Lieber Stephan,
Du hast sehr schön hingeschaut. :)
In der Tat entsteht durch das Sehen das stärkste Gefühl von Getrenntsein.
Spiele mit dieser Übung:
Stehe auf, gehe 5 Schritte in eine Richtung, dann drehe um und gehe 5 Schritte zurück.
Achte auf die reine Sinnesempfindung.
Was wird wahrgenommen?
Was hat entschieden, ob du dich rechts- oder Links herum drehst ?
Gibt es jemanden, der geht und das Gehen oder einfach gehen?
Liebe Grüße,
Ghata
Liebe Ghata,
ich habe heute den ganzen Tag über immer wieder die Übung gemacht, nicht nur beim Gehen sondern auch bei anderen Tätigkeiten (inkl. Autofahren). Beim Beobachten war immer nur die Wahrnehmung da. Es war immer nur Gehen, Gangschalten, Waschen, etc. da. Niemand der die Richtung oder die nächste Bewegung vorgegeben hat, es passierte einfach.
Es war für mich auch schön zu sehen, wie aus einem „Ich-Illusion“-Denken eine „Ich-Illusion“-Erfahrung wird, die nachvollziehbar und reproduzierbar ist.
Die Überprüfung des Erlebten wurde sehr oft durch ausschweifendes Denken unterbrochen. Immer wieder habe ich das ausschweifende Denken als ausschweifendes Denken wahrgenommen und bin wieder zu der Überprüfung zurückgekehrt.
Es wird immer klarer. Zurzeit herrscht folgende Situation für mich:
- Ich kann mit meinem Denken nur vergangene Wahrnehmungen analysieren/nachvollziehen.
- Das Denken ist linear, entweder erzeugt es ein Ich oder fabuliert oder analysiert vergangene Wahrnehmung oder etc. Gleichzeitig geht Garnichts!
- Es ist kein Ich beim Wahrnehmen vorhanden, weder beim Wahrnehmen von Sinneseindrücken noch beim Wahrnehmen von Gedanken.
Diese drei Punkte kann ich erst beim nachträglichen Betrachten der Erfahrung feststellen. Es ist keine Interpretation, sondern nachträgliches Feststellen aufgrund der Erfahrung.
Du hast am Anfang gefragt:
Wie stellst du dir den Augenblick vor, wenn die Ich-Illusion durchschaut wird?
Ich glaube, dass ich in dem besagten Augenblick die Wahrnehmung im Augenblick der Entstehung verstehen werde und nicht erst nachher (außerhalb von hier und jetzt = gedanklich).
Liebe Grüße
Stephan