Die Umkleidekabine

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Lars
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Re: Die Umkleidekabine

Postby Lars » Fri Aug 03, 2012 3:19 am

Wir kommen jetzt in einen Bereich, in dem die Aussagekraft von Worten begrenzt ist.

Sobald einfache Worte das direkte Erfahren nicht länger widerzugeben vermögen, geschieht schnell Interpretieren. Und Interpretation ist, was wir hier unter allen Umständen vermeiden möchten.

Um deine Frage nach der Art der Enttarnung zu beantworten: Ja, es ist eine Art "Sehen", allerdings weniger optisch als ein "Erkennen", das es keinen Bestand hat.
Genau - natürlich meine ich nicht einfach ein sinnliches Wahrnehmen. Sehen meint viel mehr Wahrnehmen. Zäumen wir das Pferd von hinten auf, bleibt - versuche einmal NICHT zu sehen. Das ist kein Problem, oder? Aber - versuche einmal NICHT wahrzunehmen. Wie ist das?
Oft sind es ja Gedanken, die aus dem JETZT, dem Moment, wegführen, davon ablenken - da genügt es schon, in den gegenwärtigen Augenblick zurückzukehren und zu "sehen": der Gedanke hat keine Substanz, und das worauf er hinweist ist ebensowenig real. Was jetzt da ist, ist (...), der Rest ist Fiktion.
Ja, es ist so einfach. Wunderbar, Leo! Und das "Sehen" geschieht, ganz von selbst. "Ah - so ist das also". Das war es schon!!! Das ist alles, was es jemals braucht, Leo!
Es gibt immer eine letzte Ebene, eine "finale Beobachtung", die sich all dieser Dinge bewusst wird: den leisen Gedanken, der Präsenz im Körper, den Bewegungen und den Impulsen ... und auch der Abwesenheit eines Ichs. Diese Wahrnehmen hat aber ebenfalls nicht wirklich "sehenden" Charakter, es ist vielmehr ein akzeptierendes Aufnehmen ohne Bewertung. Es entspricht mehr einem ungefilterten, nicht beurteilenden, nicht bewertenden Bewusstsein, das alles sein lässt, wie es ist, ohne Gedanken oder Gefühle dabei hervorzurufen. Gedanken und Gefühle passieren, sie ziehen aber vorbei wie Wolken am Himmel, die ebenfalls wahrgenommen werden, so wie sie sind.

So gesehen kann ich deine Fragen momentan folgendermaßen beantworten: Es ist kein Ich da, dass "Ich-Handeln" oder "Ich-Empfindungen" wahrnehmen kann. Vielleicht kann man sagen, dass es "Wahrnehmung selbst" ist, die wahrnimmt, dafür habe ich kaum passende Worte, die es vollständig auszudrücken vermögen. Ich habe bisher das Wort "Gewahrsein" dafür verwendet, doch beides trifft es in seiner Beschreibung nur ansatzweise. Ich würde sagen, es ist das Leben selbst, das sich einerseits ausdrückt und andererseits dabei beobachtet, welches Spiel der Formen dabei entsteht.

Ich kann also keinen Beobachter wahrnehmen, ich kann aber die Wahrnehmung oder das Gewahrsein selbst SEIN, dass einen Blick auf die vielfältigen Erscheinungen des Lebens wirft.
Alles, bis zu diesem letzten Absatz, lässt mich lächelnd lesen, Leo. Aber dieses "ich kann aber die Wahrnehmung oder das Gewahrsein selbst Sein" ist quasi die "letzte" Bastion der Ich-Illusion!!! Eine, die mir selbst sehr vertraut ist, da es auch mir lange so erschien - "ich bin das, was wahrnimmt. Bin Gewahrsein." Jahrelang!

Was ich Dir nun sagen möchte ist - Überprüfe ob dies einfach eine weitere Annahme, eine Interpretation ist mit den Fragen - "Ist das wirklich wahr? Kann ich wirklich wissen, dass das wahr ist? Woher weiss ich, dass das wirklich wahr ist?".

Mit den folgenden Hinweisen möchte ich Dich zur "tieferen" Erforschung einladen:

Wahrnehmen braucht kein Ich. Innerhalb dessen, was wahrgenommen wird taucht "Leo" oder "ich" auf, dass siehst Du ganz deutlich. Doch sobald Leo/Ich abwesend ist, ist da doch nur noch... Wahrnehmen. Kein Ich. Der Spuk ist vorbei. Unbegrenztes weil grenzenloses Wahrnehmen. Ohne Grund, letzte Instanz, Hintergrund, Vordergrund. "Ohne alles" - gleichsam inklusive Allem!

Da ist aber kein Wahrnehmender. Da ist nicht einmal "die Wahrnehmung" von Etwas. Auch das ist etwas nachträglich eingefügtes. Wenn blosses Wahrnehmen ist, ist einfach alles (was ist). So wie es ist. Ohne das irgendjemand irgendetwas genaueres darüber sagen könnte. Und Worte "darüber" sind dennoch in Ordnung, tauchen spontan auf. Finden sich. Aber was lässt sich wirklich aussagen über das, was jetzt gerade wahrgenommen wird? Ohne Gedanken - Beurteilung - Vereinnahmung durch Etiquettierungen?
Ich kann also keinen Beobachter wahrnehmen, ich kann aber die Wahrnehmung oder das Gewahrsein selbst SEIN, dass einen Blick auf die vielfältigen Erscheinungen des Lebens wirft.
Was jetzt da ist, ist (...), der Rest ist Fiktion.
Überprüfe meine Aussagen. Erforsche Dein Erleben, das Wahrnehmen.
Schaue hinter die "letzte Instanz".

"Sieh" nach, ob sich "dort" etwas finden lässt!!!

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Re: Die Umkleidekabine

Postby Leo J. » Fri Aug 03, 2012 11:41 am

Lars, der Absatz an dem du hängen bleibst ist zur einen Hälfte unpassend formuliert, zur anderen Hälfte gebe ich dir Recht, dass dahinter vermutlich noch der Versuch des Ichs stehen könnte, noch einmal durch die Hintertüre reinzukommen und sich eine verdeckte Existenzgrundlage zu schaffen.

(Ich vergleiche gerade unser direct-pointing-Spiel mit einer Leiter, auf der ich Sprosse für Sprosse weiter nach oben klettere und dabei die Anziehungskraft des Ichs immer mehr überwinde...)

Ich bin deshalb in unserer Konversation ein paar Schritte zurückgegangen bis an den Punkt, an dem du meintest, Ich existiere gar nicht. Wenn ich die Leiter so weit hinaufgehe und in eine Höhe komme, wo es kein Ich und keinen Beoachter mehr gibt, wo ich als abgegrenztes Wesen aufhöre zu existieren, dann ist da zuerst Leere. Nichts. Sehe ich noch genauer hin, wird aus dem Nichts die Leiter, die Luft und der Boden - dann bin ich Alles, was es gibt, die Grenze zwischen "mir" und allem Anderen existiert dann nicht mehr. Aus dem Beobachter ist das Beobachtete und das Beobachten geworden, beides zugleich. Und obwohl dieser Ort/dieses Sein mit allem verbunden ist, was ist, ist dort hauptsächlich ... Stille.

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Re: Die Umkleidekabine

Postby Leo J. » Fri Aug 03, 2012 11:42 am

P.S.: es steht unserem Austausch übrigens eine kleine Pause bevor, da ich ab Sonntag mit meiner großen Tochter für ca. eine Woche auf Urlaub fahre. Morgen kann ich dir wahrscheinlich noch schreiben, danach erst wieder ab dem 14. August.

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Re: Die Umkleidekabine

Postby Lars » Fri Aug 03, 2012 4:58 pm

Seit Beginn des Pointings tanzen wir den Tanz und nun schreibst Du, was sich durchaus so liest, als wäre da schon Sehen!

Es bleibt hier noch ein letzter Zweifel, da gerade diese Ausdrucksweise zT. sehr abstrakt ist. Wie wohl ich Deine Beschreibung wirklich von Herzen gerne lese, das Schreiben scheint Dir zu liegen (!), ist es für den Prozess wichtig, dass das Beschriebene jedweden Zweifel beseitigt. (nicht so sehr für Dich sondern für mich und die Anderen Begleiter, die dann letztlich ihr "Ok" geben müssen, damit wir Dich bestätigen können...) Wenn also Deine Antwort tatsächlich dem direkten Sehen entspringt, führt uns das nun dem Ende hier immer näher.

Erneut frage ich Dich deswegen - fehlt noch etwas?

Du bist bis hierher jeden Schritt mitgegangen, hast geforscht und nachgesehen, meine manchmal vielleicht herausfordernden bis provokanten Beiträge beantwortet und immerzu gesehen, quasi existenziell erfahren - da ist niemand.

Nun, da ich Dich auf die möglicherweise letzte "Irritation" hinweise - die Idee, so etwas wie Gewahrsein zu sein - erkennst Du gleichsam an, dass auch das letztlich nur eine Fiktion sein kann.

Wer oder was bist Du also?

Bitte - nur, was Du direkt erfahren, wahrnehmen kannst. Keine Beispiele, Analogien oder Metaphern o.ä. So einfach, als würdest Du mit einem Kind sprechen. So direkt und klar, ehrlich und aufrichtig wie nur möglich!

Ansonsten ist es nun an Dir etwaige Fragen zu stellen!

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Re: Die Umkleidekabine

Postby Lars » Sat Aug 04, 2012 6:51 pm

Und bevor ich es vergessen - wünsche Dir viel Freude im Urlaub.

Und geniesse die "Sicht" - das alles was geschieht, ohne ein Zutun von einem Ich geschieht. Ganz egal wie oft Gedanken es anders erscheinen lassen mögen.

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Re: Die Umkleidekabine

Postby Leo J. » Sat Aug 04, 2012 9:39 pm

Nun, Lars, wenn du tatsächlich eine einfache Antwort auf diese existenzielle Frage möchtest, will ich mich bemühen, sie dir so "kinderleicht" wie möglich zu geben:

Ich bin ein Substanz gewordener Ausdruck von Lebensenergie, die sich durch die Wunder des Lebens selbst erfährt. Die Erschaffung und Aufrechterhaltung der Illusion eines Körpers, eigener Gedanken und Gefühle hat mir ermöglicht, den Verlauf meiner Evolution zu ermöglichen bis hin zur Erinnerung daran, dass all dieses Getrenntsein von allem-was-ist nicht mehr als eine Einbildung ist, die dazu dient, Erfahrungen zu ermöglichen, die aus der Sichtweise der ewigen Stille nicht in dieser Form möglich sind.

Das ist mein ehrliches und aufrichtiges Statement dazu, ob es für dich klar und direkt genug ist, wirst du selbst feststellen. ;-)

Die etwaigen Fragen hebe ich mir für die Zeit nach dem Urlaub auf, der wird in dieser Hinsicht bestimmt ergiebig sein.

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Re: Die Umkleidekabine

Postby Lars » Sun Aug 05, 2012 6:17 am

Für Deinen Urlaub dies:

Manche Lehrer erklären all dies (dieser wundersame Lebendigkeit) so, wie Du es beschrieben hast. Für mich ist dies ein weiteres Konzept, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt hilfreich, tröstend und angenehm erscheinen mag. Aber hilft es wirklich dabei, die Illusion letztlich zu enttarnen?

Dieses Nicht-Ich sagt über sich:
- ich bin Sustanz gewordener Ausdruck
- von Lebensenergie.

Etwas weiter oben hast Du geschrieben "Was jetzt da ist, ist (...), der Rest ist Fiktion."

Da ist kein Ich! Es gibt auch diese Evolution, von der Du geschrieben hast, nicht. Da ist "...." ohne Ende oder Anfang, ohne Grund oder Sinn. Einfach nur "....". Und da alles immerzu Jetzt geschieht, ist jedwede Veränderung oder Entwicklung nur eine weitere Illusion. Da ist ja niemand! Und Du erfährst dies immer zu.

Nimmst Du das was ist also wirklich hier und jetzt als diese Lebendigkeit wahr, die um seine Evolution weiss und sich selbst in endloser Form erschafft?

Hast Du also die Welt, das Universum und alles alles darin erschaffen? Oder geschah und geschieht dies ganz und gar ohne Dein Zutun oder ein Ich, in welcher Form auch immer?

Wer oder was glaubt sich nun zu erinnern an die Einbildung der Illusion?

Ist das was erinnert, nicht auch (noch) ein Ich? Eine Bewertung - eben noch vergessend nun schon wieder erinnernd?

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Re: Die Umkleidekabine

Postby Leo J. » Tue Aug 21, 2012 5:21 pm

Mein Urlaub hat mir ermöglicht, die Erkenntnisse des Pointing-Prozesses noch einmal aus der Entfernung anzusehen, noch eine Ebene tiefer zu gehen und viele Erlebnisse unter dem Gesichtspunkt der "Ich-Losigkeit" zu betrachten.

Was mir dabei aufgefallen ist (und damit gehe ich gleich auf deine noch offenen Fragen ein):
Die Idee einer Evolution ist für mich bisher eine sehr tröstliche Vorstellung gewesen – und damit bin ich auch schon am Kern der Sache: "tröstlich" bedeutet, dass es Futter für den bedürftigen Anteil in mir ist, der sich selbst bestätigt und in einer Struktur eingebettet sehen will - somit ist es aber nicht weniger eine Fiktion als alle anderen Illusionen, die ich mir als "Ich" vorgaukle um mich besser zu fühlen.
"Vorstellung" sagt bereits aus, dass ich es "vor" die letztendliche Realität stelle, weil diese für mein "Ich" ungewohnt/unangenehm/unpassend ist, eigentlich sogar bedrohlich.

Die weniger selbstwichtige Variante ist: nein, die Welt und das Universum wurde nicht von mir erschaffen und läuft auch ohne mein Zutun und die Zugabe meiner Vorstellungen und Beiträge ganz gut. Auch aus diesem Bereich muss das "Ich" weichen und der Erkenntnis Platz machen, dass da erstmal ... Nichts ist, Leere. Alles was ich wahrnehme ist Interpretation und unterliegt den Filtern meines "Ichs", das verschiedenste Etiketten auf diese Eindrücke klebt.

Im Grunde wird der Großteil meiner Wahrnehmung durch meine Gedanken gebildet und die entstammen allesamt meiner Lebenserfahrung und sind eine Wiederholung von vorgekauten Informationen, durch die "Ich" geprägt wurde. Was abseits davon ist, kann ich schwer beschreiben, weil ich dafür keine Worte habe. Zudem wäre jede Beschreibung auch wieder von meinen langjährigen Filtern beeinflusst, weshalb ich jetzt mal lapidar behaupte: Abseits vom "Ich" ist formloses Nichts, reines Sein ohne Einschränkung, Energie in einer ursprünglichen Form (alles nur sprachliche Annäherungen an eine sehr konzeptlose Realität...

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Re: Die Umkleidekabine

Postby Lars » Wed Aug 22, 2012 5:49 am

Ich sehe, dass Du die Zeit nicht ungenutzt hast verstreichen lassen. Schön, dass es weiter geht, Leo!

Deine Beobachtungen sind sehr klar und verweisen direkt auf den Kern - kein "Ich" keine Evolution. Keine Vergangenheit. Keine Zukunft. Alles was nicht jetzt und hier erfahren wird - von Niemanden, ist (und bleibt) Fiktion. Ganz egal, wie "real" es erscheinen mag.

die letztendliche Realität
Abseits vom "Ich" ist formloses Nichts, reines Sein ohne Einschränkung, Energie in einer ursprünglichen Form
Dies ist ein wiederkehrendes Motiv Deiner Beschreibungen. Und wie mir erscheint, ein Dir sehr nahes. Ich möchte Dich einladen, auch dieses noch einmal zu erforschen.

Ist dieses "Ich", dass Du ganz deutlich als Konstrukt erkennst, abseits des "formlosen Nichts"? Gibt es irgendetwas ausserhalb oder innerhalb dessen, was Du als "Nichts" beschreibst? Eine Übung:

Schliesse einmal die Augen. Da ist ohne Anstrengung einfach Wahrnehmen.
Sinneseindrücke. Und - so etwas wie "räumliche Grenzen". Der Hintern auf einem Stuhl. Atem und Bauchdecke.
Geräusche. Jedoch: Versuche einmal eine wirkliche, reale "Grenze" zu finden.

Kannst Du eine ausmachen? Kannst Du wahrnehmen wo der Körper beginnt und endet? Gibt es überhaupt eine "Grenze"? Oder ist der "Übergang" quasi fliessend? Sind Grenze, Übergang - Ich und Nichts - vielleicht nur ein weiteres gedankliches Konstrukt, dass die Idee der Trennung aufrecht erhält?

Wahrnehmen ohne Grenzen?
Gar - grenzenloses Wahrnehmen?

Ohne Mitte/Zentrum?

Ohne das D/M-Ich, "Leo"?

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Re: Die Umkleidekabine

Postby Leo J. » Wed Aug 22, 2012 5:40 pm

Deine Aufforderung zur weiteren Erforschung des Nichts kann ich nicht erfolgreich nachkommen. Zumindest nicht in der Weise, dass dadurch eine Veränderung der Anschauung passiert. Wenn ich die Illusion des Ich durchschaue, wird auch die Vorstellung einer Trennung von der Welt aufgehoben und es geht - für mich - hauptsächlich darum, wie ich mit dieser neuen Anschauung zurecht komme und sie in mein Leben bringe. Ein Rest an Interpretation bleibt noch aufrecht, den ich achtsam beobachte und ihn weiter verfolge um ihn aufzulösen.

Beim Selbstversuch, eine räumliche Grenze zu finden, scheitere ich. Es gibt eine "gefühlte" Grenze, doch die ist mehr eine Gewohnheit als eine reale Tatsache. Der Rest ist - wieder einmal - Interpretation. Alle Wahrnehmungen schließen an gewohnte Erfahrungen an und sind damit Teil meiner Deutung. Sicherheit darüber gibt es nicht. Eigentlich fühle ich mich in diesem Zustand unermesslich groß.

Das "Ich" könnte ich als einen Teil des Seins sehen, der durch den Hang zur Separation "Etwas" hinzufügt, Grenzen zieht, Unterschiede ausmacht und als wahrnehmbare Illusion anbietet. Aber da bastle ich schon wieder an einem weiteren Konstrukt, das mich vom zuletzt begonnenen Weg wegführt...

Deinem Vorschlag einer grenzenlosen Wahrnehmung kann ich aus diesem Experiment also etwas abgewinnen. Ein Zentrum? Eine Mitte? Wovon soll die sein? Ich kann nur ein Zentrum von etwas ausmachen, wenn ich mich getrennt von etwas Anderem betrachte. Über diesen Punkt bin ich aber in den letzten Wochen hinaus gegangen...

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Re: Die Umkleidekabine

Postby Lars » Thu Aug 23, 2012 4:26 am

Na nu? Das war es etwa schon? ;)

Wie siehst Du also jetzt im Rückblick Deinen ersten Beitrag?:
Ganz aktuell habe ich nun den Eindruck, endlich BEREIT zu sein, einige oder alle dieser Illusionen abzustreifen, mich ihrer zu entledigen wie einem Kleidungsstück, das bereits zu klein geworden ist - um zu sehen, was danach kommt. Ich hege die Vermutung, mit der Nacktheit meines Natürlichen Selbst weit reibungsloser durch die Welt zu kommen. Was also hindert mich daran, es einfach zu tun? Angst? Gewohnheit? Misstrauen?
Ist seit dem eine Veränderung eingetreten? Und falls ja - welche?

Zumindest nicht in der Weise, dass dadurch eine Veränderung der Anschauung passiert.
Ganz genau darum soll es hier auch nicht gehen. Wir brauchen nicht ein Mehr an neuen oder veränderten Anschauungen. Ich-Losigkeit ist quasi die Quelle ALLER Anschauungen. Entfernen wir aus der "grossen Gleichung" das sog. "Ich" verlieren sich alle Anschauungen im Nirgendwo.

Das "Ich" könnte ich als einen Teil des Seins sehen, der durch den Hang zur Separation "Etwas" hinzufügt, Grenzen zieht, Unterschiede ausmacht und als wahrnehmbare Illusion anbietet. Aber da bastle ich schon wieder an einem weiteren Konstrukt, das mich vom zuletzt begonnenen Weg wegführt...
Gibt es also ein Ich - in welcher Form auch immer? Ist "Ich" etwas reales, so wie der Tisch oder Monitor? Oder doch der Weihnachtsmann, der zwar alle Jahre wieder erscheint, aber nur einem Glauben entspringt und nie wirklich wahr?

Und - wie entsteht es, das "Ich"?

Alle Wahrnehmungen schließen an gewohnte Erfahrungen an und sind damit Teil meiner Deutung. Sicherheit darüber gibt es nicht.
Einspruch! :) Das klingt so, als wäre Wahrnehmen ohne gedanklichen "Rückschluss" nicht möglich. Was jedoch ist zuerst - Wahrnehmen oder die Bewertung und Interpretation? Und was ist "sicher" - ist Wahrnehmen nicht immer einfach "da"? Die Grundlage aller Deutungen?

Wahrnehmen als solches bedarf weder "gewohnter Erfahrung" noch einer "Deutung". All dies wird ebenfalls wahrgenommen. Doch - von wem?

Ein Zentrum? Eine Mitte? Wovon soll die sein? Ich kann nur ein Zentrum von etwas ausmachen, wenn ich mich getrennt von etwas Anderem betrachte.
Und jetzt - wenn da einfach Wahrnehmen einer "gefühlte(n) Grenze" ist - ist dies dann eine wirkliche Begrenzung des Wahrnehmens? Oder ist auch die Grenze, die Gewohnheit usw. letztlich nur etwas wahrgenommenes?

Ganz ohne Anstrengung. Ohne Aufwand. Im einfachen Sehen dessen, was ist...

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Re: Die Umkleidekabine

Postby Leo J. » Fri Aug 24, 2012 2:37 pm

Wenn ich meinen ersten Beitrag betrachte, sehe ich ein drängendes Ich, dass auf seine eigene "Aufdeckung" und Auflösung spekuliert, dem seine Welt zu eng geworden ist, und dem die Realität durch einen Spalt bereits einen Blick auf die wahre Natur der Dinge offenbart hat. Was mich damals daran gehindert hat, weiterzugehen, war am ehesten Gewohnheit und ein Akzeptieren der Gegebenheiten, wie ich sie kannte und sie meine Weltsicht bestimmten.

Verändert hat sich seither, dass ich gesehen habe, dass viele Begrenzungen meiner Wahrnehmung "hausgemacht" sind. Ich höre auch nicht damit auf, mich und meine Anschauungen und Reaktionen weiter und tiefer zu hinterfragen - das gibt es noch einige Schichten zu erforschen und zu entblättern. Verändert hat sich auch meine Herangehensweise an viele bekannte Situationen, in denen ich "mich" nun weniger wichtig nehme, viel seltener in Widerstand dazu gehe und in der Kommunikation nicht schon von vornherein bei Mutmaßungen hängenbleibe, statt auf das einzugehen, was eigentlich zum Ausdruck kommen möchte.

Ein "Ich" an sich gibt es nicht. Was es gibt ist die Idee, die Vorstellung, das Konzept von "Ich-Haftigkeit". Auch wenn dieses Ich nicht real ist, habe ich die Option, ihm Wichtigkeit einzuräumen, mir dadurch das Leben "schwer zu machen" und es in seiner Fülle einzuschränken.

Dieses Ich entsteht durch die Beschreibung und Benennung der Eindrücke durch unsere Weltbildpräger (Eltern, Lehrer, Geschwister, Freunde etc.) und wird nach einer kurzen Phase der Eingewöhnung (obwohl ein Irrtum) zur akzeptierten Realität. Ich beobachte gerade bei meiner fast zweijährigen Tochter, wie sich dieses Ich-Bewusstsein ankündigt und beginnt, ihr Erleben und ihre "Einordnung" der Wahrnehmungen zu beeinflussen. Ob ich als Elternteil mit dem Wissen darum, dass es das "Ich" nicht gibt, jetzt einen Handlungsbedarf für eine Veränderung in der Fürsorge und Begleitung meiner Kinder sehe, bleibt noch eine offene Frage für mich, die mich beschäftigt.

Wahrnehmung ohne gedanklichen Rückschluss ist natürlich möglich - sobald ich aber in die Beschreibung des Wahrgenommenen gehe, muss ich interpretieren, umformen und es in eingeschränkter Weise zum Ausdruck bringen. Ich sehe es aber auch so, dass Wahrnehmung die ursprüngliche Grundlage aller Deutungen ist.

Wenn du danach fragst, von wem all dies wahrgenommen wird, muss ich passen. Ich weiß es schlichtweg nicht. Alle Gedanken dazu sind konzepthaft geprägt und zu klein, um diesen Eindruck wiederzugeben...
Und jetzt - wenn da einfach Wahrnehmen einer "gefühlte(n) Grenze" ist - ist dies dann eine wirkliche Begrenzung des Wahrnehmens? Oder ist auch die Grenze, die Gewohnheit usw. letztlich nur etwas wahrgenommenes?
Die Grenze des Wahrgenommenen lege ich selbst fest. Mir ist nicht ganz klar wodurch es abläuft, sehe aber, dass es geschieht. Realität an sich erscheint mir als grenzenlos. Wenn ich aber mit dieser Grenzenlosigkeit nicht zurecht komme (aus welchem Grund auch immer), schränke ich meine Wahrnehmung der Realität so weit ein, bis es "fassbar" wird.

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Re: Die Umkleidekabine

Postby Lars » Sat Aug 25, 2012 10:32 am

Immer näher, Leo. Immer näher. Nur noch ein paar kleine Schritte.

Nichts "Grosses" muss mehr geschehen. Die Einblicke, die geschehen sind, haben die Richtung festgelegt. Du kannst nicht anders, als "es" wissen zu wollen. Und jetzt geschieht einfach ganz von selbst ein "Ausrichten", eintunen. Was bleibt, wenn alle Konzepte als falsch und leer erkannt wurden, ist das was einfach immer schon ist...
muss ich interpretieren, umformen und es in eingeschränkter Weise zum Ausdruck bringen.
Interpretierst wirklich Du? Oder kommen diese Interpretationen spontan, automatisch?

Was immer sich ausdrücken will, drückt sich auf genau die Art und Weise aus, die durch Konditionierungen, Sozialisation, Fähigkeiten und Fertigkeiten schon festgelegt ist. "Du" hast keine Chance, als genau das auszudrücken, was sich ausdrücken will. Denn DICH gibt es ja nicht! Oder etwa doch? :)
Die Grenze des Wahrgenommenen lege ich selbst fest.
Die Grenze des Wahrgenommenen - ist auch das nicht einfach Bewerten, das scheinbar Wahrnehmen beschränkt?
Wenn ich mich als bzw. mit dem Körper identifiziere, erscheint Wahrnehmen begrenzt. Doch ist dies eine echte "Grenze" oder nur erdacht?
Ich weiß es schlichtweg nicht.
Ah, wie schön! Du weisst es nicht. Ich weiss es nicht. Niemand weiss es. Und - wenn das einmal "einsinkt", wenn das ganz ehrlich und von Herzen kommt, wird immer öfter deutlich - wir müssen es gar nicht wissen!

Damit endet die Suche. Die Ideen fliegen weiterhin hoch, doch wir sehen immer wieder - nö, dass/so bin ich nicht. Das sind nur Bewertungen, Gewohnheiten, künstlich geschaffene Grenzen.

Sehen - ich weiss es nicht. Und muss NICHTS MEHR wissen! NIE MEHR!

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Re: Die Umkleidekabine

Postby Leo J. » Sat Aug 25, 2012 9:05 pm

Ah, wie schön! Du weisst es nicht. Ich weiss es nicht. Niemand weiss es. Und - wenn das einmal "einsinkt", wenn das ganz ehrlich und von Herzen kommt, wird immer öfter deutlich - wir müssen es gar nicht wissen!

Damit endet die Suche. Die Ideen fliegen weiterhin hoch, doch wir sehen immer wieder - nö, dass/so bin ich nicht. Das sind nur Bewertungen, Gewohnheiten, künstlich geschaffene Grenzen.

Sehen - ich weiss es nicht. Und muss NICHTS MEHR wissen! NIE MEHR!
Das trifft es immer mehr: Ich weiß es nicht und es kümmert mich weniger und weniger.

Um ehrlich zu sein war dies schon bei einigen meiner letzten Antworten die zugrundeliegende Erkenntnis und "ich" war wohl noch mit einem Rest Stolz oder Verblendung geschlagen, um es aufrichtig zuzugeben. Vieles ist jetzt offener als je zuvor, ein Abenteuer auf das ich mich neu einlassen kann...

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Re: Die Umkleidekabine

Postby Lars » Sun Aug 26, 2012 6:29 am

Um ehrlich zu sein war dies schon bei einigen meiner letzten Antworten die zugrundeliegende Erkenntnis und "ich" war wohl noch mit einem Rest Stolz oder Verblendung geschlagen, um es aufrichtig zuzugeben. Vieles ist jetzt offener als je zuvor, ein Abenteuer auf das ich mich neu einlassen kann...
Deine Aufrichtigkeit berührt mich, Leo! Mehr braucht es nicht - "ich weiss es nicht". Wie könnte ich es jemals wissen?

Ein "Ich" an sich gibt es nicht. Was es gibt ist die Idee, die Vorstellung, das Konzept von "Ich-Haftigkeit". Auch wenn dieses Ich nicht real ist, habe ich die Option, ihm Wichtigkeit einzuräumen, mir dadurch das Leben "schwer zu machen" und es in seiner Fülle einzuschränken.
Schaue Dir diesen Satz bitte noch einmal an. Hast Du diese Option, weil Du die Wahl hast? Oder erscheint diese Option als Wahlmöglichkeit, ohne das Du entscheidest oder auswählst?

Ist dieses "nicht reale" Ich nicht genau das - die Vorstellung der Wahlmöglichkeit, die Idee eines eigenständig denkend-handelnden Subjekts?

Die "Fülle" - meinst Du damit wirklich das "Ich" oder viel mehr das, was sich nicht beschreiben lässt?

Dieses Ich entsteht durch die Beschreibung und Benennung der Eindrücke durch unsere Weltbildpräger (Eltern, Lehrer, Geschwister, Freunde etc.) und wird nach einer kurzen Phase der Eingewöhnung (obwohl ein Irrtum) zur akzeptierten Realität. Ich beobachte gerade bei meiner fast zweijährigen Tochter, wie sich dieses Ich-Bewusstsein ankündigt und beginnt, ihr Erleben und ihre "Einordnung" der Wahrnehmungen zu beeinflussen.
Bei ihr kannst Du also beobachten - es geschieht. Und - auch sie hat keine andere Wahl. Es ist der "Lauf der Dinge".

Erkläre mir doch bitte wie das "Ich" funktioniert. Lass Dir ruhig Zeit für die Antwort, so Du sie brauchst.


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