Diese Beobachtung darf außerdem auch weitergeführt werden:
Gibt es eine Instanz, die die unterschiedlichen Gefühle bemerkt?
Wer hat diese Gefühle?
Heute hatte ich eine interessante Situation, in der ich etwas zum ersten Mal getan habe. Nichts Schlimmes oder besonders Gefährliches (nur ein bisschen :), aber doch mit einer gewissen Unsicherheit verbunden u.a. auch, weil ich vor mir unbekannten Leuten in dieser neuen Situation war.
Vor dem Termin habe ich mir extra noch ein bisschen Zeit genommen, um meine Reaktionen zu beobachten. Um es ganz grob zu schildern: Da war ein großer Aufruhr an Gefühlen. Anspannung, Energie. Mit Etiketten versehen: Angst, Vorfreude, Spannung, Nervosität. Verbunden auch mit spürbaren körperlichen Reaktionen: leichtes Schwitzen, höhere Atemfrequenz.
Interessant war für mich (jetzt nur halb bildlich gesprochen) eine Drang dieser Gefühle, vom Bauch in den Kopf - und auf dem Weg dahin wurde ein Teil dieser emotionalen Energie zu Gedanken: Szenarien, Strategien, Affirmationen - ganz allgemein Geschichten, die um verschiedene Möglichkeiten kreisten, wie dieser Event wohl verlaufen würde.
Genau in diesem Bereich sind ach die Ich-Gedanken und die Indentifikation entstanden. (Ich habe Angst, ich werde es schaffen, ich kann immer noch gehen, wären peinlich wenn ... etc)
Wenn ich dann nachschaue...
Gibt es eine Instanz, die die unterschiedlichen Gefühle bemerkt?
Wer hat diese Gefühle?
... bemerke ich nur Gedanken, die wie Luftbläschen aus der Oberfläche der Emotionen sprudeln und alle mit "Ich" anfangen.
Es gibt also niemanden, der diese Gefühle hat. Sie sind. Und stehen offenbar im engen Zusammenhang mit Gedanken, die thematisch an diese Gefühle geknüpft sind und eine Art Muster reproduzieren, das offenbar in erster Linie aus verarbeiteten Erinnerungen besteht.