1) Gibt es irgendwo oder in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?
NEIN, es gibt auf keine Art und Weise ein eigenständiges "Ich". Es hat noch nie ein Ich gegeben und wird es auch NIE ein "Ich" geben.
2) Erkläre detailliert was die Ich-Illusion ist, wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur Deine eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie Du es jetzt gerade erlebst.
"Ich" ist eine von Gedanken erschaffene Vorstellung ohne irgendeine Substanz oder Realität - nur eine Idee wie alle anderen Gedanken auch. Gedanken tauchen aus dem Nichts auf und verschwinden wieder ins Nichts. In dem Moment, in dem man sich mit dieser Idee von einem "Ich", einer Person identifiziert und dies geschieht unbemerkt, erzeugt diese Idee den Eindruck (das Körpergefühl, Seinsgefühl) von einem Subjekt, von einem "Ich". Es bleibt aber immer nur eine Vorstellung, eine Idee.
Untersucht man dieses "Ich", durchschaut man, dass es nie ein Ich gibt. Es gibt nur die Handlung, nur das Sehen, Riechen, Schmecken Hören, fühlen aber niemanden, der all das bewirkt, beeinflusst, sieht, steuert, denkt oder handelt.
3) Wie fühlt es sich an die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Berichte aus den letzten paar Tagen.
Ich kann nicht genau sagen, wie es sich anfühlt. Um ehrlich zu sein, fühlt es sich nicht viel anders an als vorher. Vielleicht liegt es daran, dass die Ichillusion mir schon vor dem Dialog bekannt aber nicht bewusst und durchschaut war. Gleich nach dem ersten "Bewusstwerden" vor einigen Tagen, hat es für ein paar Minuten das Gefühl der Freude gegeben - ähnlich wie die Freude über eine schöne Nachricht oder ein Geschenk. Aber dann ist fast alles wieder wie immer gewesen. Ich sage deshalb "fast", weil ein kleiner Teil dieser Freude scheint seit dem geblieben zu sein.
4) Was hat Dir den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?
Nach dem "Ich mich" für dreizig Minuten in Zazen gesetzt und einen Punkt auf dem Boden vor mir fixiert habe und innerlich tatenlos alles, was geschieht, betrachtet habe, habe ich deutlich feststellen können, dass jeder Gedanke ohne (m)einen Einfluss von selbst entsteht.
Ich habe festgestellt, dass jeder Atemzug, jede Wahrnehmung, jedes Kribbeln im Körper, das Hören der vorbeifahrenden Autos, die Idee davon, was das für ein Auto sein könnte, und der Gedanke aufzustehen und abzubrechen ohne ein "Ich", ohne jemand, der diese Gedanken gedacht hat und ohne (m)eine Entscheidung aus dem Nichts gekommen und wieder abgetaucht sind, wenn sie keine Beachtung bekommen haben.
Dies war der entscheidende Moment, in dem mir die Ichillusion bewusst geworden ist. Danach habe ich immer mehr die Funktion und Entstehung der Ichillusion durchschaut.
5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wodurch entstehen sie? Wie funktionieren sie? Für was davon bist Du verantwortlich? Gib ein paar Beispiele aus Deiner direkten Erfahrung.
Entscheidung, Absicht, freie Wille, Wahl und Kontrolle sind ebenso nur Gedanken und Ideen, die von selbst kommen. Da man sich für gewöhnlich mit diesen Gedanken und Ideen identifiziert und sich somit eine fiktive Person erschafft, entsteht gleichzeitig das Gefühl und der Eindruck, dass diese Person entschiedet, beabsichtigt, will, wählt oder kontrolliert.
Aber schon allein, weil es keine Person, kein "Ich" gibt, kann es auch niemanden geben, der entscheidet, beabsichtigt oder will. Man übersieht, dass es NUR das Entscheiden, Beabsichtigen, Wählen oder Wollen gibt - keinen Subjekt.
Verantwortlichkeit gibt es nicht - für nichts. Wie kann man für etwas verantwortlich sein, wenn man nichts getan hat, wenn alles von selbst und allein geschieht. Wie kann man für irgendetwas verantwortlich sein, wenn es diesen "man" gar nicht gibt.
Jetzt gerade diese Worte, die ich auf die Tastatur tippe, der Gedanke, wie ich diesen Satz bilde und zu Ende bringe, geschieht ohne (m)eine Person. Ich weiß nicht woher mir diese Worte einfallen. Die sind einfach da und wird entschieden, gewählt und getippt.
Oder der Wille auf diesem Weg weiter zu gehen, der große Drang dazu ist ohne meine Entscheidung. Da ist nur der Wille.
6) Möchtest Du noch etwas ergänzen?
Die Illusion über ein "Ich" scheint verdammt echt wie ein Traum, in dem alles real erscheint ohne sich bewusst zu sein, dass es nur ein Traum ist.
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