Genau - natürlich meine ich nicht einfach ein sinnliches Wahrnehmen. Sehen meint viel mehr Wahrnehmen. Zäumen wir das Pferd von hinten auf, bleibt - versuche einmal NICHT zu sehen. Das ist kein Problem, oder? Aber - versuche einmal NICHT wahrzunehmen. Wie ist das?Wir kommen jetzt in einen Bereich, in dem die Aussagekraft von Worten begrenzt ist.
Sobald einfache Worte das direkte Erfahren nicht länger widerzugeben vermögen, geschieht schnell Interpretieren. Und Interpretation ist, was wir hier unter allen Umständen vermeiden möchten.
Um deine Frage nach der Art der Enttarnung zu beantworten: Ja, es ist eine Art "Sehen", allerdings weniger optisch als ein "Erkennen", das es keinen Bestand hat.
Ja, es ist so einfach. Wunderbar, Leo! Und das "Sehen" geschieht, ganz von selbst. "Ah - so ist das also". Das war es schon!!! Das ist alles, was es jemals braucht, Leo!Oft sind es ja Gedanken, die aus dem JETZT, dem Moment, wegführen, davon ablenken - da genügt es schon, in den gegenwärtigen Augenblick zurückzukehren und zu "sehen": der Gedanke hat keine Substanz, und das worauf er hinweist ist ebensowenig real. Was jetzt da ist, ist (...), der Rest ist Fiktion.
Alles, bis zu diesem letzten Absatz, lässt mich lächelnd lesen, Leo. Aber dieses "ich kann aber die Wahrnehmung oder das Gewahrsein selbst Sein" ist quasi die "letzte" Bastion der Ich-Illusion!!! Eine, die mir selbst sehr vertraut ist, da es auch mir lange so erschien - "ich bin das, was wahrnimmt. Bin Gewahrsein." Jahrelang!Es gibt immer eine letzte Ebene, eine "finale Beobachtung", die sich all dieser Dinge bewusst wird: den leisen Gedanken, der Präsenz im Körper, den Bewegungen und den Impulsen ... und auch der Abwesenheit eines Ichs. Diese Wahrnehmen hat aber ebenfalls nicht wirklich "sehenden" Charakter, es ist vielmehr ein akzeptierendes Aufnehmen ohne Bewertung. Es entspricht mehr einem ungefilterten, nicht beurteilenden, nicht bewertenden Bewusstsein, das alles sein lässt, wie es ist, ohne Gedanken oder Gefühle dabei hervorzurufen. Gedanken und Gefühle passieren, sie ziehen aber vorbei wie Wolken am Himmel, die ebenfalls wahrgenommen werden, so wie sie sind.
So gesehen kann ich deine Fragen momentan folgendermaßen beantworten: Es ist kein Ich da, dass "Ich-Handeln" oder "Ich-Empfindungen" wahrnehmen kann. Vielleicht kann man sagen, dass es "Wahrnehmung selbst" ist, die wahrnimmt, dafür habe ich kaum passende Worte, die es vollständig auszudrücken vermögen. Ich habe bisher das Wort "Gewahrsein" dafür verwendet, doch beides trifft es in seiner Beschreibung nur ansatzweise. Ich würde sagen, es ist das Leben selbst, das sich einerseits ausdrückt und andererseits dabei beobachtet, welches Spiel der Formen dabei entsteht.
Ich kann also keinen Beobachter wahrnehmen, ich kann aber die Wahrnehmung oder das Gewahrsein selbst SEIN, dass einen Blick auf die vielfältigen Erscheinungen des Lebens wirft.
Was ich Dir nun sagen möchte ist - Überprüfe ob dies einfach eine weitere Annahme, eine Interpretation ist mit den Fragen - "Ist das wirklich wahr? Kann ich wirklich wissen, dass das wahr ist? Woher weiss ich, dass das wirklich wahr ist?".
Mit den folgenden Hinweisen möchte ich Dich zur "tieferen" Erforschung einladen:
Wahrnehmen braucht kein Ich. Innerhalb dessen, was wahrgenommen wird taucht "Leo" oder "ich" auf, dass siehst Du ganz deutlich. Doch sobald Leo/Ich abwesend ist, ist da doch nur noch... Wahrnehmen. Kein Ich. Der Spuk ist vorbei. Unbegrenztes weil grenzenloses Wahrnehmen. Ohne Grund, letzte Instanz, Hintergrund, Vordergrund. "Ohne alles" - gleichsam inklusive Allem!
Da ist aber kein Wahrnehmender. Da ist nicht einmal "die Wahrnehmung" von Etwas. Auch das ist etwas nachträglich eingefügtes. Wenn blosses Wahrnehmen ist, ist einfach alles (was ist). So wie es ist. Ohne das irgendjemand irgendetwas genaueres darüber sagen könnte. Und Worte "darüber" sind dennoch in Ordnung, tauchen spontan auf. Finden sich. Aber was lässt sich wirklich aussagen über das, was jetzt gerade wahrgenommen wird? Ohne Gedanken - Beurteilung - Vereinnahmung durch Etiquettierungen?
Ich kann also keinen Beobachter wahrnehmen, ich kann aber die Wahrnehmung oder das Gewahrsein selbst SEIN, dass einen Blick auf die vielfältigen Erscheinungen des Lebens wirft.
Überprüfe meine Aussagen. Erforsche Dein Erleben, das Wahrnehmen.Was jetzt da ist, ist (...), der Rest ist Fiktion.
Schaue hinter die "letzte Instanz".
"Sieh" nach, ob sich "dort" etwas finden lässt!!!

