Könntest du das noch einmal näher untersuchen: Da ist Ärger zu spüren.
Ist in dem Ärger auch ein Ich enthalten?
Ist der Name "Ärger" das Ich oder beinhaltet er das Ich?
Es geht um das, was tatsächlich zu finden ist.
Wo in dem Ärger ist das Ich?
Stellt das Wort "Ich" ein Ich in einer physischen Form oder Gestalt dar, das handeln oder erleben könnte?
Wenn es Ärger genannt wird, ist schon ein Ich da.
Das läuft in vier Schritten ab (zumindest beim mir in diesem konkreten Beispiel):
1. Ein äußerer Impuls kommt (hier: Ansage über Verspätung)
2. Als Reaktion drauf entsteht im Körper ein Gefühl
3. Das Gefühl wird blitzschnell als Ärger Identfiziert bzw. so benannt. Ich nehmen an, das ist erlernt. Das ist kein bewusster Prozess. Den Namen brauche ich (hier im Wortsinne), damit das Gefühl für das Denken operabel wird. Aber der Name ist nicht das Gefühl.
4. Ein Gedanke mit einem ICH erscheint (So ein Mist, jetzt komme ich zu spät) und wird zum Mittelpunkt des gesamten Geschehens. Dieser Gedanke wirkt wie ein Gravitationsfeld - alle Ereignissen kreisen plötzlich um und sind bezogen auf dieses ICH, das als Gedanke erschienen ist.
Ist in dem Ärger auch ein Ich enthalten?
Nein, der Ärger an sich ist nur ein Gefühl. Aber in der Benennung liegt schon die Annahme, dass sich "jemand" ärgert, so wie Sehen konventionell gedacht einen Sehenden zu brauchen scheint.
Ist der Name "Ärger" das Ich oder beinhaltet er das Ich?
Weder noch.
Wo in dem Ärger ist das Ich?
Im Ärger ist kein Ich vorhanden.
Stellt das Wort "Ich" ein Ich in einer physischen Form oder Gestalt dar, das handeln oder erleben könnte?
Ich finde es nach wie vor sehr schwierig zu fassen, was du überhaupt mit "Ich" meinst. Ich kann die Elemente identifizieren, die die Illusion eines Ichs erzeugen (so wie ich die Bedingungen für die Entstehung einer Fata Morgana untersuchen kann) - aber ein Ich ist nicht zu finden.
Aber noch mal in einer anderen Richtung geschaut:
In all diesen Prozessen steckt eine Dynamik, meinetwegen könnte man es auch eine "Kraft" nennen, die alle Eindrücke aus der direkten Erfahrung überformt und in eine Welt umgestaltet, in der alles aus der Subjekt-Objekt-Perspektive von einem Ich erlebt wird. Wenn diese Dynamik wegfällt, gibt es auch kein Subjekt mehr, kein Ich. Aber abgesehen vom ICH greift das viel tiefer, dieselbe Dynamik vermittelt auch den Bezug zu Raum und Zeit und schafft alle weiteren Voraussetzungen für eine Subjekt-Objekt-Beziehungen zur Welt (u.a. auch den ganzen sprachlichen Überbau). Aber ob man die Gesamtheit dieses Prozesses noch mit ICH bezeichnen will, wäre eine Definitionsfrage. Keine Ahnung :) Aber diese Dynamik als Kraft ist definitiv spürbar.* Und die erzeugt am Ende auch das Ich.
Also zurück zur Eingangsfrage: Das Wort "Ich" zeigt auf nichts, was eine physische Form hätte. Es ist eine Idee und kann als solche nicht handeln oder erleben.
*Hier wäre dann gleich zu fragen. Wer spürt diese Kraft? Die Antwort: Niemand. Sie (die Kraft) ist Sehen, Hören, Schmecken, Denken etc. Man könnte sie (die Kraft) auch einfach SEIN nennen.