Heute Abend fiel es mir schwer, einfach nur die Fragen zu beantworten und die Übungen zu machen. Mein Verstand kann das nicht einfach so weitermachen. Ich habe daher mal all das, was mir durch den Kopf geht, niedergeschrieben, um dir zu zeigen, was in mir vorgeht. Ich entschuldige mich jetzt schon für den langen und vielleicht verwirrend wirkenden Text. :)
Aber dann musst du mir bitte sagen, wer das "Tiefer atmen" steuert.
Da sind wir wieder bei der Kernfrage :) Es ist so verlockend zu sagen, "ich" steuere es, und es kostet immer einiges an Anstrengung da genau hinzuschauen und zu sehen, dass es niemanden gibt, der das steuert. Aber es ist noch nicht ganz selbstverständlich. (Zwar kann ich die Antwort intellektuell herbeten, aber es wirklich zu beobachten und zu spüren, fällt nicht so leicht)
Wenn etwas passiert wie das tiefe Einatmen, dann wird es wahrgenommen und der Verstand interpretiert das sofort als bewusste Handlung der Körpers, bzw. einer Instanz, die nicht gefunden wird. Es wird gerade auch ein Gefühl von Kribbeln im Zwerchfell wahrgenommen, was mein Verstand als "ich bin genervt" interpretiert. Genervt von den Gedanken, die immer im Weg sind. Den ganzen Tag arbeitet der Verstand und löst Probleme auf Arbeit und zu Hause, will Interessen nachgehen, Informationen einholen, etc. Am Abend, wenn ich dann Zeit habe, hier zu antworten ist es als würde ich in eine andere Welt eintauchen und muss erstmal wieder lernen, die Dinge ohne die Konzepte des Verstandes wahrzunehmen. Das ist ziemlich frustrierend. Es ist der "Wunsch" da, dass sich dieser Zustand bald legt.
Ich weiß, was du fragen wirst: Wer ist da frustriert und wünscht sich was? :) Ich werde wieder antworten, da sind nur Körperempfindungen und Gedanken, die diese Empfindungen interpretieren und es als schlechtes Gefühl einstufen. Aber das hilft irgendwie nichts :) Es bleibt trotzdem gleich. Es taucht die Frage auf, ob man die Gedanken komplett ignorieren soll? Aber das ist ja nicht die Lösung. Was genau ist dann das Ziel? Der Verstand wird immer weiter solche Fragen stellen. Aber sollte das nicht irgendwann aufhören? Die ganzen Übungen zum direkten Erfahren sind doch am Ende nur relevant, damit der Verstand ein neues Bild von sich und der Realität bekommt, oder? Im Prinzip lerne ich eine neue Art mich und meine Sinne zu betrachten. Die 5 Sinne Hören, Riechen, Sehen, Schmecken und Fühlen sind "rein" und passiv und können nur wahrgenommen werden. Die Gedanken können auch wahrgenommen werden und haben aber die Macht, alle anderen Sinne mit Bedeutung und Interpretation aufzuladen. Die Gedanken lassen es so wirken, als wären da intrinsische Bedürfnisse im Körper, Wünsche und Abneigungen. Diese sorgen dafür, dass sich der Körper bewegt und z.B. Essen kocht oder auf Toilette geht. Jetzt geht es doch darum, zu erkennen, was wirklich ist, und was uns die Gedanken nur "vorspielen". Wo kommt der Handlungsimpuls her, dass ich etwas zu Essen mache? Warum gehe ich arbeiten? Warum beschäftige ich mich mit dem Thema Ich-Illusion?
Tja, und da gibt es einfach keine Antwort zu finden! Es gibt irgendjemanden, der sich vornimmt: "Heute esse ich Spaghetti" oder "Nächstes Jahr fahren wir zum Urlaub an die Ostsee". Der Verstand sagt, "ich" nehme mir das vor.
Aber wer ist "ich"? Es ist eine Bezeichnung für "etwas". Ein Synonym: Für das, was getan wird. Für das, was gedacht wird. Für das, was entschieden wird.
Woher weiß der Verstand, dass der Körper sitzt? Weil das Auge den Körper auf der Couch sieht, die Beine angewinkelt. Der Druck am dem Po und Rücken wird gespürt. Somit sagt der Verstand "der Körper sitzt". Wenn man diese Aussage weglässt, was bleibt dann übrig? Das Sehen und das Spüren vom Körper. Und nun? Ändert sich dadurch etwas? Was ist falsch an dem Label vom Verstand? Es umschreibt die Sinneswahrnehmungen mit Wörtern. Die Wörter stehen dann stellvertretend für das was eigentlich als Sinneswahrnehmung geschieht. Sie sind nicht die Sinneswahrnehmung, das ist klar. Aber das wollen sie ja auch nicht sein.
Ich komme irgendwie nicht weiter. Mir ist klar: Es gibt kein "Ich". Es gibt die Gedanken, die ein "Ich" als Synonym für verschiedene Sinneswahrnehmungen nutzen. Die Gedanken nutzen
alle Wörter als Synonym für unendliche Kombinationen aus Sinneswahrnehmungen. "Sitzen" ist ein Synonym für bestimmte Körperempfindungen + Sehen.
Was erkenne ich hier noch nicht? Was übersehe ich bei der ganzen Sache? Üben wir einfach nur weiter zu erkennen, wie der Verstand die Sinneswahrnehmungen interpretiert und dadurch mehr hinzudichtet, als da wirklich ist? Warum das Ganze? Was mache ich mit der Erkenntnis?
PS:
Ich wollte dir übrigens mal zwischendurch dafür danken, dass du dir die Zeit nimmst und mir hier fast täglich lange Texte und Übungen schreibst. Ich weiß das sehr zu schätzen. :)