Ich hatte abends wieder eine längere Sitzung und auch unter Tags keine Zeit, daher bin ich erst jetzt fertig geworden.
Also, ich finde deine Antworten sehr klar! Ist dies nun eine "intellektuelle" Erkenntnis, oder findest du
diese Einsichten in deinem Erleben?
Es könnte sein, dass du dir einfach eingestehen mußt, dass du am Ziel angekommen bist...
Ich finde diese Einsichten immer wieder auch in meinem Erleben, ich weiß nicht,
wie ich es nennen soll, als kurze Szenen oder Bilder, als etwas Spürbares (im Bauch, unmittelbare Körperumgebung), als intuitives Wissen.
Manchmal denke ich mir, dass ist jetzt nur intellektuell, bin mir aber nicht sicher.
Bei der Übung von Douglas Harding konnte ich tatsächlich keine Körperform feststellen.
Ich kann auch immer wieder beobachten, wie und wann sich der Verstand dazuschaltet, wobei das so schnell
und subtil passiert, dass es nur bei genauer Beobachtung bewusst ist.
Was ist noch nicht klar genug? (Sei ehrlich!)
Bei „Was ist Direct Pointing und was nicht“ steht:
Wird das vermeintliche ICH glasklar und ohne Zweifel als Illusion durchschaut, führt dies zu einem veränderten Erleben und einer neuen Sichtweise. Dieses neue Erleben bringt bei vielen zunächst Euphorie mit sich, die aber erfahrungsgemäß mit der Zeit wieder nachlässt.
Dieses neue Erleben ist nicht glasklar. Das Erleben ist noch dominiert von Ich-Illusion, Gedanken, Vergangenheit
und Zukunft, Hoffnung, Wünschen usw.
Ist ja kein Problem, „ich“ gewöhnt sich daran, dass auch das auftauchen kann.
Meine Erwartungen sind einfach nur Erwartungen.
Gibt es ein Ziel, an dem man ankommen kann?
Intellektuell beantwortet:
In der Ich-Illusion geht es immer weiter. Ziele sind immer nur Zwischenziele.
Wenn es niemanden gibt, kann niemand an einem Ziel ankommen. Wenn es nur
direktes Erleben oder Jetzt gibt, gibt es keine Ziele oder alles ist Ziel.
Noch ein paar Fragen: Wo verläuft in deinem Erleben die Grenze zwischen dir und der Welt?
Diese Frage habe ich mir in den letzten beiden Tagen immer wieder gestellt. Ich saß im Seminar und um mich herum saßen andere Seminarteilnehmer. Da waren Tische, die Vortragende, die Leinwand, die Arbeitsunterlagen. Räumlich gesehen konnte ich keine Grenze feststellen. Wir alle waren im Raum. Zwischen den Körpern
und Gegenständen im Raum erlebte ich insofern Grenzen, als die Körper und Gegenstände eine gewisse Form hatten. Es gab ein kurzes Erleben, dass ich nur schaue - aus einem Auge in etwa der Größe meines Kopfes und ansonsten keine klare Körperform besitze. Ich erlebe generell nicht, dass ich mit den anderen Körpern oder Gegenständen verbunden bin.
Beim Autofahren ist es ähnlich. Dabei erlebe ich manchmal, als würde ich mich nicht vom Fleck bewegen und die Landschaft zieht vorbei. All diese kurzen Augenblicke werden dann vom Denken, analysieren und dem Bemühen,
das in Worte zu fassen, abgelöst.
Ich erlebe meinen Körper außer bei Schmerzen oder bei Bewegung selten bewusst und bin sehr im Kopf mit Gedanken beschäftigt. Jetzt kommt es mir manchmal so vor, als wäre der Körper nicht da.
Ist dein Leben dein Leben? Wenn nicht, was ist es dann?
Mit dieser Frage konnte ich zuerst nichts anfangen, vor allem, wie soll ich sie
aus meinem direkten Erleben und nicht intellektuell beantworten?
Ich kann beobachten, dass mein Leben nach Schema F verlaufen ist bzw. noch immer zum Großteil verläuft. Allerdings fällt mir besonders seit ca. 2-3 Wochen auf, dass ich dieses Schema auch verlasse, Neues wage. Dann kommt es mir oft so vor, als wäre nicht ich das, der etwas tut oder sagt. Es geschieht einfach, die Worte werden gesprochen, ohne dass ich etwas lenken könnte.
Wenn ich nur im Moment horche, ob mein Leben mein Leben ist, dann sind da keine Geschichten von meinem Leben, da ist für den Moment kein „mein Leben“.
Intellektuell betrachtet: Da es mich nicht gibt, gibt es auch mein Leben nicht, sondern nur Leben.