Der Nebel lichtet sich

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Ricarda
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Re: Der Nebel lichtet sich

Postby Ricarda » Tue Mar 05, 2019 11:13 pm

Ich nehme etwas wahr über die Sinnesorgane und gleichzeitig ist dies die direkte Erfahrung.

Nochmal ganz pingelig: Ist da ein getrenntes "Ich", das etwas wahrnimmt? Oder einfach nur wahrnehmen?

Ich will dich nicht nerven, aber es ist wichtig, dass wir in der Sprache präzise sind, denn durch sie entsteht erst der Eindruck einer Trennung, einer Subjekt-Objekt Beziehung. Doch jedesmal, wenn wir ganz genau und ernsthaft nachschauen, dann können wir dergleichen nicht finden...:)
Das stimmt, genau :-). ... jedesmal, wenn wir ganz genau und ernsthaft nachschauen, dann können wir kein "ich" finden :) Die gelernten Gedanken sind dennoch so präsent, die gelernte Sprache so eingeprägt...
Aber da ist kein getrenntes "ich" wahrnehmbar :-) Etwas wird wahrgenommen über die Sinnesorgane und dies ist die direkte Erfahrung.

Die Gedanken wollen "mir" nichts weismachen. Das ist auch ein Gedanke, der aufgrund der Programmierung auftaucht: "ich" sehe etwas vor "meinen" Augen. Das ist Gelerntes, Programmiertes -

Ganz genau, beobachte das immer wieder was die Gedanken so behaupten, und erkenne auch, dass das Glauben von diesen Gedankeninhalten ebenfalls nur Gedanken sind... :)
Ja, danke :-)
Wo hört das Gesehene auf und wo beginnt sehen?

Das Sehen und das Gesehene sind eigentlich 1 Erfahrung, ohne Trennung

Nur eigentlich?
Probiere es mit Klängen aus. Halte zwei Minuten inne und lausche aufmerksam allen Geräuschen, die im Moment wahrzunehmen sind. Gibt es einen Hörenden, getrennt vom Hören und dem, was
gehört wird? Wo passiert Hören? Achte auf entfernte Geräusche. Wo befindet sich der
Hörende jetzt? Finde mit geschlossenen Augen heraus, ob es eine Grenze zwischen hier und
dort gibt. Ist es möglich, sie zu definieren?
Einen Hörenden gibt es in der direkten Erfahrung nicht. Es gibt nur das Hören. Wenn in der Ferne ein Geräusch wahrgenommen wird, dann ist die Wahrnehmung dieses Geräusch, etwas anderes ist nicht da (Augen sind geschlossen). Da ist keine Grenze und keine Entfernung zu irgendetwas, nur das Geräusch.

In der direkten Erfahrung kann ich es eigentlich nicht als Fläche benennen. Aber dann habe ich auch keine andere Benennung für das, was ich sehe.

Die erste Bezeichnung der rohen Seherfahrung ist Farbe, also es sind nur Farben zu sehen. Alles weitere ist Interpretation... :)
Ist die Farbe dann nicht auch Interpretation?
Nein, Gedanken müssen gelernt worden sein.

Genau.. Wie ist es da mit diesen Gedanken: „Diese Aussage, dass es kein wirkliches innewohnendes Ich oder Selbst gibt, fasziniert mich und ist natürlich das Wichtigste, was es für mich im Leben zu erkennen gibt. Ich bin mir sicher, dass es so ist, kann es mir gut vorstellen, aber es ist noch keine Erkenntnis, ich kann es noch nicht erleben.“ Ist das mehr als ein Gedanke, dass es Trennung gäbe, ein getrenntes „Selbst“?

In Wirklichkeit ist es so, dass du Einheit in jedem Augenblick erlebst, doch der Verstand wird das niemals verstehen können... :)
Es wird immer spürbarer, dass da nur das eine ist, die Wirklichkeit. Alles andere, Trennung oder Begrenzung gibt es nur in den Gedanken. Das wird immer klarer.
In der direkten Erfahrung ist nur wahrnehmen

Gibt es etwas anderes als das? Ist jemals Abwesenheit von Erfahrung wahrnehmbar?
Nein. Wahrnehmung, Erfahrung ist immer da. Mal stehen die Sinneseindrücke mehr im Vordergrund, mal die Gedanken. Abwesenheit von Erfahrung ist nicht wahrnehmbar :)

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barb
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Re: Der Nebel lichtet sich

Postby barb » Wed Mar 06, 2019 1:29 pm

Das stimmt, genau :-). ... jedesmal, wenn wir ganz genau und ernsthaft nachschauen, dann können wir kein "ich" finden :) Die gelernten Gedanken sind dennoch so präsent, die gelernte Sprache so eingeprägt...
Genau, deshalb müssen wir immer wieder nachschauen, jeden Gedanken hinterfragen...
Einen Hörenden gibt es in der direkten Erfahrung nicht. Es gibt nur das Hören. Wenn in der Ferne ein Geräusch wahrgenommen wird, dann ist die Wahrnehmung dieses Geräusch, etwas anderes ist nicht da (Augen sind geschlossen). Da ist keine Grenze und keine Entfernung zu irgendetwas, nur das Geräusch.
Schön gesehen.. Probier das immer wieder mal, überzeuge dich immer wieder selbst in direkter Erfahrung, dass da einfach keine Grenze zu finden ist... :)
Ist die Farbe dann nicht auch Interpretation?
Jedes Wort ist ein Konzept und kann die Wirklichkeit nur unzureichend beschreiben. Wir versuchen hier so nah es eben geht an die absolute Realität (die nicht in Worten ausdrückbar ist, es kann nur gesehen werden, dass dies immer da ist) heranzukommen. Die ersten neutralsten Worte dafür sind Wahrnehmung/Präsenz/Erfahrung oder dergleichen. Das teilen wir dann noch auf in Farbe-Klang-Empfindung-Geruch-Geschmack-Gedanke. Alle weiteren Beschreibungen sind Interpretation und driften immer mehr ab in die Märchenwelt.. :)

Schauen wir uns bei dieser Gelegenheit gleich mal an ob Gedanken denn die absolute Realität verstehen können (es ist ganz wichtig die Übung wirklich zu machen und nicht mental):

Stell dir dazu eine Frucht vor, die du zu Hause hast.
Bevor du sie holst, stelle dir mit geschlossenen Augen bis ins kleinste Detail vor, wie die Frucht 

- aussieht,
- sich anfühlt,
- riecht, und 
- schmeckt
- welche Geräusche sie macht, wenn du rein beißt und sie isst.

Also SEHEN-FÜHLEN-RIECHEN-SCHMECKEN-HÖREN. 
Und schreibe alles was du dir vorgestellt hast auf. 

Woher hattest du die Informationen deiner Vorstellung?

Dann hole die Frucht und untersuche ganz genau mit den 5 Sinnen in direkter Erfahrung:

- Wie sieht sie aus,
- wie fühlt sie sich an, 
- wie riecht
- und schmeckt sie, und
- wie klingt es, wenn du hinein beißt und sie isst. 

Nun schaue auf deine geschriebenen Worte von der vorgestellten Beschreibung und stell dir zusätzlich vor, wie du die aktuelle Erfahrung beschreiben würdest.


Nun frag dich:

Haben die Beschreibungen in irgendeiner Form etwas mit der eigentlichen Erfahrung zu tun?

Kann ein Wort, wie z.B. süß oder saftig, irgendetwas von der eigentlichen Erfahrung wissen?

Weiß Gedanke generell jemals etwas über Erfahrung?
Es wird immer spürbarer, dass da nur das eine ist, die Wirklichkeit. Alles andere, Trennung oder Begrenzung gibt es nur in den Gedanken. Das wird immer klarer.
Wunderbar... :)
Nein. Wahrnehmung, Erfahrung ist immer da. Mal stehen die Sinneseindrücke mehr im Vordergrund, mal die Gedanken. Abwesenheit von Erfahrung ist nicht wahrnehmbar :)
Genau so... <3
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Re: Der Nebel lichtet sich

Postby Ricarda » Wed Mar 06, 2019 8:33 pm

Stell dir dazu eine Frucht vor, die du zu Hause hast.
Bevor du sie holst, stelle dir mit geschlossenen Augen bis ins kleinste Detail vor, wie die Frucht

- aussieht,
- sich anfühlt,
- riecht, und
- schmeckt
- welche Geräusche sie macht, wenn du rein beißt und sie isst.

Also SEHEN-FÜHLEN-RIECHEN-SCHMECKEN-HÖREN.
Und schreibe alles was du dir vorgestellt hast auf.

Woher hattest du die Informationen deiner Vorstellung?
Das war Gelerntes. Die Informationen kamen aus den Gedanken.

Dann hole die Frucht und untersuche ganz genau mit den 5 Sinnen in direkter Erfahrung:

- Wie sieht sie aus,
- wie fühlt sie sich an,
- wie riecht
- und schmeckt sie, und
- wie klingt es, wenn du hinein beißt und sie isst.

Nun schaue auf deine geschriebenen Worte von der vorgestellten Beschreibung und stell dir zusätzlich vor, wie du die aktuelle Erfahrung beschreiben würdest.

In der direkten Erfahrung von sehen, fühlen, riechen, schmecken und hören des Apfels sind die Empfindungen sehr viel intensiver als bei der Imagination des Apfels. Die Worte können vor allem Geruch und Geschmack und auch das Geräusch nur unzulänglich beschreiben. Wie schmeckt ein Apfel? saftig, süß und auch etwas säuerlich, aber hauptsächlich doch "nach Apfel" ;-).
Die Empfindung von Apfelgeschmack ist nicht annähernd mit Worten beschreibbar.
Nun frag dich:

Haben die Beschreibungen in irgendeiner Form etwas mit der eigentlichen Erfahrung zu tun?
Nein, eine Beschreibung kommt nur aus den Gedanken, repliziert aus Erinnerungen. Obwohl Beschreibungen und Vorstellungen sogar Körperreaktionen hervorrufen können (z. B. Speichelfluss bei der Vorstellung einer Zitrone) haben sie nichts mit wirklicher Erfahrung zu tun.

Kann ein Wort, wie z.B. süß oder saftig, irgendetwas von der eigentlichen Erfahrung wissen?
Nein, das ist nicht möglich. Die direkte, eigentliche Erfahrung ist wirklich, ein Wort dagegen kommt aus den Gedanken. Wörter, bzw. Gedanken sind gelernt, direkte Erfahrung ist "lebendig"
Weiß Gedanke generell jemals etwas über Erfahrung?
Nunja, man kann sich viele Gedanken über Erfahrung machen, aber die Erfahrung selbst kann ein Gedanke nicht kennen. Es ist als ob Gedanken unaufhörlich ein Zentrum (die direkte Erfahrung) umkreisen, doch sie können dieses Zentrum niemals berühren.

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Re: Der Nebel lichtet sich

Postby barb » Thu Mar 07, 2019 12:01 pm

Wie schmeckt ein Apfel? saftig, süß und auch etwas säuerlich, aber hauptsächlich doch "nach Apfel" ;-). 
Die Empfindung von Apfelgeschmack ist nicht annähernd mit Worten beschreibbar.
Ja genau.. :) Könntest du jemandem, der noch nie einen Apfel gegessen hat, den Geschmack so beschreiben, dass er eine Erfahrung davon bekommt?
Nein, eine Beschreibung kommt nur aus den Gedanken, repliziert aus Erinnerungen. Obwohl Beschreibungen und Vorstellungen sogar Körperreaktionen hervorrufen können (z. B. Speichelfluss bei der Vorstellung einer Zitrone) haben sie nichts mit wirklicher Erfahrung zu tun.
Gibt es irgendeinen Gedanken, der nicht aus der Erinnerung kommen kann? Wie ist es mit dem Ich-Gedanken?

Nunja, man kann sich viele Gedanken über Erfahrung machen, aber die Erfahrung selbst kann ein Gedanke nicht kennen.
Ist da jemand, der Gedanken „macht“, oder kommen die einfach so daher? Wie ist es mit Handlung, wie mit Entscheidung?
Es ist als ob Gedanken unaufhörlich ein Zentrum (die direkte Erfahrung) umkreisen, doch sie können dieses Zentrum niemals berühren.
Schau mal in direkter Erfahrung: Sind da wirklich irgendwelche kreisenden Gedanken zu sehen-hören-spüren? Ein Zentrum, das umkreist wird?

:)
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Re: Der Nebel lichtet sich

Postby Ricarda » Sun Mar 10, 2019 6:36 am

Wie schmeckt ein Apfel? saftig, süß und auch etwas säuerlich, aber hauptsächlich doch "nach Apfel" ;-).
Die Empfindung von Apfelgeschmack ist nicht annähernd mit Worten beschreibbar.

Ja genau.. :) Könntest du jemandem, der noch nie einen Apfel gegessen hat, den Geschmack so beschreiben, dass er eine Erfahrung davon bekommt?
Es gibt Menschen, die alles vortrefflich beschreiben können, aber selbst diese können die Erfahrung nicht so beschreiben, dass jemand anders eine Erfahrung davon bekommt.




Nein, eine Beschreibung kommt nur aus den Gedanken, repliziert aus Erinnerungen. Obwohl Beschreibungen und Vorstellungen sogar Körperreaktionen hervorrufen können (z. B. Speichelfluss bei der Vorstellung einer Zitrone) haben sie nichts mit wirklicher Erfahrung zu tun.
Gibt es irgendeinen Gedanken, der nicht aus der Erinnerung kommen kann? Wie ist es mit dem Ich-Gedanken?

Ich hab jetzt lange gebraucht, um eine Antwort auf diese Frage zu finden, aber es tauchen mehr Fragen als antworten auf. Ich kann nicht sagen, woher Gedanken überhaupt kommen. Sie sind das, was "mich steuert". Wenn nicht das "ich" entscheidet und handelt, dann wird alles Handeln über die Gedanken vorgegeben. Gedanken, aus denen Handlungen hervorgehen, kommen sicher nicht aus der Erinnerung, kommen sie aus dem "urgrund/dem reinen Bewusstsein"? Und woher kommen "ich"-Gedanken? Dass ich "ich" bin und getrennt von allem anderen sei, habe ich anscheinend als kleines Kind schon gelernt. Kommen die ich-Gedanken demnach aus einem " erinnerungsspeicher"? Und tauchen zwischen den anderen Gedanken auf.
(Bitte entschuldige, habe die Markierung auf dem iPad nicht hingekriegt)


Nunja, man kann sich viele Gedanken über Erfahrung machen, aber die Erfahrung selbst kann ein Gedanke nicht kennen.

Ist da jemand, der Gedanken „macht“, oder kommen die einfach so daher? Wie ist es mit Handlung, wie mit Entscheidung?
"Sich Gedanken über etwas machen" ist so eine Redewendung. Bei genauer Betrachtung merkt man, dass Gedanken nicht gemacht werden. Man weiß nicht mal, welcher Gedanke als nächster kommen wird ... Sie kommen einfach.
Handlung, Entscheidung: Ich habe verstanden, dass nicht ein "ich" entscheidet. Aber ich kann diese Frage nicht aus der direkten Erfahrung beantworten.


Es ist als ob Gedanken unaufhörlich ein Zentrum (die direkte Erfahrung) umkreisen, doch sie können dieses Zentrum niemals berühren.

Schau mal in direkter Erfahrung: Sind da wirklich irgendwelche kreisenden Gedanken zu sehen-hören-spüren? Ein Zentrum, das umkreist wird?
Nein, natürlich nicht :) Das war nur ein Bild, eine Vorstellung der Gedanken :)

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Re: Der Nebel lichtet sich

Postby barb » Sun Mar 10, 2019 12:04 pm

Gibt es irgendeinen Gedanken, der nicht aus der Erinnerung kommen kann? Wie ist es mit dem Ich-Gedanken?
Ich hab jetzt lange gebraucht, um eine Antwort auf diese Frage zu finden, aber es tauchen mehr Fragen als antworten auf. Ich kann nicht sagen, woher Gedanken überhaupt kommen. Sie sind das, was "mich steuert". Wenn nicht das "ich" entscheidet und handelt, dann wird alles Handeln über die Gedanken vorgegeben.
Ist das wahr? Überprüfe das mal über den Tag verteilt. Bei Routinetätigkeit beobachte: Wird da wirklich jeder Handgriff von einem Gedanken gesteuert? Spielst du vielleicht ein Musikinstrument, oder hast du ein anderes Hobby wo du total aufgehst? Wie geschehen da die Bewegungen? Im Yoga? Beim Autofahren? Oder bei deiner Arbeit? Geht da allem ein Gedanke voraus? Wie ist es mit dem Atmen, Gehen, Herzschlag, Verdauen? SCHAU GANZ GENAU HIN!
Gedanken, aus denen Handlungen hervorgehen, kommen sicher nicht aus der Erinnerung, kommen sie aus dem "urgrund/dem reinen Bewusstsein"?
Wurde nicht alles, was heute so über den Tag verteilt getan wird, irgendwann durch Wiederholung gelernt und abgespeichert, und ist daher als komplexe Handlung abrufbar? Sind Gedanken mehr als Kommentare? (Ausgenommen um vielleicht eine komplexe mathematisch-wissenschaftliche Aufgabe zu lösen... :))
Dass ich "ich" bin und getrennt von allem anderen sei, habe ich anscheinend als kleines Kind schon gelernt.
Ja, so mit 18 Monaten herum geschieht das.. :)
Kommen die ich-Gedanken demnach aus einem " erinnerungsspeicher"? Und tauchen zwischen den anderen Gedanken auf. 
Der Verstand liebt es Fragen zu stellen und Probleme (die er selbst kreirt hat...:)) zu lösen, und auf jede Antwort kommen 100 weitere Fragen... :) Es gibt nur eine einzige Sache, die sicher gewusst werden kann...

Ist da jemand, der Gedanken „macht“, oder kommen die einfach so daher? Wie ist es mit Handlung, wie mit Entscheidung?
"Sich Gedanken über etwas machen" ist so eine Redewendung. Bei genauer Betrachtung merkt man, dass Gedanken nicht gemacht werden. Man weiß nicht mal, welcher Gedanke als nächster kommen wird ... Sie kommen einfach. 
Ja genau...
Handlung, Entscheidung: Ich habe verstanden, dass nicht ein "ich" entscheidet. Aber ich kann diese Frage nicht aus der direkten Erfahrung beantworten.
Kleines Experiment zum Thema Handlung, Entscheidung:
Hebe deinen rechten oder linken Arm (oder lass ihn unten). Während des Hebens oder Nicht-Hebens wird eine Entscheidung getroffen, zumindest geschieht etwas (oder nicht).
Kannst du den genauen Augenblick der Entscheidung bestimmen und das konkrete Wesen finden, das diese Entscheidung zu treffen scheint?
Ist es wirklich möglich, den Moment der Entscheidung sowie den scheinbaren „Entscheider“ zu finden? Oder taucht die Idee „Ich habe mich entschieden, meinen rechten oder linken Arm (nicht) zu heben“ erst nach dem eigentlichen Ereignis auf?
Schau mal in direkter Erfahrung: Sind da wirklich irgendwelche kreisenden Gedanken zu sehen-hören-spüren? Ein Zentrum, das umkreist wird?
Nein, natürlich nicht :) Das war nur ein Bild, eine Vorstellung der Gedanken
Das habe ich mir fast gedacht.. :) Dennoch ist es wichtig, solche Vorstellungen in direkter Erfahrung zu überprüfen, wirklich hinzusetzen, die Gedanken zu beobachten, und fragen: Ist das wahr? Denn so wie diese Aussage nicht der Realität entspricht, tun das viele andere auch nicht, und doch werden sie ungeprüft geglaubt...

:)
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Re: Der Nebel lichtet sich

Postby Ricarda » Wed Mar 13, 2019 12:17 pm

Gibt es irgendeinen Gedanken, der nicht aus der Erinnerung kommen kann? Wie ist es mit dem Ich-Gedanken?

Ich hab jetzt lange gebraucht, um eine Antwort auf diese Frage zu finden, aber es tauchen mehr Fragen als antworten auf. Ich kann nicht sagen, woher Gedanken überhaupt kommen. Sie sind das, was "mich steuert". Wenn nicht das "ich" entscheidet und handelt, dann wird alles Handeln über die Gedanken vorgegeben.

Ist das wahr? Überprüfe das mal über den Tag verteilt. Bei Routinetätigkeit beobachte: Wird da wirklich jeder Handgriff von einem Gedanken gesteuert? Spielst du vielleicht ein Musikinstrument, oder hast du ein anderes Hobby wo du total aufgehst? Wie geschehen da die Bewegungen? Im Yoga? Beim Autofahren? Oder bei deiner Arbeit? Geht da allem ein Gedanke voraus? Wie ist es mit dem Atmen, Gehen, Herzschlag, Verdauen? SCHAU GANZ GENAU HIN!
Ich gehe nochmal zur ersten Frage zurück und nehme meine erste Antwort zurück ;)
Alle Gedanken kommen aus der Erinnerung, Ich-Gedanken ebenso. Es gibt kein "mein Leben", kein "ich", alles geschieht einfach ohne ein Zutun, ohne "vom Ich gewolltes Handeln oder Entscheiden".


Gedanken, aus denen Handlungen hervorgehen, kommen sicher nicht aus der Erinnerung, kommen sie aus dem "urgrund/dem reinen Bewusstsein"?

Wurde nicht alles, was heute so über den Tag verteilt getan wird, irgendwann durch Wiederholung gelernt und abgespeichert, und ist daher als komplexe Handlung abrufbar? Sind Gedanken mehr als Kommentare? (Ausgenommen um vielleicht eine komplexe mathematisch-wissenschaftliche Aufgabe zu lösen... :))


Gedanken sind Kommentare, die nichts vom wirklichen Leben wissen :)


Kommen die ich-Gedanken demnach aus einem " erinnerungsspeicher"? Und tauchen zwischen den anderen Gedanken auf.

Der Verstand liebt es Fragen zu stellen und Probleme (die er selbst kreirt hat...:)) zu lösen, und auf jede Antwort kommen 100 weitere Fragen... :) Es gibt nur eine einzige Sache, die sicher gewusst werden kann...
... dass es kein "ich" gibt! :)

Handlung, Entscheidung: Ich habe verstanden, dass nicht ein "ich" entscheidet. Aber ich kann diese Frage nicht aus der direkten Erfahrung beantworten.

Kleines Experiment zum Thema Handlung, Entscheidung:
Hebe deinen rechten oder linken Arm (oder lass ihn unten). Während des Hebens oder Nicht-Hebens wird eine Entscheidung getroffen, zumindest geschieht etwas (oder nicht).
Kannst du den genauen Augenblick der Entscheidung bestimmen und das konkrete Wesen finden, das diese Entscheidung zu treffen scheint?
Ist es wirklich möglich, den Moment der Entscheidung sowie den scheinbaren „Entscheider“ zu finden? Oder taucht die Idee „Ich habe mich entschieden, meinen rechten oder linken Arm (nicht) zu heben“ erst nach dem eigentlichen Ereignis auf?
Ja, das stimmt, Barb. Es ist schon entschieden, die Handlung wird ausgeführt und dann kommt im Normalfall der "ich"-Gedanke, der sagt: "Ich habe entschieden", "ich habe gehandelt :-)
Das ist so mit dem Heben des Armes, und auch mit großen, scheinbar weitreichenden "Entscheidungen" ist es genauso.
Z. B. die Entscheidung auf die Frage "für welche Berufsausbildung will ich mich entscheiden, oder was will ich studieren?" Diese Entscheidung kann nicht durch ein "Ich" getroffen werden, das Leben vollzieht sich einfach, fließt wie ein Fluß fließt.
Es erscheinen aber entsprechende Gedanken (auch aus der Erinnerung, aus dem Gelernten), so dass diese Person meint, "sie" hätte entschieden.

Und dabei lebt sich das Leben einfach. Wie einfach und wie genial ...

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Re: Der Nebel lichtet sich

Postby barb » Wed Mar 13, 2019 1:10 pm

Ich gehe nochmal zur ersten Frage zurück und nehme meine erste Antwort zurück ;)
Alle Gedanken kommen aus der Erinnerung, Ich-Gedanken ebenso. Es gibt kein "mein Leben", kein "ich", alles geschieht einfach ohne ein Zutun, ohne "vom Ich gewolltes Handeln oder Entscheiden".
Genau so... :)
Gedanken sind Kommentare, die nichts vom wirklichen Leben wissen :)
:)
... dass es kein "ich" gibt! :)
Sieht so aus, als wäre die Illusion durchschaut... :))
Das einzige das gewusst werden kann ist, dass Sein ist, Existenz, Leben, Wahrnehmung. Oder wie auch immer es genannt werden möchte...
Ja, das stimmt, Barb. Es ist schon entschieden, die Handlung wird ausgeführt und dann kommt im Normalfall der "ich"-Gedanke, der sagt: "Ich habe entschieden", "ich habe gehandelt :-)
Das ist so mit dem Heben des Armes, und auch mit großen, scheinbar weitreichenden "Entscheidungen" ist es genauso. 
Z. B. die Entscheidung auf die Frage "für welche Berufsausbildung will ich mich entscheiden, oder was will ich studieren?" Diese Entscheidung kann nicht durch ein "Ich" getroffen werden, das Leben vollzieht sich einfach, fließt wie ein Fluß fließt. 
Es erscheinen aber entsprechende Gedanken (auch aus der Erinnerung, aus dem Gelernten), so dass diese Person meint, "sie" hätte entschieden.

Und dabei lebt sich das Leben einfach. Wie einfach und wie genial ...
So einfach... :)

Lass einfach mal ein bisschen sacken und genieße...

Vielleicht kannst du heute mal einen Spaziergang in der Natur machen. Beobachte dabei alles was dir so begegnet. Menschen, Tiere, Bäume, Gräser, usw. Schau dich um ohne etwas zu wollen oder nicht wollen und beobachte wie einfach alles, alles so geschieht. Einfach so... Beobachte und staune... :)
Du kannst dich auch in ein Café setzen und dort das Treiben beobachten, oder du schaust einfach aus dem Fenster, auf den Verkehr oder so... Was auch immer für dich möglich ist..

Könnte irgendein Moment jemals anders sein als er gerade ist?

Hast du noch irgendwelche Fragen, möchtest du noch etwas anschauen?
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Re: Der Nebel lichtet sich

Postby krischtian31 » Wed Mar 13, 2019 1:52 pm

Vielleicht kannst du heute mal einen Spaziergang in der Natur machen. Beobachte dabei alles was dir so begegnet. Menschen, Tiere, Bäume, Gräser, usw. Schau dich um ohne etwas zu wollen oder nicht wollen und beobachte wie einfach alles, alles so geschieht. Einfach so... Beobachte und staune... :)
Du kannst dich auch in ein Café setzen und dort das Treiben beobachten, oder du schaust einfach aus dem Fenster, auf den Verkehr oder so... Was auch immer für dich möglich ist..
Ja, "ich" mache das grade sehr viel. Dieses einfach nur schauen und staunen
Könnte irgendein Moment jemals anders sein als er gerade ist?
Nein, das ist nicht möglich. Und nicht nötig, es ist alles so richtig wie es ist.
Hast du noch irgendwelche Fragen, möchtest du noch etwas anschauen?
Im Moment nicht, danke Barb :)
Aber das kann evtl. noch kommen...

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Re: Der Nebel lichtet sich

Postby krischtian31 » Wed Mar 13, 2019 1:54 pm

Oh, ich war nicht richtig eingeloggt, sorry.

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Re: Der Nebel lichtet sich

Postby Ricarda » Wed Mar 13, 2019 3:20 pm

Vielleicht kannst du heute mal einen Spaziergang in der Natur machen. Beobachte dabei alles was dir so begegnet. Menschen, Tiere, Bäume, Gräser, usw. Schau dich um ohne etwas zu wollen oder nicht wollen und beobachte wie einfach alles, alles so geschieht. Einfach so... Beobachte und staune... :)
Du kannst dich auch in ein Café setzen und dort das Treiben beobachten, oder du schaust einfach aus dem Fenster, auf den Verkehr oder so... Was auch immer für dich möglich ist..
Ja, "ich" mache das grade sehr viel. Dieses einfach nur schauen und staunen
Könnte irgendein Moment jemals anders sein als er gerade ist?
Nein, das ist nicht möglich. Und nicht nötig, es ist alles so richtig wie es ist.
Hast du noch irgendwelche Fragen, möchtest du noch etwas anschauen
?

Im Moment nicht, danke Barb :)
Aber das kann evtl. noch kommen

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Re: Der Nebel lichtet sich

Postby barb » Thu Mar 14, 2019 11:53 am

Das hört sich alles ganz wunderbar an :)

Würdest du sagen, dass du zu 100 % durchschaut hast, dass das getrennte "Ich" eine Illusion ist?

Wenn ja, magst Du dann noch ein paar abschließende Fragen beantworten? Das könnte uns helfen zu schauen, ob im Moment noch irgendwelche Unklarheiten da sind, ob noch irgendwas anzuschauen ist...

:)
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Re: Der Nebel lichtet sich

Postby Ricarda » Thu Mar 14, 2019 12:45 pm

Das "Schauen"/"Durchschauen" war zu 100% da am Sonntag, alles war/ist plötzlich so klar :)

Schick mir gerne die Fragen dazu :)

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Re: Der Nebel lichtet sich

Postby barb » Thu Mar 14, 2019 1:19 pm

Sehr gerne, hier sind sie:

1) Gibt es irgendwo oder in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?

2) Erkläre detailliert was die Ich-Illusion ist, wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur deine eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie du es jetzt gerade erlebst.

3) Wie fühlt es sich an die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Berichte aus den letzten paar Tagen.

4) Was hat Dir den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?

5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wodurch entstehen sie? Wie funktionieren sie? Wofür bist du verantwortlich? Gib ein paar Beispiele aus deiner direkten Erfahrung.

6) Möchtest Du noch etwas ergänzen?


Nimm dir dafür die Zeit die du brauchst... :)
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Re: Der Nebel lichtet sich

Postby Ricarda » Thu Mar 14, 2019 9:31 pm

1) Gibt es irgendwo oder in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?
Nein, das gibt es nicht. Es wurde "mir" klar, wie "aufgesetzt" diese "Ich-Idee" ist, nicht real.
2) Erkläre detailliert was die Ich-Illusion ist, wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur deine eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie du es jetzt gerade erlebst.
Die Ich-Illusion beginnt in der frühen Kindheit, wenn das Kind von seiner Umwelt zunehmend mit dem Älter werden vermittelt bekommt, dass es ein eigenständiges und von allem getrenntes Wesen sei, dass es Entscheidungen treffen könne und (zumindest später, als Erwachsener) nach seinem Willen leben könne.
Was "ich" jetzt erfahren habe, ist, dass sich diese Ich-Gedanken an die Handlungen, an das Leben, wie es sich einfach vollzieht, quasi "anhängen". Es ist schwierig, dies zu beschreiben, es wurde bewusst, wie substanzlos dieses Ich-Gebilde ist.
3) Wie fühlt es sich an die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Berichte aus den letzten paar Tagen.
Diese Wahrheit (ohne die Ich-Illusion) zu erfahren ist -zumindest im Moment- sehr beglückend. "Ich" fühle mich sehr viel freier, es gibt nichts mehr zu bewerten, einzuschätzen, nichts zu suchen, nichts zu finden. Es ist bereits alles perfekt. Alles und jeder Mensch ist perfekt und genau so vom Leben gewollt, wie er gerade eben ist. Es gibt nichts zu Verändern, nichts zu fürchten, nichts abzulehnen - nur eine ganz eigene, intensive Art von Liebe zu allem zu spüren.

4) Was hat Dir den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?
Es war wohl dein Hinweis, ich solle den Arm heben - oder nicht, und das Beobachten, dass nicht ich es bin, der die Entscheidung zum Heben oder Liegenlassen trifft. Der Arm hebt sich einfach, und nicht weil "ich" es will :)
5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wodurch entstehen sie? Wie funktionieren sie? Wofür bist du verantwortlich? Gib ein paar Beispiele aus deiner direkten Erfahrung.
Die letzte Antwort ist ein Beispiel hierfür. Das Leben vollzieht sich, lebt sich einfach, alles geschieht ohne unser Zutun, ohne Zutun eines "Ich", denn das ist nur eine Idee, ist nicht real und hat deshalb keinen freien Willen, Absicht, Entscheidung etc. - und daher auch keine Verantwortlichkeit :)


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