Hilfe zum Loslassen

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Re: Hilfe zum Loslassen

Postby Lonard » Fri Jul 05, 2019 7:17 am

Wenn ich eine Zeitlang „im Leben“ stehe - also Berufstätigkeit, Hausarbeit, Einkaufen und so etwas, dann ist das Ich sehr präsent.
Was genau verschafft dir den Eindruck, dass da ein Ich ist?

In diesen Momenten vergesse ich einfach, dass das Ich bereits als Illusion erkannt wurde. Und die Gewohnheit, sowie die Selbstverständlichkeit des Alltags und des Umfeldes gehen einfach davon aus, dass ein Ich existiert. Das passiert quasi bei allen Interaktionen mit anderen Menschen.

Wodurch erscheint dieses Ich präsent?

Das Ich erlangt seine Präsenz durch das Vergessen unserer Erkenntnis und durch die Gewohnheit. Sobald ich mich in solchen Momenten des täglichen Lebens jedoch an unseren Dialog und an unsere Erkenntnis erinnere, wird (auf Verstandesebene) wieder deutlich, dass es kein Ich gibt.

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Re: Hilfe zum Loslassen

Postby Barbarossa » Fri Jul 05, 2019 7:32 am

Versuch mal, in solchen Momenten in denen das Ich präsent zu sein scheint dich nicht an eine Erkenntnis zu erinnern, sondern das Ich erneut zu ergründen - frisch hinzusehen.
Wenn also z.b. der Eindruck entsteht 'ich muss jetzt dieses und jenes erledigen', dann schau genau hin:
ist da wirklich ein handelndes Ich, oder sind es aufeinander folgende Impulse nach denen gehandelt wird?

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Re: Hilfe zum Loslassen

Postby Lonard » Fri Jul 05, 2019 7:29 pm

Versuch mal, in solchen Momenten in denen das Ich präsent zu sein scheint dich nicht an eine Erkenntnis zu erinnern, sondern das Ich erneut zu ergründen - frisch hinzusehen.
Wenn also z.b. der Eindruck entsteht 'ich muss jetzt dieses und jenes erledigen', dann schau genau hin:
ist da wirklich ein handelndes Ich, oder sind es aufeinander folgende Impulse nach denen gehandelt wird?

Ich dreh durch :-)

Habe heute so gut wie den ganzen Tag auf meine Gedanken und Handlungen geachtet; und jeweils in Echtzeit versucht, ihre Ursache zu ergründen.

Und vieleicht ahnst Du es: Wirklich alles war entweder auf einfallende Gedanken oder auf andere Impulse zurückzuführen. Teils kurze Impulse, teils aber auch langkettige Gedankengänge. Teils sogar aus Liedern, die ich Tags zuvor im Radio gehört hatte.

Bei tieferen Gesprächen mit einem Freund war dieses Erkennen etwas schwieriger, da ich dazu immer zwischen meiner und seiner Perspektive hin-und-her wechseln musste. Letztlich war aber auch dieses schöne Gespräch nur wie ein Tanz im Leben. Und eine Freude darüber, das beide Gesprächspartner dadurch innerlich gewachsen sind. Gleichzeitig zu dieser Beobachtung hat es sich aber auch so echt angefühlt, wie sonst auch. Ich war quasi in zwei Welten gleichzeitig.

Und jetzt sitze ich hier und stelle fest: Ich habe heute nur einen Film - also eine Kette von Gedanken, Impulsen und Handlungen erlebt bzw. durchgespielt.

Aber wer ist das, der das alles feststellt und erlebt?

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Re: Hilfe zum Loslassen

Postby Barbarossa » Fri Jul 05, 2019 8:18 pm

Aber wer ist das, der das alles feststellt und erlebt?
Hast du denn ein Jemand finden können?
Oder nur das Feststellen und Erleben?
Warum muss das feststellen und erleben ein Jemand benötigen?

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Re: Hilfe zum Loslassen

Postby Lonard » Fri Jul 05, 2019 8:45 pm

Hast du denn ein Jemand finden können?
Oder nur das Feststellen und Erleben?

Nur das Feststellen und das Erleben.


Warum muss das feststellen und erleben ein Jemand benötigen?

Also da das Erleben von Gedanken, Gefühlen und Sinneseindrücken ja auf meine Person beschränkt ist, dann ist doch damit die Wahrnehmung insgesamt auf meine Person beschränkt. Ansonsten müssten ja auch die Impulse oder Gedanken aller anderen Lebewesen wahrgenommen werden.

Und damit hängt die Wahrnehmung fest an meiner Person. Die Wahrnehmung und meine Person befinden sich sozusagen im selben „individuellen“ Erfahrungsraum. Und meine Person ist ein illusionärer Jemand.

Warum ist denn das Wahrnehmen, das Feststellen und das Erleben auf ein einziges Individuum (meine Person) beschränkt, wenn das Wahrnehmen gar keinen Bezugspunkt bzw. keinen Jemand benötigt?

Das sind so die Schleifen, die ich gerade drehe :-)

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Re: Hilfe zum Loslassen

Postby Barbarossa » Fri Jul 05, 2019 10:17 pm

Das Denken versucht das ganze zu erfassen und intellektuell zu lösen, das ist ganz normal.
Da können dann viele unterschiedliche Erklärungsmodelle entstehen, realistische und auch phantastische.

Anscheinend ist es nicht so, wie man es von klein auf gelernt hat ("ich habe Kontrolle über mein Tun/ Denken/ etc.).
Das sorgt klarerweise für Verwirrung.
Ob es verstanden wird ist irrelevant.
Was zählt ist: was wird erlebt? was ist wirklich?

Wenn sich wieder der Eindruck eines Ichs einschleicht, dann schau einfach nach, was wirklich da ist.
(Du machst das sehr gut.)


Ich hab' hier wieder eine Übung für dich.
Die Antworten sind vielleicht klar, es könnte aber trotzdem interessant für dich sein.

Lege dich hin, entspanne dich ein wenig und dann achte nur auf die reinen Empfindungen, ohne dich auf Gedanken oder geistige Bilder zu stützen.


Kannst du erkennen, wie groß der Körper ist?

Hat der Körper ein Gewicht oder Umfang?

Hat dein Körper in der aktuellen Erfahrung eine Gestalt oder Form?

Gibt es eine Grenze zwischen dem Körper und der Unterlage?

Wieviel Zehen hast du?

Bist du männlich oder weiblich?

Hast du einen Namen?

Gibt es ein Innen oder Außen? Falls es ein Innen gibt - das Innen wovon genau?

Falls es ein Außen gibt, das Außen wovon genau?

Worauf bezieht sich das Wort/die Bezeichnung 'Körper' eigentlich?

Fehlt irgendetwas, wenn du so erfährst?

Ist da ein Körper, der wahrnimmt oder wird der Körper wahrgenommen?

"Wohnt" Wahrnehmen an einem bestimmten Ort?

Wenn du den Gedanken dazu nicht glaubst, ist da irgendetwas, was gerade fehlen könnte, irgendetwas, was an dieser Erfahrung unvollständig sein könnte? Versuche die Unvollständigkeit zu finden.

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Re: Hilfe zum Loslassen

Postby Lonard » Fri Jul 05, 2019 11:39 pm

Die Übung ist super! Sie hat mich nochmals weiter gelöst. Ich habe sie mit geschlossenen Augen auf einer Liege durchgeführt.

Kannst du erkennen, wie groß der Körper ist?
Da ist gar keine Erfahrung eines Körpers mehr.

Hat der Körper ein Gewicht oder Umfang?
Nein

Hat dein Körper in der aktuellen Erfahrung eine Gestalt oder Form?
Nein

Gibt es eine Grenze zwischen dem Körper und der Unterlage?
Es gibt weder den Körper, noch die Unterlage. Nur das Druckgefühl des Liegens, die Atemgeräusche, und das Körpergefühl von einem Pups, der hinaus möchte. Weder der Körper selbst, noch die Unterlage werden bei geschlossenen Augen in die Wahrnehmung hinein projiziert.

Wieviel Zehen hast du?
Ist nicht feststellbar

Bist du männlich oder weiblich?
Ist in der direkten Erfahrung auch nicht feststellbar.

Hast du einen Namen?
Nein. Wer sollte mir einen Namen geben?

Gibt es ein Innen oder Außen? Falls es ein Innen gibt - das Innen wovon genau?
Falls es ein Außen gibt, das Außen wovon genau?
Es gibt weder innen noch außen. Es gibt nur verschiedene Kategorien von Wahrnehmung.
Nach innen sind es Gedanken und Gefühle - auch solche in einem Traum.
Nach außen sind es sehen, hören, schmecken und tasten.

Worauf bezieht sich das Wort/die Bezeichnung 'Körper' eigentlich?
Das ist die räumlich begrenzte Form, in welcher unsere Person wahrgenommen wird.

Fehlt irgendetwas, wenn du so erfährst?
Wenn mich keiner bei dieser Übung stört, dann fehlt nichts. Den Körper oder den Anblick der Liege vermisse ich nicht in diesen Momenten der Übung.

Ist da ein Körper, der wahrnimmt oder wird der Körper wahrgenommen?
Der Körper kann wahrgenommen werden. Er ist aber reines Objekt, und kann selber nicht wahrnehmen.
Wahrnehmen kann nur die Wahrnehmung selbst.
Vielleicht dient der Körper als eine Idee der Verbindung zur physischen Welt, mit dessen Sensoren eine Wahrnehmung simuliert wird. Letztlich real erfahren wird aber nur die Wahrnehmung. Der Körper und seine Sinnesorgane scheinen eine Hilfskonstruktion zu sein, um drum herum einen Charakter und eine Geschichte entstehen lassen zu können.

"Wohnt" Wahrnehmen an einem bestimmten Ort?
Die direkte Erfahrung zeigt, dass Wahrnehmen ausschließlich im Zusammenhang mit meiner Person stattfindet. Es erscheinen lediglich Wahrnehmungen von mir. Man könnte sagen, sie erscheinen an meinem "Ort".

Wenn du den Gedanken dazu nicht glaubst, ist da irgendetwas, was gerade fehlen könnte, irgendetwas, was an dieser Erfahrung unvollständig sein könnte? Versuche die Unvollständigkeit zu finden.
Ich habe leider nicht verstanden, was Du mit Fehlen oder mit Unvollständigkeit meinst. Magst du das bitte für mich verdeutlichen?

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Re: Hilfe zum Loslassen

Postby Barbarossa » Sat Jul 06, 2019 12:02 am

Du machst das wirklich gut, das freut mich. :-)

Es gibt weder innen noch außen. Es gibt nur verschiedene Kategorien von Wahrnehmung.
Nach innen sind es Gedanken und Gefühle - auch solche in einem Traum.
Nach außen sind es sehen, hören, schmecken und tasten.
Lausche mal genau einem Geräusch das sich zeigt.
Und dann lausche einem Gedanken der aufkommt.
Passieren die zwei an verschiedenen Orten?

Ich habe leider nicht verstanden, was Du mit Fehlen oder mit Unvollständigkeit meinst. Magst du das bitte für mich verdeutlichen?
Empfindest du momentan in irgendeiner Weise eine Art Unvollständigkeit?
Oder ist alles 'ganz' und in Ordnung?

Die direkte Erfahrung zeigt, dass Wahrnehmen ausschließlich im Zusammenhang mit meiner Person stattfindet. Es erscheinen lediglich Wahrnehmungen von mir. Man könnte sagen, sie erscheinen an meinem "Ort".
Zeigt die direkte Erfahrung mehrere "Orte"?

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Re: Hilfe zum Loslassen

Postby Lonard » Sat Jul 06, 2019 12:17 am

Du machst das wirklich gut, das freut mich. :-)
Ja, ich kann das auch kaum glauben :)

Es gibt weder innen noch außen. Es gibt nur verschiedene Kategorien von Wahrnehmung.
Nach innen sind es Gedanken und Gefühle - auch solche in einem Traum.
Nach außen sind es sehen, hören, schmecken und tasten.
Lausche mal genau einem Geräusch das sich zeigt.
Und dann lausche einem Gedanken der aufkommt.
Passieren die zwei an verschiedenen Orten?
Nein, das Geräusch und der Gedanke passieren ganz klar in der selben Mitte. Im "Zentrum" der Wahrnehmung sozusagen.

Empfindest du momentan in irgendeiner Weise eine Art Unvollständigkeit?
Oder ist alles 'ganz' und in Ordnung?
Momentan ist alles prima! Es fehlt nichts, und alles ist gut so wie es ist. Ich spüre eine innere Freude und Zufriedenheit, eine natürliche gute Stimmung.

Die direkte Erfahrung zeigt, dass Wahrnehmen ausschließlich im Zusammenhang mit meiner Person stattfindet. Es erscheinen lediglich Wahrnehmungen von mir. Man könnte sagen, sie erscheinen an meinem "Ort".
Zeigt die direkte Erfahrung mehrere "Orte"?
Nein, der Ort ist eigentlich immer da, wo auch die Wahrnehmung ist. Das ist sehr oft im Körper und seinen Sinnen, oder auch im nächtlichen Traum. Und in Momenten wie bei dieser Übung schwebt die Wahrnehmung einfach so umher wie ein wachsamer Punkt.

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Re: Hilfe zum Loslassen

Postby Barbarossa » Sat Jul 06, 2019 8:46 am

:-)


Ich hab' hier wieder eine Übung für dich, diesmal zum Thema 'Gedanken':
Nimm dir etwas Zeit zum beobachten deiner Gedanken. Geh auf jede Frage einzeln ein, und beobachte für jede Frage aufs neue:

-kannst du den nächsten Gedanken vorhersagen?
-kannst du entscheiden, was als nächstes gedacht wird?
-kannst du sehen, wo Gedanken herkommen und wohin sie wieder verschwinden?
-kannst du einen Gedanken verhindern?
-kannst du ab sofort nur noch bestimmte Gedanken (schöne, angenehme,...) denken?


Wenn du ein Stück Obst (einen Apfel als Beispiel) zuhause hast, dann stell dir vor, wie er aussieht, wie er sich anfühlt, riecht und schmeckt.
Dann nimm den Apfel zur Hand, riech dran, beisse hinein und schmecke seinen Geschmack.
-entsprechen die Vorstellungen über Geruch, Geschmack und Aussehen der echten Erfahrung beim Riechen, Schmecken und Ansehen?
-was haben die Gedanken über den Apfel mit dem echten Apfel, mit der echten Erfahrung zu tun?

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Re: Hilfe zum Loslassen

Postby Lonard » Sat Jul 06, 2019 5:57 pm

Ich hab' hier wieder eine Übung für dich, diesmal zum Thema 'Gedanken':
Nimm dir etwas Zeit zum beobachten deiner Gedanken. Geh auf jede Frage einzeln ein, und beobachte für jede Frage aufs neue:

Als ich deine Nachricht gelesen habe, musste ich eine ganze Zeitlang laut lachen. Aber nicht wegen Deiner Fragen, sondern weil ich die meisten dieser Fragen noch vor kurzer Zeit aufrichtig mit Ja beantwortet hätte. Und beim Lesen dieser Fragen wurde mir sofort und augenblicklich klar, dass alle Fragen mit Nein zu beantworten sind. Diese unmittelbare Erkenntnis musste mit einem lauten Lachen gefeiert werden. Unser Dialog ist für mich also bereits jetzt schon ein Quell der Freude! :)

Trotzdem habe ich mir etwas Zeit gelassen, und diese Untersuchungen eine Weile lang angestellt:


-kannst du den nächsten Gedanken vorhersagen?
Nein, das kann ich nicht. Aber die Versuche, das zu tun, endeten manchmal in einer angenehmen Stille.


-kannst du entscheiden, was als nächstes gedacht wird?
Nein, ich kann einem Gedanken lediglich folgen. Dadurch entsteht zwar die Illusion, einen nächsten Gedanken zu produzieren, aber das ist nur eine Täuschung. Das haben einige Versuche gezeigt. Das ganze wird aber so unmittelbar aus der Ego-Perspektive erlebt, dass es sich total echt anfühlt.


-kannst du sehen, wo Gedanken herkommen und wohin sie wieder verschwinden?
Nein. Sie werden spontan in die Wahrnehmung „gebeamt“, dann eine Weile lang durchgekaut, und gehen dann in andere Gedanken über, die ebenfalls wieder spontan erscheinen.

Und ich würde auch nicht sagen, dass Gedanken wieder verschwinden, sondern sie bleiben ein Teil der Geschichte und der Erinnerung.


-kannst du einen Gedanken verhindern?
Niemals! :)


-kannst du ab sofort nur noch bestimmte Gedanken (schöne, angenehme,...) denken?
Interessante Frage. Hier hätte ich fast Ja gesagt, denn man kann sich ja scheinbar durch „positives Denken“ selbst beeinflussen. Aber beim näheren Hinsehen wird deutlich, dass auch die Absicht des positiven Denkens nur ein Impuls ist, der ins Leben und in die Wahrnehmung tritt. Auf den zweiten Blick würde ich also auch sagen: Nein, das kann ich nicht.

Beim ersten Lesen deiner Fragen (siehe oben) hatte ich an dieser Stelle kurz gezögert.


Wenn du ein Stück Obst (einen Apfel als Beispiel) zuhause hast, dann stell dir vor, wie er aussieht, wie er sich anfühlt, riecht und schmeckt.
Dann nimm den Apfel zur Hand, riech dran, beisse hinein und schmecke seinen Geschmack.
-entsprechen die Vorstellungen über Geruch, Geschmack und Aussehen der echten Erfahrung beim Riechen, Schmecken und Ansehen?
Die Vorstellungen über die Frucht sind nur ein schwacher und unrealistischer Anklang von der echten Erfahrung. Die direkte, echte Erfahrung von der Berührung, dem Geruch und dem Geschmack der Frucht (bei mir war es ein Pfirsich) war jedoch etwas völlig anderes.

-was haben die Gedanken über den Apfel mit dem echten Apfel, mit der echten Erfahrung zu tun?
Die Gedanken über die Frucht sind lediglich Impulse, die zur echten Erfahrung der Frucht führen können. Solche Gedanken können einen Handlungsstrang in Gang setzen, welcher letztlich zum Genuss der Frucht führen kann. Diese Gedanken befinden sich aber am anderen Ende dieses Handlungsstranges, und sind nicht mit der echten Erfahrung der Frucht vergleichbar. Ähnlich wie das Einsteigen in einen Bus nicht mit dem Ankommen am Reiseziel vergleichbar ist.

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Re: Hilfe zum Loslassen

Postby Barbarossa » Sat Jul 06, 2019 7:31 pm

Erzähl mal, hat sich in deinem Alltag etwas getan?
Wie steht es um das Ich?

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Re: Hilfe zum Loslassen

Postby Lonard » Sat Jul 06, 2019 7:51 pm

Erzähl mal, hat sich in deinem Alltag etwas getan?
Wie steht es um das Ich?

Ja, es hat sich allerdings etwas getan. Das Ich ist nicht verschwunden, aber seit gestern stelle ich es regelmäßig und fast autoatisch in Frage, und es hat sich heute während ruhiger Lebenssituationen eine ständige, parallele Auferksamkeit neben mir gebildet, welche fortlaufend die Ursache bzw. den Impuls der jeweilig anstehenden Handlung ermittelt (gem. der aktuellen Übung). Das geschieht schon fast automatisch.

In etwas geschäftigeren Situationen (Einkaufen, Interaktion mit Menschen oder körperlich anstrengenden Tätigkeiten) verschwindet dieser neutrale Beobachter, aber er kommt danach wieder.

Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass das ganze angelesene Wissen aus meinen zurückliegenden Studien (Osho, Alan Watts, etc…) wider Erwarten kein Hindernis darzustellen scheint, sondern durch die Bestätigungen, die ich momentan erfahre, den Verstand in dieses Abendteuer der Selbsterkenntnis sogar mitzunehmen imstande ist.

Und darüberhinaus kommt mir mein normales Leben etwas distanziert und langweilig vor. Trotzdem hat gleichzeitig die Lebensqualität zugenommen. Einen Fortschritt habe ich gestern Abend und heute Vormittag jeweils gleich nach dem Praktizieren deiner Übungen erlebt. Die gestrige Übung musste ich nur sehr kurz machen, um alle Erkenntnisse zu bekommen, und die heutige Übung habe ich bewusst in die Länge gezogen (nach Deiner Empfehlung), und dadurch hat sich - wie oben beschrieben - diese „neutral schwebende Aufmerksamkeit“ gebildet.

Die Identifikation mit dem illusionären Ich ist also nach wie vor vorhanden, jedoch scheint ihre Führungsposition etwas zu wackeln…

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Re: Hilfe zum Loslassen

Postby Lonard » Sun Jul 07, 2019 8:30 am

Noch eine andere Frage:

Ich bemerke, dass die Art der Gedanken und Impulse sich ändern. Es kommen neue Impulse bzw. Gedanken, welche andere, gewohnheitsmäßige Gedanken einfangen und verhindern. Und diese neuen Impulse haben einen Einfluss auf mein Handeln.

Beispiel: Der Gewohnheit, Abends noch einiges an Süßigkeiten zu verspeisen, stehen nun andere, stärkere Impulse gegenüber, dies zu unterlassen :)
Oder: Dem schlichten Folgen von Gedanken und Impulsen stehen nun Impulse gegenüber, diese Gedanken erst einmal zu analysieren und ihre Herkunft zu ermitteln (gem. unserer Übungen).

Woher kommen diese neuen Impulse? Es gibt ja kein wollendes Ich, welches diese Impulse erzeugen könnte. Auf welche Weise geschieht hier eine Veränderung bzw. ein Eingriff in das Geschehen?

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Re: Hilfe zum Loslassen

Postby Barbarossa » Sun Jul 07, 2019 2:07 pm

Trotzdem hat gleichzeitig die Lebensqualität zugenommen.
Sehr schön. :-)

Woher kommen diese neuen Impulse? Es gibt ja kein wollendes Ich, welches diese Impulse erzeugen könnte. Auf welche Weise geschieht hier eine Veränderung bzw. ein Eingriff in das Geschehen?
Gibt es denn wirklich Eingriffe?
Oder ist das ganze Geschehen miteinander verkettet - Impulse die zu Handlungen führen, die zu neuen Impulsen führen, auf die wieder Handlungen und Impulse folgen?

Die Identifikation mit dem illusionären Ich ist also nach wie vor vorhanden, jedoch scheint ihre Führungsposition etwas zu wackeln…
Beim 'mit dem illusionären Ich identifizieren' - was läuft da genau ab, was passiert da alles?


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