Lieber Uwe!
Wunderbar auf den Punkt gebracht... einfach nur Impulse und Abläufe, die geschehen, inklusive der Vorstellung vom 'Ich'!
Die direkte Erfahrung und meine gewohnte Wahrnehmung sind derzeit einfach parallel da. Wobei ich die direkte Erfahrung nur machen kann, wenn ich mich darauf fokussiere, bestimmte Bedingungen schaffe und dann k u r z aus der gewohnten aussteige.
So ist das. Das muss nach dem Durchschauen der Ich-Illusion auch nicht anders sein:
Der falsche Weihnachtsmann verschwindet ja auch nicht plötzlich, nur weil das Kind ihn als "Betrüger" durchschaut hat. Aber plötzlich sieht es: Nur ein Kostüm und ein falscher Bart über Onkel Willi's Gesicht...
Schau mal genau hin: Die direkte Erfahrung ist das, was immer da ist; und die "gewohnte Wahrnehmung" ist die direkte Erfahrung überlagert mit "Zeugs", dass der notorische Verstand im fortwährend-automatischen Prozess hinzufügt.
Ich möchte dir mal folgende Übung vorschlagen:
Nimm dir mal ein paar Minuten und beobachte einfach alles auf gewohnte Art & Weise. Gedanken, Gefühle, Wahrnehmungen usw. Schreib das dann auf und verwende die gewohnte ich-fixierte Sprache („Ich sitze“, „Ich denke“, „Ich tippe“, „Ich atme“ etc.)
Schreib das gleiche dann nochmal - diesmal ohne die Verwendung des Ich-Labels - einfach nur die Abläufe ( „sitzen“, „denken“, „tippen“, „atmen“)
Was passiert dann?
Ist da ein reales „Ich“, das die Handlungen ausführt, oder ist es nur ein Wort innerhalb des Benennungsprozesses?
Enthält das Tun ein "Ich"?
Während des Atmens – ist da ein „Ich“, das atmet?
Ist da ein „Ich“, das morgens aufwacht?
Ist da ein „Ich“, das schlafen geht?
Ist da ein „Ich“ in irgendeinem Tun?
Alles Liebe,
Daniel