Deine grundsätzliche Klarheit und diese deine Beschreibungen von der inneren Entspannung hörten sich von hier aus an, als hättest du es bereits klar erkannt, ... allerdings kann ich nur von außen gucken und nicht für dich sprechen. Es muss für dich glasklar sein, dass eine selbständige Einheit namens Ich nicht existiert.
Mit der folgenden Aufgabe die du mir gegeben hast ist mir was aufgefallen. Ich glaube, ich hab mich jahrelang so in die Theorie verstrickt, dass ich noch nicht mal richtig weiß, was direktes Erleben ist.
Die Aufgaben, die du mir gegeben hast, hab ich immer gewissenhaft und frisch gemacht, und es wurde auch genau so geschrieben, wie es erfahren wurde. Ich habe heute deine Aufgabenstellung wieder den ganzen Tag und die ganze Nacht mitgenommen, und auch auf alle möglichen anderen Wahrnehmungen angewendet, und da ist mir aufgefallen, dass es in diesem Bereich (Sinneswahrnehmungen/direktes Erleben vs. Gedanken) noch nachhinkt.. Dass zwar, wenn nachgeschaut wird, keine denkende Instanz, kein Selbst, kein Ich zu finden ist, also dieses Nichts wahrgenommen wird, als direkte Erfahrung, aber andererseits das direkte Erleben durch den Gedankenfilter verschleiert wird. Fast kommt es mir vor, als könnte hier gut gesehen werden was NICHT ist (Unvollkommenheit/Ich/Wunsch/Widerstand etc.), aber das was IST, also was direkt erlebt wird, nicht so richtig.
Es scheint so, als ob es einen Unterschied zwischen direkter Erfahrung und direktem Erleben geben würde.
Von dieser Übung mit der Frucht habe ich ja früher schon gelesen, und es war hier theoretisch immer ganz logisch, dass die Erinnerungen ganz was anderes sind, als das tatsächliche essen der Frucht. Und weil es eh so logisch war, hab ichs nie gemacht. Aber erst beim selber ausprobieren wurde hier der Unterschied wirklich erfasst....
Und da hier anscheinend den Gedanken generell noch geglaubt wird, scheint es auch so, als sei das Ich-Konstrukt nicht voll durchschaut..
Können Gedanken denn die absolute Realität verstehen?
Nimm dir dazu eine Frucht. Bevor du sie isst, beschreibe aus der Erinnerung den Geschmack der Frucht, ihre Textur, Farbe. Schreibe alles auf, wie dir dazu einfällt.
Ich stelle mir eine Birne vor. Sie ist grünlich-gelb, sie fühlt sich fest an, wenn ich ein wenig drücke gibt sie nach. Man kann ein wenig den süsslichen Geruch riechen, wenn man sie zur Nase führt. Aussen fühlt sie sich ein wenig rauh an. Die Birne ist saftig, süsslich und hat eine weiche Konsistenz.
Danach iss die Frucht und beobachte währenddessen, was du dabei wahrnimmst.
Nun schaue auf deine geschriebenen Worte und stell dir zusätzlich vor, wie du die aktuelle Erfahrung beschreiben würdest.
Weniger süß, als in Erinnerung, ein Geschmack der nicht beschreibbar ist, birnig halt, ganz weiches Fruchtfleisch mit etwas härterer Schale, sehr saftig, fast so ein Gefühl, als wäre der ganze Körper beim essen mit involviert, aber Worte kommen da niemals an die Erfahrung heran..
Nun frag dich:
Haben die Beschreibungen in irgendeiner Form etwas mit der eigentlichen Erfahrung zu tun?
Nein, sie haben nichts damit zu tun.
Kann ein Wort, wie z.B. süss oder saftig, irgendetwas von der eigentlichen Erfahrung wissen?
Nein
Weiß Gedanke generell jemals etwas über Erfahrung?
Das Leben/Erleben kann nicht mit Gedanken/Verstand erfasst werden, und Gedanken kommen nicht im entferntesten ans direkte Erleben ran. Also der Verstand kann die absolute Realität niemals erfassen, das kann immer nur erlebt werden...
Und dennoch hält irgendetwas noch am "Ich"-Gedanken fest, bzw. ist noch nicht vollständig überzeugt, dass es nur ein Konstrukt ist.
Ich hoffe du bist nicht enttäuscht, dass ich es noch nicht geschnallt habe, ich will deine Zeit ja auch nicht überstrapazieren. Ich hätte auch nichts dagegen, wenn wir nur jeden zweiten oder dritten Tag kommunizieren, dann würde ich mich die Tage intensiv mit einer Aufgabe auseinandersetzen können.. Irgendwie ist hier so die Idee, dass es doch ein wenig Zeit braucht für wirklich tiefes und nachhaltiges Schauen. Hier wurde schon öfter die Erfahrung gemacht (auch vor dem Prozess hier), dass das alleinige Anschauen und Erkennen einer Sache oder eines Themas dieses nicht zum verschwinden bringt..
Alles Liebe :)