Erzähl mir da mehr darüber, meinst du damit das Gefühl, dass du es bist, der die Dinge macht?
Hallo Rahaen, Du hast es ziehmlich gut beschrieben. Ja, gefühlsmäßig bin ich (ist "ICH") immer noch stark beteiligt. Ich versuche, mich oft aus dem Geschehen sozusagen zurückzunehmen und das gelingt mir bisher nur teilweise. Dann gibt es eine gewisse Einsicht, daß das Geschehen ohne mich abläuft. Ich sehe "MICH" dann aber sozusagen im Hintergrund stehen, wie ein Beobachter. Also nicht so, daß ein "Ich" gar nicht existieren würde.
Wenn das Gefühl aufkommt und du betrachtest es, siehst du klar, dass es genauso wie andere Gefühle einfach von alleine kommt?
Ja, das kann ich sehen. Das Ich ist ein Gefühl, nichts greifbares. So erscheint es mir jedenfalls, wenn ich es betrachte. Aber als Gefühl ist es stark präsent.
Vorhin gab es eien Reportage über den Ursprung des Lebens und daß der Mensch aus genau der gleichen Materie besteht wie der ganze Rest des Universums. Das hat mir wieder vor Augen geführt, daß wir bestenfalls sehr komplex organisierte Materie sind...
Ändert das Gefühl etwas an der Tatsache, dass es keinen Macher gibt?
Es ändert nichts, aber es verschleiert die Tatsache und läßt den Macher oder Verantwortlichen wieder in den Vordergrund treten.
Ist die Erwartung da, dass es weg ist und dass die Wahrheit irgendwie unvollständig ist, wenn es noch da ist?
Ich weiß nicht, ob es weg sein sollte oder müßte. Ich weiß aber, daß es mir stress bereitet, wenn das Ich Verantwortung übernimmt. Es sind dann die gleichen Muster wie immer: Mache ich alles richtig? Bin ich gut genug? Hätte ich mehr aus meinem Leben machen können? Hätte könnte sollte.... Ich habe in anderen threats gelesen, daß das Ich-Gefühl bleibt.
Bei Tolle gibt es durchaus ein Ich, aber er nennt es "das reine Bewusstsein". Was damit genau gemeint ist, ist für mich schwer greifbar, aber es würde dem "Beobachter" wahrscheinlich nahe kommen. Beobachter, aber neutral und ohne Einfluß und Verantwortung.
Noch eine Frage - wenn es keinen Controller gibt, gibt es vielleicht einen Wahrnehmer, einen Beobachter?
Ja, so sehe ich es im Moment. Wie oben geschrieben. Vielleicht ist das Ich die Summe aller jemals gemachten Erfahrungen. Dann hätte das Ich-Gefühl einen Zweck in der Evolution: nämlich Eigentümer der Erfahrungen zu sein und den Erfahrungsschatz zu vermehren..