Re: Hin und her
Posted: Mon Feb 06, 2012 5:45 am
Hallo Iris, alles gut. Bin gespannt auf deine Antworten
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Ich-Gedanken tauchen auf. Das ist alles. Ein „Ich“ an sich gibt es nicht! In keiner Form und in keinem Zustand.1. Gibt es ein Ich in irgendeiner Form oder Zustand?
Das Ich ist ein Gedanke, der erscheint: Ich tue dies oder das, Ich fühle dies oder das. Dieser Gedanke erscheint aber erst, nachdem etwas getan, gedacht, gefühlt oder wahrgenommen worden ist. Alles wird mit diesem „Ich-Stempel“ versehen. Wir wachsen in unserer Gesellschaft ja auch so auf. Wir lernen als kleines Kind, den Ich-Stempel auf uns anzuwenden und das wird mit der Zeit völlig automatisch und wird meistens nicht hinterfragt. In Realität gibt es das Ich gar nicht. Wenn das erkannt wird, werden auftauchende Ich-Gedanken wie ein Kommentar wahrgenommen, der einfach so für sich abläuft, ohne sich auf eine reale Person zu beziehen. Das war schon immer so, wurde aber nicht so wahrgenommen. Der Glaube an ein Ich ist eine Erscheinung. Der Wunsch danach, diesen Glauben loszuwerden ebenfalls. Das scheinbare Ich dahinter gibt es jedoch gar nicht. Eine Erscheinung kann eine Erscheinung natürlich nicht auslöschen. Die Identifikation mit einem Ich kann durchschaut werden und wieder wegfallen und dann ist alles, was geschieht, einfach das, was geschieht, ohne dass da jemand etwas tut. Es gibt dann buchstäblich nichts zu tun, weil keine Person da ist, die es tun könnte. Alles geschieht.2. Erkläre, wie das "ich" funktioniert, und wie es kam, dass du es durchschaut hast. Was hat dich überzeugt?
Bei mir stellten sich seit einer Weile Momente ein, in der die Ichlosigkeit erfahren wurde. Was mir jetzt mit der Begleitung von Ingen speziell zu Klarheit geholfen hat, war einerseits ihre Schilderung des Geschehens als ein Rinnsal, das sich seinen Weg bahnt, abhängig von Faktoren wie Bodenbeschaffenheit etc.. Vorher war ihre Frage gewesen, ob ich je etwas hätte besser machen können. Mit dieser Frage hatte ich Mühe, denn sie führte mich ins Denken und das Denken findet immer etwas, das es besser machen könnte. Bei mir jedenfalls. Aber das Bild des Rinnsals stimmte für mich total – es wiederspiegelte meine Erfahrung so, dass ich sie sehen konnte.Wie kam es, dass ich es durchschaut habe, was hat mich überzeugt?
Gesund! Vor allem so gesund – das überrascht mich selber, finde ich aber sehr schön. Leicht, frisch (eine Freundin nannte mich letztes Wochenende sogar tatsächlich einen „Raumerfrischer“ :-), aber dazu habe ich nicht das Geringste getan – wie auch...), "transparent"/"nicht da" (bei gleichzeitiger vollkommener Präsenz), unbesorgt, frei. Das wird allerdings nicht immer so wahrgenommen, findet sich aber sehr leicht. In letzter Zeit steigt v.a. auch immer wieder mal unwillkürlich das Gefühl auf, dass es nichts zu tun gibt.3. Wie fühlt es sich an, erwacht, d.h. von dieser Vorstellung befreit zu sein?
Im Moment würde ich es wohl so erklären, wie ich es unter Punkt 2) beschrieben habe. Dazu käme auf jeden Fall auch eine Schilderung, wie ich mein Leben ohne ein Ich erlebe (also wie alles als spontan geschehend erlebt wird – z.B. wie Kratzen, Laufen, Essen, Trinken, Reden etc. ohne „mich“ geschehen). Ich würde aber auch sagen, dass dies keine „besonderen Zustände“ sind, sondern dass alles ganz alltäglich ist. Aber das Alltägliche kann als sehr besonders erlebt werden, wenn es so quasi aus dem Nichts erscheint und geschieht. Aber das ist von Moment zu Moment anders. Es wird einfach gelebt, erlebt, entsteht, vergeht.4. Wie würdest du das jemandem erklären, der noch nie die Existenz eines eigenständigen "Ichs" bezweifelt hat und nichts von alldem gehört hat?