Ich hab' hier wieder eine Übung für dich, diesmal zum Thema 'Gedanken':
Nimm dir etwas Zeit zum beobachten deiner Gedanken. Geh auf jede Frage einzeln ein, und beobachte für jede Frage aufs neue:
Als ich deine Nachricht gelesen habe, musste ich eine ganze Zeitlang laut lachen. Aber nicht wegen Deiner Fragen, sondern weil ich die meisten dieser Fragen noch vor kurzer Zeit aufrichtig mit Ja beantwortet hätte. Und beim Lesen dieser Fragen wurde mir sofort und augenblicklich klar, dass alle Fragen mit Nein zu beantworten sind. Diese unmittelbare Erkenntnis musste mit einem lauten Lachen gefeiert werden. Unser Dialog ist für mich also bereits jetzt schon ein Quell der Freude! :)
Trotzdem habe ich mir etwas Zeit gelassen, und diese Untersuchungen eine Weile lang angestellt:
-kannst du den nächsten Gedanken vorhersagen?
Nein, das kann ich nicht. Aber die Versuche, das zu tun, endeten manchmal in einer angenehmen Stille.
-kannst du entscheiden, was als nächstes gedacht wird?
Nein, ich kann einem Gedanken lediglich folgen. Dadurch entsteht zwar die Illusion, einen nächsten Gedanken zu produzieren, aber das ist nur eine Täuschung. Das haben einige Versuche gezeigt. Das ganze wird aber so unmittelbar aus der Ego-Perspektive erlebt, dass es sich total echt anfühlt.
-kannst du sehen, wo Gedanken herkommen und wohin sie wieder verschwinden?
Nein. Sie werden spontan in die Wahrnehmung „gebeamt“, dann eine Weile lang durchgekaut, und gehen dann in andere Gedanken über, die ebenfalls wieder spontan erscheinen.
Und ich würde auch nicht sagen, dass Gedanken wieder verschwinden, sondern sie bleiben ein Teil der Geschichte und der Erinnerung.
-kannst du einen Gedanken verhindern?
Niemals! :)
-kannst du ab sofort nur noch bestimmte Gedanken (schöne, angenehme,...) denken?
Interessante Frage. Hier hätte ich fast Ja gesagt, denn man kann sich ja scheinbar durch „positives Denken“ selbst beeinflussen. Aber beim näheren Hinsehen wird deutlich, dass auch die Absicht des positiven Denkens nur ein Impuls ist, der ins Leben und in die Wahrnehmung tritt. Auf den zweiten Blick würde ich also auch sagen: Nein, das kann ich nicht.
Beim ersten Lesen deiner Fragen (siehe oben) hatte ich an dieser Stelle kurz gezögert.
Wenn du ein Stück Obst (einen Apfel als Beispiel) zuhause hast, dann stell dir vor, wie er aussieht, wie er sich anfühlt, riecht und schmeckt.
Dann nimm den Apfel zur Hand, riech dran, beisse hinein und schmecke seinen Geschmack.
-entsprechen die Vorstellungen über Geruch, Geschmack und Aussehen der echten Erfahrung beim Riechen, Schmecken und Ansehen?
Die Vorstellungen über die Frucht sind nur ein schwacher und unrealistischer Anklang von der echten Erfahrung. Die direkte, echte Erfahrung von der Berührung, dem Geruch und dem Geschmack der Frucht (bei mir war es ein Pfirsich) war jedoch etwas völlig anderes.
-was haben die Gedanken über den Apfel mit dem echten Apfel, mit der echten Erfahrung zu tun?
Die Gedanken über die Frucht sind lediglich Impulse, die zur echten Erfahrung der Frucht führen können. Solche Gedanken können einen Handlungsstrang in Gang setzen, welcher letztlich zum Genuss der Frucht führen
kann. Diese Gedanken befinden sich aber am anderen Ende dieses Handlungsstranges, und sind nicht mit der echten Erfahrung der Frucht vergleichbar. Ähnlich wie das Einsteigen in einen Bus nicht mit dem Ankommen am Reiseziel vergleichbar ist.