Hier also meine Antworten. Ich habe den Text in word geschrieben und die Zitierfunktion trennt jetzt zur besseren Lesbarkeit die Fragen von den Antworten:
1) Gibt es irgendwo oder in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?
Wenn man genau hinschaut, wird klar, dass das „Ich“, „Selbst“ etc. eine gedankliche Konstruktion ist. Ich kann inzwischen klar sehen, dass alles irgendwie „automatisch“ funktioniert und es kein Selbst oder keine Person gibt, die das macht und entscheidet. Der Körper-Geist-Komplex ist komplett unpersönlich und funktioniert auf Basis von Konditionierung und erlernten Reiz-Reaktions-Prozessen. „Ich“ tue dazu gar nichts… Im nach hinein werden dann gerne Geschichten dazu erzählt und erfunden, was „ich“ gemacht oder erfahren habe, aber ich kann sehr gut erkennen, dass das Eine mit dem Anderen nichts zu tun hat und es nur gedankliche Zuschreibungen ohne "Wahrheitsgehalt" sind, also komplett überflüssig und eher amüsant. Sie haben lediglich in unseren sozialen Gewohnheiten einen Platz und dienen eher der Konvention und der Unterhaltung. Man muss ihnen aber keine besondere Bedeutung zumessen. Auftauchen tun sie zwar nach wie vor, aber es wird nicht mehr geglaubt…
2) Erkläre detailliert was die Ich-Illusion ist, wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur Deine eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie Du es jetzt gerade erlebst.
Die Wahrnehmung einer Körper-Einheit wird mit einem Namen versehen und damit beginnt die Zuschreibung eines autonomen Selbst, was es so nicht gibt. Das beginnt nach der Geburt des Organismus und wird mit der Zeit so verstanden und ausgelegt, als würde es so etwas wie eine separate und eigenständige Person, mit freiem Willen und Autonomie tatsächlich geben. Wenn die Entstehung von Bewegung, Gedanken, sinnlichen Wahrnehmungen und Gefühlen untersucht wird, wird erkannt, dass alles einfach auftaucht und wieder vergeht, wie Wolken am Himmel oder Regen und Wind. Es ist niemand da, der es macht oder steuert, sondern alles ist mit allem in Verbindung und beeinflusst sich gegenseitig ohne eine willkürliche und absichtsvolle Steuerung.
3) Wie fühlt es sich an die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Berichte aus den letzten paar Tagen.
Erst ist es sehr verwirrend, dann sehr entlastend. Es ist irgendwie lustig, jetzt alles passieren „zu lassen“, was vorher auch passiert ist, aber die Idee, dass „ich“ das machen und mich darum kümmern muss, ist komplett weg. Jetzt staune ich umso mehr über die Leichtigkeit, wann ich mich zum Beispiel in Bewegung setze, an etwas denke, was zu tun ist etc. Es macht Spaß, sich überraschen zu lassen, was als nächstes passiert und gesagt wird, ohne mir darüber vorher den Kopf zu zerbrechen oder nachher Vorwürfe zu machen… Was passiert, passiert einfach, doch die Kommentare dazu passieren jetzt weniger oder werden nicht mehr geglaubt. Sie haben nicht mehr Bedeutung als alles andere, was in der Wahrnehmung auftaucht.
4) Was hat Dir den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?
So etwas wie einen letzten Schubs hat es nicht gegeben, eher ein zunehmende Gewissheit durch ständiges und wiederholtes Hinschauen und Untersuchen.
5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wodurch entstehen sie? Wie funktionieren sie? Wofür bist Du verantwortlich? Gib ein paar Beispiele aus Deiner direkten Erfahrung.
Wie weiter oben schon beschrieben, läuft alles auf Autopilot. Entscheidung oder Wahl wird getroffen und die „Begründung“, der Gedanke folgt nach. Wie die Entscheidungen zustande kommen bleibt letztlich völlig im Unklaren und jede Erklärung ist rein spekulativ. Mit freiem Willen hat das nichts zu tun. Den gibt es so gar nicht und kann es auch gar nicht geben, weil „niemand“ da ist, der etwas wollen kann.
6) Möchtest Du noch etwas ergänzen?
Wenn ich jetzt so lese, was geschrieben wurde, klingt es locker und leicht. Der Prozess an sich ist aber nicht so leicht und angenehm. Das Gefühl von Erleichterung und Entlastung wechselt sich ab mit einem Gefühl von Leere und Unbeteiligt Sein, was sich irgendwie ungewohnt und fremd anfühlt.