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Re: Aufwachen
Posted: Sat Jun 16, 2018 9:23 pm
by Klaus
Lieber Andreas,
Ich zitiere aus Hinweise zum Erwachen und stelle im Anschluss meine Fragen zu Unklarheiten:
S.5: "Allem, was aufkommt, mit Offenheit und ohne Widerstand zu begegnen, lässt die gesamte Erfahrung des Lebens
zu einer vergnüglichen Fahrt werden."
Kein Widerstand - auch wenn mich Leute auf der Straße zusammenschlagen wollen? "Vergnügliche Fahrt"?
S.6: "Hier geht es vor allem darum, die Wahrheit zu sehen. Jetzt. Halte in jedem Moment nach der Wahrheit Ausschau.
Hinterfrage alles."
An wen wenden sich diese Aufforderungen, wenn es kein Ich gibt?
S.6: "Sobald du das erkennst, (...)"
Wer ist "du", wenn kein Ich existiert. Wer kann etwas erkennen? Gibt es überhaupt jemanden, der erwachen kann?
S.8: "Und in diesem Prozess erkennen wir, dass die Person, die nach Sicherheit sucht, gar nicht existiert."
WER soll das denn erkennen? Wer soll das denn sein? Das könnte ja dann höchstens ein "Es" sein: es wird erkannt. Die Frage bleibt aber: Von WEM oder WAS wird etwas erkannt? Oder ist das ein Paradoxon, was der konventionellen Verwendung von Sprache geschuldet ist? An wen wendet sich eigentlich dieser Text?
S.9: "An sich gibt es gar keine Befreiung. Wer ist befreit? Niemand."
OK, hier wird schon meine Frage beantwortet, an wen sich das Ganze hier richtet.
Da ich wirklich langsam im Lesen bin, wird's noch etwas dauern, bis ich den Text durch hab. Aber er ist Gold wert. Danke.
Liebe Grüße
Klaus
Re: Aufwachen
Posted: Sun Jun 17, 2018 2:33 pm
by Glueckseligkeit
Lieber Klaus,
das ist für mich die maßgebliche Aussage:
Da ich wirklich langsam im Lesen bin, wird's noch etwas dauern, bis ich den Text durch hab. Aber er ist Gold wert. Danke.
Es geht nicht immer darum, etwas zu verstehen. Wenn der Text "Gold wert" ist, dann kommen die Informationen des Textes offensichtlich an der "richtigen" Stelle an, auch wenn zwischendurch Unklarheiten auftauchen. Der Text hat viele Facetten. Verstehen kommt auf verschiedenen Ebenen an. Lies einfach mal gemütlich weiter.
Re: Aufwachen
Posted: Tue Sep 18, 2018 8:39 pm
by Klaus
Hallo Andreas,
da bin ich wieder. 3 Monate sind vergangen, und ich konnte den Text nicht zu Ende lesen (was ich aber noch vorhabe). Es hat sich eigentlich nichts verändert seit unseren letzten Posts. Ich laboriere mit der Stille, aus der alles Sprachliche entsteht und die so etwas wie der Urgrund hinter allem ist, permanent. Ich gestehe, das hab ich von Tolle und/oder Ramana Maharshi. Deine für mich wichtigsten Aussagen, die ich auf Schilder geschrieben hatte und aufgehängt, kommen mir so immer mal wieder vor Augen - ich fasse sie hier noch mal zusammen:
DU KANNST DER WAHRHEIT NIEMALS NÄHER SEIN ALS DU ES IN JEDEM MOMENT BIST. ----------------------------------
SCHAU DICH UM. SCHAU DICH UM UND LASS ALLES GENAU SO STEHEN WIE ES IST. BLEIBE WAHRNEHMUNG. AKZEPTIERE KEINEN GEDANKEN. BLEIBE GENAU DA. --------------------------------------------------------------------------------------------
WIE KOMMST DU NUN IN DEN MOMENT? INDEM DU NICHTS VON DEN GEDANKEN "ANFASST", DIE IN DER WAHRNEHMUNG AUFTAUCHEN. SEI DA. LASS GESCHEHEN. LASS GEDANKEN KOMMEN UND GEHEN. DEIN HERZ SCHLÄGT. DEIN ATEM GEHT. DIE RICHTIGEN EINFÄLLE KOMMEN, WENN SIE BENÖTIGT WERDEN.. ES IST NICHT DEINE ANGELEGENHEIT, DICH UM GEDANKENKONSTRUKTE ÜBER DEIN LEBEN ZU KÜMMERN.--------------
Hast Du noch "Lust", mir weiter zu helfen, das Unmögliche zu erreichen?
Liebe Grüße
Klaus
Re: Aufwachen
Posted: Wed Sep 19, 2018 9:02 am
by Klaus
Mein Problem: Wenn Wahrnehmungen stattfinden über Auge, Ohr, Nase usw., wer registriert das? Nase,Ohr,Auge sind nicht selbst registrierend. Kann man diesen Registrierenden nicht als Ich oder Ich-Instanz bezeichnen? Also das, was sich dessen bewusst wird, das etwas wahrgenommen wird mit Hilfe der Sinne?
Re: Aufwachen
Posted: Wed Sep 19, 2018 1:26 pm
by Glueckseligkeit
Lieber Klaus,
ich freue mich sehr, von Dir zu lesen! Gerne können wir zusammen ein paar weitere Schritte gehen.
Du schreibst:
Hast Du noch "Lust", mir weiter zu helfen, das Unmögliche zu erreichen?
Wie würdest Du Dich fühlen, wenn Du nicht mehr das "Unmögliche" erreichen wolltest? Wie würdest Du Dich fühlen, wenn Du Dich emotional nicht mit den Gedanken über Dein Leben identifizieren würdest und es Dir egal wäre, was Du über dieses Leben denkst? Wie würdest Du Dich fühlen, wenn Du einfach nur da wärst und der Gedanke "alles ist so unvollkommen" vollkommen verschwunden wäre? Wer oder was wärst Du ohne alle diese Gedanken, Ansprüche und Vorstellungen?
Re: Aufwachen
Posted: Wed Sep 19, 2018 2:34 pm
by Klaus
Lieber Andreas!
Schön, dass Du auch wieder da bist!
Wie würdest Du Dich fühlen, wenn Du nicht mehr das "Unmögliche" erreichen wolltest?
Der Satz war mit einem leichten Augenzwinkern gesagt. Ich weiß ja, dass es nichts zu erreichen gibt und ich "tue auch immer so", als ob ich das gar nicht WOLLTE, das mit dem Durchschauen des Ichs. Aber irgendwie liegt man ja doch immer etwas auf der Lauer, wenn man einmal angefixt wurde mit diesem Selbsterkenntnisfilm.
Wie würdest Du Dich fühlen, wenn Du Dich emotional nicht mit den Gedanken über Dein Leben identifizieren würdest und es Dir egal wäre, was Du über dieses Leben denkst?
Ich übe das schon immer, nicht darauf herein zu fallen, dass das, was man mein Leben nennen könnte, irgendwas mit mir zu tun hat in Wirklichkeit. Also Distanz zwischen dem, was mir passiert und "mir selbst" zu beachten. Frei nach: Sei der Zeuge dessen, was dir zustößt im Leben aber identifiziere dich nicht mit diesem Geschehen. Aber Du meintest mehr die Gedanken ÜBER mein Leben: Mit den Gedanken ist es das Gleiche: Ich halte sie nicht für sehr wichtig, sie kommen eben in meinen Kopf, mehr nicht. Was ich dann damit anstelle, ist eine zweite Sache. Insofern bin ich schon frei, aber doch noch dieses 'IN EINEM GEFÄNGNIS'-Gefühl. Frei und völlig autonom handeln müsste man können. Die Lebensumstände, in denen man (fest)steckt einfach so ändern können. Aber dann wieder der Gedanke, dass man mit ALLEM zurecht kommen kann, wenn man innerlich frei ist und bei sich.
Wie würdest Du Dich fühlen, wenn Du einfach nur da wärst und der Gedanke "alles ist so unvollkommen" vollkommen verschwunden wäre? Wer oder was wärst Du ohne alle diese Gedanken, Ansprüche und Vorstellungen?
Ja nun, das ist mein Ideal, dem ich hinterherlaufe seit ich denken kann.
Freue mich sehr, dass unser Dialog weiter geht.
Klaus
Re: Aufwachen
Posted: Wed Sep 19, 2018 3:47 pm
by Glueckseligkeit
Lieber Klaus,
Ich übe das schon immer, nicht darauf herein zu fallen, dass das, was man mein Leben nennen könnte, irgendwas mit mir zu tun hat in Wirklichkeit. Also Distanz zwischen dem, was mir passiert und "mir selbst" zu beachten.
Irgendwas muss für Dich sexy daran sein, dass Du auf Gedanken hereinfällst. Irgendein Gefühl oder Gedanke der Wichtigkeit, der Bedeutsamkeit. Ich kann Dir versichern, nichts daran ist bedeutsam oder wichtig. Gedanken herrschen nur im Kopfkino. Die Welt dreht sich auch weiter, wenn schlagartig alle Menschen zu denken aufhören. Und deren Leben geht auch weiter. Nur dann lebendig und real. Alle Bedeutung fallen zu lassen, das ist der Sprung ins Nichts. Aber nur für den Verstand. Es ist letztlich nur das Abtreten von der Bühne des Kopfkinos, die gar nicht existiert.
Aber ich kenne das, was Dich hemmt. Und es gibt eine Milliarde Gründe, nicht vom Kopfkino abzulassen.
Als ich festgestellt habe, dass alles Leid nur in Interpretationen meines Kopfkinos zu finden war und ich einfach meine "kindliches" Seinsgefühl sein musste, zerplatzte die Illusion. Lachen und Weinen war da.
Du kannst Dich dem anpirschen, in dem Du Dich immer Mal fragst: was wäre jetzt das Gefühl ohne diesen schlechten Gedanken? Und dann spürst Du immer mehr: wow. Wenn ich einfach meine Aufmerksamkeit auf etwas anderes richte, ist der andere Gedanke ja einfach weg. Natürlich will Dein Verständnis das nochmals genau nachprüfen, in das leidige Thema wirklich schon weg ist. Und dann ist es schwupps wieder da. Aber nur weil der Kontrolleur da ist. Den es in Wahrheit auch nicht gibt.
Ja nun, das ist mein Ideal, dem ich hinterherlaufe seit ich denken kann.
Du läufst einer in sich scheinbar schlüssigen Fatamorgana hinterher. Die Gedanken folgen anderen Gedanken. Auch dem "Ich" Gedanken. Das als wärst Du ohne den, der läuft? Was wärst Du ohne ein Ideal?
Es ist ein Gedankenspiel dem Deine Ideale und Deine Vorstellung folgt. Mehr nicht. Die Aufmerksamkeit bist Du, aber nicht die Gedanken, die darin auftauchen. Aber Du bist verliebt in die Inhalte der Wahrnehmung.
Re: Aufwachen
Posted: Wed Sep 19, 2018 3:50 pm
by Glueckseligkeit
Sorry... Satz wurde falsch korrigiert. Nicht:
Natürlich will Dein Verständnis das nochmals genau nachprüfen, in das leidige Thema wirklich schon weg ist.
Sondern: natürlich will Dein Verstand das nochmals genau nachprüfen, ob das leidige Thema wirklich schon weg ist.
Re: Aufwachen
Posted: Wed Sep 19, 2018 8:07 pm
by Klaus
Alle Bedeutung fallen zu lassen, das ist der Sprung ins Nichts.
Gerade im kreativen Bereich ist "alle Bedeutung (erstmal) fallen zu lassen" von größter Wichtigkeit, sonst entsteht nichts "Neues", Lebendiges. Das ist ja Alltag für mich.
Wieso meinst Du, falle ich auf Gedanken rein? Das hab ich nicht verstanden, vor allen Dingen nicht bezogen auf das vorangehende einkopierte Zitat. Meintest Du, dass ich den Gedanken/Gefühlen Wichtigkeit oder Bedeutsamkeit zumesse oder mir selber als Person? Vielleicht kannst Du das nochmal schärfer formulieren. Ich weiß, dass sich die Welt weiter dreht, wenn alle aufhörten zu denken, was ein ganz anderes Dasein produzieren würde. Das ist ja gerade das Ideal, aufhören zu denken als Secondhand-Modus sozusagen und aus einer Ebene zu leben, die VOR dem Denken angesiedelt ist, also näher der Quelle. Die Sehnsucht, dahin zu gelangen, überhaupt die Annahme, das es so etwas geben muss (Ramana), ist groß und auch irgendwie ein Trost.
Als ich festgestellt habe, dass alles Leid nur in Interpretationen meines Kopfkinos zu finden war und ich einfach meine "kindliches" Seinsgefühl sein musste, zerplatzte die Illusion. Lachen und Weinen war da.
Ich weiß genau, wovon Du sprichst, obwohl ich es leider nicht erlebe. Das kann man dann wohl Freiheit nennen.
Du kannst Dich dem anpirschen, in dem Du Dich immer Mal fragst: was wäre jetzt das Gefühl ohne diesen schlechten Gedanken?
Genau das versuche ich zu machen, wann immer es mir "einfällt". Die Gedanken, besonders die Leid hervorbringenden, sind die Sündenböcke, wenn man sie hereinläßt. Im Arbeiten an einer ausfüllenden Sache geht das recht gut. Man taucht ein und befindet sich unterhalb des Gedankenradars.
Du läufst einer in sich scheinbar schlüssigen Fatamorgana hinterher.
Danke, das hat mir gerade noch gefehlt.
Was wärst Du ohne ein Ideal?
Na, vielleicht ein Junkie oder gar nicht mehr am Leben. Ich weiß es nicht. Aber die Frage stellt sich mir gar nicht. Ich suche nur nach einem Weg aus dem Leid. So, wie z.B. der Buddha es gesucht hat.
Die Aufmerksamkeit bist Du, aber nicht die Gedanken, die darin auftauchen. Aber Du bist verliebt in die Inhalte der Wahrnehmung.
Der letzte Satz changiert auch wieder hart an der Grenze meines Auffassungsvermögens. Muss ich noch mehr zu verstehen versuchen. Meinst Du, die INHALTE der Wahrnehmung soll man völlig NEUTRAL betrachten, ohne Abneigung oder Wohlgefallen dabei zu empfinden?
Re: Aufwachen
Posted: Thu Sep 20, 2018 5:22 pm
by Glueckseligkeit
Wieso meinst Du, falle ich auf Gedanken rein? Das hab ich nicht verstanden, vor allen Dingen nicht bezogen auf das vorangehende einkopierte Zitat. Meintest Du, dass ich den Gedanken/Gefühlen Wichtigkeit oder Bedeutsamkeit zumesse oder mir selber als Person? Vielleicht kannst Du das nochmal schärfer formulieren.
Mit "auf Gedanken reinfallen" meine ich, dass diese Dich so faszinieren und festhalten, dass Du sie ernst nimmst. Niemand schreibt Dir vor, den Gedanken zu glauben. Ihre Bedeutung existiert nur durch Deinen Glauben an sie und Deine emotionale Bindung an sie.
Ich weiß genau, wovon Du sprichst, obwohl ich es leider nicht erlebe. Das kann man dann wohl Freiheit nennen.
Du kannst nicht wissen, wovon ich spreche, wenn Du es "leider nicht erlebst". Um es zu erleben, fange "einfach" an, mit Gedanken "umzugehen".
Denke an etwas "Schlimmes". Dann wende verschiedene Strategien an, um den schlimmen Gedanken wieder loszulassen. Wie ist es, wenn Du nun an etwas Schönes denkst? Wie ist es, wenn Du Dich anstrengst, den schlimmen Gedanken loszulassen? Spiele damit herum. Erkenne, dass Du Dich jederzeit mit etwas anderem beschäftigen kannst. Es sei denn, Du gibst der Überzeugung nach, dass der Gedanke immens wichtig ist und Du keinesfalls die Aufmerksamkeit von ihm nehmen darfst. Spiele damit. Gedanken anfassen. Gedanken wieder fallen lassen und Dich mit anderem beschäftigen. In diesem Spiel erkennst Du die Freiheit. Fange mit einfachem "Schlimmen" an. Dann steigere es. Und stelle fest, dass Du Dich auch bei den schlimmsten Horrorgedanken einfach schlagartig mit etwas anderem beschäftigen kannst. Dieses Spielen bringt mehr als Philosophieren. In jedem Moment kannst Du alle Gedanken hinter Dir lassen. Es gehört das größte "Scheißegal-Gefühl" (entschuldige den Kraftausdruck) dazu, scheinbar überaus Wichtiges einfach hinter sich zu lassen. Und "ja", sei damit einverstanden, dass Dich ein Blitz erschlagen darf, weil Du so gleichgültig gegenüber wichtigen Gedanken bist. Wie kannst Du nur so gleichgültig sein? ;) ... Das ist der wahre Beginn von Selbstliebe. Alles fallen zu lassen. Zu sich zu kommen. Zu sich kommen ist natürlich nonsens. Du kannst gar nirgends anders sein, lässt Dich jedoch auf das Fremdgehen mit dem Gedankendurcheinander ein.
Re: Aufwachen
Posted: Fri Sep 21, 2018 12:32 pm
by Klaus
Habe Dein Gedankenexperiment durchgeführt: Generell habe ich große Probleme, der enormen Flut am "schlimmen" (negativen) Gedanken auch nur einen positiven entgegen zu stellen. Ich mache es aber mit "Phantasiedenken", das übliche Klischee vom Karibikurlaub etwa. Reine Phantasie, aber es klappt, solange man darauf fokussiert bleibt. Du erwiderst nun sicherlich, dass die "schlimmen" Gedanken auch reine Fantasieprodukte sind, da sie sich entweder auf Zukünftiges oder Vergangenes beziehen. Stimmt. Ein wirklich aktueller positiver Gedanke ist, wenn ich an diesen Dialog mit Dir denke.
Ich lerne aus der Übung, dass ich in "Wirklichkeit" nicht von Gedanklichem abhängig zu sein brauche. Es gibt etwas von Gedanken Unberührtes, Stimmungsschwankungen aufgrund von Gedanken sich hinzugeben ist also nicht die wirkliche Wirklichkeit. Das zu wissen, ist schon die halbe Miete.
Re: Aufwachen
Posted: Fri Sep 21, 2018 2:01 pm
by Glueckseligkeit
Das zu wissen, ist schon die halbe Miete.
Wir wollen aber die ganze Miete, oder?
Ich mache es aber mit "Phantasiedenken", das übliche Klischee vom Karibikurlaub etwa. Reine Phantasie, aber es klappt, solange man darauf fokussiert bleibt.
Lasse vielleicht den Begriff "fokussiert" fallen. Das impliziert, dass schlechte Gedanken das Normale sind und Du Dich auf schöne Gedanken fokussieren musst. In Wahrheit gibt es da keine Schwierigkeitsgrade oder Anstrengungen. Die Aufmerksamkeit/Präsenz ist da, wo sie ist. Für sie gibt es keine Anstrengung, da nichts bewegt werden muss. Sie ist vollkommen "energiefrei". Entweder die Aufmerksamkeit ist da oder dort. Anstrengend wird es erst, wenn der Gedanke kommt: "Ich muss mich auf was Schönes konzentrieren, weil ich weiß, dass die Welt schrecklich ist." Das ist dann wie bei einem Expander. Das sind die Dinger, die es in meiner Jugend gab. Zwei Griffe und ein paar Federn dazwischen und dann das Ganze auseinander ziehen. Bzgl. der Aufmerksamkeit ist das viel einfacher. Da gibts nur einen Griff :)
Es gibt etwas von Gedanken Unberührtes, Stimmungsschwankungen aufgrund von Gedanken sich hinzugeben ist also nicht die wirkliche Wirklichkeit.
Doch, es ist die Wirklichkeit, aber nicht die Wahrheit. Das ist ein großer Unterschied. Du kannst Dich voll in die Gedanken stürzen und das hat große Wirkungen. Angst, auch wenn sie noch so irrational sein mag, lässt Adrenalin und Cortisol in den Körper fließen. Das ist die Wirk-lichkeit. D. h. die Gedanken und Ängste wirken! Aber die Gedanken müssen gar nicht wahr sein, was sie auch so gut wie nie sind. Denn sie sind nicht die Dinge selbst, sondern nur Beurteilungen, Klebezettelchen, Kopien, was auch immer... Du kannst also ganz klar jeden Moment prüfen: Was wirkt gerade? Was ist tatsächlich wahr?
Der Affenverstand, wie im ZEN der unermüdlich quatschende und Ängste verbreitende Verstand genannt wird, ist ein Selbstläufer. Er hat nichts mit Dir zu tun. Er ist reine Programmierung aus der Kindheit Deines Körpers. Er ist ein unbekämpfbarer Schatten, dem Du nur die Aufmerksamkeit entziehen kannst. Und die Gedanken beruhigen sich, wenn sie keine Aufmerksamkeit mehr bekommen. Man muss den Verstand ein wenig wie ein quengelndes Kleinkind ansehen. Wenn man sich darauf einlässt, wird man irgendwann vom Kleinkind dominiert, wird ständig gerufen, muss ständig alles mitmachen... Man wird zum unbezahlten Animateur und die Aufmerksamkeit wird absorbiert.
Stell Dir vor, Du sitzt in einem Bus und hinter Dir nervt ständig ein Kind. Es hat mit Dir absolut nichts zu tun. Es ist das Kind eines anderen. Aber es quengelt halt. Du fühlst Dich gestört. Du bist genervt. Was willst Du tun? Das Kind knebeln oder samt Mutter aus dem Bus werfen lassen? Es hassen, verprügeln,... was? Mit etwas, das existiert, kann man all diese Dinge tun. Nicht aber mit einem Geist, mit einer Fatamorgana. Und genau das ist das Problem der Menschen. Sie glauben der Fatamorgana (selbstlaufende Gedanken) und steigern sich in den Emotionen ins uferlose. Dadurch betanken sie die Fatamorgana ständig mit Energie und halten das Spiel am Laufen.
Gedanken sind eine Fatamorgana. Sie erzählen Geschichten, die uns häufig nicht gefallen. Deshalb hilft Dir "die halbe Miete" leider rein gar nichts, lieber Klaus. Die ganze Miete ist: "Hahaha, was für ein Quatsch, auf Wiedersehen liebe Gedanken. Ich brauch Euch nicht. Ihr seid zahnlose Tiger, beißt mich doch..." Und dann tust Du, was zu tun ist, bist da, bist mit dem Empfinden im leeren Raum, in dem alles auftaucht und verschwindet.
Re: Aufwachen
Posted: Fri Sep 21, 2018 4:37 pm
by Klaus
Du hast natürlich Recht, zahnlose Tiger, wenn man ihnen die Aufmerksamkeit entzieht. Deshalb liebe ich auch meine Arbeit so, da bin ich völlig schwindelfrei im leeren Raum und die auftretenden Gedanken werden gleich wieder verabschiedet.
Ja, die ganze Miete sollte es schon sein. Wenn ich Dich richtig verstehe, soll ich also angenehme und unangenehme Gedanken gleich unwichtig behandeln? Eben nur als durchziehende Wölkchen? Also die ANGST, die ich als Verursacher fast aller 'schlimmen` Gedanken ausmache, ließe sich durch Aufmerksamkeit/Präsenz in Schach halten. Der Affenverstand oder unaufhörliche innere Monolog läuft weiter, ich entziehe ihm nur die Aufmerksamkeit. Der leere Raum ist wohl der beste Ort, von dem aus sich handeln lässt. Ausschließliche Präsenz. Ich merke, wir sind schon wieder weit weg vom Thema dieses Forums, der Durchschauung des Ichs als Illusion.
Re: Aufwachen
Posted: Fri Sep 21, 2018 7:02 pm
by Glueckseligkeit
Ich merke, wir sind schon wieder weit weg vom Thema dieses Forums, der Durchschauung des Ichs als Illusion.
Aber nein. Das Ich ist auch nur ein Gedanke, das im Meer der anderen Gedanken in den Wellen auf und ab taucht und quiekt. Es ist eine Gemisch aus Gedanken und Gefühlen. Mehr nicht.
Re: Aufwachen
Posted: Sat Sep 22, 2018 11:59 am
by Klaus
Also das Ich nur ein quiekender Gedanke, gut. Ich hätte aber doch gern ein Erweckungserlebnis ähnlich Deinem: Weinen und Lachen zugleich. Nein, Spaß beiseite, man darf sich nicht anstrengen und muss auf die Gnade warten. Vielleicht gibt es ja auch einen allmählichen Übergang, ein Reinrutschen in die Ichlosigkeit, von der man garnichts zu wissen braucht. Stille und Leere sind wohl zentrale Begriffe, das zuzulassen.