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Re: Zugang zum Forum +Begleitung erwünscht.

Posted: Tue Jun 24, 2014 4:04 am
by Reinerle
Ja, liebe Ingen, in Wahrheit weiß ich garnichts. Und was mich selbst betrifft, halte ich mich an Dietrich Bonnhöfer, der kurz vor seiner Hinrichtung gesagt hat: All I know, God I belong to you.
Ja, verzeihen ist nicht notwendig, wenn das alles nur Gedanken sind. Danke, daß Du mir das Philosophieren nimmst + mir die Neugier läßt. Nein, ich bin auch nicht der Denker der Gedanken. Und das Wort bedenklich ist passend + komisch zugleich. Mir bleibt nur das Staunen + Beten: Nicht Ich, dein Wille geschehe. Please let love carry me home.
LG, Reiner

Re: Zugang zum Forum +Begleitung erwünscht.

Posted: Tue Jun 24, 2014 10:49 am
by Ingen
Mir bleibt nur das Staunen + Beten: Nicht Ich, dein Wille geschehe.
Wir haben noch gar nicht über den Willen gesprochen.

Kannst du mir Beispiele aus deinem täglichen Leben geben, in denen DEIN Wille geschieht?
Und wie beeinflußt du diesen Willen?


Please let love carry me home.
Ist da jemand, den die Liebe irgendwo hintragen kann?
Ist home woanders als hier und jetzt?

Re: Zugang zum Forum +Begleitung erwünscht.

Posted: Wed Jun 25, 2014 8:00 am
by Reinerle
Liebe Ingen, 1. zu Wille + Handeln: Hier wird aus Einsicht der persönliche Wille als Ego-Bestätigung zurückgelassen + durch den göttlichen Willen ersetzt. MIt dem Gebet "Dein Wille geschehe" ist also nicht mein Ich-Wille gemeint, der sich durchsetzen möchte, sondern die Haltung der Hingabe ist mir wichtig. Wie Jesus am Kreuz, der in seinen letzten Worten allen Widerstand + sein Getrenntsein hergibt + die höchste Instanz bittet, was immer auch geschehen soll, laß oder tu es. Ich bin damit einverstanden. Handlung wird hier also als selbstloses, gottgefälliges Handeln gesehen, das kein Ich handle enthält. Absender + Empfänger werden eins. Gott handelt für Gott, der im Gegenüber anerkannt + verehrt wird. In diesem Sinne passiert Handeln auch im Alltag idealerweise ohne eigenen Willen + persönliches Kalkül, sondern situationsgerecht aus reiner Notwendigkeit. D.h. die Bedinungen des Augenblicks verden lediglich reflektiert + angstfrei beantwortet, im Vertrauen darauf, daß das Ergebnis schon hilfreich + heilsam sein wird. Die eigene Erfahrung bestätigt das.

2. zu "Please let love carry me home": Da ist niemand, den die Liebe irgendwo hintragen kann. Da ist nur ein offenes, oft verletztes + verletzliches Herz das sich nach Trost + Erfüllung sehnt + dankbar ist, wenn der Augenblick diese Sehnsucht erfüllt. Das ist nicht ortsabhängig, sondern ist eher abhängig von der eigenen körperlichen + geistigen Verfassung, vom Gewahrsein, ob das System momentan empfänglich + liebesfähig oder abgelenkt ist. Die universelle Liebe ist inzwischen einfach erfahrbar, schon wenn er mit sich selbst in Frieden ist kann er ihre Beglückung erfahren. Die persönliche Liebe ist dagegen viel problematischer, weil sie vom anderen abhängt. Ob eine gegenseitige Ressonanz besteht oder die Sehnsucht nur einseitig ist, von Hoffnung beflügelt, von Erwartungen geplagt + Enttäuschungen gebeutelt + so keine Erfüllung findet.

Hier soll auch erwähnt sein, daß es Mühe kostete, auf die Liebesthematik einzugehen, weil er nach seinem Motorradunfall plötzlich noch seine Frau verlor + kürzlich dazu auch eine neue Liebe die ihm nicht helfen konnte + ihn einfach fallen ließ. Seine persönliche Liebe ist folglich von tiefer Trauer gezeichnet. Jetzt fragt er sich, inwiefern sind dabei noch Verhaftungen an ein persönliches Ich im Spiel? Oder ist Trauer + Liebeskummer nur natürlicher Ausdruck des gestreßten Systems, einfach Herzschmerz der zugelassen + lediglich beobachtet sein will bis sich das Leid von alleine auflöst. Mir scheint, die Trauer + den Liebeskummer zu übergehen wäre meiner Wesensnatur gegenüber oberflächlich + rücksichtslos. Das sagt mir das Nicht-Ich.

LG, Reiner

Re: Zugang zum Forum +Begleitung erwünscht.

Posted: Wed Jun 25, 2014 8:52 am
by Reinerle
Noch zu Handeln + Wille: Es ist nicht so, daß ich Gott demütig anrufen muß um möglichst unverfänglich zu handeln. Jetzt im Bewußtsein aus Liebe + mit aller verfügbaren Intelligenz zu handeln, reicht schon aus.

Re: Zugang zum Forum +Begleitung erwünscht.

Posted: Wed Jun 25, 2014 10:43 pm
by Ingen
Lieber Reiner,ich kann verstehen, dass dies eine schwere Zeit für dich ist.


Oder ist Trauer + Liebeskummer nur natürlicher Ausdruck des gestreßten Systems, einfach Herzschmerz der zugelassen + lediglich beobachtet sein will bis sich das Leid von alleine auflöst.
Ja. Einfach angucken. Und schau' dir an, wie sich durch den Widerstand die Ich-Bewegung bildet. (Der Strudel im Wasser). Versuche nicht, die Trauer aufzulösen! Gib ihr Raum, um sie anschauen und "schmecken" zu können.

Deine Ausführungen über den Willen verstehe ich leider nicht ganz. Kannst du so formulieren, dass ein Fünfjähriger es verstehen würde?

Nochmal die Frage:

Kannst du mir Beispiele aus deinem täglichen Leben geben, in denen DEIN Wille geschieht?

Und ich meine damit, ganz konkret: Beschließt du, an den Kühlschrank zu gehen, und bewegst deinen Körper dann dahin?

Re: Zugang zum Forum +Begleitung erwünscht.

Posted: Fri Jun 27, 2014 7:14 pm
by Reinerle
Liebe Ingen, Du fragst: "Kannst du mir Beispiele aus deinem täglichen Leben geben, in denen DEIN Wille geschieht?
Und ich meine damit, ganz konkret: Beschließt du, an den Kühlschrank zu gehen, und bewegst deinen Körper dann dahin?"

Vorweg will ich sagen, daß mein Wille als eigene Instanz + frei vom Bewußtsein nicht zu finden ist. Er ist stets abhängig von Situationen, Bedingungen + Bedürfnissen von praktischer, emotionaler oder sinnlich-ästhetischer Natur. Er reagiert auf Defizite + dient einem Zweck. Praktisch reflektiert mein Wille die Einsicht in die Notwendigkeit, daß gehandelt werden muß, um Wünsche + Vorstellungen zu verwirklichen + Nachteile durch Nichthandeln zu vermeiden. Die willentliche Absicht kann die Stabilisierung des eigenen Systems sein, ein besseres Verhältnis zum eigenen Körper + zur Welt zu schaffen oder einfach die Befriedigung der Sinne zuzulassen. Hauptrollen spielen bei mir eine gewisse Genußsucht, der Freiheitssinn, die Wahrheitssuche, der Wunsch nach Leidensbefreiung + das Streben nach Liebe + Glücklichsein.

Beispiele aus meinem Leben in denen meine Wille geschieht sind, wenn ich mich um das Wohl von Geist + Körper kümmere, also esse wenn er hungrig ist, trinke wenn er durstig ist + ihm Ruhe gönne, wenn er sich erholen muß, ihm möglichst alles gebe was ihm gut tut + vermeide was ihm schadet. Die jeweilige Absicht ist dabei dominant + die entsprechende Handlungen passieren dann oft automatisch, wie z.B. wenn ich an den Kühlschrank gehe spielt der Körper einfach mit. Das ist auch der Fall wenn ich die Straße überquere, Fahrrad oder Auto fahre, am Computer arbeite, mir etwas koche, den Körper am Heimruderer trainiere oder meditiere, ein Bild male, eine Melodie spiele, anderen helfen will, selbst Unterstützung suche, ob ich im Garten arbeite, die Wohnung aufräume, an der Tür nachschaue wer da geklingelt hat, mir Geld ausleihe, wenn ich keins mehr habe, oder meine Notdurft verrichten muß. Notwendigkeiten lassen mir manchmal keine Entscheidungswahl, wobei mir an sich die Freiwilligkeit heilig ist.

Genau hingeschaut steuert mein Wille im Zusammenspiel mit beobachtendere Achtsamkeit auch alle Routine. Z.B beim Zähneputzen bestimmt er die Choreographie der Handlung. Wann es Zeit ist, die Zähne zu putzen, die Bewegung der Zahnbürste von links nach rechts, den Wechsel von oben nach unten, von hinten nach vorne, genauso wie lange geputzt + gegurgelt + wann der Mundraum ausgespült wird. Wille + Achtsamkeit entscheiden auch ob der Vorgang bewußt beachtet wird oder eher unbewußt + automatisch passiert.

Als ich meinem LU-Freund Joram gegenüber erwähnte, daß deine einfachen Fragen für mich am schwersten zu beantworten sind, meinte er, Ich liefe noch vor etwas weg, nämlich vor der unmittelbaren Erfahrung + flüchtete lieber ins Philosophieren. Dazu fiel mir nur ein, bestimmt bin ich noch nicht so weit, mit dem Rauchen ganz aufzuhören. Ich genieße es immer noch + scheine es auch noch zu brauchen, gerade wenn ich mit mir alleine bin.
Am Anfang des Verlangens stehen bei mir sentimentale Erinnerungen an geliebte Frauen, die mich zum Rauchen verführten. Insofern verbinde ich noch mit dem Rauchen das Angenommensein + Liebessehnsucht, konkret das Saugen an der Mutterbrust. Entsprechend löst der Gedanke an die Entwöhnung ein Gefühl von Getrenntsein, Verlassensein + Versagensangst aus, vor allem aber Angst vor der Langeweile, den Verlust an Orientierung + verweist auf noch gelegentliche Schwierigkeiten im Umgang mit der Leere. Mir fehlen manchmal einfach noch Geduld + Selbstdisziplin...Alles faszinierende Gedanken, aber vielleicht halt auch nur Gedanken, die keiner glauben muß.
LG, Reiner

Re: Zugang zum Forum +Begleitung erwünscht.

Posted: Fri Jun 27, 2014 7:53 pm
by Ingen
Lieber Reiner.

Damit das Ganze nicht zu unübersichtlich wird, und um den Fokus auf direkte Erfahrung beizubehalten, konzentriere ich mich auf einen Satz.
Beispiele aus meinem Leben in denen meine Wille geschieht sind, wenn ich mich um das Wohl von Geist + Körper kümmere, also esse wenn er hungrig ist, trinke wenn er durstig ist + ihm Ruhe gönne, wenn er sich erholen muß,
Was ist das für ein Ich, das dem Körper Ruhe gönnt, wenn er sich erholen muss? Woraus besteht es?

Wer oder was ißt, wenn der Körper hungrig ist? Und wer oder was bestimmt, was gut ist für den Körper? (Kartoffelchips, Karotten, Rauchen...)

Ich möchte dich bitten WIRKLICH hinzuschauen. Nicht Nachdenken und im sogenannten Unterbewußtsein zu wühlen. Was ist es, das die Zahnbürste bewegt?

Re: Zugang zum Forum +Begleitung erwünscht.

Posted: Sun Jun 29, 2014 9:19 am
by Reinerle
Liebe Ingen,

1. zu "Was ist das für ein Ich?": Da ist keine Person + kein erkennbares Ich, nur der Impuls, daß es Zeit ist, sich auszuruhen + sich zu erholen. Der Auslöser ist dabei das unangenehme Gefühl des körperlichen Erschöpftseins + die Befürchtung bald alle Kraft, die geistige Klarheit + Übersicht zu verlieren.

2. zu "Wer oder was ißt da?": Ich weiß es wirklich nicht. Es geschieht impulsiv. Die Person ist daran nicht beteiligt. Da ist nur ein Verlangen, das im Bewußtsein auftaucht, daß ein körperlich spürbares Defizit jetzt gestillt werden will. Weil der Geschmacksinn unterscheiden kann zwischen angenehm + unangenehm, wird entsprechend ausgwählt + bei der Entscheidung, was gegessen wird, hilft Erfahrungswissen.

Auch das Rauchen passiert impulsiv, ohne erkennbare Absicht, damit dem Körper zu nützen oder zu schaden. Lediglich ein Verlangen wird gestillt. Das kann gesehen werden, wie auch der Entschluß, jetzt mit dem Rauchen aufzuhören + die gleichzeitige Neugier, ob der Wunsch wirklich in Erfüllung geht.

3. zu "Was ist es, das die Zahnbürste bewegt?": HandlungsImpulse die im Bewußtsein auftauchen + in der Bewegung von momentanen Präferenzen reguliert werden. Daran ist keine Ich-Idee beteiligt. Auch ist keine Strategie erkennbar. Der Vorgang wird lediglich beobachtet, wie beim Atmen das Heben + Senken von Brust + Bauch beobachtet werde kann, oder daß der Juckreiz verschwindet, wenn die richtige Stelle gekratzt wird. LG, Reiner

Re: Zugang zum Forum +Begleitung erwünscht.

Posted: Sun Jun 29, 2014 6:44 pm
by Ingen
Da ist nur ein Verlangen, das im Bewußtsein auftaucht, daß ein körperlich spürbares Defizit jetzt gestillt werden will.
JA! Verlangen - und Handlungsimpulse, Sinneseindrücke, Gedanken – tauchen im Bewußtsein auf. Kein Ich zu finden.

Somit kann es auch keine Trennung geben zwischen "dir" und den obigen Erscheinungen, oder?

Re: Zugang zum Forum +Begleitung erwünscht.

Posted: Mon Jun 30, 2014 7:53 am
by Reinerle
Nein, liebe Ingen, zwischen 'mir' als offener, bewußter Raum der Wahrnehmung + den Erscheinungen, die darin auftauchen kann es keine Trennung geben. Doch aber, liebe Ingen, wenn das 'mir' als Person gedeutet wird, die sich mit einem eingebildeten Zentrum allen Geschehens als 'ich' identifiziert', das aber niergendwo zu finden ist. Dann muß unterschieden, getrennt + zurlückgelassen werden was als unbrauchtbare Illusion durchschaut ist. LG, Reiner

Re: Zugang zum Forum +Begleitung erwünscht.

Posted: Mon Jun 30, 2014 10:01 am
by Ingen
1)
zwischen 'mir' als offener, bewußter Raum der Wahrnehmung + den Erscheinungen, die darin auftauchen kann es keine Trennung geben
2)
wenn das 'mir' als Person gedeutet wird, die sich mit einem eingebildeten Zentrum allen Geschehens als 'ich' identifiziert', das aber niergendwo zu finden ist.
Welche der beiden Positionen ist wahr in direkter Erfahrung?
Gibt es einen Zustand, in dem Position 1) nicht wahr ist?
Dann muß unterschieden, getrennt + zurlückgelassen werden was als unbrauchtbare Illusion durchschaut ist
Was, wenn dies eine Zeitlang nicht geschieht (weil die "Geschichte" gerade so spannend ist)? Gibt es dann eine Trennung zwischen einem "dir" und einer "Welt da draußen" in direkter Erfahrung?

Re: Zugang zum Forum +Begleitung erwünscht.

Posted: Mon Jun 30, 2014 1:52 pm
by Reinerle
Liebe Ingen, nur die erste Position ist direkt wahrhaftig erfahrbar + kann nur absolut immer + aussnahmslos so sein. Die zweite Position ist die konventionelle Sicht, eine gängige Selbsttäuschung, die nachweislich nicht wahr sein kann. Ein erkannte Illusion bleibt umumkehrbar eine erkannte Illusion, egal wie spannend die Geschichte drumrum auch sein mag. Wenn der Traum vom Weihnachtsmann geplatzt ist, läßt sich die neue Realitätserkennnis nicht wieder umkehren. LG, Reiner

Re: Zugang zum Forum +Begleitung erwünscht.

Posted: Mon Jun 30, 2014 2:44 pm
by Ingen
Lieber Reiner,
du hörst dich so klar an, dass ich gar nicht weiß, wass ich noch fragen soll :)
nur die erste Position ist direkt wahrhaftig erfahrbar + kann nur absolut immer + aussnahmslos so sein. Die zweite Position ist die konventionelle Sicht, eine gängige Selbsttäuschung, die nachweislich nicht wahr sein kann.
Genau. Auch wenn alle möglichen Gedanken auftauchen wie "ich (!) hab's wieder vermasselt, verloren, verkannt", oder: "Ach, was wird mir(!) die Zukunft bringen" (gefolgt von: "wenn so ein Gedanke auftaucht, hab ich(!) es wieder vermasselt...").
Gedanken, Gedanken - und keiner, der die Gedanken denkt. (sonst würde er ja wahrscheinlich andere Gedanken denken). Sie strudeln vor sich hin, und der Wunsch, sie loszuwerden, ist einfach ein weiterer Gedanke.

Position 1) kann jederzeit gesehen werden. Position 2) erfordert Gedanken.


Ich wollte dich eigentlich nur fragen, ob du dich bereit fühlst für die sogenannten "Abschlussfragen", die wir lieber "Klärungsfragen" nennen sollten. Da ich aber jetzt ein paar Tage weg bin, bekommst du die Fragen ungefragt. Würdest du sie bitte ausführlich beantworten. Wenn Fragen auftauchen, zögere bitte nicht, zu fragen!

Hier sind sie:

1) Gibt es irgendwo oder in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?

2) Erkläre detailliert was die Ich-Illusion ist, wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur Deine eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie Du es jetzt gerade erlebst.

3) Wie fühlt es sich an die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Berichte aus den letzten paar Tagen.

4) Was hat Dir den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?

5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wodurch entstehen sie? Wie funktionieren sie? Für was davon bist Du verantwortlich? Gib ein paar Beispiele aus Deiner direkten Erfahrung.

6) Möchtest Du noch etwas ergänzen?

Re: Zugang zum Forum +Begleitung erwünscht.

Posted: Sun Jul 06, 2014 4:31 pm
by Ingen
Hallo Reiner,
bist du noch da? Hast du die Fragen angeguckt?
Ich bin auf jeden Fall wieder am Computer.
Liebe Grüße!

Re: Zugang zum Forum +Begleitung erwünscht.

Posted: Wed Jul 09, 2014 12:06 pm
by Reinerle
Liebe Ingen, der Versuch die Abschlußfragen anzupacken begann mit Herzklopfen. Dabei sollte über diesem Kapitel nicht "Mein Kampf" sofern "Kein Kampf" stehen, weil jetzt endlich verstanden wird, daß richtig + falsch von alleine passiert + klares Erkennen ohne ein Ich mühelos ist + nur beobachtet werden will + der Kampf auf den ich mich woher einließ nur meine Identifikation mit mir als Person war, die sich beweisen mußte, um ihre Existenzberechtigung zu finden. Als spätes Kriegskind + frühes Nachkriegskind war das meine Konditionierung. Das zu durchschauen + loszulassen war mühsam + zeitraubend.

Zu 1) Gibt es irgendwo oder in irgendeiner Art ein eigenständiges "Ich", "mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?

Also, ein Ich als lebendige Lebensmitte + eigenmächtige, selbstgesteuerte + lokalisierbare Institution gibt es nicht + kann es es auch noch nie gegeben haben, nur als gedanklich-sprachlichen Bezugspunkt + willentliche Einmischung in die Wahrnehmung, die dem Verstand helfen soll, das grenzenlose, chaotische Geschehen der Sinneseindrücke zu ordnen. Quasi als abstrakte Kommunikationshilfe, um eigene Erfahrungen + Interessen von anderen zu unterscheiden, die eigene Wichtigkeit im Geschehen auszudrücken + zu beanspruchen, was davon mit gehört. Es ist lediglich eine intellektuelle Fähigkeit der menschlichen Natur die nach der Geburt mit dem Dasein auftaucht + vom Bewusstsein reflektiert wird + der Selbstbestätigung dient. Mehr + mehr wird aber gesehen, daß es hier nur Bewusstsein gibt, das diesen Körper animiert.

Zu 2) Was ist eine Ich-Illusion, wie entsteht + wie funktioniert sie unmittelbar in der eigenen Erfahrung, gerade jetzt?

Wenn fälschlicherweise angenommen wird, daß das was wahrgenommen + erfahren wird mir + für mich passiert, als ob das Geschehen von den Sinnen in Besitz genommen werden könnte. Gerade läuft vor mir eine schwarze Katze über den Hof, als freier + eigener Ausdruck des Lebens, ohne Absicht meine Sinne zu beeindrucken + ohne Selbstbeteiligung meinerseits. Möge sie mir Glück bringen sagt mir die Erinnerung dazu.

Die Ich-Illusion ist eine Selbsttäuschung als Ego-Konstrukt, das selbstgefällig beansprucht, in irgendeiner Form eigenmächtig am Wunder des Lebens beteiligt zu sein über die Erfahrung der eigenen Lebendigkeit hinaus. Sie dient der Interessens-Abgrenzung + unterstüzt so die Idee des Getrenntseins vom Ganzen, was die Selbstisolierug aufrecht erhält + nur Leiden verursacht. Nur bei oberflächlicher Betrachtung kann dieser Eindruck entstehen. Die unpersönliche, universelle Sicht der Erscheinungen entlarvt aber die Ich-Illusion als wirklichkeitsfremd, als eine Fatamorgana die einem die Sicht versperrt + das Erkennen verhindert, selbst die Essenz des ganzen Geschehen zu sein. Dabei kann noch beobachtet werden, daß ein "Ich" nicht zu finden ist, als Beschreibung der Ich-Illusion ja nicht ausschließt, daß es vielleicht später noch gefunden werden kann. Mir fiel auf, nicht das intellektuelle Verstehen, sondern erst das lebendige Wissen, daß es kein Ich gibt, erleichtert den Geist spürbar.

Zu 3) Wie fühlt es sich an die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Berichte aus den letzten paar Tagen.

Das Gemüt ist erleichtert + die Wahrnehmung ist heller, klarer + friedlicher. Neue Zuversicht taucht auf, als wäre die abverlangte Disziplin heilsam fürs Selbstvertrauen gewesen. Eine neue Gelassenheit zeigt sich + scheint sich durchzusetzen. Dazu taucht Dankbarkeit auf. Die erste Befürchtung, die Prüfungssituation nicht zu bestehen, dafür einfach nicht gut genug zu sein + womöglich zu versagen, legt sich zusehend. Im nahen Park, wo ich gerne Zuflucht in der Natur finde, fällt mir auf, daß sich das Einssein mit der Natur als energetisch wahrnehmbare lebendige Präsenz leichter einstellt. Auch Begegnungen mit anderen Menschen passieren unbekümmerter + leichtherziger. Auch ein spürbares Wohlwollen gegenüber meinen Mitmenschen fällt mir auf. Was noch bleibt ist der Wunsch + die Hoffnung, daß das gute Gefühl anhalten möge + möglichst nicht gleich wieder verpufft. Diese Sorge kommt + geht. Daß sie womöglich im Hintergrund noch leise lauert wird halt beobachtet + klar gesehen, wie auch, daß es mir lieber wäre, davon ein für allemal frei zu sein. Vielleicht braucht es einfach noch etwas Zeit bis sich diese Gewissheit etabliert.

Zu 4) Was hat Dir den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?

Vielleicht weniger eine einzelne Einsicht als die ganze systematische Befragung haben mir geholfen neues Vertrauen zu fassen, daß nicht die Person sondern die Quelle des Lebens meine Heimat ist. Besonders deiner scharfen Beobachtung, liebe Ingen , ist das zu verdanken. Das mir entgegengebrachte Vertrauen + das Gefühl des Angenommenseins, sowie Dein Mitgefühl + Deine vorbehaltlose Unterstützung für die Neugier haben mich motiviert. Dazu gehört auch die Erfahrung von wohlwollender Aufrichtigkeit + die Einsicht, aus heiterem Himmel tatsächlich selbstlose Entwicklungshilfe zu erhalten, das bestärkte mein Vertrauen in den Prozess. Wie gesagt, vielleicht war auch entscheidend, den kleinen Unterschied zu sehen, zwischen das "Ich" ist nicht auffindbar + das "Ich" gibt es nicht, was ausschließt, daß es vielleicht irgendwann später noch gefunden werden kann. All das kann den befreienden Shift erklären, der jetzt erfahren wird.

Zu 5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wodurch entstehen sie? Wie funktionieren sie? Für was davon bist Du verantwortlich? Gib ein paar Beispiele aus Deiner direkten Erfahrung.

Entscheidungen werden getroffen, als Ausdruck des Lebens-und Gestaltungswillens des Individuums, um eigene Bedürfnisse zu befriedigen, was auch das Mitmenschliche + das Verhältnis zur Welt umfaßt. Weil innere + äußere Lebensbedingungen einem ständigen Wechsel unterworfen sind, will sie der Mensch begünstigen, stabilisieren + vermeiden, daß sie sich verschlechtern. Entscheidungen folgen immer einer Absicht, bewußt oder unbewusst. Konstruktive Absichten sind hilfreich + heilsam für einen selbst + andere, auch um das gesellschaftliche Zusammenspiel + unsere Lebensbedingungen zu schützen + zu verbessern , weil der Einzelne den Anderen zum Überleben braucht.

Meistens werden Entscheidungen ohne langes Grübeln intuitiv + spontan getroffen. Dabei spielt das Bauchgefühl meistens die Hauptrolle, also eine emotionale Stimmungslage + abgespeichertes Vorwissen. Bei kniffligen Entscheidungen wird vorher recherchiert, analysiert + Vorteile gegen Nachteile sorgfältig abgewogen. Wenn's kritisch wird, werden auch gern höhere Mächte um Beisstand gebeten. In reinster Ausprägung wird die eigene Position geopfert, um in der Entscheidung vor allem gottgefällig zu sein. Hier stellt sich die Frage, inwieweit Entscheidungen wirklich "magisch" passieren, also am rationalen Verstand vorbei + ohne Beteiligung eines Ego-Ichs, also im blinden Vertrauen, daß letztendlich eine universeller Intelligenz für mich immer das Beste will. Jedenfalls erleichtert + beruhigt diese Sicht den Geist spürbar.

Entscheidungen, die keine Vorbereitung brauchen sind mir die liebsten, wenn sie spontan passieren + keine Vor-und Nachteile bewertet werden müssen. Also wenn mich das Leben selbst dazu drängt jetzt etwas zu lassen oder zu tun, wenn dem Handlungsimpuls zweifelsfrei vertraut werden kann + passieren darf, was auch immer gerade passieren will. Dabei bin "Ich" entlastet + nur als der Zuschauer am Geschehens beteiligt. Mir gefällt die Einsicht sehr, daß wir unser Leben nicht selbst gestalten, sondern von universeller Energie gelebt werden. Das entlastet das eigene Entscheidungssystem + löst Versagensängste auf. Allerdings fehlt dem unerleuchteten Geist noch der lebendige Beweis für diese tröstlichen Sicht, was ihm nicht hilft, das Wünschen, Hoffen + Glauben einfach loszulassen.

Destruktive + feindselige Absichten sind dem eigenen Wohl + dem Gemeinwohl abträglich, erzeugen soziales Getrenntsein + gefährden letztendlich die eigene + kollektive Existenz. Dazu gehören auch selbstgefällige + selbstgerechte Motive, die nur Trennung bewirken, wodurch die innere + äußere Harmonie verloren geht, wie auch die Aussicht, Geborgenheit im Einssein mit der Quelle des Lebens zu finden.

Bei Entscheidungen kann die Wahl auch Qual sein. Sie ist mühelos , wenn alle Entscheidungsbedingungen auf der Hand liegen + sofort Überblick über die Vor- und Nachteile der Alternativen besteht. Als Beteiligter kann ich entweder fremde Interessen vertreten oder nur meinem ethischen Gewissen gegenüber verantwortlich sein. Weil Entscheidungen nicht immer zu den beabsichtigten Ergebnissen führen, kann ich nur für mein redliches Bemühen verantwortlich sein, nach bestem Wissen + Gewissen zu handeln für ein bestmögliches Ergebnis.

Der Wille ist frei, wenn freiwillig abgewogen + entschieden wird, ohne Ansprüche, Vorgaben + Vorschriften anderer, nur der eigenen Erkenntnis + Wahl verpflichtet + mit der Bereitschaft alle Konsequenzen dafür zu tragen. Ursache + Wirkung bestimmen die Wahl der richtigen Entscheidung. Dementsprechend müssen die Bedingungen stimmen, um eine gewünschte Wirkung zu erreichen. Z.B. Wenn ich meinen Garten nicht naturgerecht bestelle, kann ich nicht erwarten, daß er mir eine reiche + gesunde Ernte beschert. Oder, wenn ich mich nicht um meine Kinder kümmere + ihnen nicht mit aller Kraft in ihrer Entwicklung helfe, darf ich nicht erwarten, daß sie mir vertrauen + all ihre möglichen Fähigkeiten entwickeln, die ihnen bei der Gestaltung ihres Lebens nützlich sind. Oder wenn ich meine Mitmenschen nicht respektiere + nicht bereit bin ihnen in der Not beizustehen + ihnen gerne helfe, kann ich keine positive Resonanz erwarten + mir auch helfen , wenn ich selbst Hilfe brauche. Oder, wenn ich nicht die Disziplin aufbringe, meinen Körper bestmöglich zu versorgen, kann ich nicht erwarten, daß er gesund bleibt + mein Geist weiterhin gut funktioniert, weil er vom Wohlergehen des Körpers abhängt.

Bei technischen Vorgängen können Kontrollen hochwirksam sein + finden ihre Perfektion in der wissenschaftlichen Versuchsanordnung, wobei unter meßbar unveränderten Bedingungen die gleichen Ergebnisse immer wieder erreichbar sind. Absicht + Ergebnis weichen dann nicht von einander ab. Wenn aber bei Entscheidungen menschliches Verhalten eine wesentlich Rolle spielt, hört die absolute Kontrolle auf. Absicht + Ergebnis einer Entscheidung stimmen dann nicht mehr zuverlässig überein, weil sich die Lebensbedingungen + die Verfassung der Menschen ständig ändern, sind nur noch Annäherungen vorhersehbar. Trotz allen guten Willens sind Menschen von Natur aus gedanken- und gefühlsabhängig + schon dadurch fehlerhaft. Das trifft auf den einzelnen Menschen zu + potenziert sich im Zusammenspiel mit mehreren. Freiwillig kann man im menschlichen Zusammenspiel um Kontrolle nur bemüht sein, mehr auch nicht. Der Kontrollaufwand ist variabel + kann gesteigert werden bis zum wirtschaftlichen Ruin eines Projekts. Die Freiwilligkeit kann auch geopfert + durch Kontrollzwang ersetzt werden, was aber nicht notwendigerweise zu besseren Ergebnissen führt. Das Bedürfnis eines Mensch den anderen zu kontrollieren ist weit verbreitet, kann sogar manische + tragische Züge haben + unendlich leidvoll sein. Der Hang zu Kontrolle ist zumeist biographisch begründet + reflektiert ursächlich die erlebte existentielle Unsicherheit des Lebens an sich.

Ein Beispiel aus dem Leben: Mein Lieblingsgericht schmeckt heute etwas anders als gestern, obwohl es nach dem selben Rezept zubereitet wurde. Die Qualität der Zutaten ist aber nicht immer gleich. Vielleicht war auch die Köchen heute nicht ganz ausgeschlafen, fühlte sich etwas unpässlich + war also nicht mit allen Sinnen dabei. Oder es liegt an mir, mein Herz, meine Nase, Zunge + der Gaumen empfinden heute etwas genauer, ob die Liebe der Köchin mit kochte oder gerade abwesend war. Wir wissen ja, die Liebe ist unkontrollierbar.

Zu 6) Möchtest Du noch etwas ergänzen?

Gott + Joram sei Dank, daß er an mich dachte + mir vorschlug den LU-Dialog zu testen. Ilonas + Elenas "Gateless Gatecrashers" haben mich darin sehr bestärkt.

Ich bin froh, wenn die erlebte Prüfungssituation bald zu Ende kommt, weil der Prozess auf den ich mich gerne einließ teilweise auch sehr erschöpfend war. Anfangs war es nur eine willkommene Chance, mich wieder mal auszuprobieren. Nach + nach zeigte aber mein körperliches Handicap Wirkung + es wurde zeitweise beschwerlich den Geist zu sammeln. Das schwül-heiße Wetter trug auch dazu bei, daß ab + zu der Abstand verloren ging + damit die befreiende Wirkung der Selbstbefragung. Doch erfreulicherweise stellt sich die Erleichterung gleich wieder ein wenn ich mir Pausen gönne. LG, Reiner