danke für die Zeit und die Fragen. Nach dem schönen Ausflug waren einige Widerstände da, mich damit zu beschäftigen.
Diese Frage hat mich überrascht. Die erste Antwort war: Ich bin es, der sagt, es gibt kein Ich.Wer ist es der sagt es gibt kein Ich? Beschreibe ihn mir..
Bzw. der Verstand. Aber da ist auch einfach Wissen, Nichts das sagt, es gibt nichts.
Hab leider in den letzten Tagen nicht allzu viel Gelegenheit dazu gehabt.Gehe in die Natur, lege wenn möglich deine Gedanken zur Seite.
Laufen findet statt, atmen, schauen. Wann erscheint ein ICH
Bitte ausführlich beschreiben :-)
Aber dennoch hier meine Beobachtungen:
Zuerst ist da Widerstand und Unruhe. Ich sollte besser etwas anderes tun. Dann gehe ich doch los.
Zuerst war da einfach nur gehen, atmen, hören mit einigen Bewertungen (Vogelgezwitscher-angenehm, Eisenbahn - eher laut), wahrnehmen von Frische um die Ohren (es könnte wärmer sein),
Dann kam kurz Unruhe. Der Gedanke: „Ich sollte doch denken oder arbeiten.“ Dann wieder kurz kein Ich. Wenn kein Ich da war, fühlte sich alles sehr leicht an. Irgendwie mittendrin. Auch der Körper fühlte sich leicht an.
Nach einigen Minuten stellten sich Gedanken ein. Ich sah eine Mauer, die repariert werden sollte, darüber kam ich auf die Sitzung nächste Woche und auf andere Gedanken.
Dann sah ich ein Haus, dessen Familie großes Leid widerfahren ist. Trauer überkam mich. Ein kurzer Augenblick der Präsenz. Dann wieder Fragen, die im Kopf auftauchten:
„Was werde ich morgen unternehmen/arbeiten?“
Darüber vergaß ich, mit welchem Ziel ich den Spaziergang unternommen habe.
Heute war ich wieder in der Natur. Es gelang mir jeweils nur kurz meine Gedanken zur Seite zu legen.
Ich hielt mich immer wieder dazu an: Atmen findet statt, hören findet statt. Kurze Gedankenpausen traten ein, aber nicht mehr das Gefühl von Leichtigkeit vom Tag zuvor. Eigentlich waren es mühsame Konzentrationsversuche. Dann befinde ich mich wieder im Hamsterrad und denke einige Zeit gar nicht an meine Aufgabe. Wohl aber gehen mir alle möglichen Gedanken durch den Kopf. Manche dachte ich gar nicht fertig, schon war der Nächste da. Manche entfielen mir sogleich. Da erscheint dann auch ein Ich bzw. komme ich in den Gedanken vor. Manchmal ist aber auch nur Denken ohne ein Ich. Grundsätzlich unterschied sich der heutige Tag in der Natur aber nicht von Tagen vor z.B. 2 Jahren.
Oder drückt sich in diesem Satz eine Erwartungshaltung aus? Es sollte doch besser sein.
Gedanken kicken mich hautsächlich raus. Aber ich erlebe auch, dass ein Gedanke nach dem anderen erscheint, z.B. heute beim Wandern.Glauben sollst du mir nicht, direkte Erfahrung, erleben, dass ein Gedanke nach dem Andern erscheint.
Was kickt dich aus diesem Wissen immer wieder raus? Beschreibe es bitte ausführlich.
Oft kickt mich das Bedürfnis nach Ablenkung raus. Nur nicht damit (Liberation unleashed) und mit mir beschäftigen. Dieser Widerstand führt meist zu großer Unruhe. Einen Film schauen, arbeiten, spielen am PC, Schokolade essen etc. alles besser als still sein.
Dann wieder freue ich mich richtig darauf und warte schon auf deine Fragen.
Beim Schreiben merke ich, dass vieles von mir bewertet wird. Unruhe, Widerstand, Schokolade essen führen zur Ich-Identifikation. Dabei ist da nur Widerstand, Unruhe, Schokolade essen.
Wenn es kein ICH gibt, wie kann es dann ein DU geben?
Gibt es ein DU?
Schaue dich um. Wenn es bei dir kein ICH gibt ist es bei den andern Menschen genau so.
Sie sind sich dessen noch nicht bewusst.
Noch erlebe ich deutlich du´s. Vielleicht für ganz kurze Momente steigt da manchmal so etwas wie eine Ahnung auf, doch meist bin ich sehr schnell wieder in meiner Ich-Identifikation.
So geht es mir mittlerweile auch öfter. Das Karussell wird bemerkt und Ruhe und Lächeln tritt ein.Es klingt so, dass bei dir Erwartungen sind, wie es zu sein hat. Es sind wiederum Gedanken!
Oder? Was meinst du?
Wenn das Karussell bemerkt wird erscheint Ruhe, Gelassenheit und lächelnder Mund.
Es stimmt, bei mir sind noch viele Erwartungen, wie es zu sein hat.
Liebe Grüße
Martin

