Nein. Das gibt es in keiner Weise. Alles, was ist, ist sozusagen ein einziger, großer Prozess. Dieser Organismus hier sitzt und schreibt und denkt und fühlt und hat Körperempfindungen – aber diese Vorgänge werden nicht von ihm verursacht, sondern geschehen einfach. Vielleicht ist da auch der Eindruck, dass es ein Etwas in diesem Organismus gäbe, das die meisten dieser Vorgänge kontrolliert oder beeinflusst – aber dieser Eindruck wird ebenfalls nur erlebt. Alles, was hier geschieht, ist die Wirkung von unendlich vielen Ursachen und Ursache von unendlich vielen Wirkungen, ist Ausdruck dieses einen Prozesses, der kein Außerhalb hat. Könnte man sagen, denn das klingt schön. Aber das ist auch nur ein sprachliches, ein gedankliches Bild. Tatsächlich ist da einfach nur DIES – Sinneseindrücke, Gedanken, Körperempfindungen, Gefühle, die sich alle permanent wandeln.1) Gibt es irgendwo oder in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?
Die Ich-Illusion drückt sich für mich jetzt am intensivsten in der Identifikation mit den Gedanken aus. Nach wie vor wird meistens alles, was geschieht, in Gedanken kommentiert. In den Gedanken kommt stets „Ich“ drin vor, als Hauptbezugspunkt allen Geschehens. Das Geschehen wird immer eingeordnet danach, ob es für dieses Ich gut oder schlecht ist, ob dieses Ich durch das Erlebte und Getane gut oder schlecht da steht. Wenn ich innehalte und nachschaue, stelle ich fest, dass da niemand ist der innehält und nachschaut. Dass da, außerhalb der Gedanken, niemand ist, der gut oder schlecht da stehen könnte. Nach einer Weile sickert diese Einsicht wieder in den Untergrund und die Ich-Gedanken gehen weiter. Sie sind aber weniger stark und überzeugend als früher.2) Erkläre detailliert was die Ich-Illusion ist, wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur Deine eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie Du es jetzt gerade erlebst.
Die Empfindung, frei entscheiden zu können, was dieser Körper hier tut, was er sagt, und in geringerem Maße auch, was er denkt, trägt auch sehr viel zur Ich-Illusion bei. Dieses Gefühl von Kontrolle unterscheidet den Körper hier von allen anderen, scheinbar äußeren Dingen. Seit der durch die Überprüfung gewonnenen Einsicht, dass „ich“ gar nichts frei entscheiden kann, ist dieses Kontrollgefühl ein bisschen durchlässiger geworden und verschwindet manchmal für Augenblicke auch ganz, aber meistens ist es doch da und spiegelt einen Täter vor.
Wie entstand die Ich-Illusion? Ich wurde von klein auf darauf konditioniert, mich mit diesem Körper und seinen Handlungen zu identifizieren. …Wer wurde da konditioniert? - Da das Ich ein grundlegender Bestandteil unserer Sprache ist, und von jedem andauernd benutzt wird, schien es mir, bevor ich in dieses ganze Nondualitäts-Ding geraten bin, selbstverständlich, dass es auch auf eine reale Tatsache verweist. Eine Geschichte mit „Ich“ als Hauptperson entstand und wurde gedanklich immer wieder aufgewärmt, in der die Erinnerungen an vergangene Handlungen dieses Körpers mit Bewertungen verknüpft wurden. Weil „ich“ das und das getan habe, bin ich gut, böse, ein Versager, ein Held, pervers, heilig, oder sonst was. Alles tun und Erleben wurde nun immer sofort bewertet in Bezug zu dieser gedanklichen Ich-Geschichte und in sie eingeordnet. Da die allermeisten Menschen auf diese Art empfinden und denken, wird einem das Ich-Sein auch permanent als normal und richtig bestätigt und widergespiegelt.
Ich weiß es nicht so recht. Es ist ein ganz schönes Gefühlsdurcheinander. Und ich habe das Gefühl, recht matschig in der Birne zu sein und keinen klaren Überblick zu haben, wie sich das Empfinden in der letzten Zeit entwickelt hat.3) Wie fühlt es sich an die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Berichte aus den letzten paar Tagen.
Es gab für mich keinen klar bestimmbaren Moment, in dem ich das Gefühl hatte: "Jetzt habe ichs durchschaut!", sondern viele Momente, in denen es plötzlich klar schien, und dann wieder Momente, in denen es unklar wurde. Vor ein Paar Tagen war da immer so ein untergründiges Okay-Gefühl präsent, egal, was auf der Oberfläche passiert ist. Auch immer mal wieder euphorische Schübe, Dankbarkeit. Dann kommt aber auch alles mögliche Andere hoch: Enttäuschung darüber, dass sich so wenig verändert hat, wenn ich mich in die gleichen Muster wie eh und je verrenne. Apathie, Orientierungslosigkeit: Was soll "ich" jetzt machen, und warum? Warum sollte ich überhaupt irgendwas machen? Dann aber auch Entspannung, intensive Beschäftigung mit lange als unwichtig abgetanen Hobbys und Interessen.
Dann die Gedanken: Ich habe mich kein bisschen verändert, bin in keiner Weise irgendwie "besser" geworden oder "voran" gekommen. Innere Unruhe, Langeweile, Verwirrung. Alles kommt mir so sinnlos vor. Am sinnlosesten vielleicht dieses verzweifelte Bemühen, das Ich als Illusion zu durchschauen (nicht, dass ich glaube, eine Wahl zu haben). Nichts hat sich verändert, so scheint es dann, außer dass ich die Hoffnung verloren habe, dass irgendetwas zu erreichen wäre auf diesem Pfad. Nein, leider nicht mal das - da ist weiterhin Hoffnung, dass es da noch mehr geben müsse, dass es möglich ist, dass über das Durchschauen hinaus diese Beschränktheit und Enge, diese Identifizierung mit mentalen Selbstbildern und Gefühlen zusammen bricht. Vielleicht in zehn Jahren... Aber ich habe kaum Energie mehr, zu suchen. Gerade.
Das fühlt sich manchmal auch befreiend und erleichternd an. Aber dann wiederum denke ich: Das einzige, was mich von jemandem unterscheidet, der die Ich-Illusion nicht durchschaut hat, ist, dass ich mal dachte, es sei irgendwie lebenswichtig, dieses scheinbare Riesenproblem zu knacken, während jemand anders einfach nie in diesen Gedankenkrampf geraten ist...
Eine Weile lang gab es immer mal wieder ein Gefühl von „oh, wow, das alles hier geschieht wirklich! Unglaublich! Es gibt kein Ich!“ Dann wieder eine unbestimmte, unterschwellige Angst davor, verrückt zu werden.
Ich spüre Wut hoch kommen, von der ich gar nicht wusste, dass ich sie unterdrückt hatte. Ich bin unruhig und sehne mich danach, Bier zu trinken um mich zu entspannen. Wenn ich getrunken habe, bekomme ich Lust, zu kiffen. Wenn ich kiffe, erlebe ich plötzlich ganz klar: Da ist niemand. Es gibt kein Ich. Alles ist ein einziges Geschehen.
Sonst ist da meistens nur dieses Wissen. Wenn aber schwierige Gefühle hochkommen, macht das Wissen, dass niemand sie hat, kaum einen Unterschied.
Das Wichtigste für mich ist glaube ich diese Unterscheidung zwischen dem, was tatsächlich erlebt wird (sinnlich, gefühlsmäßig), und dem, was gedacht wird. Dass hier immer so darauf insistiert wird, darauf aufmerksam zu sein und die beiden Sachen nicht miteinander zu verwechseln. Dadurch bin ich sehr sensibilisiert worden, und konnte erkennen, dass das Ich zur zweiten Kategorie, den Gedanken, gehört.4) Was hat Dir den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?
Entscheidungsprozesse laufen von alleine ab, da ist kein Ich, das entscheidet. Verschiedene Optionen tauchen als Gedanken auf. Wie alle Gedanken werden sie von keinem Ich gelenkt, sondern erscheinen einfach aus dem Nichts. Diese Argumente oder Optionen werden dann gegeneinander abgewogen, im Rahmen automatisch ablaufender gedanklicher Prozesse. Konditionierte Vorlieben und Abneigungen werden als Kriterien herbeigezogen um schließlich eine Entscheidung zu fällen. Dieser ganze, sich selbst regulierende Prozess geschieht normalerweise mit dem zusätzlichen Gefühl/Gedanken, dass „ich“ ihn mache, dass ich diese Entscheidung fälle.5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wodurch entstehen sie? Wie funktionieren sie? Für was davon bist Du verantwortlich? Gib ein paar Beispiele aus Deiner direkten Erfahrung.
Wenn Entscheidungen so verlaufen, gibt es selbstverständlich keinen freien Willen. Es gibt kein Ich, dass auswählen könnte, welche Optionen oder Argumente es als positiv, welche als negativ empfindet - diese Wertung geschieht automatisch als Produkt von automatisch erscheinenden Gedanken über frühere Erlebnisse.
Wenn ich meine Gedanken machen, steuern, kontrollieren könnte, würde ich niemals so einen widersprüchlichen Schwachsinn denken, wie er so oft hier zusammen gedacht wird. Wenn ich irgendetwas hier kontrollieren könnte, würde ich einfach gar nichts mehr denken. Aber das geht nicht. Die Gedanken kommen einfach. Auch der Gedanke, dass das schon in Ordnung, nein: perfekt so ist, dass es nicht anders sein könnte als genau so, wie es ist. Der Gedanke, dass da niemand ist, der diesen Gedanken denkt.
Jeder einzelne gottverdammte Gedanke kommt einfach so aus dem Nirgendwo geploppt.
Da alle Entscheidungen (außer vielleicht den reflexhaften, für die man ja aber sowieso keine Kontrolle behaupten würde) aufgrund dieser Gedanken getroffen werden, gibt es keine Wahl, keine Kontrolle.

