Versuche, diese Angst wieder hervorzuholen, zu fühlen.
Ich brauche „nur“ darüber nachzudenken, dann enstehen die üblichen Szenarien: Jobverlust, Verlust/Tod der geliebten Menschen, Krankheit … je nachdem, was gerade durch die persönlichen Umstände angestoßen wird. Aktuell werde ich ab Anfang nächsten Jahres einen neuen Job brauchen, was spannend (=potentiell angsterzeugend) wird.
Frage deine Gedanken, worum es bei der Angst vor Kontrollverlust konkret geht.
Letztlich geht alles auf zwei Punkte zurück:
a) Das ein ICH in irgendeiner Form beschädigt (z.B. gedemütigt, verletzt, ignoriert) wird. Dazu zähle ich auch die Versehrtheit des Körpers und des sozialen Umfelds mit dem ICH mich verbunden fühle.
und:
b) Das ICH nicht existiere bzw. irgendwann einmal nicht mehr existieren werde (Tod).
Was befürchtest du, wenn klar wird, dass da wirklich niemand in Kontrolle ist?
Mittlerweile kann ich das „genießen“. Ich weiß nicht genau, ob dass das richtige Wort ist, aber das habe ich versucht mit einem meiner voherigen Posts klar zu machen.
- Das sind einerseits „nur“ Gedanken. Da ist niemand, dem all das widerfährt. Ich erlebe schon Ängste und dann fängt das passende Narrativ dazu an. Aber gleichzeitig kann ich auch den Mechanismus sehen, der dahinter steckt und alles zu einem persönlichen Drama ausbaut in dem ein Ich in eine ungewisse Zukunft reist. Sobald ich mich in eine dieser Geschichten wiederfinde, schaue ich nach: Wo ist das ICH? Und ohne ICH: Wo ist dann noch die Geschichte? (Ohne Held ist es schwer, eine Geschichte zu erzählen).
- Und da ist andererseits das, was jetzt ist. Der „Genuss“ besteht darin zu sehen, wie sich alles entfaltet, so oder so. Das ist die positive Komponente: Freiheit + für alles ist gesorgt.
Und ja, Genuss ist wirklich das falsche Wort. Aber es geht darum: es macht keine Angst. Irgendwo ist da auch eine Komponente von Vertrauen, aber das kriege ich gerade nicht richtig gefasst. Und Freiheit = Freiheit vom Zwang zu Gestalten, kontrollieren zu müssen bzw. zu glauben es zu müssen.
Was glaubst du, würde geschehen, wenn tatsächlich niemand am Steuer säße?
Es würde genau das geschehen, was geschieht. Auch wenn es den Weihnachtsmann nicht gibt, gibt es Geschenke (oder eben nicht). Das ist einfach eine Konsequenz aus der Tatsache, dass es kein Ich gibt: Niemand sitzt am Steuer.
Ich würde das für mich so zusammenfassen:
a) All das sind Ängste, die um ein ICH kreisen. Entweder das ICH ist der Ausgangspunkt oder der Endpunkt dieser Ängste.
b) In der Untersuchung klar geworden, dass es dieses ICH nicht gibt. Es ist eine Illusion, die aufgrund einer bestimmten Mechanik der Psyche entsteht.
c) Wenn dieses ICH nicht existiert, sind die die Geschichten, die um diese Ängste entstehen genauso wenig existent bzw. sie bestehen aus Gedanken.
d) Existent sind allerdings Emotionen, die immer mal wieder auftauchen. Aber ohne eine Geschichte sind da eben nur Emotionen die gefühlt werden. Erst durch die Gedanken bekommen sie ein (illusionäres) Gesicht.