Direct Pointing

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Martinma
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Re: Direct Pointing

Postby Martinma » Thu May 09, 2013 8:42 pm

Liebe Renate,

danke für die Zeit und die Fragen. Nach dem schönen Ausflug waren einige Widerstände da, mich damit zu beschäftigen.
Wer ist es der sagt es gibt kein Ich? Beschreibe ihn mir..
Diese Frage hat mich überrascht. Die erste Antwort war: Ich bin es, der sagt, es gibt kein Ich.
Bzw. der Verstand. Aber da ist auch einfach Wissen, Nichts das sagt, es gibt nichts.
Gehe in die Natur, lege wenn möglich deine Gedanken zur Seite.
Laufen findet statt, atmen, schauen. Wann erscheint ein ICH
Bitte ausführlich beschreiben :-)
Hab leider in den letzten Tagen nicht allzu viel Gelegenheit dazu gehabt.
Aber dennoch hier meine Beobachtungen:
Zuerst ist da Widerstand und Unruhe. Ich sollte besser etwas anderes tun. Dann gehe ich doch los.
Zuerst war da einfach nur gehen, atmen, hören mit einigen Bewertungen (Vogelgezwitscher-angenehm, Eisenbahn - eher laut), wahrnehmen von Frische um die Ohren (es könnte wärmer sein),
Dann kam kurz Unruhe. Der Gedanke: „Ich sollte doch denken oder arbeiten.“ Dann wieder kurz kein Ich. Wenn kein Ich da war, fühlte sich alles sehr leicht an. Irgendwie mittendrin. Auch der Körper fühlte sich leicht an.
Nach einigen Minuten stellten sich Gedanken ein. Ich sah eine Mauer, die repariert werden sollte, darüber kam ich auf die Sitzung nächste Woche und auf andere Gedanken.
Dann sah ich ein Haus, dessen Familie großes Leid widerfahren ist. Trauer überkam mich. Ein kurzer Augenblick der Präsenz. Dann wieder Fragen, die im Kopf auftauchten:
„Was werde ich morgen unternehmen/arbeiten?“
Darüber vergaß ich, mit welchem Ziel ich den Spaziergang unternommen habe.

Heute war ich wieder in der Natur. Es gelang mir jeweils nur kurz meine Gedanken zur Seite zu legen.
Ich hielt mich immer wieder dazu an: Atmen findet statt, hören findet statt. Kurze Gedankenpausen traten ein, aber nicht mehr das Gefühl von Leichtigkeit vom Tag zuvor. Eigentlich waren es mühsame Konzentrationsversuche. Dann befinde ich mich wieder im Hamsterrad und denke einige Zeit gar nicht an meine Aufgabe. Wohl aber gehen mir alle möglichen Gedanken durch den Kopf. Manche dachte ich gar nicht fertig, schon war der Nächste da. Manche entfielen mir sogleich. Da erscheint dann auch ein Ich bzw. komme ich in den Gedanken vor. Manchmal ist aber auch nur Denken ohne ein Ich. Grundsätzlich unterschied sich der heutige Tag in der Natur aber nicht von Tagen vor z.B. 2 Jahren.
Oder drückt sich in diesem Satz eine Erwartungshaltung aus? Es sollte doch besser sein.
Glauben sollst du mir nicht, direkte Erfahrung, erleben, dass ein Gedanke nach dem Andern erscheint.
Was kickt dich aus diesem Wissen immer wieder raus? Beschreibe es bitte ausführlich.
Gedanken kicken mich hautsächlich raus. Aber ich erlebe auch, dass ein Gedanke nach dem anderen erscheint, z.B. heute beim Wandern.
Oft kickt mich das Bedürfnis nach Ablenkung raus. Nur nicht damit (Liberation unleashed) und mit mir beschäftigen. Dieser Widerstand führt meist zu großer Unruhe. Einen Film schauen, arbeiten, spielen am PC, Schokolade essen etc. alles besser als still sein.
Dann wieder freue ich mich richtig darauf und warte schon auf deine Fragen.
Beim Schreiben merke ich, dass vieles von mir bewertet wird. Unruhe, Widerstand, Schokolade essen führen zur Ich-Identifikation. Dabei ist da nur Widerstand, Unruhe, Schokolade essen.
Wenn es kein ICH gibt, wie kann es dann ein DU geben?
Gibt es ein DU?
Schaue dich um. Wenn es bei dir kein ICH gibt ist es bei den andern Menschen genau so.
Sie sind sich dessen noch nicht bewusst.

Noch erlebe ich deutlich du´s. Vielleicht für ganz kurze Momente steigt da manchmal so etwas wie eine Ahnung auf, doch meist bin ich sehr schnell wieder in meiner Ich-Identifikation.
Es klingt so, dass bei dir Erwartungen sind, wie es zu sein hat. Es sind wiederum Gedanken!
Oder? Was meinst du?
Wenn das Karussell bemerkt wird erscheint Ruhe, Gelassenheit und lächelnder Mund.
So geht es mir mittlerweile auch öfter. Das Karussell wird bemerkt und Ruhe und Lächeln tritt ein.
Es stimmt, bei mir sind noch viele Erwartungen, wie es zu sein hat.

Liebe Grüße
Martin

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Re: Direct Pointing

Postby Renate » Sat May 11, 2013 5:45 pm

>Wer ist es der sagt es gibt kein Ich? Beschreibe ihn mir..
Diese Frage hat mich überrascht. Die erste Antwort war: Ich bin es, der sagt, es gibt kein Ich.
Bzw. der Verstand. Aber da ist auch einfach Wissen, Nichts das sagt, es gibt nichts.
Also der Verstand sagt es gibt kein Ich. Der Verstand hat gelesen und gehört
es gibt kein ich.
Das was du "Wissen" nennst, ist es das was der Verstand erzählt?
Beschreibe genauer was du mit "Wissen" meinst.

"Nichts das sagt, es gibt nichts."
Etwas provokant gesagt, es liest sich wie abgeschrieben.
Bitte beschreibe es genauer :-)
Nur nicht damit (Liberation unleashed) und mit mir beschäftigen. Dieser Widerstand führt meist zu großer Unruhe. Einen Film schauen, arbeiten, spielen am PC, Schokolade essen etc. alles besser als still sein.
"Alles besser als still sein", was fühlt sich schlecht wenn es still wird?

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Martinma
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Re: Direct Pointing

Postby Martinma » Mon May 13, 2013 8:10 pm

Hallo Renate,
Also der Verstand sagt es gibt kein Ich. Der Verstand hat gelesen und gehört
es gibt kein ich.
Nach Lesen des obigen Textes wollte ich automatisch ja sagen. Dann kamen Zweifel,
nochmaliges Nachschauen, Gedanken.
Ich weiß nicht, ob der Verstand das sagen, lesen und hören kann. Es sind Gedanken, die
meinen, der Verstand sagt, liest und hört, dass es kein Ich gibt.
Ich lese den Text und die Antwort noch einmal. Leere entsteht. Es fällt mir nichts mehr ein.
Ich versuche mich zu konzentrieren. Doch da kommt nichts.
Heute gehe ich alles noch einmal von vorne durch. Wer sagt, es gibt kein Ich?
Wieder entsteht Leere, Abwesenheit. Ich konzentriere mich, versuche das Ich zu lokalisieren,
finde es nicht. Gedanken sagen, es gibt eine Geburtsurkunde, einen Körper, Familie, einen Wohnsitz,
Gefühle - das alles ergibt ein Konzept von Ich (so wie Schule). Aber wer stellt nun fest,
dass kein Ich lokalisiert werden kann? Dass es kein Ich gibt?
Es ist das Ergebnis von Nachschau. Wer schaut nach? Ich drehe mich im Kreis.
Kann das Ich feststellen, dass es sich nicht gibt? Es ist paradox.
Ich kann es momentan nicht anders ausdrücken: Wenn ich nach innen schaue nach Antwort,
entsteht da Leere, ein Vakuum. Wenn ich diese zulasse, ist es angenehm still, wenn ich aber stattdessen
eine Lösung haben will, entsteht Anspannung wie bei einer Überforderung und subtiles Verzweifeltsein.
Das was du "Wissen" nennst, ist es das was der Verstand erzählt?
Beschreibe genauer was du mit "Wissen" meinst
Mit Wissen allgemein meine ich Erlerntes, Angeeignetes.
In diesem Fall meinte ich so etwas wie innere Überzeugung, ein Bauchgefühl. Vertrauen zu haben,
dass etwas stimmt.
"Nichts das sagt, es gibt nichts."
Etwas provokant gesagt, es liest sich wie abgeschrieben.
Bitte beschreibe es genauer :-)
Ja, ich glaube, es gelesen zu haben. Dieser Satz tauchte in Gedanken auf. Ich wusste, dass
es nicht meine Worte sind, dennoch passten sie in diesem Moment.
Nichts ist diese Leere, die ich empfinde, wenn ich nicht mehr weiter weiß, wenn mir nichts zu
einer Frage einfällt. Als ob das Ich resigniert und sich für einen Moment zurückzieht.
"Alles besser als still sein", was fühlt sich schlecht wenn es still wird?
Wenn es still wird, fühlt es sich immer gut an. Dennoch taucht nach kurzer Zeit in der
Stille Unruhe (Gedanken, Programme) auf.

Mühsam ist es, wenn in Erwartung der Stille bereits Unruhe da ist. Die Bereitschaft,
still zu sein, damit untergraben wird. Die Unruhe erscheint manchmal wie eine Sucht, der
nur schwer zu entkommen ist. Wenn es dann gelingt, tritt Entspannung ein und Zufriedenheit.

Liebe Grüße
Martin

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Re: Direct Pointing

Postby Renate » Tue May 14, 2013 2:53 pm

Hallo lieber Martin
Nach Lesen des obigen Textes wollte ich automatisch ja sagen. Dann kamen Zweifel,
nochmaliges Nachschauen, Gedanken.
Ich weiß nicht, ob der Verstand das sagen, lesen und hören kann. Es sind Gedanken, die
meinen, der Verstand sagt, liest und hört, dass es kein Ich gibt.
Ja automatisch, die gewohnte Konditionierung schaltet sich erst mal ein, wenn genau geschaut wird sind es Gedanke (erzeugt durch Sinneseindrücke, Gedankenketten…)
Gedanken sagen, es gibt eine Geburtsurkunde, einen Körper, Familie, einen Wohnsitz,
Gefühle - das alles ergibt ein Konzept von Ich
Genau. Ein Bausatz der über Jahre benutzt wurde. Richtig zusammen gesetzt entsteht ein
Gefühl von ICH.
Aber wer stellt nun fest,
dass kein Ich lokalisiert werden kann? Dass es kein Ich gibt?
Es ist das Ergebnis von Nachschau. Wer schaut nach? Ich drehe mich im Kreis.
Kann das Ich feststellen, dass es sich nicht gibt? Es ist paradox.
Ist es möglich dass Alles erscheint, schauen, suchen? Auch dieser "Bausatz" ICH oder DU.
Einfach so? Ohne Täter? Wäre es möglich?
Bitte beschreibe ausführlich deine Gedanken dazu.
Ich kann es momentan nicht anders ausdrücken: Wenn ich nach innen schaue nach Antwort,
entsteht da Leere, ein Vakuum. Wenn ich diese zulasse, ist es angenehm still, wenn ich aber stattdessen
eine Lösung haben will, entsteht Anspannung wie bei einer Überforderung und subtiles Verzweifeltsein.
Wenn du es zulässt, dass da nichts zu finden ist entspannt sich alles.
Die Leere zulassen, einfach SEIN.
Erst wenn der Verstand wieder ins Spiel kommt dann ist „wollen“ da.
„So wie es ist, ist es nicht richtig“ Da muss doch irgendwas zu finden sein……
Als ob das Ich resigniert und sich für einen Moment zurückzieht
Schön.
Also machen wir weiter. Ist es möglich das alles einfach erscheint?
Wie erscheint das Vorhaben "Schokolade essen"?



Ich bin bis Freitagabend beruflich Unterwegs und habe keinen Internetzugang.
Also lasse dir Zeit und ich freue mich auf eine ausführliche Anwort.

Liebe Grüße
Renate

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Martinma
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Re: Direct Pointing

Postby Martinma » Sat May 18, 2013 8:41 am

Liebe Renate!
Wie erscheint das Vorhaben "Schokolade essen"?
Meist wird im Gehirn der Wunsch nach Schokolade erzeugt. Dabei fallen mir die
Sprechblasen in den Comics ein. Da ist mein Kopf, dann kommt die Sprechblase
und teilt mir mit, es ist Zeit für etwas Süßes. Gewohnheitsmäßig habe ich mich
bis Mittag im Griff, nach dem Mittagessen und besonders am Abend kommt der Wunsch.

Manchmal schaut es aus, als würde mein Körper nach Süßem verlangen,
so etwas wie ein Hungergefühl nach Süßem erzeugen.
Dieses Gefühl ist mittlerweile eher unangenehm, weil gleichzeitig Gedanken kommen:
"Das ist ungesund und tut deinem Magen nicht gut." oder
"Heute ist aber das letzte Mal für diese Woche." oder "Nur ein kleines Stück."
Ich schaffe es aber nicht, diese mich beim Schokoladeessen begleitenden Vorsätze in
die Tat umzusetzen. Im Gegenteil, meist steigt meine "Gier" danach an und ich esse
soviel, dass ich es nicht genießen kann. Es erscheint wie eine Sucht.

Es gibt ja auch noch die wissenschaftlichen Erklärungen:
Befindet sich viel Zucker im Blut, wird auch viel Insulin ausgeschüttet. Daraus resultiert, dass der Zuckerspiegel unter den Normalwert sinkt. Die Folge ist: Hunger. Wird dieser Hunger wieder mit Süßigkeiten gestillt, kommt es erneut zu einem rapiden Blutzuckeranstieg und dies führt wieder zu einer vermehrten Insulinausschüttung. Damit wird einer Spirale von Hunger, Essen und wieder Hunger Tür und Tor geöffnet.

Manchmal esse ich aber auch ein Eis und kann es durchaus genießen.

Es ist mir jetzt beim Schreiben bewusst geworden, dass da ein Täter ist - ich - der Hunger
auf Schokolade hat und der sie isst, der dann ein schlechtes Gewissen hat, der Vorsätze fasst
und sie nicht einhaltet, der genießt und der Körper, der Insulin ausschüttet usw. Und vor dem Zubeißen sind da immer Gedanken.
So erscheint das Vorhaben "Schokolade essen".
Nun kommt der Gedanke: Der freie Willen ist abgeschaltet, ich werde gelenkt.
Es gibt aber keinen freien Willen und kein Ich. Aber immer wieder schleicht sich der Täter ein, der glaubt, eine Wahlmöglichkeit zu haben.

Ich versuche zu verstehen. Schokolade essen erscheint und passiert, ohne Täter, ohne freien Willen. Doch es sollte reduziert werden, weil es in diesem Ausmaß nicht gesund ist. Also sind Disziplin und Willensanstrengung notwendig. Das meint das Ich.
Ist es möglich dass Alles erscheint, schauen, suchen? Auch dieser "Bausatz" ICH oder DU.
Einfach so? Ohne Täter? Wäre es möglich?
Bitte beschreibe ausführlich deine Gedanken dazu.
Ja, da ist ein inneres Gefühl, es ist möglich. Alles, woran ich geglaubt habe (und noch immer in diesen Glauben verfalle), ist eine riesengroße Illusion, eine Blase, ein raffiniertes Schauspiel, sind Geschichten, die ich für absolute Wahrheiten halte, die ich kaum hinterfrage.
Ich reagiere auf Impulse, Wahrnehmungen meiner Sinne, Gedanken kommen und bewerten diese Wahrnehmungen, ich handle nach gleichbleibenden Mustern und Gewohnheiten, nach Überzeugungen und aus dem Wunsch heraus, alles richtig zu machen, recht zu haben, Erwartungen zu erfüllen. Ziemlich voraussehbar, aber keine Spur von Selbstbestimmung oder freien Willen. Nun erscheint es, als würde das verbleibende Ich wie ein führerloses Boot am Meer treiben, äußeren Einflüssen ausgeliefert. Doch es wehrt sich und will die Richtung bestimmen, weil es glaubt, es kann das. Sei es auch nur, anderen die Schuld an seiner mieslichen Lage zu geben.
Wenn es auch kein Ich gibt, erscheint alles, was dieses vermeintliche Ich sucht, sieht, tut, in etwas Größerem, Grenzenlosem oder alles erscheint in der Stille. Dann ist da dieses schaukelnde Boot in der Stille, das einfach nur schaukelt.

Du und ich tauchen in dieser Stille auf. Ein Du und Ich, beides nicht existent. Wie im Film, nur Bilder. Ich kann das noch nicht wirklich realisieren. Nur sozusagen als philosophische Gedanken, auch wenn ich kein „Ich“ finde. Aber die scheinbare Realität des Ichs wird immer öfter hinterfragt und nicht mehr als unumstößliche Wahrheit gesehen.

Schokolade essen und alles, was drum herum passiert – Gedanken, Vorsätze, körperliche Reaktionen, Abwehr – erscheinen einfach. Da ist kein Täter bzw. auch der Täter erscheint einfach. Dann treten Ruhe und Distanz ein. Schokolade wird gegessen, ganz unmittelbar.

Aber da taucht eine Frage auf. Da ist die Stille (dieses Wort beschreibt, was ich denke, am Besten) und dann ist da auch Schokolade essen oder schaukeln. Wieder scheinbar zwei Dinge. Wie können Stille und Schokolade essen und schaukeln eins sein? Oder Beobachter und das Beobachtete?
Gut, ich habe eine Ahnung, dass es doch so ist, aber noch kein unmittelbares Erleben dessen.


Liebe Grüße, vielen Dank und ein schönes Wochenende
Martin

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Renate
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Re: Direct Pointing

Postby Renate » Sun May 19, 2013 1:16 pm

Hallo lieber Martin,

das sind ja wunderbare Beiträge.
Meist wird im Gehirn der Wunsch nach Schokolade erzeugt. Dabei fallen mir die
Sprechblasen in den Comics ein.........
Es schaltet sich der Verstand ein, kreierte eine wunderbare Storie und das "Drama" beginnt.

Versuche in diesen Situationen ein "Beobachter" zu sein und beobachte wie der Verstand
reagiert und all diese Gedanken und Handlungsketten kreiert.
Der Verstand erzeugt den Täter (Dualismus).
Kannst du das sehen?
Ich versuche zu verstehen. Schokolade essen erscheint und passiert, ohne Täter, ohne freien Willen. Doch es sollte reduziert werden, weil es in diesem Ausmaß nicht gesund ist. Also sind Disziplin und Willensanstrengung notwendig. Das meint das Ich.
Du versuchst zu verstehen?
Beobachte diese Mechanismen. Jeder Gedanke, jede Handlung.
Frage dich: "Ist dieser Gedanke jetzt sinnvoll, bringt mich dieser Gedanke jetzt weiter"?

"Direkte Erfahrung",
beschreibe was deine Sinne dir erzählen wenn du ein Stück Schokolade
isst. Nur direkte Erfahrung und achte darauf wann dein Verstand einsetzt und eine Story daraus macht.

Ja, da ist ein inneres Gefühl, es ist möglich. Alles, woran ich geglaubt habe (und noch immer in diesen Glauben verfalle), ist eine riesengroße Illusion, eine Blase, ein raffiniertes Schauspiel, sind Geschichten, die ich für absolute Wahrheiten halte, die ich kaum hinterfrage.
Ich reagiere auf Impulse, Wahrnehmungen meiner Sinne, Gedanken kommen und bewerten diese Wahrnehmungen, ich handle nach gleichbleibenden Mustern und Gewohnheiten, nach Überzeugungen und aus dem Wunsch heraus, alles richtig zu machen, recht zu haben, Erwartungen zu erfüllen. Ziemlich voraussehbar, aber keine Spur von Selbstbestimmung oder freien Willen. Nun erscheint es, als würde das verbleibende Ich wie ein führerloses Boot am Meer treiben, äußeren Einflüssen ausgeliefert. Doch es wehrt sich und will die Richtung bestimmen, weil es glaubt, es kann das. Sei es auch nur, anderen die Schuld an seiner mieslichen Lage zu geben.
Der Verstand ist ein wundervolles Organ, er schießt halt manchmal über das Ziel heraus;-) und kreiert ein ICH wo es keins gibt. Als Konzept im Alltag ist es wunderbar.
Wenn es auch kein Ich gibt, erscheint alles, was dieses vermeintliche Ich sucht, sieht, tut, in etwas Größerem, Grenzenlosem oder alles erscheint in der Stille. Dann ist da dieses schaukelnde Boot in der Stille, das einfach nur schaukelt.
Ja du siehst es bereits, ein Boot das schaukelt, ein Mann der Schokolade ist, ein Verstand der kommentiert und ein Ich oder Täter erzeugt. Ein Verstand der sagt: Das kann doch nicht alles gewesen sein, da muss zu mindestens eine Art "AHA" sein.


Du und ich tauchen in dieser Stille auf. Ein Du und Ich, beides nicht existent. Wie im Film, nur Bilder. Ich kann das noch nicht wirklich realisieren. Nur sozusagen als philosophische Gedanken, auch wenn ich kein „Ich“ finde. Aber die scheinbare Realität des Ichs wird immer öfter hinterfragt und nicht mehr als unumstößliche Wahrheit gesehen.

Deshalb die Übungen, siehe oben. Den Verstand solange mit der Frage beschäftigen bis er loslässt.

Schokolade essen und alles, was drum herum passiert – Gedanken, Vorsätze, körperliche Reaktionen, Abwehr – erscheinen einfach. Da ist kein Täter bzw. auch der Täter erscheint einfach. Dann treten Ruhe und Distanz ein. Schokolade wird gegessen, ganz unmittelbar.

Aber da taucht eine Frage auf. Da ist die Stille (dieses Wort beschreibt, was ich denke, am Besten) und dann ist da auch Schokolade essen oder schaukeln. Wieder scheinbar zwei Dinge. Wie können Stille und Schokolade essen und schaukeln eins sein? Oder Beobachter und das Beobachtete?
Gut, ich habe eine Ahnung, dass es doch so ist, aber noch kein unmittelbares Erleben dessen.
"Schokolade wird gegessen, ganz unmittelbar." da erlebst du es.

Solange da ein Beobachter ist, ist Trennung da. Aber auch beobachten findet statt ohne ein Beobachter.
Beobachten erscheint aus der "Stille".
Du hast geschrieben, dass du Tony Parsons gelesen hast. Er nennt es "Das". Das "erscheinen" entsteht nicht irgendwo und ist dann hier. Erscheinen "IST". Du bist quasie mitten im Erscheinen und das Erscheinen ist mitten in dir. Wie kann da Trennung sein. Trennung wird vom Verstand erzeugt.
Wieder ein lustiger Versuch es zu erklären :-))

Wir machen so weiter bis der Verstand loslässt. :-)
Bitte beschreibe deine Beobachtungen ausführlich.

Liebe Grüße und schöne Pfingsten.
Renate

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Re: Direct Pointing

Postby Martinma » Tue May 21, 2013 8:41 pm

Liebe Renate!
Versuche in diesen Situationen ein "Beobachter" zu sein und beobachte wie der Verstand
reagiert und all diese Gedanken und Handlungsketten kreiert.
Der Verstand erzeugt den Täter (Dualismus).
Kannst du das sehen?
Ja, das kann ich sehen. Ich beobachte, wie der Verstand reagiert und Handlungen und Gedanken kreiert.
Manche Tage bin ich häufiger in der Rolle des Beobachters. Dann sind da wieder Stunden,
in welchen ich völlig darauf zu vergessen scheine. Speziell im sogenannten Alltag mit Arbeiten
und beim Zusammensein mit Menschen.
Wenn ich alleine bin (und das ist häufig der Fall, da ich alleine lebe) und nicht gerade
sehr intensiv etwas arbeite, koche oder lese und dergleichen, dann kommt es mir oft vor,
als würde ich flüchten, so wie ich es schon öfter hier beschrieben habe.
Andererseits ist beim Alleinsein die "Suche" meist präsent.
Ich setze mich aber permanent unter Druck, anstatt dies alles, die vermeintlichen Rückschritte
und Fortschritte bei der Suche, die Suche, den Druck, die Unruhe einfach da sein zu lassen.
Ich kann sehen, wie sehr ich noch glaube, etwas tun zu können.
Ich beobachte, wie ich mich dagegen stemme, dass da kein Täter sein kann.
beschreibe was deine Sinne dir erzählen wenn du ein Stück Schokolade
isst. Nur direkte Erfahrung und achte darauf wann dein Verstand einsetzt
und eine Story daraus macht.
Wenn ich mit dieser Aufgabe herangehe, ein Stück Schokolade zu essen,
dann bin ich Beobachter.
Konzentriert stelle ich fest, wie die Schokolade im Mund zergeht
und sich der süße Geschmack ausbreitet.
Solange ich auf die Sinneserfahrung konzentriert bin, setzt der Verstand nicht ein.
Er versucht es zwischendurch und die üblichen Gedanken kommen:
"Du solltest keine Schokolade essen etc.". Dann fühle ich mich schlecht.
Doch wenn ich dann wieder zu den Sinneswahrnehmungen zurückkehre,
kann ich die Schokolade einfach genießen ohne irgendwelche Bewertungen
und dann entsteht auch kein Selbstvorwurf und keine Bedenken.
Wenn ich genau darüber nachdenke, setzt der Verstand ein,
weil ich nicht im Augenblick des Schokoladeessens bin.
Gedanken beschäftigen sich mit Plänen, wie ich in Zukunft allzu viel Genuss von Süßigkeiten
vermeiden könnte, wie mir dieser Genuss schadet, warum ich mich nicht im Griff habe.
Diese Gedanken führen zu weiteren Gedanken, die oft frustrierend sind und Ablenkung erfordern.
Aussteigen aus diesen Gedanken durch andere Tätigkeiten, vielleicht Film schauen, Solitaire spielen etc.
Ein mühsames Gedankenkarusell.
Wie angenehm ist es dagegen, einfach zu schauen, was mir meine Sinne erzählen.
Und wie einfach. Dennoch scheine ich dem Angenehmen ausweichen zu müssen.
Immer tauchen Gedanken auf und sorgen für Unruhe bzw. wollen mir beweisen,
dass Unruhe da ist und diese Unruhe schlecht ist. Daraus folgere ich manchmal auch,
dass ich schlecht bin.
Aber dies beobachtend festzustellen, nimmt viel von der Schuld und unangenehmen Gefühlen.
Es erzeugt Ruhe.
Wir machen so weiter bis der Verstand loslässt. :-)
Bitte beschreibe deine Beobachtungen ausführlich.
Ja, das werde ich machen. Ich melde mich morgen wieder.

Liebe Grüße
Martin

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Re: Direct Pointing

Postby Renate » Wed May 22, 2013 12:24 pm

Hallo Martin,
Ja, das kann ich sehen. Ich beobachte, wie der Verstand reagiert und Handlungen und Gedanken kreiert.
Manche Tage bin ich häufiger in der Rolle des Beobachters.
Das gilt es zunächst auszubauen, nicht nur manchmal!!!
Beobachten wie der Verstand altbekannte „Schallplatten“ auflegt.
Schallplatte „Wiederstand, warum ich mich nicht im Griff habe“
Schallplatte „wie ich in Zukunft allzu viel Genuss von Süßigkeiten vermeiden könnte“

Notiere für dich eine Schallplatten Liste.
Die kannst du ja nach Bedarf erweitern oder irgendwann wenn du plötzlich
bemerkst, dieses spezielle wurde ja schon ewig nicht mehr abgespielt, zusammenstreichen.

Ich kann sehen, wie sehr ich noch glaube, etwas tun zu können.
Ich beobachte, wie ich mich dagegen stemme, dass da kein Täter sein kann.
Das setzen wir auf die Liste „kommt später dran“
Wenn ich genau darüber nachdenke, setzt der Verstand ein,
weil ich nicht im Augenblick des Schokoladeessens bin.
Genau!
Diese Gedanken führen zu weiteren Gedanken, die oft frustrierend sind und Ablenkung erfordern.
Nicht ablenken, als Beobachter mit ihnen sein. Die Schallplatte Rille für Rille anhören.
Dann die Fragen: Ist dieser Gedanke jetzt hilfreich.

Aber dies beobachtend festzustellen, nimmt viel von der Schuld und unangenehmen Gefühlen.
Es erzeugt Ruhe.
Ja, einfach sein. Ist fast wie schokoladeessen ;-)

Liebe Grüße
Renate

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Re: Direct Pointing

Postby Martinma » Wed May 22, 2013 8:42 pm

Hallo Renate,
Das gilt es zunächst auszubauen, nicht nur manchmal!!!
Da ist so ein innerer listiger Saboteur, der mich immer wieder rausbringt,
auch bei anderen Vorsätzen.
Wenn ich in eine Arbeit vertieft bin, verlasse ich die Beobachterrolle.
Bei Gesprächen oder Besprechungen gelingt es mir zwar, eigene Reaktionen
oder Wortmeldungen zu beobachten, aber aus der Fülle an Gedanken, die mir zu
Kopf steigen, bleiben viele unbewusst. Manchmal kommt es mir so vor, als
würde mein Verstand aussetzen. Wie bei einem Film, der plötzlich einen Riss
bekommt und nur noch ein graues Bild ist da. Das fühlt sich abwesend und dumpf an.

Schön langsam aber beginne ich durch deine Fragen und Aufgaben zu begreifen,
worauf es dabei ankommt - siehe deine übernächste Aufgabe "Rille für Rille anhören".
Beobachten wie der Verstand altbekannte „Schallplatten“ auflegt.
Notiere für dich eine Schallplatten Liste
Ja, das mach ich, das gefällt mir.
Nicht ablenken, als Beobachter mit ihnen sein. Die Schallplatte Rille für Rille anhören.
Dann die Fragen: Ist dieser Gedanke jetzt hilfreich.
Das Beobachten des Verstandes, der eigenen Gedanken ist wohl der Schlüssel.
Eigentlich ganz leicht, trotzdem soviel Gegenwehr.
Doch ich merke, wie genau das den Saboteur entschwinden lässt.

Liebe Grüße
Martin

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Re: Direct Pointing

Postby Renate » Thu May 23, 2013 1:12 pm

Hallo lieber Martin,
Wenn ich in eine Arbeit vertieft bin, verlasse ich die Beobachterrolle.
Bei Gesprächen oder Besprechungen gelingt es mir zwar, eigene Reaktionen
oder Wortmeldungen zu beobachten, aber aus der Fülle an Gedanken, die mir zu
Kopf steigen, bleiben viele unbewusst.
Das ist mir noch nicht ausführlich genug.
Bitte picke dir eine Beobachtung (eigene Reaktion) heraus und zerlege sie.
Gibt es einen Täter?
Wenn ja, wie kommst du auf diese Aussage?
Wenn nein, wie geht denn das?
Warum gerade diese Reaktion?
u.s.w.
Wie bei einem Film, der plötzlich einen Riss
bekommt und nur noch ein graues Bild ist da. Das fühlt sich abwesend und dumpf an.
Wenn du kannst bleibe so lange als möglich bei solch einem Gefühl, beobachte und beschreibe wie es sich auflöst.
Schön langsam aber beginne ich durch deine Fragen und Aufgaben zu begreifen,
worauf es dabei ankommt - siehe deine übernächste Aufgabe "Rille für Rille anhören".
Wenn ich die Metapher „Rille für Rille“ lese, lächle ich in mich rein. Habe vor kurzem
Mal wieder die alten LPs gehört ;-). Auf den CDs kann man sie nur noch sehen.
Das Beobachten des Verstandes, der eigenen Gedanken ist wohl der Schlüssel.
Eigentlich ganz leicht, trotzdem soviel Gegenwehr.
Doch ich merke, wie genau das den Saboteur entschwinden lässt.
Ja, "eigentlich" ganz leicht :-)

Liebe Grüße
Renate

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Re: Direct Pointing

Postby Martinma » Sat May 25, 2013 1:35 pm

Hallo liebe Renate,
Das ist mir noch nicht ausführlich genug.
Bitte picke dir eine Beobachtung (eigene Reaktion) heraus und zerlege sie.
Es läuft wirklich ab wie beim Abspielen einer Schallplatte. Jede Rille ist ein Gedanke, vielleicht
sogar mehrere übereinandergelagerte. Gedanke folgt auf Gedanke. Manchmal sind die Gedanken
ganz klar und könnten in Worten wiedergegeben werden. Manchmal erscheinen sie nur schemenhaft
und werden von weiteren Gedanken abgelöst und sind schon wieder vergessen.
Wenn ich den "Beobachterstatus" verlasse, geht das Leben wie bisher weiter. Ziemlich unbewusst,
was die Fülle an Gedanken betrifft. Und unbewusst, was die Tatsache betrifft, dass die Gedanken
garnicht von jemandem erzeugt werden.
Zu beobachten scheint Willen und Disziplin vorauszusetzen. Nach jeweils kurzer Zeit ist es mit dem
Beobachten vorbei, bis ich mich wieder daran erinnere und wieder einige Minuten beobachte usw.
Beobachten scheint auch Konzentration zu erfordern, wobei mir jetzt beim Schreiben eigentlich
klar ist, dass Beobachten eher fließend und leicht ist. Dennoch tritt Widerstand auf und ich
wende mich den vermeintlich leichteren und sinnvolleren Dingen zu - denken, planen, tun, beurteilen,
mich mit der Umwelt auseinandersetzen etc.
Gibt es einen Täter?
Täter gibt es keinen. Die Gedanken kommen einfach. Es sind zwar Gedanken, welche irgendwelche
meist vergangenen Erlebnisse und Erfahrungen in meinem Leben zum Inhalt haben oder Planungen
die Zukunft betreffend, Wünsche, Bewertungen. Aber kein Täter, niemand, der die Gedanken
auslöst, tut, Kontrolle über sie hat.
Ein Beobachter, der sie beobachtet, aber auch der ist nicht Täter der Gedanken.
Wenn nein, wie geht denn das? Warum gerade diese Reaktion? u.s.w
Das ist einfach so.
Ich aber falle ständig auf antrainierte, jahrzehntelang nicht hinterfragte Behauptungen
herein. Auch wenn ich viel gelesen habe und zu wissen glaube, dass diese Behauptungen nicht stimmen,
läuft mein Leben immer noch nach diesen Fakten ab, sind mir quasi in Fleisch und Blut übergegangen.
Lassen mích wie automatisch handeln.
Doch das sind Gedankenkonstrukte, was ich schreibe. Es existiert kein Ich,
das auf irgendetwas hereinfallen könnte. Automatisch handeln passiert einfach
und ist auch oft sehr sinnvoll.
Sollte "ich" es mir nur stets bewusst machen? Oder kommt dann wieder ein Täter ins Spiel?
Martinma hat geschrieben:
Wie bei einem Film, der plötzlich einen Riss
bekommt und nur noch ein graues Bild ist da. Das fühlt sich abwesend und dumpf an.
Renate hat geschrieben:
Wenn du kannst bleibe so lange als möglich bei solch einem Gefühl, beobachte und beschreibe wie es sich auflöst.
Ich beobachte das Gefühl, werde unruhig, will aufhören, beobachte weiter,
Entspannung tritt ein, Langeweile, Gedankenleere, Müdigkeit, will schlafen.
Gedanken schleichen sich ein, ich sollte etwas tun. Ich beobachte weiter.
Es wird klarer, weniger Dumpfheit. Gedankenkeere und Stille treten ein.
Eigentlich ist das Gefühl der Abwesenheit weg. Aber die Stille ist schwer
zu ertragen. Wieder entsteht Anspannung. Oder taucht der Gedanke auf,
dass Stille schwer zu ertragen ist?
Ich bin wieder anwesend. Das scheint irgendwie beruhigender und sicherer
zu sein als die Stille.

Liebe Grüße
Martin

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Re: Direct Pointing

Postby Renate » Sat May 25, 2013 7:25 pm

Hallo Martin,
dennoch tritt Widerstand auf und ich
wende mich den vermeintlich leichteren und sinnvolleren Dingen zu - denken, planen, tun, beurteilen,
mich mit der Umwelt auseinandersetzen etc.
Da geht es auch nicht ums "Eingemachte".
Für den Verstand ist es erst mal bequemer in der gewohnten Rille zu laufen.
Es braucht schon etwas Energie um aus gewohnte Rillen auszusteigen.
Wieviel Energie möchtest du dort investieren?

Wenn wieder Widerstand erscheint, bleibe in diesem Gefühl.
Betrachte es wie eine Schüssel voll neuer Dinge.
UND berichte ausführlich :-)

Wie lange ist die Liste deiner Schallplatten?
Ein Beobachter, der sie beobachtet, aber auch der ist nicht Täter der Gedanken.
Nein, alles nur Erscheinungen, Gedankenketten.
Doch das sind Gedankenkonstrukte, was ich schreibe. Es existiert kein Ich,
das auf irgendetwas hereinfallen könnte. Automatisch handeln passiert einfach
und ist auch oft sehr sinnvoll.
Sollte "ich" es mir nur stets bewusst machen? Oder kommt dann wieder ein Täter ins Spiel?
Bewusst machen bedeutet den Vorhang langsam wegschieben. So geht es.
Nein kein Täter, oder findest du da einen. Schau hin.
ber die Stille ist schwer
zu ertragen. Wieder entsteht Anspannung. Oder taucht der Gedanke auf,
dass Stille schwer zu ertragen ist?
Das ist es, das Forschungsfeld. Bitte berichte mir ob es ein Gedanke ist.
UND bitte ausführlich :-)

Liebe Grüße
Renate

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Martinma
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Re: Direct Pointing

Postby Martinma » Tue May 28, 2013 10:01 pm

Liebe Renate!
Es braucht schon etwas Energie um aus gewohnte Rillen auszusteigen.
Wieviel Energie möchtest du dort investieren?
Ja, es braucht Energie. Und ich will meine ganze Energie investieren. Es muss doch möglich
sein, auch wenn sich die Ich-Identifizierung immer wieder einschleicht.
Wenn ich nicht arbeite oder in Gespräche verwickelt bin, fällt es leicht, zu beobachten.
Bei Gesprächen oder beim Arbeiten ist es um einiges schwieriger, auch wenn ich es ab und zu
versuche. Entweder bin ich sehr vertieft und konzentriert oder handle nach alten Gewohnheitsmustern.

Heute ist mir aufgefallen, dass beim Beobachten der Gedanken keine Gedanken mehr kamen.
Wie lange ist die Liste deiner Schallplatten?
Es kann sein, dass es nur eine Schallplatte ist, scheinbar mit verschiedenen Songs,
aber dem immer gleichen Konzept dahinter.
Bewusst machen bedeutet den Vorhang langsam wegschieben. So geht es.
Nein kein Täter, oder findest du da einen. Schau hin.
Da gab es die ungeprüfte Annahme, dass da ein Täter ist. Weil ich ja bewusst in einen
anderen "Modus" schalte und zu beobachten beginne, mir meine Gedanken bewusst
mache. Beim Hinschauen auf den Beobachter findet sich jedoch im Moment des Hinschauens
kein Täter. Genauso wie sich im Moment des Schreibens kein Täter findet.
Mein Verstand kann das nicht verstehen und versucht auszusteigen.
Wenn wieder Widerstand erscheint, bleibe in diesem Gefühl.
Betrachte es wie eine Schüssel voll neuer Dinge.
UND berichte ausführlich :-)
Diese Aufgabe hat mich die letzten zwei Tage etwas ratlos gemacht.
Ich stelle mir eine Schüssel voll neuer Dinge vor. Ach, interessant,
lautet der stille Kommentar. Der Verstand will sich damit nicht
beschäftigen und schaltet ab. Einige Zeit Abwesenheit, dann etwas Unruhe.
Dann wieder die Schüssel voll neuer Dinge. Entspannend.
Aber ich weiß nicht, was ich schreiben soll.
Martinma hat geschrieben:
Aber die Stille ist schwer zu ertragen. Wieder entsteht Anspannung.
Oder taucht der Gedanke auf, dass Stille schwer zu ertragen ist?

Renate hat geschrieben:
Das ist es, das Forschungsfeld. Bitte berichte mir ob es ein Gedanke ist.
UND bitte ausführlich :-)
Nein, kein Gedanke. Eine körperliche Anspannung wird wahrgenommen.
Muskelschmerzen, Knödel im Hals, dann angenehm, es fühlt es sich an
wie eine Erweiterung der Hautschichten.

Ich berichte beim nächsten Mal ausführlicher. Heute kommt nicht mehr.

Liebe Grüße
Martin

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Re: Direct Pointing

Postby Renate » Wed May 29, 2013 10:49 am

Hallo lieber Martin,
Heute ist mir aufgefallen, dass beim Beobachten der Gedanken keine Gedanken mehr kamen.
Gut, irgendwann reißt die Kette einfach ab und es erscheint ein Moment der Stille.
Bis dann der nächste Gedanke aus der Stille auftaucht. Einfach so.
Ist es möglich das Alles einfach so aus der Stille auftaucht? Was passiert bei dir wenn du dies liest?
Es kann sein, dass es nur eine Schallplatte ist, scheinbar mit verschiedenen Songs,
aber dem immer gleichen Konzept dahinter.
Wie sieht dieses Konzept aus?
Wie entstehen Konzepte?
Beim Hinschauen auf den Beobachter findet sich jedoch im Moment des Hinschauens
kein Täter. Genauso wie sich im Moment des Schreibens kein Täter findet.
Mein Verstand kann das nicht verstehen und versucht auszusteigen.
Gibt es beim Beobachten ein Beobachter?
Wenn wieder Widerstand erscheint, bleibe in diesem Gefühl.
Betrachte es wie eine Schüssel voll neuer Dinge.
UND berichte ausführlich :-)

Diese Aufgabe hat mich die letzten zwei Tage etwas ratlos gemacht.
Ich stelle mir eine Schüssel voll neuer Dinge vor. Ach, interessant,
lautet der stille Kommentar. Der Verstand will sich damit nicht
beschäftigen und schaltet ab. Einige Zeit Abwesenheit, dann etwas Unruhe.
Dann wieder die Schüssel voll neuer Dinge. Entspannend.
Aber ich weiß nicht, was ich schreiben soll.
Ja, dass kann man schon falsch verstehen :-) wenn ich mein Geschriebenes wieder lese muß ich lächeln.
Gemeint war, dieses Gefühl wie etwas Neues zu betrachten. Wie eine Blume die du noch nie gesehen hast.

Bin die nächsten Tage unterwegs und habe möglicherweise kein Internetanschluß.

Liebe Grüße
Renate

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Re: Direct Pointing

Postby Martinma » Fri May 31, 2013 9:03 pm

Liebe Renate!
Ist es möglich das Alles einfach so aus der Stille auftaucht?
Was passiert bei dir wenn du dies liest?
Zustimmung. Der Gedanke kommt: „Das ist gut.“ Da ist Ruhe, ich fühle mich sicher, alles ist gut.
Irgendwie ist dieser Zustand auch körperlich wahrnehmbar, als befände ich mich im ruhigen Auge
eines Hurrikans, außen herum gibt es Geräusche von fahrenden Autos.
Die Frage taucht auf: „Ist dieser Raum, in dem ich bin, begrenzt?“ Ich stelle fest, er ist nicht begrenzt,
obwohl in ihm auch Autos fahren bzw. Motorengeräusche stattfinden. Doch da sind Zweifel.
Mein Körper ist präsent, sitzt da und meine Finger tippen. Ich denke: „Auch der Körper taucht darin auf.“
Ein wenig später: Unruhe entsteht. Ich sollte etwas tun. Ich erinnere mich an deinen Vorschlag
und betrachte die Unruhe wie eine Rose. Das bringt wieder Entspannung.
Ich habe das Gefühl, ich könnte so vielleicht eine Stunde oder länger verbringen. Aber ich tue es nicht.
Denn immer schleichen sich Unruhe, Langeweile ein und bringen mich dazu, aktiv zu werden.
Dinge zu tun, wie etwas arbeiten, einen Film schauen, essen etc.
Ich könnte dann einfach sitzen bleiben und weiter beobachten. Aber da kommt der Gedanke:
„Weiter beobachten kannst du ja später oder morgen auch. Es ist noch genug Zeit dafür.“
Schön wäre es, wenn ich beides vereinen könnte, also arbeiten, Film schauen, essen und beobachten.
Das ist derzeit noch relativ schwierig, wie ich es schon beschrieben habe.
Martinma wrote:
Es kann sein, dass es nur eine Schallplatte ist, scheinbar mit verschiedenen Songs,
aber dem immer gleichen Konzept dahinter.
Wie sieht dieses Konzept aus?
Das ist das Ich. Ein Ich, das entscheidet, das tut, das sieht, hört, denkt etc.
Ein Ich, welches sich schuldig fühlt, wenn es versagt. Welches Opfer und Täter ist.
Welches einen speziellen Körper hat, mit dem es zufrieden ist oder nicht, welcher
eines Tages stirbt.
Da sind meine Prägungen, meine Geschichte, mein Denken, Glauben, Wollen und Fühlen.
Und da ist die Welt um mich herum, der mein Ich sich anpasst, sich dagegen verteidigt, und
auch glaubt, sie verändern und beeinflussen zu können.
Und nun sehe ich, dass ich darüber nie selbst bestimmen konnte.

Dann gibt es noch die Konzepte von Ursache und Wirkung, von Zeit und Raum, welche unser
Denken und Leben ursächlich beeinflussen.
Wie entstehen Konzepte?
Von Geburt an haben mich Dinge und Menschen geprägt. Menschen haben etwas gesagt
und getan, woran ich glaube. Und so führt das eine zum anderen. Ein Kreislauf.
Konzepte entstehen im Kopf und nehmen dort Gestalt und Realität an. Vieles wird nicht
mehr hinterfragt, sondern als gegeben angenommen.
Es gibt tausende Bücher, welche uns mit Wissen überhäufen und wir neigen dazu, uns auf
dieses Wissen zu berufen, anstatt uns auf unser eigenes Erleben zu beziehen.

Meine Nichte hat mich gebeten, ihr bei einem Referat bei ihrem Psychologiestudium zu helfen.
„Die Anpassungsmechanismen des Ich“. Abgesehen davon, dass der Text schwer zu lesen und mit
Fremdwörtern übersät ist, wundere ich mich über all die Konzepte, die da dahinterstecken,
angefangen von den Grundzügen der Psychoanalyse. Andererseits steckt auch wieder soviel Erkenntnis
darin, dass ich glaube, dass uns das Erkennen der Zusammenhänge und des eigenen Ichs helfen können,
bewusster zu werden. Frage ist, ob Konzepte, welche auf einer Illusion aufbauen,
uns wirklich helfen können, die Illusion zu durchschauen. Letztlich geht es bei vielen Konzepten um Selbstbestimmung, freien Willen, um Zukunft und Vergangenheit.
Vielleicht waren Sigmund Freud oder Viktor Frankl auch erwachte Menschen.
Als ich "Synchronisation im Birkenwald" (im Anhang von „… trotzdem Ja zum Leben sagen“) von Viktor Frankl gelesen habe, glaubte ich es zumindest.

Die ganze buddhistische Lehre ist nur eine Ausarbeitung dieser Zeilen:
„Die drei Reiche der Existenz sind alle nur Geist und die Myriaden von Dingen sind nichts als Bewusstsein.“ – schreibt Han-shan Te-ching.
Menschen brauchen scheinbar all die Konzepte und lieben sie. Der Verstand freut sich, dass wir uns
gerne anstrengen und mit Wissen überhäufen. Ich will damit aber sicher nicht Geringschätzung über
Lehren und Konzepte zum Ausdruck bringen.

Du siehst, auch mein Ich freut sich über Konzepte und kann viel dazu sagen.
Wahrscheinlich hätte ein Satz genügt, um die Fragen zu beantworten.
Wahrscheinlich ist das, was ich geschrieben habe, auch nur ein Konzept.
Am liebsten würde ich das Meiste wieder löschen. Aber ich lasse es stehen, um zu zeigen,
dass auch ich mich gerne anstrenge und wie meine Gedankenwelt gewöhnlich funktioniert.

Es macht mir auch wieder den Weg bewusst, den ich mit euch gehen kann
und den Unterschied des Direct Pointing zu all den Konzepten.
Gibt es beim Beobachten ein Beobachter?
Ich finde keinen. Da ist nur Beobachten. Aber mein Verstand sagt natürlich,
da ist ein Beobachter und da ist jemand, der entscheidet, zu beobachten.
Irgendwie will er sich gar nicht mit der Frage beschäftigen, wer denn beobachtet,
wenn es keinen Beobachter gibt.
Wer sieht und nimmt dann alles wahr? Niemand. Aber wie geht das?
Es gibt Sehen, aber keinen, der sieht. Es gibt beobachten, aber keinen, der beobachtet.
Und es gibt beobachten des Sehens.
Alles gleich, aber für den Verstand nicht logisch, wenn es keinen Täter gibt.

Danke, liebe Grüße und ein schönes Wochenende.
Martin


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