Lieber Daniel,
hier die Antworten...etwas verschwurbelt, ganz schön viel Text...sorry.
• Erkläre detailliert was die Ich-Illusion ist, wie sie entsteht und wie sie funktioniert.
Benutze dazu nur Deine eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie Du es jetzt gerade erlebst.
Die Ich-Illusion beruht auf der Annahme, ein „Selbst“ zu besitzen oder zu sein, das Aktionen, Gedanken und Handlungen
eigenständig und unabhängig vom „Rest der Welt“ ausführt. Sozusagen eine autonome Steuereinheit im Körper. Die Annahme ein solches „Ich“ zu besitzen verstärkt sich durch die Identifikation mit Gedanken, die aus dem Verstand hervorgehen. Der „heimtückische“ Teil dieses „Zustandes“ ist, das der Verstand Fragen, Antworten, und gedankliche Fragmente hervorbringt und diesen Vorgang nicht einfach beendet. (Das ist auch gar nicht die Aufgabe des Verstandes.) Als Folge dieses Vorgangs ist die gesamte Wahrnehmung stark an die „Realitätsebene des Verstandes“ gekoppelt. Hierbei werden Phänomene, Geschehnisse gehäuft verbalisiert, bewertet und interpretiert. Es entstehen Meinungen, Ansichten und Haltungen, die dann oft als „Charakter“ „Ansichten“ und „so drauf sein“ bezeichnet werden. Im Zuge dessen ist zum Beispiel die Suche nach der „Wahrheit“ eine andauernde Anfrage an den Verstand, der immer wieder Ideen und Antworten hervorbringt, die allerdings auch nur auf dem erfahrbaren Spektrum des Verstandes beruhen. Diesen Vorgang würde ich als Schleife oder Loop bezeichnen.
• Wie fühlt es sich an die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog?
Berichte aus den letzten paar Tagen.
Die Lebenssituation ist die gleiche geblieben. Allerdings gibt es tatsächliche eine Art von Veränderung:
Die Vorgänge des Verstandes spielen sich nach wie vor in der Wahrnehmung ab, jedoch mit dem Unterschied,
das es eine Art Abstand zu diesen Gedanken, Meinungen…gibt. Sie passieren, sind aber optionale Erscheinungen
zuzüglich aller anderen Dinge die in der Wahrnehmung auftauchen. Die anderen Wahrnehmungen erscheinen
jetzt zum Teil intensiver.
Das Gefühl des Körpers ist die meiste Zeit über präsent und wahrnehmbar. Die Beschreibung „Akzeptanz
der eintretenden Geschehnisse“ erscheint mir hier passend.
Die letzten Tage waren sehr unterschiedlich. Die letzten Monate waren geprägt von Umbrüchen in meiner
Lebenssituation. Nachdem der Dialog im Forum begonnen hatte gab es eine verstärkte Hinwendung zu
diesem „Thema“, das in den letzten Jahren immer da war, mal mehr und mal weniger intensiv. Nachdem
„loslassen“ kamen weiterhin eine Menge Anforderungen, um die ich mich kümmern musste. Da war am
ersten Tag erstmal eine Faszination über die eigene Präsenz, die Wahrnehmung und diese fast unbe-
schreibliche Veränderung, Gedanken wie Angst vor Zurückfallen kamen auf aber auch gleich eine
Verwunderung wie „das ist, was ich all die Jahre gesucht habe…das es so einfach ist…oh man“.
Kurz gesagt – ich musste mich weiterhin um alle möglichen Dinge kümmern, hatte Besuch, musste
Arbeiten, hatte Gespräche, Konflikte, Herrausforderungen, Hunger…aber da war nicht mehr so ein
anklammern…der innere Dialog ist weniger und die Einschätzung der Situationen ist eine andere
geworden…vielleicht weil sich die Dinge nicht mehr auf „mich“ beziehen…sie sind da und sie gehen
und alles ist wie es ist. Es tauchen auch alle Arten von Emotionen auf…aber das ist alles ok. Es ist
alles in Ordnung. Egal wie „toll“ oder „blöd“ etwas ist. Auch die Bewertung anderer Menschen hat
stark nachgelassen. Das habe ich vor allem beim Autofahren gemerkt. :D
Komisch das so zu beschreiben. Ich kann sehen, das alles ein Prozess ist, das sich die Dinge in der
Wahrnehmung weiterhin verändern. Es wird Einsichten geben, neue alte…Erfahrungen werden
dazukommen, alles verändert sich, immer. Das ist ein Beginn und kein Endpunkt. Alles kann kommen
und das schreibe ich mit einer Ruhe, die ich so nie erfahren hab.
• Was hat Dir den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?
Während unseres Dialoges stellte sich „der Zustand“ zwischendurch mal ein. Da hat der Verstand aber die ganze
Zeit versucht, etwas zu erklären, zu finden und war dann frustriert über die Gedanken, die ja immer noch da
waren…usw. „Dieser Zustand“ war auch früher öfter mal da. Da gab es immer ein riesen Bohei…“bin ich jetzt
erleuchtet? weiss ich jetzt alles? blabla“. Ich würde sagen, der Kampf mit dem Verstand ist wie der Versuch
sich mit Wasser abzutrocknen. Das Wasser ist immer da, und kommt immer wieder und soll dich auch gar nicht
abtrocknen. Vielleicht kommt da der Begriff Anhaften her?!
Nachdem Posting...
Was bedeutet durchschauen? "Ich" kann ja an sich nichts durchschauen.
Richtig. Durchschauen geschieht einfach - wie alles - ohne Ich.
Die Frage: "Wer denkt?" Kommt immer häufiger am Tage.
Der denkende Verstand ("Das Programm des Suchers") möchte gerne Erfahrung benennen, mit bekannten Etiketten bekleben. Er will Antworten (und Trophäen).
Die Erkenntnis "Ein 'Ich' existiert nicht, Dinge geschehen einfach so" ist natürlich äusserst unbefriedigend und bedrohlich für diese Egostrukturen, da muss doch etwas sein! Da muss doch ein anderes Wort eingesetzt werden, das ist keine Antwort!
Versuch mal, dieses Frage-Antwort-Spiel einfach sein-zu-lassen...
Damit meine ich nicht zu versuchen, diese Frage zu unterdrücken, sondern sein lassen im Sinne von:
Akzeptieren, dass hier keine Antwort kommen wird!
Die "Antwort", wenn man das so nennen kann, findet sich in der Stille, wenn die Frage unbeantwortet im Raum steht.
............. ............ ....... ...... ..... .... ... .. . !
saß ich auf einem Stuhl, mit geschlossenen Augen, und habe versucht, alles wahrzunehmen, was so da ist.
Dann kamen Gedanken über meine Karriere und wie und ob es weitergeht (gibt seit ein paar Monaten wie
schon gesagt, einen größeren Umbruch)…und dann kam der Gedanke – „Dem Leben ist es doch scheissegal,
ob du jetzt groß abreisst, oder nicht“, dann war da verstärkte Aufmerksamkeit im Körper, die Gedanken
„rutschen in den Hintergrund“ und da war ein loslassen…und dann ist es so geblieben. Es eher wie ein
„entspannen“. Einfach keine Antwort mehr, sondern:
............. ............ ....... ...... ..... .... ... .. . !
•Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wodurch entstehen sie?
Wie funktionieren sie? Wofür bist Du verantwortlich? Gib ein paar Beispiele aus Deiner direkten Erfahrung.
Begriffe wie „Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle“ sind Hilfsbegriffe des Verstandes.
Mit diesen erklärt sich der Ich-Erzeugende Verstand das „Schalten und Walten“ und interpretiert Geschehnisse.
Dabei spielen auch Begriffe wie Bestimmung/Schicksal und Zufall eine Rolle.
Im Endeffekt müssen diese Bewertungen der Geschehnisse bei der Ich-Sichtweise auftauchen, weil sich die Illusion
sonst nicht sehr lange aufrecht erhalten kann.
Jede „Existenz“ unterscheidet sich von allen anderen. Jeder einzelne „Ahornbaum“ ist anders als alle anderen
„Ahornbäume“ und so ist es auch mit allem anderen. Alles ist das Leben und alles hängt auf allen Ebenen mit-
einander zusammen, reagiert auf einander…. Wächst ein Baum neben einem anderen Baum, wächst er wahr-
scheinlich nicht in den Nachbarbaum hinein…ist wohl auch schon passiert…aber auch das ist dann anders als
alles andere. Wirft man mehrere Mentos in eine Flasche mit Cola light und schraubt die zu, dann explodiert
die Flasche höchstwahrscheinlich. Niemand entscheidet das. Weder das Mentos noch die Cola. Die Beschaffen-
heiten der Einzelteile von allem, das involviert ist, führen zu den Vorgängen. Ein Stahlbehälter würde wahr-
scheinlich nicht explodieren, im Weltall würde nichts explodieren, in Kamillentee auch nicht – und ein Stück
Schokolade auch nicht.
Ein Mensch mit einer bestimmten Neigung, Erfahrung, Prägung, usw…handelt in einer bestimmten Situation auf
eine gewisse Weise. Anders als ein Mensch mit den selben Neigungen aber anderen Erfahrungen…usw. Alles ist
das Resultat aus allem. Es ist also nicht möglich, etwas anderes zu tun, als das was getan wird und das, was
gerade geschieht. Wenn jetzt jemand denkt, „dann kann ich ja das und doch dies machen“, und es passiert, ist
das nicht anders. Dann ist der gelesene Text ein großer Faktor im Ablauf des Geschehens genau so wie die
Eigenschaft des Handelnden, auf diesen Text zu Reagieren.
Verantwortung steht für Identifikation mit dem Ergebnis einer Handlung und den „Werten“, „Absichten“ und
„Ideen“ einer „Person“ die für das Resultat oder die Handlung ausschlaggebend sind. Im Ich-Universum über-
nimmt man für Dinge die Verantwortung, ist verantwortungslos…usw. Für die Kommunikation in unserem
bestehenden System sind diese Worte sehr wichtig, weil sie auf Mündigkeit, Unmündigkeit – eben die gesamte
Konstruktion der Handlungsabläufe der Welt durch die Sicht der Ich-Perspektive schliessen. Das ist notwendig
um Dinge z.Bsp. als gut, schlecht, fahrlässig, richtig, gefährlich, usw. beschreiben, Schuld und Unschuld
auszusprechen…usw. So gesehen ist das "Ich" verantwortlich, hat einen freien Willen,Handelt, hat Glück, Pech,
Bestimmung, Schicksal...usw. Es ist eben eine Geschichte...eine Begrenzung mit Benennungen und Beschreibungen.
Das die Dinge einfach so ablaufen, wie sie ablaufen ist zu meinem Bisherigen „Annahmen“ eine der
„abgefahrensten“ Tatsachen und Wahrheiten, die aufgetaucht sind. Es scheint so, als sei dies für den
Verstand (noch) nicht wirklich begreifbar – aber es gibt eine Akzeptanz um das Wissen dieser Wahrheit
– das die Dinge, die passieren, unumgänglich sind. Diese Akzeptanz würde ich als Stille bezeichnen.