder wenige, die sich schnell wiederholen), bei ruhigem Geist ziehen die Gedanken langsamer, in der Meditation ebenfalls deutlich langsamer.

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Re: Ich komme allein nicht weiter

Postby Joram » Sat Apr 02, 2016 10:46 am

Zurück zur:
Ich sehe ein Objekt, z. B. eine Wolke, Baum oder Blüte. Dann ändert sich die normalerweise erlebte Wahrnehmung, indem die Aufmerksamkeit von dem Objekt "eingesaugt" wird, sodass eine sehr direkte, lebendigere Wahrnehmung entsteht. Dieser Vorgang des "Einsaugens" (oder der Fokusierung) findet von alleine statt, ich muss mich aber darauf einlassen können. Schnell kommt der Punkt, an dem ich spüre, dass ich die Kontrolle verlieren könnte, wenn ich den Prozess nicht stoppe, und dann komme ich (leider) zurück. Entweder fürchte ich den Kontrollverlust oder ich bin auf dem falschen Weg und komme so nicht weiter. Gestern hatte ich mehrfach diese Wahrnehmungen, meistens visuell, kurz auch akustisch und visuell.
Hat sich was inzwischen verändert?
Wie ist es mit dem „Kontrollverlust“?

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Re: Ich komme allein nicht weiter

Postby Nordmann » Sat Apr 02, 2016 11:02 am

Hat sich was inzwischen verändert?
Nicht wirklich, diese Art der Wahrnehmung kommt weiterhin vor und macht mir Freude. Sie gibt mir eine Ahnung, wie schön und lebendig alles ist. Dabei und anschließend kann ich die Achtsamkeit leichter als sonst aufrechterhalten, und sie mag auch etwas tiefer sein. Ich übe weiter auf diese Weise.
Wie ist es mit dem „Kontrollverlust“?
Dieses Gefühl lässt etwas nach, aber leider bricht diese besondere Art der Wahrnehmung nach wie vor schnell ab.
Joram, ich danke Dir dafür, dass Du immer so schnell antwortest!

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Re: Ich komme allein nicht weiter

Postby Joram » Sat Apr 02, 2016 1:25 pm

Dieses Gefühl lässt etwas nach, aber leider bricht diese besondere Art der Wahrnehmung nach wie vor schnell ab.
Was heißt "schnell"?
Und achte ganz genau ob da keine Veränderung gibt in der Qualität.

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Re: Ich komme allein nicht weiter

Postby Nordmann » Sun Apr 03, 2016 3:39 pm

Was heißt "schnell"?
Einige Atemzüge lang.
Und achte ganz genau ob da keine Veränderung gibt in der Qualität.
Doch, die gibt es. Die Qualität der Wahrnehmung steigt schnell an, um dann viel langsamer abzuflachen als sie zunahm.

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Re: Ich komme allein nicht weiter

Postby Joram » Mon Apr 04, 2016 3:39 am

Entsteht mehr Identifikation mit „Riechen“, „Fühlen“ und „Hören“ als mit „Sehen“?
Ja, hier kann ich keine zwei Ebenen finden. Diese Sinnesreize empfinde ich so direkt, dass kein Platz, keine Lücke entsteht.
Das liegt an der Verfassung des Geistes. Wenn der Geist aufgewühlt ist, entstehen viele Gedanken (oder wenige, die sich schnell wiederholen), bei ruhigem Geist ziehen die Gedanken langsamer, in der Meditation ebenfalls deutlich langsamer.
Ich mache die Erfahrung, dass die Gefühle/Wahrnehmungen da sind, sie existieren auch ohne ein Ich. Dies kann ich gelegentlich so erfahren, in der Regel fühle ich mich aber doch sehr mit den Gefühlen/Wahrnehmungen ich-bezogen verbunden.
Gib mir Beispiele vom Alltag für entstehende Identifikation und für Gedanken die „nicht ‚mein‘ sind“.
Wenn du beschreiben kannst wie/wann eine Lücke entsteht - super.

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Re: Ich komme allein nicht weiter

Postby Nordmann » Mon Apr 04, 2016 7:54 pm

Gib mir Beispiele vom Alltag für entstehende Identifikation und für Gedanken die „nicht ‚mein‘ sind“.
Entstehende Identifikationen erlebe ich z. B. bei Stress und unangenehmen Situationen/Gefühlen. Dann schaffe ich es nicht anzuhalten, beiseite zu treten und meine Lage zu erkennen, um den Autopiloten mit den typischen Konditionierungen auszuschalten oder auszubremsen.
Gedanken, die nicht "mein" sind, bemerke ich immer erst retrospektiv, wenn sie sich manifestiert haben. Eine typische Situation: Bei einfacher manueller Tätigkeit bemerke ich, wie Gedanken autonom erscheinen ohne das Zutun eines Selbst, dies gilt auch für Gefühle. Bevor wir diesen Dialog begonnen haben, hatte ich häufig nach einer Ursache (in mir) für Gefühle und Gedanken gesucht. Dies lasse ich jetzt sein, denn es hat sich als wenig hilfreich erwiesen.
Wenn du beschreiben kannst wie/wann eine Lücke entsteht - super.
Auf dem Nachhauseweg sah ich wider Erwarten eine Osterglocke am Wegesrand stehen. Die Sequenz der Wahrnehmung war wie folgt: gelbe Farbe, Blüte, grüne Pflanze (alles sehr schnell, ohne Identifikation), dann das Ergebnis: dies ist eine blühende Osterglocke, die ich hier sehe. Diese Wahrnehmung ist anders als jenes Erleben, wenn ich versuche, ohne ein Ich wahrzunehmen/zu sehen.

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Re: Ich komme allein nicht weiter

Postby Joram » Mon Apr 04, 2016 9:11 pm

"wenn ich versuche, ohne ein Ich wahrzunehmen/zu sehen." - wie machst du das und wie lange kann es aufrechterhalten werden?

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Re: Ich komme allein nicht weiter

Postby Nordmann » Tue Apr 05, 2016 6:18 pm

"wenn ich versuche, ohne ein Ich wahrzunehmen/zu sehen." - wie machst du das und wie lange kann es aufrechterhalten werden?
Ich entspanne mich, betrachte bewusst ein Objekt und lasse den Blick darauf ruhen. Dann lasse ich die Wahrnehmung kommen, damit meine ich, dass nicht ich auf das Objekt schaue, sondern der Sinneseindruck zu "mir" kommt. Dann erscheint diese besondere Wahrnehmung. Dies kann ich einige Atemzüge aufrechterhalten. In den letzten Tagen kam eine solche Wahrnehmung auch einige Male spontan, ohne dass ich mich darauf vorbereitet hatte.

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Re: Ich komme allein nicht weiter

Postby Joram » Tue Apr 05, 2016 9:24 pm

Dies kann ich einige Atemzüge aufrechterhalten.
Was hindert daran länger dieses Wahrnehmung aufrecht zu erhalten?
Beschreibe aus der Erfahrung, nicht aus dem Denken. Erlebe was da passiert.

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Re: Ich komme allein nicht weiter

Postby Nordmann » Wed Apr 06, 2016 8:55 pm

Was hindert daran länger dieses Wahrnehmung aufrecht zu erhalten?
Beschreibe aus der Erfahrung, nicht aus dem Denken. Erlebe was da passiert.
Dies möchte ich gerne etwas genauer betrachten. Ich brauche etwas Zeit und melde mich in den nächsten Tagen wieder.


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