Was macht das für einen Unterschied?

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Re: Was macht das für einen Unterschied?

Postby DrMureau » Fri May 18, 2018 5:28 pm

Hallo Jadzia,

vielleicht habe ich die Fragen nicht richtig verstanden. Du schriebst, dass ich mir viel Zeit für die Beantwortung lassen soll, aber diese Fragen habe ich in letzter Zeit öfter bearbeitet. Ich habe sie jetzt noch einmal bearbeitet und dies sind meine wohlbedachten Antworten:
Wenn du genau beobachtest, kann es sein, dass die ‚Ich, mein, mich‘-Gedanken auf nichts verweisen, was in DE zu finden ist, sondern nur auf andere Gedanken?
Sie existieren nur in Gedankeninhalten. Weder beim hineinfühlen in körperliche Vorgänge, noch beim sehen, schmecken, etc. Sie kommen erst nach dem Etikettieren. Meine Erfahrungen lassen sich immer durch ein Arm, ein Schmerz, es wird gerochen usw. ersetzen. (und macht mir nichts aus). "Ich" verweist nie auf eine Sinneswahrnehmung sondern nur umgekehrt. Also Wahrnehmung + "Ich-Gedanke" = Etikett = Gedanke. Ich habe sogar öfter festgestellt, wenn ich z.B. einen Schmerz empfinde, und ich denke dann: "dieser Körper hat einen Schmerz, nicht ich habe diesen Schmerz", dass der Schmerz sich dann bald auflöst wenn ich nicht mehr daran denke. Also ohne Gedanken jetzt in der DE, nehme ich ihn nur wahr; schaue ich nicht mehr hin, dann ist er schnell weg, wenn ich ihn nicht mit Gedanken verbinden lasse. (Außer beim Zahnarzt, da drängt er sich zu sehr auf).
Kannst du ein ‚Ich‘ in den ‚Ich, mein, mich‘-Gedanken oder Gefühlen finden oder nur eine Art von ‚Ich‘ Bewusstsein?
Genau diese Frage verstehe ich nicht so gut. Ich finde schon immer Ich-Bewusstsein in diesen Ich-Gefühlen.
Also ich bin, ich habe oder ich muss, wird als Verknüpfung oder Bezug auf mein Ich-Person-Lebensgefühl verstanden. Nun habe ich in unserem Dialog aber erkannt, dass dieses "Ich-Gefühl" nur ein Gedanke ist und keine DE. Meinst Du das mit "Ich-Bewusstsein"? Falls nicht, erkläre es mir bitte.
Kannst du das Selbst, dieses separate extra ‘Ich’, irgend woanders als in Gedanken finden?
Nein, die Empfindung: "Ich-Lebensgefühl" mit dazugehöriger Erfahrung hat sich jetzt als Gedankeninhalt herausgestellt. Meine "Ich-Person" ist auch nur ein Gedanke, eine Idee von einer Person in Gedanken. Aber leider ist mir das zwar klar, ich kann das aber nicht empfinden. Nur wenn es nicht real ist, wäre es logisch, dass ich "Ich-Losigkeit" nicht empfinden kann? Mann kann ja auch nicht direkt empfinden, wenn man kein Auto hat oder einen zweiten Kopf.

Vielen Dank,
DrM

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Re: Was macht das für einen Unterschied?

Postby Jadzia » Fri May 18, 2018 6:19 pm

Sie existieren nur in Gedankeninhalten.
Könnte man sagen, dass ‚Ich, mein, mich‘ ein Konzept ist, eine Annahme oder Glauben – sprich alles Gedanken?
Genau diese Frage verstehe ich nicht so gut. Ich finde schon immer Ich-Bewusstsein in diesen Ich-Gefühlen.
Also ich bin, ich habe oder ich muss, wird als Verknüpfung oder Bezug auf mein Ich-Person-Lebensgefühl verstanden. Nun habe ich in unserem Dialog aber erkannt, dass dieses "Ich-Gefühl" nur ein Gedanke ist und keine DE. Meinst Du das mit "Ich-Bewusstsein"? Falls nicht, erkläre es mir bitte.
Was immer da sein wird ist ein gewisses "Ich-Bewusstsein", das wird auch gebraucht. Im Unterschied dazu steht die Identifikation mit dem ‚Ich‘ als Denker, Handelnde, Wählende, Beobachter usw.
Das heißt unter anderem dass die Illusion des Selbst durchschauen nichts anderes ist als erkennen, was das Selbst alles nicht ist und macht und damit was Gedanken suggerieren.
Aber leider ist mir das zwar klar, ich kann das aber nicht empfinden. Nur wenn es nicht real ist, wäre es logisch, dass ich "Ich-Losigkeit" nicht empfinden kann? Man kann ja auch nicht direkt empfinden, wenn man kein Auto hat oder einen zweiten Kopf.
Wir sagen gerne, das nach dem Gate vor dem Gate ist. Warum?
Nimm den Weihnachtsmann, vielleicht hast du als Kind eine Weile an den Weihnachtsmann geglaubt. Heute weißt du, dass du ihn nirgendwo in DE finden würdest und das sich jemand ALS Weihnachtsmann verkleidet hat – das er nicht real ist. Trotzdem kannst du ihn dir noch vorstellen.
Dein Glauben an ihn ist verloren gegangen, aber nicht die Idee Weihnachtsmann, oder?
Er existiert genau wie früher - in deiner Phantasie.

Die Illusion des getrennten Selbst zu erkennen ist exakt das Gleiche. Du glaubst es ist real, fängst an zu gucken, im direkten Erfahren kannst du es nicht finden. So wird dir langsam klar es existiert nicht und du verlierst deinen Glauben daran. Das Leben geht ziemlich genau so weiter wie bisher aber du bist nicht mehr von einem fetten Fehlglauben beeinflusst. Die Vorstellung eines von allem getrennten Selbst kann bleiben.

Wie sieht es mit Entscheidungen aus.
Gibt es einen Entscheider, oder geschehen Entscheidungen einfach?

Halte deine Hand vor dich in die Luft, Handfläche nach oben.
Jetzt drehe die Hand um, Handfläche nach unten.
Dreh sie wieder um, Handfläche nach oben.
Jetzt drehe die Hand wieder um, Handfläche nach unten.

Jetzt lass die Hand wieder umdrehen, Handfläche nach oben, und beobachte ganz genau, was in DE passiert, schiebe soweit es geht die Gedanken beiseite.
Dreh die Handfläche noch ein paar Mal hin und her.
Gibt es irgendetwas/jemand der den Moment des Drehens wählt?

Kannst du in DE einen der wählt oder einen Entscheider finden?

Gibt es da einen Gedanken zu? Wird das von einem Gedanken kontrolliert? Wann genau taucht ein Gedanke „Ich drehe die Hand“ auf? Vor der Bewegung, während oder danach?


Alles Liebe,
Jadzia

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Re: Was macht das für einen Unterschied?

Postby DrMureau » Fri May 18, 2018 7:24 pm

Hallo Jadzia,

Ich dachte beim Lesen, was soll das für ein "tolles" Experiment mit der Hand sein? Aber es geschah etwas erstaunliches, von dem ich meine, dass ich vor einer Woche dabei andere Beobachtungen gemacht hätte. Aber der Reihe nach:
Könnte man sagen, dass ‚Ich, mein, mich‘ ein Konzept ist, eine Annahme oder Glauben – sprich alles Gedanken?
Davon bin ich überzeugt. Eine Bierdose ist auch eine Bierdose unhabhängig von meinen Gedanken. Wenn ich sie als die Meine bezeichne, ist das lediglich ein Etikett, welches mein Denken wilkürlich und von alleine anheftet. Ich, mein, mich findet in der Realität nicht statt und kann in der DE so nicht gefunden werden. Besitzanzeigen sind Denk-Vermutungen und Denk-Ideen aber niemals wahr. Ich ist der Gedanke über eine Person für den in der Realität keine Beweise gefunden werden können. Hingegen das "Ich-Bewusstsein", diese Personenklammer, "ich-Gefühl" kann ich zwar auch nicht beweisen, es scheint nicht real zu sein, kann aber irgendwie empfunden werden.
Gibt es einen Entscheider, oder geschehen Entscheidungen einfach?
Dummerweise gibt es keine reale Person, die entscheidet, es sind die Gedanken, die so tun als hätte ich eine Entscheidung getroffen. In Wirklichkeit ist sie als Gedanke plötzlich aufgetaucht. Meistens wird eine Begründung als Geschichte direkt mitgeliefert. Entscheidungen geschehen nicht einfach, sie werden aber ohne "mein" Zutun vermutlich Aufgrund von Erinnerungen generiert. Da das aber allesamt nur Gedanken sind und nicht real, sollte man in der DE von "geschehen einfach" sprechen.
Halte deine Hand vor dich in die Luft, Handfläche nach oben.
Jetzt drehe die Hand um, Handfläche nach unten.
Gibt es irgendetwas/jemand der den Moment des Drehens wählt?
Jetz wird es seltsam: Du hast mich ja dazu aufgefordert das zu tun und ich denke ich will Deinem Wunsch nachkommen.Ich strecke also meine Hand aus und irgendwie dreht sie sich. Ich habe nicht mal die Denkbestätigung "Dann will ich das jetzt mal tun" sondern sie dreht sich einfach so. Ich meine nicht, dass ich jetzt eine Marionette bin die alles tut was jemand sagt; aber ich habe das Gefühl, dass sich meine Gedanken gar nicht mehr die Mühe machen, mir vorzugaukeln, ich würde mich dazu oder dagegen entscheiden! Als ich an was anderes gedacht habe (Baum betrachten, Zahlen) hat sie sich einfach weitergedreht oder aufgehört. Und diese Tätigkeit war mir unwichtig.Ich konnte in der DE niemanden finden der die Hand dreht. Bei genauer Beobachtung war nur Formveränderung einer Struktur vor den Augen erfahrbar.
Kannst du in DE einen der wählt oder einen Entscheider finden?
Echt nicht.
Gibt es da einen Gedanken zu? Wird das von einem Gedanken kontrolliert? Wann genau taucht ein Gedanke „Ich drehe die Hand“ auf? Vor der Bewegung, während oder danach?
Wenn ich die Aufmerksamkeit auf die Gedanken lenke gibt es Gedanken dazu, aber wie ich oben beschrieben habe, nicht automatisch, sozusagen nur auf Abruf. Das Handdrehen wird sicher nicht von einem Gedanken kontrolliert. Gedanken können so etwas nicht, sie sind nicht real. Der Ausführungsgedanke taucht vielleicht danach auf, ist aber auch, wenn ich ehrlich sein soll, egal - weil das ja keinen Einfluss auf die Bewegung hat, sondern nur kommentiert oder suggeriert, mein "Ich" hätte damit zu tun...mit Verlaub gesagt: "Die pure Verarsche" (Naja, ich bin jetzt schon ein bischen beleidigt deswegen, aber nicht so, dass es weh tut).

Vielen Dank, Jadzia, diese Einblicke sind zwar teilweise frustrierend aber wirklich wundervoll und erleichternd. Ich habe ja schon vorher an mir gearbeitet und vieles nicht mehr so ernst genommen, aber Deine direkten Hinweise weiten das alles unvorstellbar auf - Wirklich
DrM

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Re: Was macht das für einen Unterschied?

Postby Jadzia » Fri May 18, 2018 8:04 pm

Wunderbar.
Entscheidungen geschehen nicht einfach, sie werden aber ohne "mein" Zutun vermutlich Aufgrund von Erinnerungen generiert. Da das aber allesamt nur Gedanken sind und nicht real, sollte man in der DE von "geschehen einfach" sprechen.
Ich glaube hier musst du dich entscheiden…."vermutlich Aufgrund von Erinnerungen" oder einfach geschehen?
Was genau ist "Aufgrund von Erinnerungen" in DE?
Wie ist es, geschieht Handlung einfach?
Tauchen Entscheidungen einfach auf?
Kann man das so sagen? Wie fühlt sich das für dich an?
"Die pure Verarsche" (Naja, ich bin jetzt schon ein bischen beleidigt deswegen, aber nicht so, dass es weh tut).
;-) Tja, da wird grad einiges als reiner Glauben erkannt, da kann man schon ein bissel empört sein.

Wunderbar, dann mal einen Schritt weiter, gleiches Spiel, etwas andere Fragen…..

Halte deine Hand vor dich in die Luft, Handfläche nach oben.
Beobachte, bleib nah an der direkten Erfahrung dieser Hand vor dir - Handfläche nach oben.

Nach einer Weile und immer noch scharf beobachtend, ändere deine Meinung, entscheide deine Hand zu drehen und dreh sie um, Handfläche nach unten.
Jetzt halte sie eine Weile so.
Beobachte, bleib nah an der direkten Erfahrung dieser Hand vor dir - Handfläche nach unten.

Dreh sie wieder um, Handfläche nach oben.
Jetzt drehe die Hand wieder um, Handfläche nach unten.

Nach einer Weile und immer noch scharf beobachtend, ändere deine Meinung, entscheide deine Hand zu drehen und dreh sie um, Handfläche nach oben.

Beobachte das ganz genau und wiederhol das ein paar Mal.

Gibt es irgendetwas/jemand der den Moment wählt in dem der Sinneswandel, die Hand zu drehen, stattfindet?
Kannst du in DE jemanden finden, der einen Sinneswandel hat?
Wie genau geschah der Sinneswandel/die Meinungsänderung?

Nicht wundern, das ist enorm nah an der anderen Übung dran, aber diese hier hat einen Twist….

Alles Liebe,
Jadzia

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Re: Was macht das für einen Unterschied?

Postby DrMureau » Fri May 18, 2018 8:48 pm

Vielen, lieben Dank, dass Du Dir am Abend noch Zeit für mich nimmst, denn jetzt bin ich doch etwas aufgewühlt. Ich habe hier etwas geschwafelt...
Ich glaube hier musst du dich entscheiden…."vermutlich Aufgrund von Erinnerungen" oder einfach geschehen?
Was genau ist "Aufgrund von Erinnerungen" in DE?
Wie ist es, geschieht Handlung einfach?
Tauchen Entscheidungen einfach auf?
Kann man das so sagen? Wie fühlt sich das für dich an?
Ich kann mich nicht entscheiden, wer weiß, wer das für mich macht. Es geschieht einfach. Entscheidungen geschehen auch nicht, sie sind nur in den Gedanken, die mir erscheinen. Aber nicht real. Die Dinge passieren einfach - Hände drehen - ich kann nur wahrnehmen (immerhin). Entscheidungen tauchen einfach auf und tun Mithilfe der Gedanken so als ob ich was damit zu tun habe. Aber selbst das können Gedanken nicht, sie sind nur Geschichten und können nichts tun, sie sind nicht real. Das fühlt sich fremdgesteuert an, aber irgendwie auch etwas entspannend und albern. Erinnerungen sind im Gehirn abgespeicherte Geschichten, die aus Geschichten entstanden sind.
Gibt es irgendetwas/jemand der den Moment wählt in dem der Sinneswandel, die Hand zu drehen, stattfindet?
Kannst du in DE jemanden finden, der einen Sinneswandel hat?
Wie genau geschah der Sinneswandel/die Meinungsänderung?
Der Unterschied ist mir ziemlich klar, aber irgendwie ist es das gleiche Spiel. Wenn ich DE will, habe ich irgendwie den Gedanken, dass die Hand sich umdrehen wird. Wenn ich den Befehl geben will, kann ich nicht mehr beobachten, also schnell zurück zum beobachten...usw. Vorhin hatte mein Denken, wie berichtet, anscheinend keine Lust mehr so zu tun, als ob ich was auslöse. wenn ich jetzt so tun will als ob ich was auslösen will... Naja, nach allem was wir jetzt besprochen, und ich beobachtet habe, weiß ich ja, dass das einfach passiert. Ich kann das nicht entscheiden, ich kann nur beobachten, wie ein entsprechender Gedanke auftaucht und wie die Hand sich dreht. Also: Der Gedanke mit dem Inhalt "Die Hand soll sich jetzt drehen" taucht auf, die Hand dreht sich, aber mir ist klar, dass beides nichts miteinander zu tun hat.

Fazit: "Ich" kann niemanden finden, der den Sinneswandel hat und ich kann nicht beobachten wie der Sinneswandel geschah.

Ich glaub ich hab es kapiert (Das ist jetzt etwas unschön). Dass große Lebensentscheidungen oft nicht von einem Abhängen ist ja hinlänglich bekannt und, spätestens seit Epiktet mit seinem Handbüchlein der Moral ist klar, dass wir auf viel weniger Dinge Kontrolle ausüben können als allgemein gedacht.
NUR...HANDDREHEN? - ABER HALLO!

Vielen Dank dafür.
DrM

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Re: Was macht das für einen Unterschied?

Postby Jadzia » Fri May 18, 2018 9:16 pm

Das Ganze ist superaufregend und krempelt ja nun einiges um.
Lass sacken, entspann dich jetzt, mach dir noch ein paar schöne ruhige Momente.

Dir einen guten Nachtschlaf!

Jadzia

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Re: Was macht das für einen Unterschied?

Postby DrMureau » Fri May 18, 2018 9:33 pm

Ja, gute Nacht, schlaf gut.
DrM.

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Re: Was macht das für einen Unterschied?

Postby Jadzia » Sat May 19, 2018 7:23 am

Der Gedanke mit dem Inhalt "Die Hand soll sich jetzt drehen" taucht auf, die Hand dreht sich, aber mir ist klar, dass beides nichts miteinander zu tun hat.
Beobachte heute mal deine Gedanken rund zum Thema Entscheiden und Handeln genau.
Wann genau taucht der Gedanke „Ich entscheide mich dafür….“ Oder „Ich tue das und das“ auf?

Wie sieht es heute morgen aus?

Das ‚Ich‘ ist ein Etikett, wie ‚Apfel‘ oder ‚Auto‘. Du hast gesehen das Handlungen geschehen, das ‚Ich‘ nicht für Entscheiden und zum kontrollieren gebraucht wird.

Wie geht es dir damit grade?
Wie fühlst du dich?

Alles Liebe,
Jadzia

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Re: Was macht das für einen Unterschied?

Postby DrMureau » Sat May 19, 2018 11:27 am

Guten Morgen Jadzia!
das ist aber eine Überaschung. Ich dachte nicht, dass Du Dich so schnell meldest. Ich freue mich sehr, denn es ist schon gesackt. Um halb sechs hat mich der Hund geweckt, so hatte ich nach dem Spaziergang eine schöne, ruhige Zeit im Wintergarten für mich, weil alle anderen noch geschlafen haben. Da habe ich natürlich auch an Dich gedacht, aber gar nicht erst nachgeschaut.
Beobachte heute mal deine Gedanken rund zum Thema Entscheiden und Handeln genau.
Wann genau taucht der Gedanke „Ich entscheide mich dafür….“ Oder „Ich tue das und das“ auf?
Das passt ausgezeichnet, denn ich bin gerade vom Einkaufen zurück. Hat viel Freude gemacht. Der Laden war brechend voll, lange Schlangen an den Kassen, der Pfandautomat voll: "Bitte Personal Bescheid sagen". Der andere mit Schlange davor....Das pralle Leben, was für ein Spaß!
Bin betrachtend durch die Menschen und Waren gelaufen, habe gemacht was meine Frau mir sagt und einfach nur geglotzt. Es hätte viele Entscheidungen geben können, aber die paar die da waren, sind einfach aufgetaucht. Mit den Gedankengeschichten, aber ich habe da nicht weiter hingehört, sondern einfach genommen oder weggelegt. So hat der Einkauf wohl geklappt, denn wenn ich etwas vergessen hätte oder Quatsch gekauft hätte, wäre meine Frau sicher dazwischengegangen. Also, ich habe den Reiz was zu machen, der Körper legt los und nachher höre ich eine Geschichte darüber. Vermutlich nicht sehr gut beobachtet, aber irgendwie gibt es da nicht mehr zu beobachten. Ohne Nachdenken sehe ich ja auch nur eine Hand die etwas nimmt.
Wie sieht es heute morgen aus?
Ich hatte kein Erweckungserlebnis, habe weder geweint noch gelacht. Und doch ist alles ziemlich locker, die Grundstimmung ist nicht so stumpf oder grau, sondern alles erscheint eher albern. So ein bischen hat mein Verstand vielleicht nicht mehr so ein großes Interesse daran mich vollzuquatschen, weil ich jetzt immer nur hinhöre, "Tja" und "Aha" denke und dann wieder nur glotze...Abgesehen davon, dass in meinen Gedanken formuliert wird um Dir zu schreiben ist da nicht viel los. Das ist sehr entspannend. habe gestern einen Film gesehen und kann mich nur an die Farben und Stimmungen erinnern, weiß nicht was der Inhalt war. Ist aber nicht so, dass ich was vergessen hätte, was mich als funktionierenden Menschen ausmacht. Habe mich gestern und heute vernünftig und durchaus pädagogisch mit meinen Kindern auseinandergesetzt (Streit schlichten, zum Abeiten anpeitschen). Alles ganz entspannt und ohne schlechte Gefühle.
Das ‚Ich‘ ist ein Etikett, wie ‚Apfel‘ oder ‚Auto‘. Du hast gesehen das Handlungen geschehen, das ‚Ich‘ nicht für Entscheiden und zum kontrollieren gebraucht wird.
Ja, so ist es. Das habe ich vorher ein bischen gewusst und geahnt. Jetzt kann ich es erfahren.
Wie geht es dir damit grade?
Wie fühlst du dich?
Vielen Dank für die nette Nachfrage, das klingt so, als ob Dich das wirklich interessiert und das ist ein schönes Gefühl. Ich fühle mich nicht abgeflacht oder abgestumpft obwohl ich mich etwas reduziert fühle. Aber mehr auf das Wesentliche, deshalb wirkt das drumherum etwas albern. Und das wiederum emfinde ich ohne Arroganz oder Metaebenengefühl. Sondern geistig frisch und pragmatisch, reduziert auf das wesentliche, aber nicht toll oder wie Supermann.

Anderes Thema: Hund beobachten. Der scheint nicht viele Gedanken zu haben, aber wie er schaut (wie ein Schwein ins Uhrwerk), so fühle ich mich auch ein bischen. Ich fühle mich aber, - und das finde ich jetzt hier mal ziemlich wichtig - Bewusst und Anwesend aber ohne "Ich-Person" (Wenn ich da mal nicht hinhöre). Wie soll ich das beschreiben. Es gibt kein "Ich gehe einkaufen", "Hunderunde" etc. aber trotzdem bin ich da und nehme alles auf. So ist "ich" nicht das richtige Wort aber trotzdem bin ... noch da. Wie der Hund, der merkt auch, dass "Er" jetzt Futter bekommt und sich am Straßenrand hinsetzen soll obwohl er sich sicherlich nicht als "Ich" empfindet. Und trotzdem hat er garantiert ein Bewusstsein. Meine Frage an Dich: Kannst Du mir etwas dazu sagen, warum ich ohne "Ich-Person" trotzdem noch da bin? Vielleicht ist das Quatsch und ich bin noch nicht so weit. Dann hilf mir bitte, denn irgendwie sitzt ja wohl doch noch jemand hinter dem der hinter dem sitzt.

Ich danke Dir sehr, DrM

PS. gerade als ich die Antwort abschicken wollte, ist der Lappi abgestürzt, weil der Akku alle war. Ich dachte mir, wenn das jetzt alles weg ist, dann schreibe ich Dir nur, was das für ein toller Test war. Denn das ist ziemlich Wurscht, wenn ich mir meine Gedanken nicht anschaue. SO geht es mir damit gerade...

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Re: Was macht das für einen Unterschied?

Postby DrMureau » Sat May 19, 2018 1:26 pm

Hallo,
ich habe gerade nochmal von gestern nachgelesen. Das Thema meiner heutigen Frage:
Anderes Thema: Hund beobachten. Der scheint nicht viele Gedanken zu haben, aber wie er schaut (wie ein Schwein ins Uhrwerk), so fühle ich mich auch ein bischen. Ich fühle mich aber, - und das finde ich jetzt hier mal ziemlich wichtig - Bewusst und Anwesend aber ohne "Ich-Person" (Wenn ich da mal nicht hinhöre). Wie soll ich das beschreiben. Es gibt kein "Ich gehe einkaufen", "Hunderunde" etc. aber trotzdem bin ich da und nehme alles auf. So ist "ich" nicht das richtige Wort aber trotzdem bin ... noch da.
Habe ich folgendes gefunden:
Was immer da sein wird ist ein gewisses "Ich-Bewusstsein", das wird auch gebraucht. Im Unterschied dazu steht die Identifikation mit dem ‚Ich‘ als Denker, Handelnde, Wählende, Beobachter usw.
Das heißt unter anderem dass die Illusion des Selbst durchschauen nichts anderes ist als erkennen, was das Selbst alles nicht ist und macht und damit was Gedanken suggerieren.
Die eigentliche Frage:
Kannst Du mir etwas dazu sagen, warum ich ohne "Ich-Person" trotzdem noch da bin? Vielleicht ist das Quatsch und ich bin noch nicht so weit. Dann hilf mir bitte, denn irgendwie sitzt ja wohl doch noch jemand hinter dem der hinter dem sitzt.
Ist das also so:

Es gibt reale Gedanken mit irrealen Inhalten; ein solcher beständiger Gedanke ist die Ich-Illusion als Gedankeninhalt, die Geschichte von einer Person. Das Am-Leben-Sein-Gefühl hingegen ist kein Gedankeninhalt sondern das Gefühl des wahrnehmenden Bewusstseins das immer da war und da sein wird und sich auf alle Wahrnehmung (alles was wahrnimmt und wahrgenommen wird) erstreckt? Und ist damit der echte Beobachter der hinter den Gedanken-Beobachtungsgeschichten steckt? Noch eins drauf (als Sahnehäubchen): wird in der Mystik Gott genannt?

Danke Sehr

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Re: Was macht das für einen Unterschied?

Postby DrMureau » Sat May 19, 2018 1:29 pm

Entschuldige bitte das war Philosophie, das brauchen wir hier nicht.

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Re: Was macht das für einen Unterschied?

Postby Jadzia » Sat May 19, 2018 2:20 pm

Kurz am Anfang: Genieß heute einfach den Tag mit deiner Familie.
Beobachte, wie Leben sich lebt, wenn es einfach fließen darf, ja, genieße und beobachte. Besonderes Augenmerk auf das was sich in deinem Leben anders anfühlt oder anders läuft.
Ich hatte kein Erweckungserlebnis, habe weder geweint noch gelacht.
Ich nehme mal an es gab auch keinen Regenbogen oder ein kleines Feuerwerk? Mist…. Ist aber so. Auch das mit den Superkräften klappt nicht, seufz. ;-)
Entschuldige bitte das war Philosophie, das brauchen wir hier nicht.
Alles fein.
Es gibt reale Gedanken mit irrealen Inhalten; ein solcher beständiger Gedanke ist die Ich-Illusion als Gedankeninhalt, die Geschichte von einer Person. Das Am-Leben-Sein-Gefühl hingegen ist kein Gedankeninhalt sondern das Gefühl des wahrnehmenden Bewusstseins das immer da war und da sein wird und sich auf alle Wahrnehmung (alles was wahrnimmt und wahrgenommen wird) erstreckt? Und ist damit der echte Beobachter der hinter den Gedanken-Beobachtungsgeschichten steckt? Noch eins drauf (als Sahnehäubchen): wird in der Mystik Gott genannt?
Nur eins, ok zwei:
Ist Wahrnehmung, das Wahrnehmen und das Wahrgenommene getrennt?
Wenn es das wäre hätten wir wieder eine Trennung, oder? Es gibt aber keine, wirklich im Sinne von gar nicht und überhaupt nicht.

Manche benutzen das Etikett Gott. Das ist ok. Andere Bewusstsein oder einfach Sein oder das was Ist, oder Leben oder…….
Alles gut – nur Vorsicht: Konzeptalarm! Nicht ein Konzept mit einem anderem ersetzen.

Wir schaun uns noch ein paar Sachen gemeinsam an, das macht noch einiges klarer.
Vielen Dank für die nette Nachfrage, das klingt so, als ob Dich das wirklich interessiert und das ist ein schönes Gefühl.
Jemanden auf diesen Weg zu begleiten bring einen Bärenspaß, es ist ein ewiger Lernprozess, der von uns allen als bereichernd empfunden wird. Und es ist auch als guide spannend und interessant. :-)

Mach dir eine gute Zeit und antworte am Besten erst morgen – das ist nur ein Vorschlag, ‚du entscheidest‘.

Alles Liebe,
Jadzia

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Re: Was macht das für einen Unterschied?

Postby DrMureau » Sat May 19, 2018 5:16 pm

Hallo Jadzia,
naja, wie Du weißt, entscheide ich das nicht wirklich ;-)
Falls Du heute eine Pause haben möchtest, kann ich das sehr gut verstehen, aber ich bin heute Zuhause und würde mich freuen, wenn Du Zeit hättest, mit mir zusammen noch etwas anzusehen. Ich werde eher Morgen eine Pause einlegen, weil ich tagsüber im Garten sein werde (wenn das Wetter mitspielt).

Du hast Recht mit dem Konzept und ich meinte das auch so mit der Philosophie. Deckel auf Konzept rein Etikett drauf, wenns einem mal wieder dreckig geht hat man was fürs Gedankenkreisen. Nein, ich finde auch durch unsere gemeinsame Arbeit werden Dinge in Gang gesetzt, die man nicht Beschreiben braucht. (Ist allerdings so eingeübt, dass es schwerfällt "ohne Buch" zu lernen/verstehen).

Herzliche Grüße, DrM

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Re: Was macht das für einen Unterschied?

Postby DrMureau » Sat May 19, 2018 5:24 pm

Ist Wahrnehmung, das Wahrnehmen und das Wahrgenommene getrennt?
Wenn es das wäre hätten wir wieder eine Trennung, oder? Es gibt aber keine,
Subjekt-Objekt
Ich kann nicht das sein was ich beobachte. Das ist auch ein Beweis, dass ich nicht die Ich-Person bin.

Ich - Du Buber
Erst durch das Wahrnehmen von Du werde ich zu ich....wenn es allerdings nichts geben sollte? Das würde ich aber noch weniger verstehen, als wenn es alles geben sollte?

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Re: Was macht das für einen Unterschied?

Postby Jadzia » Sat May 19, 2018 5:46 pm

Ist Wahrnehmung, das Wahrnehmen und das Wahrgenommene getrennt?
Eine Frage war im Text – da kannst du jetzt genauer schaun.

Schließe deine Augen und lausche den verschiedenen Geräuschen um dich herum, achte auf die aktuelle direkte Hörerfahrung. Dann bleib bei einem Geräusch, das kann Vogelgezwitscher sein, eine tickende Uhr oder Straßenverkehr.

Lass die Hörerfahrung allen Raum einnehmen und schau ganz genau ob in DE irgendwelche getrennten Elemente gefunden werden könne – lässt sich ein Beweis für einen von dem Geräusch getrennten Hörer finde?

Gibt es in der direkten Erfahrung einen Hörer? Oder ist in der direkten unmittelbaren Erfahrung nur das Gehörte?


Alles Liebe,
Jadzia


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