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Uwe
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Re: Pfad

Postby Uwe » Fri May 19, 2017 12:10 pm

Lieber Daniel,
Ist da eine Instanz, ein 'Ich' zu entdecken, dass all diese Wahrnehmungen etikettiert?
Ich nehme einfach nur Impulse und Abläufe war. Und die laufen oft in gewohnten Bahnen ab. Vermutlich genauso, wie meine Vorstellung von einem Ich. Die direkte Erfahrung und meine gewohnte Wahrnehmung sind derzeit einfach parallel da. Wobei ich die direkte Erfahrung nur machen kann, wenn ich mich darauf fokussiere, bestimmte Bedingungen schaffe und dann k u r z aus der gewohnten aussteige.
Lieben Gruß
Uwe

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flowings
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Re: Pfad

Postby flowings » Fri May 19, 2017 2:12 pm

Lieber Uwe!

Wunderbar auf den Punkt gebracht... einfach nur Impulse und Abläufe, die geschehen, inklusive der Vorstellung vom 'Ich'!
Die direkte Erfahrung und meine gewohnte Wahrnehmung sind derzeit einfach parallel da. Wobei ich die direkte Erfahrung nur machen kann, wenn ich mich darauf fokussiere, bestimmte Bedingungen schaffe und dann k u r z aus der gewohnten aussteige.
So ist das. Das muss nach dem Durchschauen der Ich-Illusion auch nicht anders sein:
Der falsche Weihnachtsmann verschwindet ja auch nicht plötzlich, nur weil das Kind ihn als "Betrüger" durchschaut hat. Aber plötzlich sieht es: Nur ein Kostüm und ein falscher Bart über Onkel Willi's Gesicht...
Schau mal genau hin: Die direkte Erfahrung ist das, was immer da ist; und die "gewohnte Wahrnehmung" ist die direkte Erfahrung überlagert mit "Zeugs", dass der notorische Verstand im fortwährend-automatischen Prozess hinzufügt.


Ich möchte dir mal folgende Übung vorschlagen:

Nimm dir mal ein paar Minuten und beobachte einfach alles auf gewohnte Art & Weise. Gedanken, Gefühle, Wahrnehmungen usw. Schreib das dann auf und verwende die gewohnte ich-fixierte Sprache („Ich sitze“, „Ich denke“, „Ich tippe“, „Ich atme“ etc.)
Schreib das gleiche dann nochmal - diesmal ohne die Verwendung des Ich-Labels - einfach nur die Abläufe ( „sitzen“, „denken“, „tippen“, „atmen“)

Was passiert dann?
Ist da ein reales „Ich“, das die Handlungen ausführt, oder ist es nur ein Wort innerhalb des Benennungsprozesses?
Enthält das Tun ein "Ich"?
Während des Atmens – ist da ein „Ich“, das atmet?
Ist da ein „Ich“, das morgens aufwacht?
Ist da ein „Ich“, das schlafen geht?
Ist da ein „Ich“ in irgendeinem Tun?


Alles Liebe,
Daniel
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Re: Pfad

Postby Uwe » Mon May 29, 2017 5:27 am

Deine Situation kann für den Prozess eine grosse Chance sein!
Das Sprungbrett hier heisst "Loslassen".

"Auch wenn ich statt "Ich habe Schmerzen" Da sind Schmerzen" denke, schreibe, empfinde, bleiben sie da und ziehen Aufmerksamkeit."
Das wird sich wohl auch nicht ändern - Intensive körperliche Empfindungen lassen sich durch einen Wahrnehmungsshift nicht einfach abschalten oder zur Seite schieben in dem Sinne. (Die Betrachtungsweise von "Ich habe" zu "Da sind" ist natürlich dennoch der richtige Ansatz!)
Was du tun kannst, ist daran zu arbeiten, den Widerstand gegen die Schmerzen aufzugeben. Oder anders formuliert: Dich in Hingabe an den Augenblick zu üben.

Das Leiden setzt ja immer da ein, wo Widerstand gegen eine Situation ist, gegen die "Soheit der Dinge". Die Schmerzen sind da, mit oder ohne Widerstand.
Kannst du bereit sein, loszulassen von dem Wunsch, weniger Schmerzen zu haben?
Wenn das nicht direkt funktioniert, akzeptiere das und lass los vom Wunsch, loszulassen.

Siehst du den Unterschied zwischen Schmerz und Leid?

“Hirngespinst“ ist wirklich ein klasse Wort im Zusammenhang mit der Suche nach diesem phantomhaften Ich-Gespenst.
“Kontrolle“ ist auch so ein Hirngespinst...
Lieber Daniel,

wenn ich ganz mit dem bin was ist, ist für diese Zeit kein Platz für den Wunsch nach weniger Schmerzen.
Wenn ich ganz mit dem bin was ist und bewusst wahrnehme was nur Gedanken sind, zum Beispiel könnte es nicht anders sein oder jetzt kann kann ich dieses oder jenes Geplantes nicht mehr tun, ist nur Schmerz da und kein Leid.
Verrückterweise führt die alleinige Einsicht, dass wir “unser Leben“ nicht in der Hand haben (sondern das Leben einfach nur passiert) nicht automatisch zum Loslassen.
Das ist wirklich verrückt.
Untersuche in der Übung des Loslassens auch die Gedanken, die das Loslassen zu verhindern versuchen. Was sagen Sie? Zu welchem Zweck? Woran wird festgehalten?
Und was ist mit der Angst?
Dafür brauche ich noch Zeit.

Lieben Gruß
Uwe

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Re: Pfad

Postby flowings » Mon May 29, 2017 10:51 am

Lieber Uwe!

Schön, dass du weiter machen kannst!
Wir lassen die Fragen aus meinem letzten Post erstmal zur Seite und machen hier bei dem aus unserem Emailverkehr Kopierten weiter:
wenn ich ganz mit dem bin was ist, ist für diese Zeit kein Platz für den Wunsch nach weniger Schmerzen.
Wenn ich ganz mit dem bin was ist und bewusst wahrnehme was nur Gedanken sind, zum Beispiel könnte es nicht anders sein oder jetzt kann kann ich dieses oder jenes Geplantes nicht mehr tun, ist nur Schmerz da und kein Leid.
Versuch doch mal, hier in der direkten Wahrnehmung etwas weiter zu forschen.
Wenn du dir die direkte Schmerzempfindung anschaust:
Wie fühlt sich der Schmerz an?
Ist das eine statische Wahrnehmung?
Befindet er sich an dem Ort “Knie“? An dem Ort “Ich“? Oder rutscht das “Ich“ Ins Knie? Wo war es vorher? Ist “Schmerz“ und “Ich“ getrennt? Ist da überhaupt ein “Schmerzwahrnehmer“?
Verändert sich etwas, wenn bewertende, ablehnende, unangenehme Gedanken wieder nach vorne kommen, wenn der Widerstand gegen das Hier & Jetzt wieder einsetzt?

Wünsche dir alles Beste!
Daniel
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Re: Pfad

Postby Uwe » Wed May 31, 2017 9:53 am

Lieber Daniel,
Wie fühlt sich der Schmerz an?
Ist das eine statische Wahrnehmung?
Befindet er sich an dem Ort “Knie“? An dem Ort “Ich“? Oder rutscht das “Ich“ Ins Knie? Wo war es vorher? Ist “Schmerz“ und “Ich“ getrennt? Ist da überhaupt ein “Schmerzwahrnehmer“?
Schmerz ist keine statische Wahrnehmung, sie verändert sich. In dem Gebiet in dem sie auftritt, aber auch dadurch, das etwas weiteres in die Wahrnehmung rückt. Ich kenne auch die Technik, mit der Aufmerksamkeit zwischen Schmerz und einer angenehmen Körperwahrnehmung zu pendeln, bis sich beide mehr oder weniger auflösen.
Wenn ich nur oder stark im Vordergrund Schmerz empfinde, ist da nur Schmerz, bin ich Schmerz. Von dieser Wahrnehmung lenkt nur ab, dass ich gleichzeitig anderes wahrnehme, andere Teile des Körpers oder zum Beispiel die Berührung der Luft auf der Haut.
Ich kann mit dem Schmerz gerade einigermaßen gut sein, deswegen habe ich aktuell keine direkte Erfahrung mit bewertenden Gedanken oder Gedanken, die sich auf die Zukunft beziehen. Ich weiß allerdings aus Erfahrung, dass sie den Schmerz vergrößern oder unangenehme Stimmung aufkommen lassen können.
Lieben Gruß
Uwe

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Re: Pfad

Postby flowings » Wed May 31, 2017 11:53 pm

Lieber Uwe!
Wenn ich nur oder stark im Vordergrund Schmerz empfinde, ist da nur Schmerz, bin ich Schmerz. Von dieser Wahrnehmung lenkt nur ab, dass ich gleichzeitig anderes wahrnehme, andere Teile des Körpers oder zum Beispiel die Berührung der Luft auf der Haut.
Ja, die Intensität von Wahrnehmungen verstärkt oft die Ich-Identifikation.

Wo ist das 'Ich' in all diesen Wahrnehmungen zu finden? Was ist mit "dem, der die Schmerzen" (oder was auch immer) wahrnimmt?


Alles Liebe, Daniel
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Re: Pfad

Postby Uwe » Thu Jun 01, 2017 5:17 am

Lieber Daniel,
es sind nur Wahrnehmungen da.
Was wahrnimmt, kann ich nicht ergründen.
Und es sind sofort Gedanken da, die gehörte oder gelesene Konzepte zur Erklärung dessen anbieten.
Lieben Gruß
Uwe

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Re: Pfad

Postby flowings » Thu Jun 01, 2017 9:46 am

Lieber Georg!

Es sind nur Wahrnehmungen da.
Sonst nichts! Nada! Niente!

Mal ganz penibel: Sind da "Wahrnehmungen" (Substantiv) oder findet "Wahrnehmen" (Verb) statt?
Untersuche mal den Unterschied!

Was wahrnimmt, kann ich nicht ergründen.
Warum nicht? Ganz einfach: Weil da nichts ist!
Wir können Konzepte benutzen wie "Zeugenbewusstsein" oder "Höheres Selbst" etc, aber letztendlich sind das nur Stützräder, damit der Verstand etwas zum Festhalten hat.

Gibt es etwas anderes ausser dem Wahrnehmen, was beweisbar wäre?
Ist wirklich eine Instanz nötig, die "Empfänger" ist?

Denk dran:
Wir suchen keine Antworten, die den Verstand zufrieden stellen.
Wir wollen die Frage loswerden!


Alles Liebe,
Daniel
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Re: Pfad

Postby Uwe » Sat Jun 03, 2017 10:01 am

Lieber Daniel,
Mal ganz penibel: Sind da "Wahrnehmungen" (Substantiv) oder findet "Wahrnehmen" (Verb) statt?
Untersuche mal den Unterschied!
Wir wollen die Frage loswerden!
Diese beiden Punkte beschäftigen mich noch. Und dafür möchte ich mir noch etwas Zeit nehmen.

Schöne Pfingsten
Uwe

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Re: Pfad

Postby flowings » Sat Jun 03, 2017 4:13 pm

Alles klar!
Aber denke dran:
Die Nuss lässt sich nicht durch Nachdenken knacken!
;)

Dir auch schöne Pfingsten!
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Re: Pfad

Postby Uwe » Mon Jun 05, 2017 7:56 am

Lieber Daniel,
Sind da "Wahrnehmungen" (Substantiv) oder findet "Wahrnehmen" (Verb) statt?
Im Moment tendiere ich dazu, dass Wahrnehmungen da sind. Eine Beobachtung: Wahrnehmungen passieren plötzlich und überraschend. Ein Gedanke: Zum wahrnehmen müsste jemand oder etwas da sein der oder was wahrnimmt.
Das habe ich noch nicht ganz klar.

Lieben Gruß
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Re: Pfad

Postby flowings » Mon Jun 05, 2017 11:47 pm

Lieber Uwe!
Sprache stösst ja schnell an ihre Grenzen beim Versuch, die Wirklichkeit zu beschreiben; vielleicht meinen wir hier (fast?) das Gleiche.
Doch lass uns ruhig mal noch etwas 'penibel' weiter schauen.

Nehmen wir als Beispiel einfach nochmal das Hören:
In unserer Konsensrealität setzen wir zuerst ein externes Geräusch (das Gehörte) voraus, welches sich in Form von Schallwellen ausbreitet, bis es bei einem internen 'Ich' (dem Höre) ankommt; Hören geschieht.
Wir sagen dann: "Ich höre ein Geräusch"
Oder:
Der Hörer hört das Gehörte.

Wo/wie würdest du hier 'Wahrnehmungen' einordnen?

Was ist direkte Erfahrung; was ist gedankliches Konstrukt?


Alles Liebe,
Daniel
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Re: Pfad

Postby Uwe » Tue Jun 06, 2017 6:40 am

Lieber Daniel,

die reine Wahrnehmung: ein Geräusch.
Die Interpretationen: Ein Vogel, ein Fahrzeug. Andere hören dasselbe, deswegen ist die Geräuschquelle ein Objekt außerhalb von mir. Dazu passt, dass ich selbst ein Geräusch erzeugen kann, welches sowohl ich wahrnehme als auch andere wahrnehmen, zum Beispiel eine Tonabfolge, die als Wort interpretiert wird. Eine Tonabfolge, die ich nicht interpretieren kann, ein chinesisches Wort, bleibt nur eine Tonabfolge.

Lieben Gruß
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Re: Pfad

Postby flowings » Tue Jun 06, 2017 11:25 am

Lieber Uwe!

Wenn ich das Wort 'Geräusch' mal durch den Begriff 'Schallereignis' ersetze, ist das dann auch noch die 'reine Wahrnehmung'?
Sind Geräusche in der direkten Erfahrung tatsächlich einzelne Ereignisse?
Sind Wahrnehmungen in der direkten Erfahrung einzelne voneinander getrennte Ereignisse?


Alles Liebe,
Daniel
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Re: Pfad

Postby Uwe » Tue Jun 06, 2017 3:50 pm

Lieber Daniel,

ich sag mal ohne weiteres Nein. Denn ich nehme am laufenden Band Geräusche wahr, eins folgt auf das andere. Dasselbe gilt für das Sehen oder Körperempfinden. Immer wieder tritt etwas in den Vordergrund, aber alles ist gleichzeitig fortlaufend da. Wahrscheinlich auch im Schlaf.

Lieben Gruß
Uwe


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