Direct Pointing

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Renate
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Re: Direct Pointing

Postby Renate » Sun Jun 02, 2013 8:25 pm

Lieber Martin

Auch das "nicht dran bleiben wollen" des Verstandes kommt aus dieser Stille.
Also warum verurteilen, alles erscheint aus dem "Nichts" auch der Widerstand.
Das ist das Ich. Ein Ich, das entscheidet, das tut, das sieht, hört, denkt etc.
Ein Ich, welches sich schuldig fühlt, wenn es versagt. Welches Opfer und Täter ist.....

Von Geburt an haben mich Dinge und Menschen geprägt. Menschen haben etwas gesagt
und getan, woran ich glaube. Und so führt das eine zum anderen. Ein Kreislauf.
Konzepte entstehen im Kopf und nehmen dort Gestalt und Realität an. Vieles wird nicht
mehr hinterfragt, sondern als gegeben angenommen...
Ja, ein Konzept. Du beschreibst es gut. Auch ein Produkt aus dieser Stille.


>>„Die Anpassungsmechanismen des Ich“.<<
setzt ein ich voraus. Wie wäre es wenn man es umformulieren würde in
---Die Anpassungsmechanismen des Verstandes----?
Ich finde keinen. Da ist nur Beobachten. Aber mein Verstand sagt natürlich,
da ist ein Beobachter und da ist jemand, der entscheidet, zu beobachten.
Irgendwie will er sich gar nicht mit der Frage beschäftigen, wer denn beobachtet,
wenn es keinen Beobachter gibt.
Wer sieht und nimmt dann alles wahr? Niemand. Aber wie geht das?
Es gibt Sehen, aber keinen, der sieht. Es gibt beobachten, aber keinen, der beobachtet.
Und es gibt beobachten des Sehens.
Alles gleich, aber für den Verstand nicht logisch, wenn es keinen Täter gibt.
Schön, ich schwenke eine Fahne uns rufe "hier geht es lang" ;-)
Es ist nicht vom Verstand zu verstehen, es kann erlebt werden ohne ein Erleber.

Übung in direkter Erfahrung:

Nimm dir die Zeit für "sehen ohne Seher". Suche dir ein ruhiges Objekt und schaue.
Wo ist da Martin bei diesem tun?


Liebe Grüße
und danke für die Wünsche.

Renate

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Re: Direct Pointing

Postby Martinma » Wed Jun 05, 2013 9:03 pm

Liebe Renate,

hab leider nicht viel zu berichten. In den letzten Tagen ging es etwas unruhig und unrund zu,
sowohl im aussen als auch bei mir drinnen. Ich vergesse auch mehr als vorher und manchmal
kommt es mir vor, als würde ich sozusagen "neben meinen Schuhen stehen".
Ich war auch einigermaßen antriebslos (vielleicht wegen des schlechten Wetters).
Ich glaube auch, dass ich viel träume, ohne mich wirklich an die Inhalte erinnern zu können.
Meinen Vorhaben -gewisse Arbeiten und sportliche Aktivitäten, die ich mir vorgenommen habe-
weiche ich aus. Danach merke ich, dass ich mit mir unzufrieden bin.
Wenn ich mich daran erinnere, dass z.b. die Unzufriedenheit, so wie du schreibst,
aus dem "Nichts" auftaucht, dann verschwindet sie.
Dann kommt sie wieder, weil mich vielleicht dieses ganz und gar unspektukaläre Verschwinden
auch unzufrieden macht.
Nimm dir die Zeit für "sehen ohne Seher". Suche dir ein ruhiges Objekt und schaue.
Wo ist da Martin bei diesem tun?
Immer wenn ich diese Übung in den letzten Tagen gemacht habe, ist es so abgelaufen:
Eigentlich ist da nur Sehen, ganz ohne Seher. Wenn die Konzentration auf das Objekt nachlässt
oder das reine Schauen, dann wird da auch ein Körper wahrgenommen, der da sitzt und es werden
Verspannungen im Rücken wahrgenommen, ein Fließen in den Beinen und Armen.
Irgendwie angenehm, das zu spüren.

Liebe Grüße
Martin

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Re: Direct Pointing

Postby Renate » Thu Jun 06, 2013 2:51 pm

Hallo Martin,
Dann kommt sie wieder, weil mich vielleicht dieses ganz und gar unspektukaläre Verschwinden
auch unzufrieden macht.
Die Unzufriedenheit wo kommt sie her?
Wo ist ihr Ursprung?

Immer wenn ich diese Übung in den letzten Tagen gemacht habe, ist es so abgelaufen:
Eigentlich ist da nur Sehen, ganz ohne Seher. Wenn die Konzentration auf das Objekt nachlässt
oder das reine Schauen, dann wird da auch ein Körper wahrgenommen, der da sitzt und es werden
Verspannungen im Rücken wahrgenommen, ein Fließen in den Beinen und Armen.
Irgendwie angenehm, das zu spüren.
Da hast du den Ablauf beschrieben aber wo ist da Martin??

Bei mir scheint die Sonne, ich hoffe der Regen hat auch bei dir aufgehört.
Liebe Grüße

Renate

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Re: Direct Pointing

Postby Martinma » Thu Jun 06, 2013 8:52 pm

Hallo Renate!
Die Unzufriedenheit wo kommt sie her?
Wo ist ihr Ursprung?
Der Verstand sagt: "Sie ergibt sich in Summe aus den Lebensumständen und Problemchen.
Diese alleine wären für sich nicht weiter schlimm. Doch ich plane, die Probleme zu lösen und
die Lebensumstände zu verbessern und habe dazu einige Ziele. Doch anstatt diese Ziele
konsequent zu verfolgen, schaue ich Filme, lese und lenke mich ab. Dadurch entsteht
Unzufriedenheit.
Dann bin ich auch wegen den Dingen, die in der Welt passieren bzw. nicht passieren, unzufrieden.
In erster Linie aber mit mir selbst."
Etwas sagt aber auch (der Verstand?): "Der Ursprung der Unzufriedenheit liegt bei
bei meinem Streben nach einem Glück in der Zukunft. Gedanklich bewerte ich meine
Lebensumstände und befinde, dass sie besser sein sollten. Also liegt der Ursprung der
Unzufriedenheit in meinem Verstand, in meinen Gedanken."
Wenn ich deine Frage wieder lese, gibt es auch diese Antwort:
"Es ist kein Ursprung zu finden. Also hat die Unzufriedenheit kein wirkliches Fundament."
Dabei entsteht Gelassenheit und Erleichterung.
Da hast du den Ablauf beschrieben aber wo ist da Martin??
Martin ist da nirgends, einfach Sehen, Körperwahrnehmung. Wenn mir das bewusst wird,
denke ich "aha, interessant", es entsteht kurz eine Ahnung, wie es ist ohne Martin.
Dann versuche ich vielleicht, diesen Aha-Moment anzuhalten und zu verstärken - das
funktioniert aber nicht und/oder ich kehre wieder zu alltäglichen Dingen zurück.
Es ist so, als würde die Zeit still stehen und im nächsten Moment geht sie wieder
weiter bzw. ich lasse sie wieder weitergehen.
Bei einem solchen kurzen Erlebnis heute habe ich mir dann gedacht:
"Aha, so ist das ohne genau benennen zu können, was so ist. Aber vielleicht ist das ein
kleiner Beginn."

Der Regen war nicht schlimm, bloß die Kälte. Nun scheint auch bei uns wieder die Sonne.

Liebe Grüße
Martin

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Re: Direct Pointing

Postby Renate » Sat Jun 08, 2013 2:06 pm

diesen Aha-Moment anzuhalten und zu verstärken - das
funktioniert aber nicht und/oder ich kehre wieder zu alltäglichen Dingen zurück.
In diesen Momenten bist du verbunden mit dem was du bist.
Das gilt es weiter zu verfolgen. Wenn du aus diesem Moment wieder rausrutschst
und der Verstand dich ablenkt. Immer wieder rein gehen und sehen ohne Seher
höhren ohne Höhrer. Spüren was bleibt übrig?
12 Stundenlang am kommenden Sonntag :-)
Es ist so, als würde die Zeit still stehen und im nächsten Moment geht sie wieder
"Die Zeit seht still", es gibt keine Zeit, unser Verstnd schaltet sich ein und schon geht die Zeit wieder.

Doch ich plane, die Probleme zu lösen und
die Lebensumstände zu verbessern und habe dazu einige Ziele.
Ist doch ok, auch diese Ziele nicht zu verfolgen ist auch ok. Wo ist da Martin
wenn Verurteilung stattfindet?

Beschreibe mir wo da Martin ist.

Ein schönen sonnigen Sonntag,
Renate

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Re: Direct Pointing

Postby Martinma » Tue Jun 11, 2013 8:05 am

Liebe Renate,
Das gilt es weiter zu verfolgen. Wenn du aus diesem Moment wieder rausrutschst
und der Verstand dich ablenkt.Immer wieder rein gehen und sehen ohne Seher
höhren ohne Höhrer. 12 Stundenlang am kommenden Sonntag :-)
Hab am Sonntag gleich nach dem Aufwachen damit begonnen. Die ersten beiden Stunden ging es recht gut.
Bin oft aus diesem Moment rausgerutscht, dann wieder reingegangen. Kein Seher, kein Hörer
war zu finden. Doch was mir abging: Das Gesehene, das Gehörte war mir gleichgültig. Irgendwie
hoffte ich auf eine Verbindung mit Gesehenen und Gehörten. Auch auf eine Art Glücksgefühl,
so ähnlich wie bei diesem Aha-Moment vorige Woche. Ich erkannte dabei nicht,
dass ich gedanklich bloß nein zur Situation sagte, weil sie nicht meinen Erwartungen entsprach.
Im Gegenteil, ich dachte, dass ich irgend etwas falsch mache, vielleicht deine Aufgabe falsch
verstanden habe.
Ich habe auch andere Tätigkeiten hergenommen, wie Gehen ohne Geher oder Lesen ohne Leser.
Oder hätte ich mich von allen anderen Dingen freimachen und wie in einer Art Meditation
nur auf das Gesehene und Gehörte einlassen sollen?
Zu Mittag war ich eingeladen und darüber vergaß ich im Gespräch mit meinen Töchtern
für ein paar Stunden völlig auf die Aufgabe. Eigentlich wundere ich mich etwas darüber,
wie das möglich ist.
Danach war es schon schwieriger, wieder zur Aufgabe zurückzukehren. Für kurze Phasen gelang es
immer wieder.
Ähnlich erging es mir gestern abend und heute morgen:
Wenn ich mit der Aufgabe beginnen will, stellt sich Widerstand ein. Ich beginne trotzdem.
Unbehagen und Ungeduld tauchen auf. Gedanken schwirren im Kopf herum. Ich konzentriere mich.
Der Verstand meldet sich: "Ist das möglich, sehen ohne Seher? Da gibt es zumindest einen Körper
und geöffnete Augen. Ansonsten wäre dieser Baum nicht zu sehen. Aber braucht es Martin?
Nein, den braucht es nicht." Ich bemerke, wenn ich bei der Aufgabe bleibe, die Konzentration aufrecht
halte, dann entspannt es sich. Die Unruhe weicht der Ruhe. Es ist wie bei einem Auto, welches im Stand mit
Vollgas läuft, dann nimmt jemand den Hebel von Gaspedal.
Dann kommt es zu körperlicher Anspannung. Wahrscheinlich hat sich der Verstand eingeschaltet und gesagt;
"Tu etwas! Denke!" Die körperliche Anspannung scheint aber unmittelbar vor dem Denken da zu sein.
Spüren was bleibt übrig?
Ich wusste, da ist noch diese Frage, aber irgendwie kam ich nicht so weit, mich mit ihr zu
beschäftigen. Als würde das Sehen ohne Seher meine ganze Konzentration verlangen und ich
darüber das "Spüren, was bleibt übrig" vergessen.
Ich lese also nochmals deine Zeilen, konzentriere mich auf Sehen und Hören und dann Spüren, was
bleibt übrig. In diesem Moment Nichts. Bis die Gedanken wieder kommen.
Wo ist da Martin wenn Verurteilung stattfindet?
Beschreibe mir wo da Martin ist.


Der erste Gedanke ist: "Martin ist da, aber winzig klein." Und dazu kommt ein Bild: "Ein dunkler Schatten
mit erhobenem Zeigefinger, wie ein bedrohlicher Geist, der aus einer Lampe emporsteigt."
Mein Verstand will abschweifen, weg von dieser Frage. Ich beginne von vorne, lese die Frage noch einmal.
Zuerst Gedankenleere. Beim Beobachten entsteht dann Ruhe. Martin rückt in die Ferne. Er sitzt zwar da,
aber da ist etwas Größeres rundherum (ein Gefühl, eine Vorstellung von verdichteter Luft).
Der Verstand mischt sich ein und meint: "Da ist kein Beobachter. Beobachten geschieht auch von alleine."
Zustimmung. Kurze Pause-Stille. Ich versuche, das irgendwie zu greifen und zu beschreiben. Das geht nicht.
Es ist nur Stille.

Liebe Grüße
Martin

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Re: Direct Pointing

Postby Renate » Tue Jun 11, 2013 11:36 am

Hallo lieber Martin,

ich freue mich deine Antworten zu lesen. :-)
Da ist Energie drin, die zu mir rüber schwappt.

Doch was mir abging: Das Gesehene, das Gehörte war mir gleichgültig. Irgendwie
hoffte ich auf eine Verbindung mit Gesehenen und Gehörten. Auch auf eine Art Glücksgefühl,
so ähnlich wie bei diesem Aha-Moment vorige Woche. Ich erkannte dabei nicht,
dass ich gedanklich bloß nein zur Situation sagte, weil sie nicht meinen Erwartungen entsprach.
Erwartungen sind Geschichten die dein Verstand zusammenstrickt !!!!!!!
Es geht um das direkte Erleben also ohne "Täter"
"Gehen ohne Geher oder Lesen ohne Leser"..... fühlen ohne Fühler.

Nein keine Meditation, es ist eher "eine Handlung findet statt". Es bringt dich ins Jetzt, ohne Story, der Verstand mag Geschichten und versucht abzulenken.

--Ablenkung ohne Ablenker--- auch ein Übungsvariante.
Bau diese Übungen in dein Tagesablauf ein, vielleicht machst du dir Merkzettel zur Erinnerung.
Ganz wichtig !!!!!!
Zähneputzen machst du ja auch, mittlerweile, fast automatisch ;-)
Und berichte von deinen Erlebnissen.
Gibt es Unterschiede zwischen den "Übungsvarianten"?
Der Verstand meldet sich: "Ist das möglich, sehen ohne Seher? Da gibt es zumindest einen Körper
und geöffnete Augen.
Auf dieses Thema gehen wir später ein.
Die körperliche Anspannung scheint aber unmittelbar vor dem Denken da zu sein.
Bis "wir merken" dass wir denken vergehen einige Sekunden und der Körper reagiert schnell.
Ich lese also nochmals deine Zeilen, konzentriere mich auf Sehen und Hören und dann Spüren, was bleibt übrig. In diesem Moment Nichts. Bis die Gedanken wieder kommen.
Kann es möglich das da nur "Nichts" ist? Für Moment, für Moment, für Moment....
Erkläre mir bitte warum dieses "Nichts" wenn Gedanken kommen weg sein sollte ?
Er sitzt zwar da, aber da ist etwas Größeres rundherum (ein Gefühl, eine Vorstellung von verdichteter Luft).
Der Verstand mischt sich ein und meint: "Da ist kein Beobachter. Beobachten geschieht auch von alleine."
Zustimmung. Kurze Pause-Stille. Ich versuche, das irgendwie zu greifen und zu beschreiben. Das geht nicht.
Es ist nur Stille.
Schön, "(ein Gefühl, eine Vorstellung von verdichteter Luft)" kann es sein, dass da die Grenzen fallen zwischen dir und deiner Umgebung?

Liebe Grüße
Renate

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Re: Direct Pointing

Postby Martinma » Sat Jun 15, 2013 9:07 am

Liebe Renate!

deine Antworten haben mich sehr gefreut und motiviert. War mir nicht sicher, ob ich mich
nicht im Kreis drehe. Aber ich merke auch, dass es Zeit braucht.
Hab wieder eine psychologische Arbeit für meine Nichte fürs Studium gemacht.
Bei den ersten Malen habe ich den Text überhaupt nicht verstanden und wollte schon kapitulieren,
zum Teil auch aus Ärger wegen der komplizierten Formulierungen.
Aber dann hab ich einfach versucht, die Fragen zu beantworten. Mit jedem Mal lesen und schreiben
wurde das Verständnis größer. Zuletzt glaubte ich fast den Durchblick zu haben.
Ähnlich geht es mir auch hier. Ich mache die Übungen und denke, eigentlich habe ich garnichts zu
berichten. Beim Schreiben kommt dann doch etwas.
Ablenkung ohne Ablenker--- auch ein Übungsvariante.
Ja, die gefällt mir. Nimmt die immer aufgetretene Selbstkritik weg und lässt mich schnell wieder
weiterüben.
Bau diese Übungen in deinen Tagesablauf ein, vielleicht machst du dir Merkzettel zur Erinnerung.
Ganz wichtig !!!!!! Und berichte von deinen Erlebnissen
Hab mir Merkzettel angelegt. Ich glaube aber, dass ich mehr davon machen und vor allem, dass
ich sie deutlich sichtbar dort anbringen muss, wo ich sie nicht übersehen kann.
Dennoch hab ich deutlich mehr Übungen gemacht bzw. mich öfter an die Übungen erinnert als zuvor.
Meist sind es nur Sekunden vielleicht 1-2 Minuten, aber sie bringen Entspannung und
Gelassenheit und manchmal so etwas wie eine Ahnung auf einer anderen nicht erklärbaren
Ebene mit sich. Da existieren dann "Ich" und "Nicht-Ich" (direktes Erleben?) parallel. Aber immer nur
ganz kurz. Denn der Verstand versucht sofort zu interpretieren. Ich lasse ihn das mittlerweile auch tun
und beobachte ihn dabei. Ich komme mir auch manchmal wie ein Roboter vor.

Grundsätzlich hat sich an meinem Tagesablauf nicht viel geändert. Arbeiten, Essen, Gespräche, Sorgen,
Ärger, Schokolade essen, Filme schauen, lesen. Es passieren auch unangenehme Dinge wie ein Streit,
Schuldgefühle steigen auf, auch aus der Vergangenheit, Angst, Ärger über andere oder Zustände.
Es kommt mir auch so vor, als würde ich sensibler auf Streit und Disharmonien reagiere.
Dann erinnere ich mich daran, dass ich gelesen habe, dass das alles nur in meinem Geist passiert und alles
bestimmt ist. Dabei können sowohl Gelassenheit als auch Angst auftreten. Angst vor allem deshalb, weil
ich nichts tun kann, also keinen freien Willen habe. Gelassenheit, weil dies auch Trost mit sich bringt und
Schuld reduziert. Andererseits verspüre ich Druck, meinen Geist in Ordnung zu bringen.
Also, das ist mit dem Verstand nicht zu erklären. Ich kann nichts tun, es gibt mich garnicht und trotzdem
will ich etwas tun. Angst erinnert mich an die Übungen und die Üben hat Gelassenheit zur Folge. Paradox.
Gibt es Unterschiede zwischen den "Übungsvarianten"?
Nur insoferne, dass ich Sehen ohne Seher bereits oft geübt habe und z.B. Ablenkung ohne Ablenker
oder Essen ohne Esser nicht. Oder meinst du da etwas anderes?
Ich glaube, jede weitere Übungsvariante macht die Grenzen durchlässiger und lässt die Übungen
in immer mehr Lebensbereiche einfließen.
Kann es möglich sein, das da nur "Nichts" ist? Für Moment, für Moment, für Moment....
Erkläre mir bitte warum dieses "Nichts" wenn Gedanken kommen weg sein sollte?
Da dachte ich "Aber klar", nachdem ich deine Frage gelesen habe.
Natürlich ist das Nichts immer da. Aus dem Nichts tauchen die Gedanken aus.
Aber die Essenz ist Nichts.

Danke und liebe Grüße
Martin

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Re: Direct Pointing

Postby Renate » Mon Jun 17, 2013 6:21 am

Nur insoferne, dass ich Sehen ohne Seher bereits oft geübt habe und z.B. Ablenkung ohne Ablenker
oder Essen ohne Esser nicht. Oder meinst du da etwas anderes?
Ich glaube, jede weitere Übungsvariante macht die Grenzen durchlässiger und lässt die Übungen
in immer mehr Lebensbereiche einfließen.
Ich möchte gerne wissen ob bei einer Variante Wiederstand auftaucht, z.B. Gedanken kommen "Ja aber...."
oder ob dann nach Bewusst werden die Entspannung eintritt. So wie du es bei anderen Übungen erlebt hast.
Angst vor allem deshalb, weil
ich nichts tun kann, also keinen freien Willen habe. Gelassenheit, weil dies auch Trost mit sich bringt und
Schuld reduziert. Andererseits verspüre ich Druck, meinen Geist in Ordnung zu bringen.
Also, das ist mit dem Verstand nicht zu erklären. Ich kann nichts tun, es gibt mich garnicht und trotzdem
will ich etwas tun. Angst erinnert mich an die Übungen und die Üben hat Gelassenheit zur Folge. Paradox.
Kann es sein, dass "ich will etwas tun" auch einfach nur erscheint?
Nur weil dieses Gefühl ich will etwas tun da ist, glaubst du es gibt dich?
Natürlich ist das Nichts immer da. Aus dem Nichts tauchen die Gedanken aus.
Aber die Essenz ist Nichts.
Wie fühlt es sich an, aus dem "Nichts" aufzutauchen? :-)
Als Erscheinung die Martin heißt.

Liebe Grüße
Renate

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Re: Direct Pointing

Postby Martinma » Tue Jun 18, 2013 3:25 pm

Liebe Renate,
Ich möchte gerne wissen ob bei einer Variante Wiederstand auftaucht, z.B. Gedanken kommen "Ja aber...."
oder ob dann nach Bewusst werden die Entspannung eintritt. So wie du es bei anderen Übungen erlebt hast.
Ich glaube, der Widerstand taucht unabhängig von der Übungsvariante auf. Meist taucht der Widerstand auf,
bevor ich zu üben beginne, also kurz nachdem ich mir vornehme, zu üben.
Dann kommt er wieder, nachdem ich bereits einige Zeit geübt habe. Dabei äußert er sich eher in Langeweile bzw. dem Gefühl, ja, aber …. ich sollte jetzt wieder etwas tun.
Wenn ich in der Übung drin bin, tritt immer Entspannung ein.

Heute Vormittag musste ich feststellen, dass es für mich fast unmöglich war, die Übung zu machen. Ich schaute auf den Merkzettel, dachte es ist wieder Zeit, aber nichts ging. Da tauchte Hilflosigkeit auf, Verzweiflung und Leere im Gehirn. Ich konnte mich nicht mehr konzentrieren. Der Körper war sehr präsent, zumal ich derzeit ziemlich unter Müdigkeit und Erschöpfung leide. Vielleicht ist das auch ein Grund, dass ich mir mit Konzentration schwer tue.

Schon am Sonntag hatte mich grundlos Unruhe gepackt. Dann kam auch Angst. Alte Schuldgefühle tauchten auf. Ich arbeitete dann mit den Übungen, es trat kurz Entspannung ein, aber die Angst kam wieder. Ich bemerkte, dass ich mit dem Verstand eine logische und beruhigende Erklärung dafür suchte.
Kann es sein, dass "ich will etwas tun" auch einfach nur erscheint?
Ja, ganz klar. Ich werde mich daran erinnern, wenn „ich will etwas tun“ wieder erscheint.
Nur weil dieses Gefühl ich will etwas tun da ist, glaubst du es gibt dich?
Wahrscheinlich. Jedenfalls identifiziert mich dieses Gefühl wieder mit dem Ich.
Wie fühlt es sich an, aus dem "Nichts" aufzutauchen? :-)
Als Erscheinung die Martin heißt.
Ich habe das einige Male ausprobiert. Es fühlt sich gleichgültig an, als würde gar nichts passieren.
Eine gedankliche Vorstellung ähnlich einem Bild hat sich auch eingestellt: Das Nichts ist unter mir.
Kommt wahrscheinlich von dem Wort auftauchen.

Liebe Grüße
Martin

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Re: Direct Pointing

Postby Renate » Wed Jun 19, 2013 12:09 pm

Hallo Martin,

Wie fühlt es sich an, aus dem "Nichts" aufzutauchen? :-)
Als Erscheinung die Martin heißt.
Ich habe das einige Male ausprobiert. Es fühlt sich gleichgültig an, als würde gar nichts passieren.
Eine gedankliche Vorstellung ähnlich einem Bild hat sich auch eingestellt: Das Nichts ist unter mir
.

Gleichgültig- gleiche Gültigkeit.
Es passiert eben keine, vom Verstand, erzeugte Geschichte. Alles was erscheint IST einfach.

"Das Nichts ist unter mir" das Gehirn versucht sofort etwas daraus zu machen.
Es ist für den Verstand nicht begreifbar. Er kann es nicht greifen.

Wie lebt es sich so, als bloße Erscheinung?

Liebe Grüße
Renate

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Re: Direct Pointing

Postby Martinma » Mon Jun 24, 2013 7:52 pm

Liebe Renate,

tut mir leid, hab mich die letzten Tage nicht gut auf die Übungen konzentrieren können.
Momentan beschäftigen mich gesundheitliche Probleme, die dann auch zu Widerständen
bei den Übungen führen. Soll ich trotzdem versuchen, regelmäßig zu schreiben bzw. gleich
zu antworten, selbst wenn ich glaube, nichts Neues berichten zu können?

Am Freitag hatte ich eine wirklich unangenehme peinliche Situation, in die ich mich selbst
hineinmanövriert habe. 2-3 Stunden kreisten meine Gedanken ständig um diese Situation
und erfüllten mich mit Ärger, Aggression und Unruhe, vor allem aber mit Scham. Wieso, warum usw.
Ich kenne die Gefühle, welche solche Situationen auslösen, von früher. Da fühle ich mich wie
ein Kind, hilflos und irgendwie panisch, nicht wissend, wie ich nun damit fertig werden soll.
Aber ich sagte mir auch, die Gedanken gehören mir nicht und kommen und gehen und die Situation
ist eine gute Gelegenheit zu üben. Damit verschwanden diese dann auch.
Ich merkte, dass das Ich und der Kritiker und Strenge zuerst sehr präsent waren
und dann kleiner und unwichtiger wurden. Auch die Hilflosigkeit und das Gefühl,
mich verteidigen zu müssen, verschwanden.
Es kann aber auch sein, dass ich mich fügte bzw. resignierte.

Gestern begann ich beim Autofahren mit der Übung: "Fahren, aber kein Fahrer da."
Da kam das Gefühl, als säße hinter dem Steuer ein Roboter, ich jedoch war Beobachter des
Fahrens. Es schien auch so zu sein, als würde ich ruhig sein und die Landschaft vorbeiziehen.
Vielleicht aber auch nur, weil ich dass einmal gehört habe. Der Gedanke kam, "konzentriere
dich auf das Fahren", doch da war Konzentration vorhanden, mehr als sonst manchmal beim
Autofahren. Im Kino dann war Spannung da, aber keiner, der an dieser Spannung litt.
Freude, aber keiner, der die Freude mit einem Ich in Verbindung brachte.

Heute gab es einige Besprechungen, bei denen ich ziemlich konzentriert war.
Ich merkte nur nebenbei, dass ich mich mehr als früher zurücknahm und Andere reden ließ.
Das tue ich generell in die letzten Wochen und habe erfahren, dass es garnicht wichtig ist und
die Ergebnisse manchmal besser sind, wenn ich mich zurücknehme, Dinge von alleine passieren.
Natürlich kommt es vor, dass der Gedanke auftaucht, "da hättest etwas sagen oder tun können",
"das war zu wenig schlagfertig", aber diese Gedanken sind da und auch schon wieder weg.
Die Ungeduld, die mich früher begleitete, verwandelt sich in Gelassenheit.
Wie lebt es sich so, als bloße Erscheinung?
Diese Frage habe ich mir auch öfter gestellt. Dazu kann ich nur schreiben: Gut.

Liebe Grüße
Martin

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Re: Direct Pointing

Postby Renate » Tue Jun 25, 2013 8:26 pm

Hallo Martin,

um den Prozess dynamisch zu halten ist es am Besten jeden Tag zu schreiben
oder wenigstens mitzuteilen, "ich schreib morgen...".

Die Übungen so oft als möglich zu machen ist wichtig, bis es "wie von selbst" passiert.
Dieses "einfach Sein".

Deine Antwort auf meine Frage war: "Gut"
So vermute ich, dass du siehst es gibt kein Martin, kein Ich. Alles geschieht.

Ist das so?
Bitte etwas ausführlicher. :-)

Liebe Grüße
Renate

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Re: Direct Pointing

Postby Martinma » Wed Jun 26, 2013 8:28 pm

Hallo Renate!
um den Prozess dynamisch zu halten ist es am Besten jeden Tag zu schreiben
oder wenigstens mitzuteilen, "ich schreib morgen...".
OK, mach ich. War bis heute abend dienstlich unterwegs.
Die Übungen so oft als möglich zu machen ist wichtig, bis es "wie von selbst" passiert.
Dieses "einfach Sein".
Da gibt es noch Verbesserungspotentiale. Heute unter Tags habe ich immer wieder die Übungen
gemacht. Unangenehme Gefühle lösen sich sofort danach auf, auch Gedankenketten entstehen
kaum mehr. Allerdings lasse ich mich auch leicht ablenken bzw. lässt nach einiger Zeit die Konzentration
nach, die ich benötige, um die Übungen zu machen.
So vermute ich, dass du siehst es gibt kein Martin, kein Ich. Alles geschieht.
Ist das so? Bitte etwas ausführlicher. :-)
Ich zweifle manchmal an, wenn ich fühle, es gibt keinen Martin.
Meist treten die Gefühle unmittelbar nach Übungsbeginn auf und ich denke,
dass kann doch nicht so schnell gehen. Es dauert immer nur kurz an.
Dann will ich das Gefühl erhalten, doch es entgleitet. Aber vielleicht entsteht das Gefühl,
dann sofort der Wunsch, es zu erhalten und dann ist es vorbei.
Wenn ich dieselbe Übung weitermache, ist es nicht mehr dasselbe Gefühl, es ist sachlicher
und irgendetwas in mir verlangt nach mehr Intensität. Dann probiere ich eine andere Übung.

Ich sehe auch, dass alles geschieht. Es ist für mich mittlerweile logisch, dass alles geschieht.
Alles, was ich bisher gehört und gelesen habe, bestätigt das.
Doch ich sehe dies nicht nur mit dem Verstand. Manchmal spüre oder fühle ich das auch als
Beobachter. Da entsteht eine Art Wissen, welches nicht vergleichbar ist mit dem üblichen
Wissen. Es durchdringt irgendwie den Raum in mir und um mich.
Andereseits fehlt mir das Gefühl der Verbindung mit Menschen, der Natur. Und es fehlt mir das
"einfach sein".

Liebe Grüße
Martin

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Re: Direct Pointing

Postby Renate » Thu Jun 27, 2013 8:09 am

Hallo lieber Martin,
Ich zweifle manchmal an, wenn ich fühle, es gibt keinen Martin.
Meist treten die Gefühle unmittelbar nach Übungsbeginn auf und ich denke,
dass kann doch nicht so schnell gehen. Es dauert immer nur kurz an.
In den oben beschriebenen Momenten, gibt es da ein ICH?
Besonders wenn Zweifel oder Erwartungen auftauchen, findest du dann ein ICH?
Hängt sich da vielleicht nur der Verstand mit seiner Konditionierung rein?

Schaue genau hin und beschreibe bitte detailliert was da abläuft.
Da entsteht eine Art Wissen, welches nicht vergleichbar ist mit dem üblichen
Wissen. Es durchdringt irgendwie den Raum in mir und um mich.
Ja, der Verstand lässt die konditionierte Erinnerung los und übrig bleibt was jetzt gerade ist.
Andereseits fehlt mir das Gefühl der Verbindung mit Menschen, der Natur. Und es fehlt mir das
"einfach sein".
Das sagt der Verstand mit seinen Erwartungen :-), es hat so und so zu sein erst dann ist es richtig.
Erst dann bin ich "erwacht".

Liebe Grüße
Renate


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