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Re: Aufwachen
Posted: Mon Oct 01, 2018 9:14 pm
by Glueckseligkeit
Was wärst Du ohne den Wunsch nach Erwachen? Was wärst Du ohne den Gedanken, es gäbe ein Erwachen? Was bist Du ohne alle Geschichten, die auftauchen? Wie fühlt es sich an, wenn es keinerlei Geschichten mehr gibt?
Stelle diese Fragen. Achte auf Schwere und Leichtigkeit! Wenn Leichtigkeit da ist und der nächste Gedanke kommt wie etwa "die Leichtigkeit ist doch nur eingebildet", dann stell gleich wieder die Frage: "Was bin ich ohne diesen Gedanken, dass Leichtigkeit nur eingebildet ist?"
Egal welcher Gedanke oder welche Emotion kommt:
Was wäre ich ohne diesen Gedanken/dieses Gefühl?
Das ist wie Ballonfahren und einen Sandsack nach dem anderen abwerfen. Berichte von der Erfahrung!
Re: Aufwachen
Posted: Mon Oct 01, 2018 9:41 pm
by Klaus
Hey, da bist du wieder!
Ich weiß nicht, was ich wäre ohne den Wunsch zu erwachen oder ohne den "Aufwachen-Gedanken". Beschäftige mich grad wieder mit David Godmans talks on Ramana Maharshi: "Wem steigen diese Gedanken auf?" ist die zentrale Frage da. Deine Empfehlung: "Was ist man ohne diese Gedanken"?, zielen beide auf's selbe.
Der Erfahrungsbericht kommt noch.
Re: Aufwachen
Posted: Tue Oct 02, 2018 9:05 am
by Glueckseligkeit
"Wem steigen diese Gedanken auf?"
Was bist Du auch ohne DIESE Frage?
Wirf alle Fragen, alle Gefühle, alle Gedanken in das Feuer des "Was bin ich ohne das?"
WAS und nicht WER. Denn ein "WER" kann es nur als weltlich-konditionierten Charakter geben. Wir suchen nach dem Wahren, das vor jeder Konditionierung IST.
Immer dann, wenn unangenehme Gefühle und Gedanken auftauchen - prüfe sie. "Was bin ich ohne dieses Gefühl?" Wenn sich Leichtigkeit einstellt, dann weißt Du, dass Du einer Illusion ausgesessen hast. Denn sonst könnte kein Gefühl von Leichtigkeit aufkommen. Lass Dir nicht von den Gedanken einreden, dass das nur eine Selbsttäuschung ist! Wenn ein Gedanke sagt: "Aber das ist nur Selbsttäuschung!" Dann stelle auch diesen auf den Prüfstein: "Was bin ich ohne den Gedanken, dass das Gefühl eine Selbsttäuschung ist?
Wenn ein echter Löwe auftaucht und Du stellst die Frage: "Was bin ich ohne die Angst vor diesem Löwen?" und es kommt keine Leichtigkeit auf, dann ist die Gefahr durch den Löwen vermutlich real sein. Zumindest für den Körper, den Du bewohnst.
Erkennst Du den Unterschied? Gedanken vs. Realität? Lerne die Realität kennen!
Re: Aufwachen
Posted: Tue Oct 02, 2018 7:48 pm
by Klaus
Okay, "wem steigen diese Gedanken auf?" - ist auch wieder ein übler:) Gedanke. Aber irgendwie muss ja ein Rauskommen sein aus dem Hamsterrad. Was ich wäre, auch ohne diesen Gedanken?. Ganz schön knifflig und unlösbar für den Verstand. Ein Koan. Also meine Antwort ist: Bewußtsein wär ich, reines Bewußtsein ohne Seher und Gesehenes, ohne Subjekt-Objekt-Wahrnehmung. Nur Wahrnehmung, bewußte Wahrnehmung ohne eine Person, die was wahrnimmt. Wahrnehmung sogar ohne Körper, ohne jede Identifikation. Jetzt fragst Du bestimmt:"Erlebt oder angelesen?". Und dann geht das Spiel wieder von vorne los. Mit dem Prüfen von jedem Gefühl/Gedanken (besonders den leidvollen) - das mach ich schon und immer schwindet dann jede Identifikation mit diesen Gedanken, sie verlieren ihren Wahrheitscharakter, sind reine Fiktion.
Ja klar, ich erkenne den Unterschied zwischen fiktiven Gedanken(ketten), Gefühlen und dem realen Angstgefühl, wenn ein Auto mich anzufahren im Begriff ist. Die Realität ist der Moment in dem man lebt, das andere sind auf Konditionierungen und Geschichten basierte Fantasieprodukte.
Re: Aufwachen
Posted: Tue Oct 02, 2018 8:09 pm
by Glueckseligkeit
Also meine Antwort ist: Bewußtsein wär ich, reines Bewußtsein ohne Seher und Gesehenes, ohne Subjekt-Objekt-Wahrnehmung. Nur Wahrnehmung, bewußte Wahrnehmung ohne eine Person, die was wahrnimmt.
Und was wärst Du ohne diese Gedanken, das alles zu sein?
Re: Aufwachen
Posted: Wed Oct 03, 2018 10:49 am
by Klaus
Welche Antwort sollte ich Dir geben, wenn ich diesen Durchbruch oder diese Erkenntnis noch nicht hatte? Aber ich verstehe es so, dass ich pausenlos darüber - nein, nicht nachdenken soll - aber es im Bewußtsein mit mir rumtragen soll. Wahrscheinlich lachst Du dich jetzt kaputt. Es ist wie so'n Eiertanz. Ohne diesen Gedanken, das alles zu sein?.. wäre ich gedankenlos .. und in der ständigen Gegenwart.
Re: Aufwachen
Posted: Wed Oct 03, 2018 4:18 pm
by Glueckseligkeit
Aber ich verstehe es so, dass ich pausenlos darüber - nein, nicht nachdenken soll - aber es im Bewußtsein mit mir rumtragen soll.
Das Schöne ist.... "Du" denkst ohnehin nie nach. Präsenz kann nicht denken, glaubt jedoch Gedanken. Identifiziert sich mit Vorstellungen und wird scheinbar zu einer Identität.
Was bist Du ohne diese ganzen Gedanken? Alles ist leicht. Ist diese Leichtigkeit eine Illusion? Was bist Du ohne Gedanken, dass die Leichtigkeit eine Illusion ist? Welcher Gedanke kann noch nach Dir greifen, wenn Du ohne ihn leicht bist?
Re: Aufwachen
Posted: Thu Oct 04, 2018 7:33 pm
by Klaus
Also, wenn ich Dich richtig verstehe, gedankenlos sein?
Re: Aufwachen
Posted: Wed Oct 10, 2018 12:25 pm
by Glueckseligkeit
Entschuldige die späte Antwort, Klaus. Deine Antwort hatte ich leider übersehen...
Gedankenlos sein? Nein. Du steuerst nicht die Gedankenströme, deshalb wäre es nicht fair, zu erwarten, gedankenlos zu sein.
Nimm die Gedankenströme einfach als Wiederholung von Gedanken, die ursprünglich gar nicht von Dir kommen. Gedanken und Ansichten, die Dir im Laufe des Lebens von anderen gegeben wurden.
Du wirst Gedanken nicht dadurch los, indem Du Dich gegen sie stellst. Das haben schon viele versucht und es ist keinem gelungen. Fragen ist da einfacher:
Was bin ich ohne diesen Gedanken?
Was IST ohne diesen Gedanken?
Was brauche ich von diesen Gedanken (und Gefühlen), um JETZT zu sein?
Re: Aufwachen
Posted: Fri Oct 12, 2018 4:49 pm
by Klaus
Lieber Andreas,
ich registriere den Gedankensalat, das ständige Quatschen im Kopf - und kümmere mich nicht drum. Ein Hintergrundrauschen wie Tinnitus und ganz unkreativ. Nur im Schlafzustand ist es unterbrochen, Schlaf=Narkose. Ich mache einfach weiter die Sachen, die ich zu tun müssen glaube und beachte einige wenige Gedanken, die wichtig sind dafür. Der ganze große Rest ist Gedankenschrott und unproduktiv. Die "Sachen" benötigen diesen Störsender auf alle Fälle nicht, um Gestalt anzunehmen.
Was bin ich ohne diesen Gedanken?
Kann ich nicht beantworten, es wären nur Worthülsen.
Was IST ohne diesen Gedanken?
Gegenwart, unmittelbare Wahrnehmung.
Was brauche ich von diesen Gedanken (und Gefühlen), um JETZT zu sein?
Ziemlich wenig, Organisatorisches wie Termine, eine ungefähre Übersicht über das für den Tag zu Erledigende.
Trotzdem lauert immer im Hintergrund die Angst. Dass jeden Moment irgendwas passieren kann, dem ich ausgeliefert wäre und das mich aus der Fassung brächte. Und dann?
Re: Aufwachen
Posted: Fri Oct 12, 2018 6:14 pm
by Glueckseligkeit
Trotzdem lauert immer im Hintergrund die Angst. Dass jeden Moment irgendwas passieren kann, dem ich ausgeliefert wäre und das mich aus der Fassung brächte. Und dann?
Was wäre das denkbar Schlimmste, was passieren könnte? Könntest Du etwas dagegen tun, wenn es eintreten würde? Wie würde es sich anfühlen, das denkbar Schlimmste bedingungslos anzunehmen, zu akzeptieren?
Re: Aufwachen
Posted: Sat Oct 13, 2018 7:13 pm
by Klaus
Das denkbar Schlimmste, was mir geschehen könnte, wäre eine türkische Familie Wand an Wand. Das ist real möglich, aber Zukunftsmusik. Lärmende Nachbarn, laufende Fernseher, knallende Türen und sowas verursachen regelrechte Panik bei mir. Ich fühle mich dann ausgeliefert und ohnmächtig gegen diese Übermacht. Ich sehe mich als ziemlich abweichend von der Norm und verstehe, dass die anderen auch nur einfach leben wollen. Ich bin noch sehr viel mit dem Tod meines Freundes "beschäftigt", was das Ganze zusätzlich erschwert. Meine Leben ist ziemlich angespannt und ich bemühe mich, alles so abzuarbeiten, dass ich mir nichts vorwerfen muss. Also kein Hängenlassen. Die innere Balance muss erarbeitet werden.
Re: Aufwachen
Posted: Sat Oct 13, 2018 10:00 pm
by Glueckseligkeit
Meine Leben ist ziemlich angespannt und ich bemühe mich, alles so abzuarbeiten, dass ich mir nichts vorwerfen muss.
Das klingt nach einer Konditionierung aus Kindheitstagen. Verantwortung wurde Dir "angedichtet", die Du auch als Erwachsener, in dem immer noch das Kind von früher steckt, gar nicht tragen kann. Du bemühst Dich um etwas, das Du nicht erreichen kannst. Das ist Selbstquälerei. Was brauchst Du von alle dem, um JETZT zu sein?
Was bist Du ohne den Gedanken, dass Balance erarbeitet werden muss?
Re: Aufwachen
Posted: Mon Oct 15, 2018 9:52 am
by Klaus
Was bist Du ohne den Gedanken, dass Balance erarbeitet werden muss?
Ich vermute, Du erwartest keine verstandesmäßige Antwort auf diese Frage. Kann man das mit Worten überhaupt sagen? Ich verstehe es so, dass ich die Frage mit mir "herum tragen" soll und sie immer wieder mal in Erinnerung rufen. Korrekt?
Re: Aufwachen
Posted: Mon Oct 15, 2018 1:00 pm
by Glueckseligkeit
Was bist Du, ohne dass Du Dir irgendetwas in Erinnerung rufen musst?
Was bist Du, wenn es Dir egal ist, was Du vermutest?
... ja, fragen ist gut.
Gehe in das Gefühl, das Dir Druck verursacht und schaue genau hin, was den Druck auslöst.
Ist da ein Gedanke, der etwas anders haben will, als es ist? Warum?
Welche Emotionen hängen damit zusammen? Angst, Scham, Traurigkeit oder Wut?
Wenn Du ein für allemal alles akzeptieren würdest, alle Geschichten, Gedanken und das Tatsächliche, wie würde sich das anfühlen?