Ich denke, dass man es automatisch lernt, weil man als Kind als "jemand" bezeichnet wird und man sich als eigenständig denkend, fühlend und handelnd in einem von allem anderen getrennten Körper erlebt. Außerdem sagt einem niemand, dass es nicht so ist oder sein könnte, ganz im Gegenteil, die ganze Welt geht selbstverständlich davon aus, dass ein jeder Körper von einem Ich bewohnt wird bzw. sogar der Körper das Ich ist und das Ich tot ist, wenn der Körper gestorben ist.Wenn da nur Gedanken und Gefühle sind... kannst Du mir erklären, wie man dann auf die Idee kommt, dass es ein "Ich" gibt? Wie funktioniert das? Woher kommt diese Annahme, wie entsteht sie? Warum ist es so schwierig ihr zu entkommen?
Ich glaube, dass so gut wie niemand diese Annahme infrage stellt, deshalb entkommt ihr auch kaum einer. Aber das wird ja jetzt anders werden, wenn z.B. mehr und Menschen durch diesen Prozess hier gehen. :)
Außerdem ist es verwirrend und beängstigend, wenn man mangels eines Ichs überhaupt keine Kontrolle haben soll, denn nach Kontrolle bzw. Sicherheit streben ja so gut wie alle ihr Leben lang.
Ich finde es auch nach wie vor unheimlich, wenn nicht "ich" hier sitze, sondern irgendwas anderes und lass es "göttlich" sein oder sonstwas, ich kann es nicht greifen und finde es zwar erlebbar, dass die Gedanken und Gefühle und Handlungen nicht von "mir" gesteuert werden, da also kein Ich ist, ich "begreife" es aber trotzdem nicht und bin offensichtlich nicht in der Lage, den final step zu machen. Ich weiß auch nicht, was mir dazu noch fehlt. Vielleicht bin ich auch zu blöd oder habe zuviel Angst, keine Ahnung. Jedenfalls kam ich mir vor, als wäre ich viel näher dran gewesen, als ich das erste Mal hier einen kompletten thread gelesen hatte, einige Wochen bevor mein Prozess hier begann. Ich denke, wenn ich soweit wäre, müsste ich mich doch erleichtert fühlen, dass ich keine Kontrolle und keine Verantwortung habe und keine Schuld usw. und mich mit allem verbunden fühlen oder so, weil "ich" ja alles bin und nicht getrennt. Das ist aber nicht der Fall. Ich stehe gerade unter so massivem finanziellen Druck wie noch nie in meinem Leben und habe durchaus den Eindruck, dass es meine Verantwortung ist, das jetzt schnellstens zu verändern. Mache "ich" aber nicht. Und ich weiß auch, dass irgendwie alles okay ist und ich ja eh nur erleben kann, was ab jetzt passiert und ich bin gespannt. :)

