Liebe Daniela,
Ja, das ist wohl zu viel Stoff gewesen, lass es uns runterbrechen auf den Aspekt des Wahrnehmens und auf das, was da wahrnimmt. Wichtig ist auch genau zu unterscheiden, was aus der konkreten Wahrnehmung kommt und was nicht wahrgenommen wird, sondern aus dem erlernten Wissen kommt. Das vermengt sich in unserem alltäglichen Sein, sodass wir das miteinander verwechseln und nicht mehr unterscheiden. Auch überprüfen wir das, was wir zu wissen glauben nicht und halten es für wahr, vor allem dann, wenn das alle so tun. Dafür können wir nichts, das haben wir so gelernt. Wenn wir Erkennen wollen, was tatsächlich ist, müssen wir das gelernte in Frage stellen, indem wir es in Frage stelle. Das gelingt nur durch direktes Schauen und erkennen. Ich bitte Dich also die Experimente durchzuführen dabei ganz nah beim Wahrnehmen zu bleiben und dich dabei ganz auf das Wahrnehmen selbst zu beziehen und nicht auf das, was du weißt oder glaubst. Das braucht Zeit und Wiederholung, bis es ganz klar ist. Die Übungen, die Ich Dir bis jetzt geschickt habe, kannst Du auch immer wieder machen. Sie können Dich ins direkte Erkennen führen.
Du schreibst
Wahrnehmen geschieht! Wo es stattfindet kann ich nicht so genau beschreiben.
Ja, das stimmt. Wahrnehmen lässt sich nicht lokalisieren, da es kein wahrnehmendes Zentrum gibt, von dem aus wahrgenommen wird, also auch Kein Ich, das im Falle von Sehen hinter den Augen sitzt und wahrnimmt.
Wenn ich etwas sehe, nehmen die Augen das Bild auf
,
Gibt es ein Ich das sieht und kannst du das wirklich erfahren, wie die Augen ein Bild aufnehmen? Oder ist das etwas, was Du gelernt hast?
Können Augen sehen, wahrnehmen ?
Mache mal folgendes Experiment:
Schaue mit entspanntem, offenem Blick, ohne etwas Bestimmtes zu fokusieren. Lass die Afmerksamkeit offen und frei sein. Während die Aufmerksamkeit offen und frei ist, nimm zur Kenntnis, das alles, was Du wahrnimmst, im sehenden Wahrnehmen erscheint.
Wenn Du jetzt entspannt geradeaus schaust und dich nur auf den Sehsinn stützt ohne auf Erinnerungen oder auf erlerntes Wissen Bezug zu nehmen, erfährst Du in deinem visuellen Experiment sowas wie Augen, die wahrnehmen oder einen Kopf, oder ist da nur offener Raum, Gewahrseins-Raum
Kannst Du tatsächlich Augen erfahren, die ein fertiges Bild aufnehmen? Oder ist da nur wahrnehmen, das geschieht, in dem Farben und Formen erscheinen?
Und ohne den Begriff Bild, was bleibt?
und wahrgenommen wird es mit allem.
Was meinst Du damit, es wird mit allem wahrgenommen?
Gibt es da etwas, das wahrnehmen macht, oder ist es einfach gegeben, geschieht?
Mache nun folgendes Experiment:
Beginne wie im ersten Experiment, mit einem entspannten , offenen, weiten Blick. Nimm wahr, wie sehen geschieht und alles im sehenden Wahrnehmen erscheint.
Während wahrnehmen geschieht, ist da gleichzeitig ein Wissen davon, dass Wahrnehmen geschieht. Kannst Du das erkenne?. Probiere es so oft wie möglich aus.
Ich bin mir nicht nur darüber bewusst, was ich wahrnehme, sondern, dass ich wahrnehme. Wahrnehmen ist also immer schon bewusstes Wahrnehmen. Alles was wahrgenommen wird, erscheint also in diesem bewussten Wahrnehmen. Ja und was das ist, was da erscheint ist gelernt.
Des weiteren, weiß ich nicht nur, dass ich wahrnehme und was in der Wahrnehmung erscheint, sondern ich weiß auch dass ich da bin/existiere .
Ich bin und ich bin bewusst!
Ist das nicht so? Dieses “Wissen” davon, dass
ICH BIN, ist kein kognitives Wissen. Es ist ein unmittelbares Erkennen. Ich muss nicht erst darüber nachdenken. Es ist vor jedem Denken.
Wenn Ich Dich frage, bist Du da?
Was würdest Du mir antworten? Müsstest Du erst drüber nachdenken ob du bist, oder irgendwo nachschauen oder weißt du es einfach ohne auf etwas Bezug zu nehmen?
Stell Dir bitte jetzt die Frage und dann schau!
Mach das so häufig, bis es klar ist.
Achte jetzt darauf: Entspannter, offener Blick, alles erscheint im Sehen und während Sehen geschieht, weißt Du, dass Du bist.
Bist Du da, während Sehen geschieht?
Schließe dann die Augen und nimm wahr, wie Sehen verschwindet. BIst Du immer noch da, oder bist Du mit den Sehobjekten verschwunden?
Wiederhole das, solange, bis die Tatsache ganz klar erkannt wird, dass ICH BIN (EXISTIERE) ob Sehen geschieht oder nicht.
Alles, was ich wahrnehme, kommt und geht. Aber Ich, dieses bewusste wahrnehmen nicht.
Nun mach das Experiment auch mit den anderen Sinnen. Es ist wichtig, dass Du es wirklich machst, bis es klar erkannt wird.
Experiment Hören:
Schließe die Augen und lausche auf die Geräusche. Sie kommen und gehen. Bist Du da, während sie kommen und gehen. Ich bin da vor dem Geräusch, während des Geräusches und auch dann, wenn es verschwunden ist.
Experiment Empfinden:
Während Empfinden geschieht, bin Ich da und weiß, dass ich bin. Experimentiere damit. Geschlossene Augen. Lege Die Hand zum Beispiel auf einen Tisch und nimm wahr, wie Empfindungen erscheinen, wie zum Beispiel Kühle, Schwere, Kontakt. Und während Empfinden geschieht, nimm gleichzeitig wahr, dass Du da bist. Nun hebe die Hand vom Tisch, die Empfindungen verschwinden, andere tauchen eventuell auf.
Bist Du immer noch da?
Und vielleicht neben dem Empfinden nun das wichtigste Experiment:
Experiment Denken:
Schließe dafür die Augen und beobachte ob Gedanken da sind oder nicht. Nimm wahr, dass da gewusst wird ob Gedanken da sind oder nicht. Bist Du da, während Gedanken auftauchen? Bist Du auch da, wenn sie gehen?
Gedanken kommen und gehen, sie sind also vergänglich und unbeständig, wie Hören, Empfinden, Sehen usw.
Hast Du dein eigenes Verschwinden, deine eigene Nichtexistenz schon Mal erfahren.
Also, was kommt und geht nicht?
Du schreibst:
Das versteh ich nicht, was du damit meinst. Alles ist in Bewegung, in Veränderung.
Was ist es, dass weiß und erfährt, dass alles in Bewegung, in Veränderung ist, sprich; kommt und geht? Was bezeugt dieses Kommen und Gehen? Das was bezeugt, wie alles kommt und geht, muss ja da sein oder?
Und das, was weiß, was vor sich geht, muss ja bewusst sein und present.
Der Moment wird wahrgenommen, das Leben, es ist eins, geht ins Nichts und in die Unendlichkeit
.
Leben, Nichts, Unendlichkeit…..alles Konzepte. Woher weißt du von Leben, Nichts, Unendlichkeit. Du hast es gelesen, gehört, gelernt?
Als Du geboren wurdest, hast du was davon gewusst?
Du hast auch nichts von Dir gewusst, oder? Ich bin ein Baby, das ist meine Mutter, Ich habe Augen, einen Körper. Ich sehe Objekte….
Von alldem weiß ein Baby nichts.
Aber ist es bewusst? Gewahr? Ein Baby ist voll bewusst, aber nicht sich seiner Selbst bewusst.
Dann taucht irgendwann die Erfahrung auf, dass ICH BIN. Ich werde mir also dieses Seins bewusst, dass ich bin. Und dann wird dieses Selbstbewusstsein mit Attributen bestückt und das ist die Geburt des Ichs. Daran können wir uns nicht mehr erinnern. Aber Du hast drei Kinder. Wann fing das an mit dem ICH?
Was ist also Dieses Ich?
Das ich ist die Bezeichnung für die Wahrnehmung des Lebens, in diesem Moment
.
Das Ich eine Bezeichnung. Was wird damit bezeichnet?
Kannst Du das konkretisieren, wie Du das meinst?
Was wird da wahrgenommen, wenn Ich erfahren wird?
Was ist das Leben, dass da wahrgenommen wird? Und was genau meinst Du damit, wenn Du Leben sagst?
Wir leben in einer konzeptuellen Welt und halten sie für wahr.
Schau noch einmal ganz konkret. Wie äußert sich das Ich. An was konkret wird ein Ich festgemacht. Wenn ich frage wer bist Du? Was sagst Du mir dann für gewöhnlich? Wenn Du sagst, ich bin gekränkt, Du hast mich verletzt, oder ich bin glücklich, wen meinst Du dann im allgemeinen damit? Versuche keine spirituelle oder philosophische Antwort zu geben. Wenn Du jemanden kennen lernst und der fragt Dich, wer bist Du? Was sagst Du ihm für gewöhnlich? Oder wenn ich Dich bitte, auf Dich zu zeigen auf was zeigst Du dann? Was glaubst Du also zu sein? Für was konkret hältst Du dich, wenn Du dich auf dieses Ich beziehst?
Und was ist das, was vor allen Geschichten und Beschreibungen ist? Das was unveränderlich und unbeschreibbar ist? Das, was weiß, dass es ist?
Was Bin ICH ohne Geschichte, Beschreibung, Benennung hier-jetzt?
Schau jetzt ohne auf Gedanken Bezug zu nehmen. Was ist da vor allen Gedanken? Was bleibt, wenn sie gegangen sind. Dasselbe, das immer da war, schon als Babysein erfahren wurde, oder mit 10 Jahren oder mit 30, 50,70, auf dem Todesbett. Alles was erfahren wurde, Schönes, Hässliches, Glückliches, Unglückliches alles kommt und geht. Was kommt und geht nicht?
Ich bin ganz gespannt, was Du herausfindest.
Herzliche Grüße
FreyaLuna