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Re: Was bleibt vom "Ich bin"?

Posted: Tue Sep 03, 2019 1:06 pm
by barb
Nein, vermutlich nicht. Ich meine mich zu erinnern von indigenen Völkern gelesen zu haben, die eben gar kein "ich" kennen (was als weniger weit entwickelt deklariert wurde). Aber vielleicht ist das auch nur eine erfundene Gedankengeschichte
Davon hab ich auch gehört... Ja genau, Geschichte... :)
Aber der Punkt ist: Glauben ist eine Gedankengeschichte.
Genau
"Problem" gibt es nicht als Erfahrung - das ist ein Label für eine Erfahrung.
Wie ist die Erfahrung von Problem? Was davon ist zu sehen-hören-spüren-riechen-schmecken? Jetzt - genau in diesem Moment – gibt es da ein Problem? Sollte irgendwas anders sein als es ist? Wenn ja was und warum?
Tut mir leid, ich hatte das auf "alles andere, ausser das Forum/Gateless Gatecrashers" bezogen, weil letzteres empfohlen wurde, "während der Wartezeit auf einen Guide". Wenn Du es für sinnvoll hälst, lasse ich das Weiterlesen darin. Ich finde es inspirierend, finde ähnliche Erfahrungen dort - aber vielleicht lenkt es ja wirklich ab vom eigentlichen Punkt.
Ne ne, ist kein Grund zum Entschuldigen... :) Ich kann das wirklich nicht sagen, was besser ist für die Untersuchung... Vielleicht experimentierst du ja mal mit und mal ohne... Dass du wirklich 1-2 Tage mal nur auf das fokussierst was wir untersuchen, und das Buch beiseite lässt, und dann mal wieder 1-2 Tage mit...

Es ist halt so essenziell wichtig aus der Konzeptwelt in die direkte Erfahrung zu kommen. Und die kannst du nur mit selber schauen machen. Auch die Inspirationen aus dem Buch bleiben nur leeres Papier, wenn sie dich nicht animieren selber nachzuschauen und zu deinen eigenen Einsichten führen...
Das Ich würde alles sehen, was ich sehe :-P 
?
Und ich habe keine Vorstellung, wie es aussehen, sich anhören, schmecken, riechen könnte. Die Vorstellung einer Präsenz - aber die Präsenz würde dann ja wieder - wer? - wahrnehmen... :-D
Genau jetzt - bist du präsent?
Wenn da ein Ich wäre, und ich es wahrnähme, dann wäre es nicht ich - das "Ich" kann also nicht "ich" sein. Das Ich kann sich nicht selbst wahrnehmen, so wie das Auge sich selbst nicht sehen kann, das Ohr sich nicht hören kann.
Ganz genau so ist es, aber solange das nur eine intellektuelle logische Schlussfolgerung ist, ist es zu wenig... Erst die richtige Einsicht dieser Aussage bringt Befreiung (für niemanden... ;))
Aber dann müsste ja vielleicht jemand anderes mein "Ich" wahrnehmen können? Aber es ist nunmal weder hörbar, sehbar, riechbar, schmeckbar, höchstens "wahrnehmbar als Präsenz" - und das wäre eine innere, als für niemanden von aussen wahrnehmbar.
Ist wahrnehmen/Präsenz wahrnehmbar? Oder ist einfach nur dadurch, dass immer wahrnehmen da ist so eine Art Wissen, dass wahrnehmen ist, da?
Innen von was? Außen von was?

Dann blieben da noch die Hellsichtigen - vielleicht können die "mein Ich" wahrnehmen? Aber als was dann?
Raus aus dem Kopfkino!!! Die „anderen“ interessieren uns hier mal garnicht... ;)
Heieiei, das ist schon nicht so leicht fassbar, das "Ich" ;-)
Was ist daran wichtig ein „Ich“ zu fassen oder zu haben?

Vergiss auch nicht dass da ein Unterschied ist zwischen "dich gibt es nicht", und "es gibt kein getrenntes Ich". Der Name deines Threads lautet: Was bleibt vom „Ich bin“... Was wäre wenn da einfach nur „bin“ bliebe?
Aber umgekehrt wird ja ein Schuh draus: "Liebes Ich, zeig Dich, beweise, dass es Dich GIBT" - "es" behauptet ja dauernd, es gäbe es, mit jedem "ich"-gelabelten Gedanken. Und hat es bisher nichts geliefert.
Label sind Label, na und? Nimm dir mal ein zwei Zettel und schreib auf den einen „Ich“ auf den anderen „Marco“. Wird durch das Label der eine zu einem „Ich“ und der andere zu „Marco“?
Alle Gedanken kommen aus dem Nichts, ja. "Der wissen will": Da will niemand wissen.
:)
Es fühlt sich wie ein Drang an, das "wissen wollen" erscheint und geschieht einfach.
Ja, dieser Vorwärtsdrang ist zutiefst menschlich... Der eine sucht halt nach Karriere, der andere nach Beziehungsglück, andere identifizieren sich mit ihren Kindern, dann gibts noch so allerlei Substanzen und dann ist da noch die große Erleuchtung... ;D Jeder läuft halt irgendwas hinterher...
Aber: Du kannst diesen Drang sehen, stimmts?
Auf das sind wir aus - das was sieht! Du bist nicht das was du sehen kannst, sondern da ist einfach sehen/wahrnehmen (man könnte auch sagen du bist das was sieht, aber das ist schon wieder der Nährboden für eine neue Identifikation...)

Für das, was wir Verstand nennen, ist das natürlich viel zu wenig Action, absolut langweilig – nix los... Was??? Einfach nur wertfreies neutrales unpersönliches Wahrnehmen in dem alle Erscheinungen scheinbar auftauchen? Laaaangweilig – irgendwas muss es doch zu finden geben... Hetz-hetz-hetz...:D Weder richtig noch falsch, das ist einfach das was ist... :)
Da ist nur aus sich selbst heraus gewahres Sein - und im Moment, in dem ich das schreibe, kommen die Gedanken, deren Inhalt sich wehrt. Die sich dann "verstecken".
Wie schaut sich wehrender Gedankeninhalt aus?
Und Gedanken "aber ich bin noch nicht durch".

Wer sollte denn wo durch sein? Was versuche ich zu verlieren - wenn es doch gar nicht da ist?

Aber "sehen" - sehen muss doch deutlicher sein: findet ein Gedanke.

Nur ein Gedanke. Trotzdem: noch nicht überzeugt... :-(
Macht doch nichts, wir haben doch eben erst angefangen... :) Jahrelange Konditionierung lösen sich nicht so schnell auf. Wichtig ist, dass du immer weiter schaust...
Jetzt ist da Traurigkeit. Der Gedanke von "Blockade".
Traurigkeit ist gut, es scheint sich was zu bewegen... Es ist schon üblich, dass allerlei Emotionen auftauchen, lass sie einfach da sein solange sie wollen...
Aber: wer ist blockiert? Ich suche mal nach dem Blockierten. 
Nochmal aber: Wer sucht nach dem Blockierten? ?
"Error 404: Not found" :-D
Wie schaut die Blockade aus?

Achte bitte auf alle Reaktionen, Körperempfindungen, Gefühle und Gedanken, wenn du den folgenden Satz liest:

Es gibt kein getrenntes Ich, nirgends, niemals und hat es nie gegeben. Es gibt niemanden, der einen Schleier durchdringen könnte, niemanden, der das Auflösen der Ich-Illusion wahrnehmen oder die letzte Mauer durchschlagen kann. Es gibt kein Ich, das irgendetwas tun oder kontrollieren könnte.

Schreibe alles Reaktionen gleich auf.



PS: Die Webseite hat derzeit ein wenig Probleme, es kann geschehen, dass sobald du auf Vorschau oder Absenden gehst alles weg ist. Deshalb am Besten im Textverarbeitungsprogramm schreiben und kopieren... :)

Re: Was bleibt vom "Ich bin"?

Posted: Tue Sep 03, 2019 8:36 pm
by nosceteipsum
Ich fange mit dem Ende an, weil, als ich bis nach unten gelesen hatte, natürlich gleich die Reaktionen kamen.
Achte bitte auf alle Reaktionen, Körperempfindungen, Gefühle und Gedanken, wenn du den folgenden Satz liest:

Es gibt kein getrenntes Ich, nirgends, niemals und hat es nie gegeben. Es gibt niemanden, der einen Schleier durchdringen könnte, niemanden, der das Auflösen der Ich-Illusion wahrnehmen oder die letzte Mauer durchschlagen kann. Es gibt kein Ich, das irgendetwas tun oder kontrollieren könnte.

Schreibe alles Reaktionen gleich auf.
Meinen Körper schüttelt es. Tränen fliessen.
"Nein!"
Traurigkeit
Enttäuschung
Niedergeschlagenheit
Kraftlosigkeit
Resignation
"Ohnmacht"
"ich will nicht"
Trauer
"Verlassen"
Weinen
"unfair"
"Hilfe"
"bitte, ich will nicht"
"Wer ist denn dann für mich da?" (Weinen, Schütteln)
Beruhigung
Augen schliessen - "Flucht nach innen"
"Was dann? Was nun?"
Enge. Tief durchatmen.

(Ich hab den Satz immer wieder durchgelesen)
Wie ist die Erfahrung von Problem? Was davon ist zu sehen-hören-spüren-riechen-schmecken? Jetzt - genau in diesem Moment – gibt es da ein Problem? Sollte irgendwas anders sein als es ist? Wenn ja was und warum?
"Problem" ist nicht zu "sehen-hören-spüren-riechen-schmecken": Es ist das Label für ein Label einer Empfindung - "Wärme empfinden" -> Label "zu heiss" -> Label "Das ist ein Problem"

In diesem Moment, in der Empfindung, gibt es kein Problem. Da "ist" nur - auch wenn es z.B. Schmerz ist.
Dass du wirklich 1-2 Tage mal nur auf das fokussierst was wir untersuchen, und das Buch beiseite lässt, und dann mal wieder 1-2 Tage mit...
Mache ich so. "Garfield" statt "Gateless Gatecrashers".
Das Ich würde alles sehen, was ich sehe :-P
?
Wenn es ein "Ich" gäbe, das all die Wahrnehmunge hätte, und das mit "mir" identifzierbar wäre, dann wären "seine" Wahrnehmungen gleich der "meinen".
Genau jetzt - bist du präsent?
Da ist Präsenz, ja - die Wahrnehmungen sind präsent.
Ganz genau so ist es, aber solange das nur eine intellektuelle logische Schlussfolgerung ist, ist es zu wenig... Erst die richtige Einsicht dieser Aussage bringt Befreiung (für niemanden... ;))
Genau, und auf das Auftauchen der richtigen Einsicht wartet auch niemand ;-)
Ist wahrnehmen/Präsenz wahrnehmbar? Oder ist einfach nur dadurch, dass immer wahrnehmen da ist so eine Art Wissen, dass wahrnehmen ist, da?
Innen von was? Außen von was?
Wahrnehmen an sich ist keine Empfindung, kein "sehen-hören-...", nur ein Überbegriff.
Das "so eine Art Wissen" lässt mich stolpern - das ist ein Häkchen, an dem ich ein "Ich" aufhängen kann: wer sonst "weiss"? Aber Gedanken sagen "da ist Wahrnehmung"
Was ist daran wichtig ein „Ich“ zu fassen oder zu haben?
Wenn es existiert, ist es zu fassen. Wenn nicht, dann nicht. Das rauszufinden ist wichtig. Für wen? Keine Ahnung, ist nur ein Gedanke.
Was wäre wenn da einfach nur „bin“ bliebe?
"Da fehlt ja was", sagen die Gedanken dann. "Was unterscheidet mich dann noch?" "Wo bin ich dann?"
Wenn ich weiter spüre, dann fühlt es sich ruhig an im Körper.
Label sind Label, na und? Nimm dir mal ein zwei Zettel und schreib auf den einen „Ich“ auf den anderen „Marco“. Wird durch das Label der eine zu einem „Ich“ und der andere zu „Marco“?
Nein, natürlich nicht. Label haben keine Substanz.
Wie schaut sich wehrender Gedankeninhalt aus?
"Blödsinn", "Wie soll das denn gehen?", "Wo bleibe ich dann?"
Wie schaut die Blockade aus?
Sie ist hauptsächlich ein Gedankeninhalt, der die Traurigkeit labelt. "Ich verstehe es doch, aber es bewirkt nichts", kommt hinterher.
Es gibt kein getrenntes Ich, nirgends, niemals und hat es nie gegeben. Es gibt niemanden, der einen Schleier durchdringen könnte, niemanden, der das Auflösen der Ich-Illusion wahrnehmen oder die letzte Mauer durchschlagen kann. Es gibt kein Ich, das irgendetwas tun oder kontrollieren könnte.
Ein krampfiges Gefühl, leichtes, beim jetzt nochmal lesen (ungefähr 7 Stunden später als das erste Mal)

Re: Was bleibt vom "Ich bin"?

Posted: Wed Sep 04, 2019 12:17 pm
by barb
Schreibe alles Reaktionen gleich auf.
Meinen Körper schüttelt es. Tränen fliessen.
"Nein!"
Traurigkeit
Enttäuschung
Niedergeschlagenheit
Kraftlosigkeit
Resignation
"Ohnmacht"
"ich will nicht" 
Trauer
"Verlassen"
Weinen
"unfair"
"Hilfe"
"bitte, ich will nicht"
"Wer ist denn dann für mich da?" (Weinen, Schütteln)
Beruhigung
Augen schliessen - "Flucht nach innen"
"Was dann? Was nun?"
Enge. Tief durchatmen.

(Ich hab den Satz immer wieder durchgelesen)
Hui, da scheint sich ja einiges zu tun...

Was von den ganzen Erscheinungen sind körperliche Empfindungen, und was Gedankengeschichten? Welche davon sind eine Kombination? Bitte antworte nicht aus der Erinnerung, sondern nur wenn nochmal was auftaucht.

Wenn eines der obigen Gefühle auftaucht, dann versuche es einfach da sein zu lassen. Achte nicht auf die Gedanken sondern sei ganz mit der Empfindung. Frag das Gefühl, was es beschützen will.. Und dann schau dahinter – ist da was?
Mache ich so. "Garfield" statt "Gateless Gatecrashers".
:))
Wenn es ein "Ich" gäbe, das all die Wahrnehmunge hätte, und das mit "mir" identifzierbar wäre, dann wären "seine" Wahrnehmungen gleich der "meinen".
Wer oder was würde das dann bemerken?
Ganz genau so ist es, aber solange das nur eine intellektuelle logische Schlussfolgerung ist, ist es zu wenig... Erst die richtige Einsicht dieser Aussage bringt Befreiung (für niemanden... ;))
Genau, und auf das Auftauchen der richtigen Einsicht wartet auch niemand ;-)
Ist da wirklich niemand? Schau mal nach, frag dich welche Instanz auf die „richtige“ Einsicht wartet.
Kann sein, dass diese Frage die Einsicht bringt, dass es keine Einsicht braucht, weil einsehen immer da ist... :)
Wahrnehmen an sich ist keine Empfindung, kein "sehen-hören-...", nur ein Überbegriff. 
Das "so eine Art Wissen" lässt mich stolpern - das ist ein Häkchen, an dem ich ein "Ich" aufhängen kann: wer sonst "weiss"? Aber Gedanken sagen "da ist Wahrnehmung"
Müssen Gedanken da sein um wahrzunehmen?
Mit der Sprache ist es immer ein bisschen schwierig... Kein Wort kann die Wahrheit beschreiben, dennoch brauchen wir Worte zum kommunizieren. Worte sind wie Wolken die den Himmel bedecken, sie können aber auch der Wind sein, der die Wolken verweht... Wenn wir gerade beim Wind sind: Wo hört Wind auf und wo fängt wehen an? Gibt es eine Trennung?
Braucht es ein „Ich“ damit wissen sein kann? Steuert ein „Ich“ das Atmen? Die Verdauung? Das Gehen? Gibt es einen Kapitän der das ganze schaukelt? SCHAU WIRKLICH NACH und lass nicht die Gedanken antworten!!!
Wenn es existiert, ist es zu fassen. Wenn nicht, dann nicht. Das rauszufinden ist wichtig. Für wen? Keine Ahnung, ist nur ein Gedanke.
Wenn die Wahrheit jetzt nicht hier ist, wo sollte sie denn sonst sein? Was ist jetzt hier?
"Da fehlt ja was", sagen die Gedanken dann. "Was unterscheidet mich dann noch?" "Wo bin ich dann?"
Ist es denn wahr was die Gedanken sagen? Fehlt was?
Was ist Besonderheit? Was, wenn du überhaupt nicht besonders bist?


Einzigartigkeit ist der Kern von allem. Es gibt keine zwei gleichen Blätter an einem Baum, keine zwei gleichen Blumen, und keine zwei gleichen Menschen.

Ist Einzigartigkeit etwas Besonderes? Musst du besonders sein, um einzigartig sein zu können?
Wenn ich weiter spüre, dann fühlt es sich ruhig an im Körper.
Komm immer wieder ins Spüren und schau nach ob JETZT was fehlt...
Wie schaut sich wehrender Gedankeninhalt aus?
"Blödsinn", "Wie soll das denn gehen?", "Wo bleibe ich dann?"
So war das nicht gemeint, die Gedankenmärchen interessieren uns nicht...:)
Wie schaut sich wehrender Gedankeninhalt in direkter Erfahrung aus? Was davon ist zu sehen-hören-spüren-riechen-schmecken?
Wie schaut die Blockade aus?
Sie ist hauptsächlich ein Gedankeninhalt, der die Traurigkeit labelt. "Ich verstehe es doch, aber es bewirkt nichts", kommt hinterher.
Was ist von Traurigkeit in direkter Erfahrung auffindbar? Was sollte es denn bewirken?


Hier ist eine Übung, die dir helfen kann herauszufinden ob das etikettieren wirklich so harmlos ist – sie dauert 10 - 20 Minuten und du brauchst Papier, Schreibzeug und einen Timer

Schreibe die ersten 5 - 10 Minuten alles auf was du erlebst und zwar mit ‚Ich‘:
Ich sitze hier.
Ich sehe aus dem Fenster.
Ich höre ein Auto.
Mir juckt der Fuß
Ich kratze mir meinen Fuß
Ich habe Verspannungen in der Schulter
Ich schreibe hier komisches Zeugs
Ich will endlich Erkenntnis
usw....

Reines Beschreiben, bleib dabei und achte gleichzeitig auf körperliche Wahrnehmungen.
Die nächsten 5 - 10 Minuten mach das Gleiche nur ohne das Wort ‘Ich’ zu benutzen:

Sitzen
aus dem Fenster schauen
Auto hören
Vogelgezwitscher hören
Finger spüren
Nase kitzelt
kratzen an der Nase
einatmen – ausatmen
an Ich-losigkeit denken
Nackenverspannungen
usw....
Und wieder achte auf den Körper.

Danach vergleiche beide Male:

1. Fühlt sich das eine wahrer an als das andere? Wenn ja, welches?
2. Ohne Etiketten, was ist hier?
3. Ist dir ein Unterschied im körperlichen Empfinden aufgefallen?
4. Gibt es etwas was dir noch aufgefallen ist, falls ja, was?

:)

Re: Was bleibt vom "Ich bin"?

Posted: Thu Sep 05, 2019 10:10 pm
by nosceteipsum
Was von den ganzen Erscheinungen sind körperliche Empfindungen, und was Gedankengeschichten? Welche davon sind eine Kombination?
Wenn ich den Satz nochmal lese, kommt beim ersten Mal ein "Druck auf die Augen", wie kurz vorm Weinen. Beim zweiten Mal lesen, kommt nur noch eine Art "erinnertes Gefühl" an diesen Druck, also ein Gedanke.
Frag das Gefühl, was es beschützen will.. Und dann schau dahinter – ist da was?
Es will den Blick auf die Leere verdecken, die hinter dem "Ich" ist. Da ist Angst vor der Leere.
Wer oder was würde das dann bemerken?
Keine Ahnung - "ich" oder "niemand", je nachdem, wie reflexionsfähig dieses imaginierte "ich" da ist.
Ist da wirklich niemand? Schau mal nach, frag dich welche Instanz auf die „richtige“ Einsicht wartet.
Da ist niemand sichtbar gewesen beim Schauen. Es tauchten ab und zu "ich"-Gedanken auf, sonst war Stille. Nichts wahrnehmbares.
Müssen Gedanken da sein um wahrzunehmen?
Nein, überhaupt nicht. Sie kommen einfach meistens dazu, als ein Teil davon.
Wo hört Wind auf und wo fängt wehen an? Gibt es eine Trennung?
Ohne wehen kein Wind. Wind ist wehen. Am ehesten ist "Wind" das Label für "das, was weht" - und da ist natürlich niemand, der weht, es weht einfach.
Braucht es ein „Ich“ damit wissen sein kann? Steuert ein „Ich“ das Atmen? Die Verdauung? Das Gehen? Gibt es einen Kapitän der das ganze schaukelt? SCHAU WIRKLICH NACH und lass nicht die Gedanken antworten!!!
Nein, es braucht kein "ich", um etwas zu wissen - da ist immer überraschend viel Wissen, von dem "ich" nichts wusste, das einfach auftaucht.
Das Atmen kann von Gedanken beeinflusst werden, aber die tauchen einfach auf.
Die Verdauung ist auch beinflusst von Gedanken, Gefühlen, körperlicher Verfassung - aber kein Steuermann zu finden.
Ich schaue, höre, spüre - finde keinen Kapitän.
Wenn die Wahrheit jetzt nicht hier ist, wo sollte sie denn sonst sein? Was ist jetzt hier?
Jetzt hier sind Wahrnehmungen - Geräusche, Licht, körperliche Empfindungen. Da ist atmen, tippen, denken.
Die Wahrheit ist immer "hier", nur "nehme ich sie nicht wahr" - Warheit/wahrnehmen = Wind/wehen? hmmmm…
"Da fehlt ja was", sagen die Gedanken dann. "Was unterscheidet mich dann noch?" "Wo bin ich dann?"
Ist es denn wahr was die Gedanken sagen? Fehlt was? Was ist Besonderheit? Was, wenn du überhaupt nicht besonders bist?
Besonderheit ist "hinreichend abweichen von der Mehrheit" - sei es in Fähigkeiten, Emotionen, Wahrnehmungen,….
Und den Gedanken fehlt nicht die "Besonderheit", sondern die "Abgesondertheit" - sie wollen sich "scheiden von den anderen". Interessante Geschichte, ah. Angst davor "unterzugehen", "einzutauchen" im Sein. Zu ertrinken, zu ersticken - keinen Raum mehr zu haben.

Wenn da keine Trennung ist, dann sind da auch keine Grenzen. Und ohne Grenzen ersticke "ich". Davor will mich das "ich" beschützen.

Aber "fehlen" sonst - an "Einzigartikeit" - würde nichts.
Ist Einzigartigkeit etwas Besonderes? Musst du besonders sein, um einzigartig sein zu können?
Nein, "Einzigartigkeit" ist wie "Leben" das am weiten verbreitete und doch das Kostbarste.
Komm immer wieder ins Spüren und schau nach ob JETZT was fehlt...
Nein, da fehlt nichts JETZT.
Wie schaut sich wehrender Gedankeninhalt in direkter Erfahrung aus? Was davon ist zu sehen-hören-spüren-riechen-schmecken?
In direkter Erfahrung gibt es körperliche Enge, Verkrampfung.
Was ist von Traurigkeit in direkter Erfahrung auffindbar? Was sollte es denn bewirken?
Da finde ich flachen Atem, Schwere im Körper, Trägheit, Schmerz. Spekulation: Sollte verhindern, dass ich weiter schaue.
Danach vergleiche beide Male:

1. Fühlt sich das eine wahrer an als das andere? Wenn ja, welches?
Das zweite fühlte sich "unmittelbarer" an - es fehlte ein "Filter", eine "Engstelle", durch die alles durch musste im ersten Fall.
2. Ohne Etiketten, was ist hier?
Da "ist" einfach.
3. Ist dir ein Unterschied im körperlichen Empfinden aufgefallen?
Die zweite Runde war deutlich "entspannter" im körperlichen Empfinden - wie "losgelassen".
4. Gibt es etwas was dir noch aufgefallen ist, falls ja, was?
In der zweiten Runde kam ausser dem Labeln des "was passiert" kein "ich"-Label hinterhergeflattert - was es sonst gerne tut. Das fiel mir aber erst beim Nachdenken auf.

Re: Was bleibt vom "Ich bin"?

Posted: Fri Sep 06, 2019 12:11 pm
by barb
Jetzt hier sind Wahrnehmungen - Geräusche, Licht, körperliche Empfindungen. Da ist atmen, tippen, denken.
Die Wahrheit ist immer "hier", nur "nehme ich sie nicht wahr" -
Ist das wahr, dass du sie jetzt nicht wahrnimmst? Spiele mal mit der Möglichkeit, dass nur Wahrheit da ist, dass sie nie nicht wahrgenommen werden kann, und dass nur Gedanken etwas anderes erzählen. Weil das einfach nicht zu ver-stehen ist, sondern nur erfahrbar...Was wäre wenn Wahrheit einfach immer das ist was jetzt erfahren wird? Kannst du wissen, ob irgendetwas existiert, was jetzt nicht erfahrbar ist? Gibt es eine Trennung zwischen wahrnehmen und erfahren?
Wahrheit/wahrnehmen = Wind/wehen? Hmmmm…
Klingt doch gut, oder?
Wenn da keine Trennung ist, dann sind da auch keine Grenzen. Und ohne Grenzen ersticke "ich". Davor will mich das "ich" beschützen.
Könnte der Weihnachtsmann ersticken? Kann etwas das nicht existiert und nie existiert hat untergehen/verschwinden?
Komm immer wieder ins Spüren und schau nach ob JETZT was fehlt...
Nein, da fehlt nichts JETZT.
Gibt es was anders als JETZT?
In direkter Erfahrung gibt es körperliche Enge, Verkrampfung.
Ist diese Art Verspannung auch mal da ohne Gedankeninhalt und mal mit ganz anderen Gedanken vielleicht?
Was ist von Traurigkeit in direkter Erfahrung auffindbar? Was sollte es denn bewirken?
Da finde ich flachen Atem, Schwere im Körper, Trägheit, Schmerz.
Wie schlimm ist das ganze ohne Geschichte?
Spekulation: Sollte verhindern, dass ich weiter schaue.
Genau – Spekulation... ;)
3. Ist dir ein Unterschied im körperlichen Empfinden aufgefallen?
Die zweite Runde war deutlich "entspannter" im körperlichen Empfinden - wie "losgelassen".
Hört sich gut an :) Der Körper spürt es ganz deutlich was wahr ist...

Versuch mal über den Tag Ich-Gedanken wahrzunehmen, und wenn du einen erwischt denkst du das ganze nochmal ohne „Ich“...

Es könnte auch geschehen, dass auffällt, dass sich ein Großteil der Gedanken um ein „Ich“ dreht, dass es nur in Gedanken gibt.

Kleines Experiment dazu:

Nimm dir Zettel und Stift, teile ihn mit einem Strich in der Mitte und dann mache es dir zu Hause wieder richtig gemütlich, entspannt, weicher langer Atem. Schließe die Augen und beobachte die Gedanken. Mach die Übung wieder so 10 Minuten lang.

Und dann mache für jeden Gedanken, der sich um „Ich“ dreht einen Strich, und für jeden nicht-Ich Gedanken einen Kreis. Achte auch auf verkleidete Ich-Gedanken wie z. B. Dieses Auto ist nicht schön (gefällt Marco nicht) usw....

Bin neugierig wie es damit geht... :)

Re: Was bleibt vom "Ich bin"?

Posted: Sat Sep 07, 2019 10:56 am
by nosceteipsum
Ist das wahr, dass du sie jetzt nicht wahrnimmst? Spiele mal mit der Möglichkeit, dass nur Wahrheit da ist, dass sie nie nicht wahrgenommen werden kann, und dass nur Gedanken etwas anderes erzählen. Weil das einfach nicht zu ver-stehen ist, sondern nur erfahrbar...Was wäre wenn Wahrheit einfach immer das ist was jetzt erfahren wird? Kannst du wissen, ob irgendetwas existiert, was jetzt nicht erfahrbar ist? Gibt es eine Trennung zwischen wahrnehmen und erfahren?
Ich kann nur wissen, dass ich wahrnehme; dass da wahrnehmen ist.
Wenn da nur Wahrheit ist, kann nichts anderes wahrgenommen werden, ok.
Wenn da auch etwas anderes als Wahrheit ist, dann können auch Lügen wahrgenommen werden (head in a jar-Szenario).
Wenn nicht alles wahrgenommen wird, kann es sein, dass die vollständige Wahrheit der Wahrnehmung entgeht.

Ich kann nicht wissen, ob etwas existiert, was nicht erfahrbar ist. Ebenso weiss ich aber auch nicht, ob etwas existiert, das ich erfahre - siehe oben.

Erfahren und wahrnehmen sind eins.
Könnte der Weihnachtsmann ersticken? Kann etwas das nicht existiert und nie existiert hat untergehen/verschwinden?
Nur meine Phantasie vom Weihnachtsmann könnte in einer Phantasie ersticken. Also: nein.
Gibt es was anders als JETZT?
Nur der Moment ist wahrnehmbar. Gibt es trotzdem vielleicht die Vergangenheit/die Zukunft als realen, besuchbaren "Zeitraum"? Gibt es objektive Realität ausserhalb der Wahrnehmung? Macht der fallende Baum ein Geräusch, wenn niemand es wahrnimmt?

Ich sehe, dass ich nur weiss, dass da Wahrnehmung ist. Dass nur Wahrnehmung Realität ist - "für mich". Das bedeutet nicht, dass es nicht mehr geben kann, als wahrnehmbar ist "für mich". Es ist aber "irrelevant", weil nicht zugänglich, nicht wissbar.
Ist diese Art Verspannung auch mal da ohne Gedankeninhalt und mal mit ganz anderen Gedanken vielleicht?
Ganz ohne Gedankeninhalt kenne ich es nicht, wohl aber mit anderen Gedanken. Mein Körper reagiert so auch manche Gedanken.
Wie schlimm ist das ganze ohne Geschichte?
Ohne Geschichte ist es einfach.
Kleines Experiment dazu:

Nimm dir Zettel und Stift, teile ihn mit einem Strich in der Mitte und dann mache es dir zu Hause wieder richtig gemütlich, entspannt, weicher langer Atem. Schließe die Augen und beobachte die Gedanken. Mach die Übung wieder so 10 Minuten lang.

Und dann mache für jeden Gedanken, der sich um „Ich“ dreht einen Strich, und für jeden nicht-Ich Gedanken einen Kreis. Achte auch auf verkleidete Ich-Gedanken wie z. B. Dieses Auto ist nicht schön (gefällt Marco nicht) usw....
Es sind ungefähr gleich viele "Ich" und "nicht-Ich"-Gedanken gewesen, jeweils immer etwas "geclustert" - mal eine Reihe "ichs", dann wieder einige nicht-Ichs, in die ein "ich" rein kam, oder umgekehrt. Die Hälfte der Gedanken hat also - im entspannten Zustand - "ich" zum Inhalt: Kein Wunder, ist "es" so "präsent" - aber eben in den Gedankeninhalten....

Re: Was bleibt vom "Ich bin"?

Posted: Sat Sep 07, 2019 1:08 pm
by barb
Ich kann nur wissen, dass ich wahrnehme; dass da wahrnehmen ist.
Wenn da nur Wahrheit ist, kann nichts anderes wahrgenommen werden, ok.
Wenn da auch etwas anderes als Wahrheit ist, dann können auch Lügen wahrgenommen werden (head in a jar-Szenario).
Was bedeutet überhaupt Wahrheit? Ist das mehr als ein Label? Woher kommen die Ur-Teile/ Ein-TEILUNGen ob etwas wahr oder Lüge ist? Ist diese Trennung real?
Wenn nicht alles wahrgenommen wird, kann es sein, dass die vollständige Wahrheit der Wahrnehmung entgeht.
Ich kann nicht wissen, ob etwas existiert, was nicht erfahrbar ist. Ebenso weiss ich aber auch nicht, ob etwas existiert, das ich erfahre - siehe oben.
Ja genau – es kann nichts sicher gewusst werden, außer dass wahrnehmen ist – niemals... :)

Keine geistige Aktivität (oder Abwesenheit davon) wird zum Durchschauen der Illusion führen. Das Beste, was der Geist tun kann, ist, seine eigenen Glaubenssysteme zu erforschen und zu dem Schluss zu kommen, dass er nichts über die Realität weiß, obwohl er gleichzeitig ein Ausdruck davon ist...
Wie geht es dir damit?
Erfahren und wahrnehmen sind eins.
Genau
Gibt es was anders als JETZT?
Nur der Moment ist wahrnehmbar. Gibt es trotzdem vielleicht die Vergangenheit/die Zukunft als realen, besuchbaren "Zeitraum"? Gibt es objektive Realität ausserhalb der Wahrnehmung? Macht der fallende Baum ein Geräusch, wenn niemand es wahrnimmt?
Ist das mehr als nur Gedankenblabla? Märchenwelt?
Such nach der Instanz die das wissen will und danach warum! Gibt es die wirklich?


Wenn Vergangenheit/Zukunft oder fremde Planeten besuchbar wären, wäre das auch bald eine ganz normale Erscheinung in DEM. Und wenn es normal wäre würde wieder Ausschau gehalten werden nach was „Besonderem“... So tickt nun mal der menschliche „Verstand“ und dabei wird das absolute Wunder der Existenz, das Sein das immer da ist - diese IST-HEIT - einfach übersehen...
Ich sehe, dass ich nur weiss, dass da Wahrnehmung ist. Dass nur Wahrnehmung Realität ist - "für mich". Das bedeutet nicht, dass es nicht mehr geben kann, als wahrnehmbar ist "für mich". Es ist aber "irrelevant", weil nicht zugänglich, nicht wissbar.
Genau – niemals... Es endet im Nichtwissen, in der Akzeptanz des Nichtwissens und im nicht-wissen-wollen... :) Eventuell in der Einsicht, dass auch dieses wissen wollen nur eine Illusion ist...
Ist diese Art Verspannung auch mal da ohne Gedankeninhalt und mal mit ganz anderen Gedanken vielleicht?
Ganz ohne Gedankeninhalt kenne ich es nicht, wohl aber mit anderen Gedanken. Mein Körper reagiert so auch manche Gedanken.
Toll gesehen... :)
Es sind ungefähr gleich viele "Ich" und "nicht-Ich"-Gedanken gewesen, jeweils immer etwas "geclustert" - mal eine Reihe "ichs", dann wieder einige nicht-Ichs, in die ein "ich" rein kam, oder umgekehrt. Die Hälfte der Gedanken hat also - im entspannten Zustand - "ich" zum Inhalt: Kein Wunder, ist "es" so "präsent" - aber eben in den Gedankeninhalten...
Ist doch schon ganz gut, bei den meisten sind es so um die 75 % ...

Also du hast ja bis jetzt schon gut gesehen, dass das eigentliche „Problem“ die Gedankeninhalte sind und vor allem der Glaube (was auch nichts anderes ist als Gedankeninhalte...;)) daran.

Lass uns mal sehen, ob Gedanken denn überhaupt was von der Realität wissen können:

Überlege vorher, was du gerne für den Zweck der Übung hernehmen möchtest. Bevor du es dir holst, stelle dir mit geschlossenen Augen bis ins kleinste Detail vor, wie die Frucht (oder sonstiges)

- aussieht,
- sich anfühlt,
- riecht, und
- schmeckt
- welche Geräusche sie macht, wenn du rein beißt und sie isst.

Also SEHEN-FÜHLEN-RIECHEN-SCHMECKEN-HÖREN.
Und schreibe alles auf.

Woher hattest du die Informationen deiner Vorstellung?

Dann hol dir das Objekt der Wahl und untersuche ganz genau mit den 5 Sinnen.

- Wie sieht sie aus,
- wie fühlt sie sich an,
- wie riecht
- und schmeckt sie, und
- wie klingt es, wenn du hinein beißt und sie isst.

Nun schaue auf deine geschriebenen Worte und stell dir zusätzlich vor, wie du die aktuelle Erfahrung beschreiben würdest.

Nun frag dich:

Haben die Beschreibungen in irgendeiner Form etwas mit der eigentlichen Erfahrung zu tun?

Kann ein Wort, wie z.B. süß oder saftig, irgendetwas von der eigentlichen Erfahrung wissen?

Weiß Gedanke generell jemals etwas über Erfahrung?

Können Gedanken denn die Realität verstehen?

Lass dir viel Zeit und lass dich mit dem ganzen Wesen ein auf diese Übung!

Re: Was bleibt vom "Ich bin"?

Posted: Sat Sep 07, 2019 9:48 pm
by nosceteipsum
Was bedeutet überhaupt Wahrheit? Ist das mehr als ein Label? Woher kommen die Ur-Teile/ Ein-TEILUNGen ob etwas wahr oder Lüge ist? Ist diese Trennung real?
Wahrheit ist ein Label für Gedankeninhalte, die Kongruenz und Widerspruchsfreiheit aufweisen und eine darauf basierende Aussage machen. Für die Übereinstimmung einer Empfindung und einer (vorgestellten/gedachten/existierenden) objektiven Realität. Für die Übereinstimmung der Worte anderer (=Gedankeninhalte von Gehörtem) und der eigenen Wahrnehmung.
Das "teilen" kommt aus Erfahrung, in denen die Gedankeninhalte und Empfindungen nicht übereingestimmt haben - solche Situationen bekommen das Label "Lüge". Eine Ebene höher war da/ist da "natürlich" nur WAHR-nehmen: Gedankeninhalte, Hören, Empfinden - die erscheinen alle "in Wahrheit". Daher gibt es diese Trennung nur, wenn die Gedankeninhalte eine Bedeutung haben, gibt es also nur "in Gedanken". Keine "reale" Trennung.
Keine geistige Aktivität (oder Abwesenheit davon) wird zum Durchschauen der Illusion führen. Das Beste, was der Geist tun kann, ist, seine eigenen Glaubenssysteme zu erforschen und zu dem Schluss zu kommen, dass er nichts über die Realität weiß, obwohl er gleichzeitig ein Ausdruck davon ist...
Wie geht es dir damit?
Durch-denken ist der gewohnte weg "durch etwas hindurch." Dass Diogenes nicht mit Bescheidenheit kokettierte mit seinem Satz "ich weiss, dass ich nichts weiss", sondern einfach diese geistige Erkenntnis aussprach, ist mir bis eben verschlossen geblieben.
Die Unfähigkeit zu wirklichem Wissen, ausser dass "Wahrnehmung geschieht", also "(ich) bin" der letze/einzige feste Stein ist, auf dem "ich" stehen kann, fühlt sich "OK" an. Da ist ein Teil Ent-Täuschung darüber, dass dieses schöne scharfe Teilungswerkzeug immer nur Luft schneidet, und ein Teil Ent-Spannung, weil er - der Geist - sich ja dann auch einfach mal ausruhen darf.
st das mehr als nur Gedankenblabla? Märchenwelt?
Such nach der Instanz die das wissen will und danach warum! Gibt es die wirklich?
Da ist niemand zu finden. Es sind die Gedanken über Gedanken über Gedanken…
Es endet im Nichtwissen, in der Akzeptanz des Nichtwissens und im nicht-wissen-wollen... :) Eventuell in der Einsicht, dass auch dieses wissen wollen nur eine Illusion ist...
"Klar" - auch "wissen wollen" ist wieder ein Gedanke. "Nicht wissen" ist die einzig gültige Antwort auf die Aufforderung "Erkenne dich selbst." Nicht mal "ich weiss nichts."
Überlege vorher, was du gerne für den Zweck der Übung hernehmen möchtest. Bevor du es dir holst, stelle dir mit geschlossenen Augen bis ins kleinste Detail vor, wie die Frucht (oder sonstiges)

- aussieht,
- sich anfühlt,
- riecht, und
- schmeckt
- welche Geräusche sie macht, wenn du rein beißt und sie isst.

Also SEHEN-FÜHLEN-RIECHEN-SCHMECKEN-HÖREN.
Und schreibe alles auf.

Woher hattest du die Informationen deiner Vorstellung?
Wasabi-Nuss:
Aussieht: Braun, rund, krümeliges Äusseres, unregelmässig rund
anfühlt: pulvrig, hart, rund
riecht: scharf, feuchte Nase erzeugend
schmeckt: scharf, mehlig,
Geräusche: kracht, knirscht

Die Informationen hatte ich aus den früheren Erfahrungen mit der Wasabi Nuss.
Dann hol dir das Objekt der Wahl und untersuche ganz genau mit den 5 Sinnen.

- Wie sieht sie aus,
- wie fühlt sie sich an,
- wie riecht
- und schmeckt sie, und
- wie klingt es, wenn du hinein beißt und sie isst.

Nun schaue auf deine geschriebenen Worte und stell dir zusätzlich vor, wie du die aktuelle Erfahrung beschreiben würdest.
Ein Zusammenfluss der Sinne, eine Tiefe und Intensität, wie sie mit der Beschreibung nicht zu fassen ist.
Nun frag dich:

Haben die Beschreibungen in irgendeiner Form etwas mit der eigentlichen Erfahrung zu tun?

Kann ein Wort, wie z.B. süß oder saftig, irgendetwas von der eigentlichen Erfahrung wissen?

Weiß Gedanke generell jemals etwas über Erfahrung?

Können Gedanken denn die Realität verstehen?
Die Gedanken sind wieder einmal schlichte, stark vereinfachte Labels und nicht im Ansatz an die Erfahrung heranreichend.
Das Wort "scharf" weiss nichts von dem Gefühl auf der Zunge, dem Brennen an den Lippen,…
Gedanke weiss nichts über Erfahrung, er gibt der Erfahrung eine angeheftete "Struktur" - macht sie "mittelbar", "ordenbar".
Gedanken können die Realität "verstehbar", also dem Verstand zugänglich, machen, aber auf Kosten der Realität: Es sind dann blosse Symbole, mit denen er spielt. Im Gedanken selbst ist kein bisschen Realität mehr.

Re: Was bleibt vom "Ich bin"?

Posted: Sun Sep 08, 2019 11:43 am
by barb
Daher gibt es diese Trennung nur, wenn die Gedankeninhalte eine Bedeutung haben, gibt es also nur "in Gedanken". Keine "reale" Trennung.
:)
Keine geistige Aktivität (oder Abwesenheit davon) wird zum Durchschauen der Illusion führen. Das Beste, was der Geist tun kann, ist, seine eigenen Glaubenssysteme zu erforschen und zu dem Schluss zu kommen, dass er nichts über die Realität weiß, obwohl er gleichzeitig ein Ausdruck davon ist...
Wie geht es dir damit?
Durch-denken ist der gewohnte weg "durch etwas hindurch." Dass Diogenes nicht mit Bescheidenheit kokettierte mit seinem Satz "ich weiss, dass ich nichts weiss", sondern einfach diese geistige Erkenntnis aussprach, ist mir bis eben verschlossen geblieben.
Was nur von Wert ist, wenn es zu dir als Einsicht kommt – nicht weil ich es gesagt habe. Bitte glaube mir oder sonst jemandem kein einziges Wort... :) Wie empfindest du es: Einsicht oder "Wissen"?
Da ist ein Teil Ent-Täuschung darüber, dass dieses schöne scharfe Teilungswerkzeug immer nur Luft schneidet,
Ent-Täuschung – das Ende der Täuschung...
und ein Teil Ent-Spannung, weil er - der Geist - sich ja dann auch einfach mal ausruhen darf.
Ohja, das Ende der unnötigen Anspannung... :)
Es endet im Nichtwissen, in der Akzeptanz des Nichtwissens und im nicht-wissen-wollen... :) Eventuell in der Einsicht, dass auch dieses wissen wollen nur eine Illusion ist...
"Klar" - auch "wissen wollen" ist wieder ein Gedanke. "Nicht wissen" ist die einzig gültige Antwort auf die Aufforderung "Erkenne dich selbst." Nicht mal "ich weiss nichts."
Ist noch wissen wollen da? Bzw. wird dieser Gedanke noch für voll genommen?
Nun schaue auf deine geschriebenen Worte und stell dir zusätzlich vor, wie du die aktuelle Erfahrung beschreiben würdest.
Ein Zusammenfluss der Sinne, eine Tiefe und Intensität, wie sie mit der Beschreibung nicht zu fassen ist.
Schön ausgedrückt :)
Haben die Beschreibungen in irgendeiner Form etwas mit der eigentlichen Erfahrung zu tun?
Die Gedanken sind wieder einmal schlichte, stark vereinfachte Labels und nicht im Ansatz an die Erfahrung heranreichend.
Das Wort "scharf" weiss nichts von dem Gefühl auf der Zunge, dem Brennen an den Lippen,…
Gedanke weiss nichts über Erfahrung, er gibt der Erfahrung eine angeheftete "Struktur" - macht sie "mittelbar", "ordenbar".
Gedanken können die Realität "verstehbar", also dem Verstand zugänglich, machen, aber auf Kosten der Realität: Es sind dann blosse Symbole, mit denen er spielt. Im Gedanken selbst ist kein bisschen Realität mehr
Wunderbar gesehen... Sie sind einfach eine Orientierungshilfe - ein wunderbares Werkzeug. Solange wir sie nicht für die Wirklichkeit halten... Da uns das aber so eingetrichtert wurde müssen wir immer wieder nachsehen... :)

Nach der obigen Einsicht, wie stehst du jetzt Folgendem, was du vorher oben geschrieben hast:
„Das "teilen" kommt aus Erfahrung, in denen die Gedankeninhalte und Empfindungen nicht übereingestimmt haben - solche Situationen bekommen das Label "Lüge".“

Ist in diesem Kontext nicht jeder Gedanken „Lüge“?



Untersuchen wir doch mal das Label “Körper” ein wenig:

Finde einen ruhigen Ort und eine ruhige Zeit.
Lege dich hin, schließe die Augen und entspanne dich und hab Freude an der Übung...
Gedanken mögen die Situation vielleicht beschreiben als "Ich liege hier" oder "Mein Körper liegt hier" oder "Ein Körper liegt hier auf einem Sofa".
Aber kannst du diese beschreibenden Gedanken für die Dauer der Übung ausblenden und in einer entspannten Art und Weise nur Empfindung betrachten?

Gedanken mögen vielleicht sagen, dass da ein angenehmer Druck ist am Rücken.

Aber nur auf Empfindung achtend, woher wüsstest du etwas von "Druck" oder "Rücken"?

Wenn du dort angekommen bist, betrachte bitte folgende Fragen:

Kannst du erkennen, wie groß der Körper ist?
Hat der Körper ein Gewicht oder Umfang?

Hat der Körper in der aktuellen Erfahrung eine Gestalt oder Form?
Gibt es eine Grenze zwischen dem Körper und der Kleidung?
Gibt es eine Grenze zwischen dem Körper und der Unterlage?

Nur im Spüren, weißt du wie viele Zehen du hast, weiß das Spüren überhaupt was von Zehen, oder ist da einfach nur eine Empfindung?

Gibt es ein innen oder außen? Falls es ein innen gibt - innen wovon genau?
Falls es ein außen gibt, das Außen wovon genau?

Worauf bezieht sich das Wort/die Bezeichnung 'Körper' eigentlich?
Fehlt irgendetwas, wenn du so erfährst?

Ist da ein Körper, der wahrnimmt oder wird der Körper wahrgenommen? Wohnt Wahrnehmung an einem bestimmten Ort?

Re: Was bleibt vom "Ich bin"?

Posted: Tue Sep 10, 2019 7:17 am
by nosceteipsum
Was nur von Wert ist, wenn es zu dir als Einsicht kommt – nicht weil ich es gesagt habe. Bitte glaube mir oder sonst jemandem kein einziges Wort... :) Wie empfindest du es: Einsicht oder "Wissen"?
Dass der Verstand "nichts" wissen kann über die Realität, weil er nur Gedanken hat, ist für mich "einsichtig". Wohl kann ich mit dem Verstand ermitteln, dass es so ist: Keine Gewissheit, ausser, dass da Wahrnehmen ist. Die Erfahrung/Wahrnehmung ist ihm aber fremd. Für mich ist das eine "Erkenntnis", eine "Einsicht", wie der Satz von Sokrates (nicht Diogenes) ein solches "aha" war.
"Klar" - auch "wissen wollen" ist wieder ein Gedanke. "Nicht wissen" ist die einzig gültige Antwort auf die Aufforderung "Erkenne dich selbst." Nicht mal "ich weiss nichts."
Ist noch wissen wollen da? Bzw. wird dieser Gedanke noch für voll genommen?
Bisher gab es noch kein Lachen, wenn er auftauchte. Er hat also noch Kraft.
Schön ausgedrückt :)
Danke! :)
Nach der obigen Einsicht, wie stehst du jetzt Folgendem, was du vorher oben geschrieben hast:
„Das "teilen" kommt aus Erfahrung, in denen die Gedankeninhalte und Empfindungen nicht übereingestimmt haben - solche Situationen bekommen das Label "Lüge".“

Ist in diesem Kontext nicht jeder Gedanken „Lüge“?
"Nicht die ganze Wahrheit" zumindest :-)



Zur Übung:
Aber nur auf Empfindung achtend, woher wüsstest du etwas von "Druck" oder "Rücken"?
Wüsste ich nicht. Da sind einfach Empfindungen an verschiedenen Orten im Raum.
Wenn du dort angekommen bist, betrachte bitte folgende Fragen:

Kannst du erkennen, wie groß der Körper ist?
Hat der Körper ein Gewicht oder Umfang?
Nein. Je entspannter ich wurde, desto mehr "schmolz" die "Vorstellung Körper" dahin. Da hätte eine Kugel sein können, oder ein Barbapapa - hätte auch gepasst. Da war "Schwerelosigkeit" und Empfindung.
Hat der Körper in der aktuellen Erfahrung eine Gestalt oder Form?
Gibt es eine Grenze zwischen dem Körper und der Kleidung?
Gibt es eine Grenze zwischen dem Körper und der Unterlage?
Nein. Da sind Empfindungen von Wärme, Geräuschen, Härte an manchen Punkten im Raum
Nur im Spüren, weißt du wie viele Zehen du hast, weiß das Spüren überhaupt was von Zehen, oder ist da einfach nur eine Empfindung?
In der reinen Empfindung spüre ich "Zappeln", wenn Bewegung dort ist, wo ich sonst Zehen sehe.
Gibt es ein innen oder außen? Falls es ein innen gibt - innen wovon genau?
Falls es ein außen gibt, das Außen wovon genau?
Kein innen oder aussen. "Ich" könnte beliebig gross oder klein sein.
Worauf bezieht sich das Wort/die Bezeichnung 'Körper' eigentlich?
Auf die Sammlung von Wahrnehmungen, die immer wieder auftauchen, egal welche anderen Wahrnehmungen dazu kommen
Fehlt irgendetwas, wenn du so erfährst?
Nein. Es fühlt sich "frei" an, so grenzenlos und schwerelos und raumfüllend oder Null-Raum zusein.
Ist da ein Körper, der wahrnimmt oder wird der Körper wahrgenommen? Wohnt Wahrnehmung an einem bestimmten Ort?
Weder noch: Die Warhnehmung werden als "Körper" gelabelt. Die Wahrnehmung ist nicht ortsgebunden, während der Übung erschien sie mir "vor" meinen üblichen Körperbegrenzungen stattzufinden (ich sass statt liegen)

Re: Was bleibt vom "Ich bin"?

Posted: Tue Sep 10, 2019 11:49 am
by barb
Dass der Verstand "nichts" wissen kann über die Realität, weil er nur Gedanken hat, ist für mich "einsichtig". Wohl kann ich mit dem Verstand ermitteln, dass es so ist: Keine Gewissheit, ausser, dass da Wahrnehmen ist. Die Erfahrung/Wahrnehmung ist ihm aber fremd. Für mich ist das eine "Erkenntnis", eine "Einsicht", wie der Satz von Sokrates (nicht Diogenes) ein solches "aha" war.
Wunderbar :)
Ist noch wissen wollen da? Bzw. wird dieser Gedanke noch für voll genommen?
Bisher gab es noch kein Lachen, wenn er auftauchte. Er hat also noch Kraft.
Ist das eine verstandesmäßige Schlussfolgerung oder ein Erfahrung? Woher dieser Anspruch dass Lachen kommen müsste?


Sehr schön gesehen bei der Körperübung :)

Wenn du jetzt mal deine Eingangsfragen durchliest, was würdest du sagen hat sich verändert seit Beginn unserer Untersuchung? Gibt es irgendetwas was du gerne anschauen möchtest?

Wie stehst du zum Thema Kontrolle und freier Wille?

Hier hab ich eine kleine feine Übung für dich dazu:

Hebe deinen rechten oder linken Arm (oder lass ihn unten). Während des Hebens oder Nicht-Hebens wird eine Entscheidung getroffen, zumindest geschieht etwas (oder nicht).
Kannst du den genauen Augenblick der Entscheidung bestimmen und das konkrete Wesen finden, das diese Entscheidung zu treffen scheint?
Ist es wirklich möglich, den Moment der Entscheidung sowie den scheinbaren „Entscheider“ zu finden? Oder taucht die Idee „Ich habe mich entschieden, meinen rechten oder linken Arm (nicht) zu heben“ erst nach dem eigentlichen Ereignis auf?

Beobachte im Laufe des Tages wie Entscheidungen zustande kommen und versuche sie bis zu ihrem Ursprung zurück zu verfolgen. Ist das möglich?

Re: Was bleibt vom "Ich bin"?

Posted: Wed Sep 11, 2019 12:48 pm
by nosceteipsum
Ist das eine verstandesmäßige Schlussfolgerung oder ein Erfahrung? Woher dieser Anspruch dass Lachen kommen müsste?
Kommt aus der Erfahrung, dass mich 'Wer glaubt an das "ich"?' zum Lachen brachte - vielleicht kommt auch ein Lachen bei "wer will etwas wissen?".
Wenn du jetzt mal deine Eingangsfragen durchliest, was würdest du sagen hat sich verändert seit Beginn unserer Untersuchung? Gibt es irgendetwas was du gerne anschauen möchtest?
In der Untersuchung konnte ich kein "ich" entdecken, und meine Annahmen über Wahrnehmung/Grenzen/Gedanken haben sich als nicht korrekt gezeigt.
Was sich noch zeigt, ist das "Gefühl", als "versteckter Gedanke", dass "ich" in charge bin - siehe unten. Da steckt was fest.

Es ist wie wenn "jemand sagt" - tatsächlich ein Gedanke auftaucht: "Hübsch gesehen, now get on with it", also verhindert, das Gesehene als Realität anzuerkennen statt dem Gedachten.
Wie bereit bist du, deine Glaubensvorstellungen über dich in Frage zu stellen und um jeden Preis die Wahrheit zu finden
Ich habe 11 geantwortet - offenbar erwarte "ich" auch, dass "ich" 11 liefern muss, um "durchzukommen".
Wie stehst du zum Thema Kontrolle und freier Wille?
Hier ist vermutlich das "stuck": Es ist "sowas von klar", dass ich kontrolliere, oder "dass da Kontrolle ist", und "freier Wille" entscheidet, was passiert. Körperkontrolle insbesondere, Gedankenkontrolle im Sinne von Fokus oder innerlichem Abspulen von Übungen gibt "ein Gefühl" von absoluter Kontrolle über dieses.

Gleichzeitig passiert es mir immer wieder, dass ich "etwas entscheide" in Gedanken und dann genau das Gegenteil tue - es klappt also nicht immer.
Hebe deinen rechten oder linken Arm (oder lass ihn unten). Während des Hebens oder Nicht-Hebens wird eine Entscheidung getroffen, zumindest geschieht etwas (oder nicht).
Kannst du den genauen Augenblick der Entscheidung bestimmen und das konkrete Wesen finden, das diese Entscheidung zu treffen scheint?
Das Arm heben geschieht - wenn "ich es zulasse", ist das Gefühl. Ich warte darauf, dass der Arm sich hebt, und es ist wie bei den Gedanken, "die die Luft anhalten" - der Impuls zum Heben "hält die Luft an".
Den genauen Zeitpunkt, wann es dann geschieht, kann ich nicht bestimmen, oder jemanden finden, der es steuert. Das Denken und das Heben sind völlig unabhängig, je länger ich es anschaue. Jedoch bleibt das Gefühl von "festhalten" - "ich halte den Arm unten".

Je mehr ich den Arm bewege, desto mehr wird es zum "wahrnehmen, dass sich der Arm bewegt" - keine Gedanken dazu, kein Gefühl von Ownership - aber "Kontrolle" im Sinne von "Start/Stop kann ich".
Ist es wirklich möglich, den Moment der Entscheidung sowie den scheinbaren „Entscheider“ zu finden? Oder taucht die Idee „Ich habe mich entschieden, meinen rechten oder linken Arm (nicht) zu heben“ erst nach dem eigentlichen Ereignis auf?
Nein, den "exakten Moment" nicht - der Arm fängt an oder hört auf, nicht korreliert zu Gedanken. Gedanken labeln es als "my doing."
Beobachte im Laufe des Tages wie Entscheidungen zustande kommen und versuche sie bis zu ihrem Ursprung zurück zu verfolgen. Ist das möglich?
Entscheidungen fallen, manchmal in Übereinstimmung mit den Gedanken, manchmal gegen sie, manchmal noch während diese laufen. Beispiel eben: Zwei Sorten Cola, welche soll ich nehmen. Das Denken lief noch, ein Bild über eine noch vorhandene Flasche Cola einer Sorte erschien vor dem inneren Auge, die Hand greift nach der anderen Flasche - Entscheidung gefallen.
Wo auch immer sie fiel, es waren nicht die Gedanken verantwortlich dafür, und es war auch keine Instanz dafür wahrnehmbar.

Re: Was bleibt vom "Ich bin"?

Posted: Wed Sep 11, 2019 1:10 pm
by barb
Kommt aus der Erfahrung, dass mich 'Wer glaubt an das "ich"?' zum Lachen brachte - vielleicht kommt auch ein Lachen bei "wer will etwas wissen?".
Erfahrung ist immer jetzt und wenn es jetzt nicht da ist, ist es Erinnerung - Gedankengeschichte, Erwartungen... Vielleicht kommt ja gar kein Lachen...
Es ist wie wenn "jemand sagt" - tatsächlich ein Gedanke auftaucht: "Hübsch gesehen, now get on with it", also verhindert, das Gesehene als Realität anzuerkennen statt dem Gedachten.
Ja, das ist einfach nur eine Gewohnheit. Da hilft nur immer wieder hinschauen solange bis es klar ist, dass Gedanken einfach nur Echos aus der Vergangenheit sind.

Beobachte mal: Wie oft beschäftigen sich die Gedanken mit dem was genau jetzt hier ist? Und wie oft erzählen sie über die Vergangenheit oder Zukunft (was ja auch nur aus Erinnerungsgedanken gestrickt wird...)?
Wie bereit bist du, deine Glaubensvorstellungen über dich in Frage zu stellen und um jeden Preis die Wahrheit zu finden
Ich habe 11 geantwortet - offenbar erwarte "ich" auch, dass "ich" 11 liefern muss, um "durchzukommen".
Haha... :) Das ist doch kein Test wo irgendwo durchzukommen ist... Du musst gar nichts liefern, im Endeffekt kannst nur du selber wissen ob klar gesehen wurde, dass es kein getrenntes Ich gibt... :)
Hier ist vermutlich das "stuck": Es ist "sowas von klar", dass ich kontrolliere, oder "dass da Kontrolle ist", und "freier Wille" entscheidet, was passiert.
Entscheidungen geschehen scheinbar, braucht es dazu ein „Ich“?

Beobachte während des Tages:

Atmen – ist da ein Atmer, der entscheidet wann wie geatmet wird? Und wenn der Impuls auftaucht, den Atem zu steuern – woher kommt der Impuls?
Gehen – ist da ein Koordinator, der jede kleinste Bewegung steuert damit Gehen funktionieren kann?
Verdauen – ist da ein Steuermann der das kontrolliert?
Sehen – lass die Augen offen und entscheide nicht zu sehen. Geht das?
Hören – kannst du kontrollieren nicht zu hören?
Suche ganz eindringlich in diesen oben genannten Belangen und in allem was dir einfällt nach einer Steuereinheit. Ist da was? Oder geschieht einfach alles von alleine?

Körperkontrolle insbesondere, Gedankenkontrolle im Sinne von Fokus oder innerlichem Abspulen von Übungen gibt "ein Gefühl" von absoluter Kontrolle über dieses.
Wer kontrolliert die auftauchenden Impulse die diese Vorgänge ins Laufen bringen?
Gleichzeitig passiert es mir immer wieder, dass ich "etwas entscheide" in Gedanken und dann genau das Gegenteil tue - es klappt also nicht immer.
:))
Je mehr ich den Arm bewege, desto mehr wird es zum "wahrnehmen, dass sich der Arm bewegt" - keine Gedanken dazu, kein Gefühl von Ownership - aber "Kontrolle" im Sinne von "Start/Stop kann ich".
Wieder: Kannst du einen Ort finden woher der Impuls kommt für Start/Stop?

Re: Was bleibt vom "Ich bin"?

Posted: Wed Sep 11, 2019 9:29 pm
by nosceteipsum
Erfahrung ist immer jetzt und wenn es jetzt nicht da ist, ist es Erinnerung - Gedankengeschichte, Erwartungen... Vielleicht kommt ja gar kein Lachen...
Da hast Du recht - Erfahrung hat für mich immer noch die andere Bedeutung "vergangenes Erleben": Das war gemeint. Ich werde die Bedeutung strikt mit "gerade erfahren" nehmen, künftig.
Beobachte mal: Wie oft beschäftigen sich die Gedanken mit dem was genau jetzt hier ist? Und wie oft erzählen sie über die Vergangenheit oder Zukunft (was ja auch nur aus Erinnerungsgedanken gestrickt wird...)?
Schon befassen sich mit Erfahrungen oder anderen Gedanken: Sie können also nur Vergangenheit oder Zukunft behandeln - sobald etwas "bedacht" wird, ist es bereits vorbei, oder eben noch Vorstellung.

Aber auch das ausser acht lassend: Eben mal die Augen geschlossen, und tatsächlich erstmal ein Gedanke über die "Gegenwart": "ich sitze". Und dann driften sie davon, in alle Richtungen. Oder drehen in Endlosschleife das Gleiche.
Entscheidungen geschehen scheinbar, braucht es dazu ein „Ich“?
Nein, braucht es nicht. "Es läuft einfach", und zwar auf Autopilot. Gedanken tauchen auf im Prozess und beeinflussen ihn, aber da ist kein "Steuermann" - es ist mehr wie einem vorgefertigten Film zuschauen.
Atmen – ist da ein Atmer, der entscheidet wann wie geatmet wird? Und wenn der Impuls auftaucht, den Atem zu steuern – woher kommt der Impuls?
Das ist kein Atmer. Auch wenn mit Aufmerksamkeit langsamer geatmet wird, wird es wahrgenommen. Ein Gedanke taucht auf "ich mache das". Er ist fast egal. Der Impuls kommt von irgendwoher, gerne ein Gedanke, der auftaucht, eine Erinnerung an eine stressige Situation, in der so Atmen half, und dann atmet es.
Gehen – ist da ein Koordinator, der jede kleinste Bewegung steuert damit Gehen funktionieren kann?
Im Gegenteil - da sind immer wieder überraschte Gedanken, dass ich nicht hinfalle, weil die Gedanken, das Sehen wo ganz anders sind.
Verdauen – ist da ein Steuermann der das kontrolliert?
Keine Einflussnahme durch irgendwen.
Sehen – lass die Augen offen und entscheide nicht zu sehen. Geht das?
Hören – kannst du kontrollieren nicht zu hören?
Nein, es geschieht. Daher bei Überflutung der Impuls, Augen und Ohren abzudecken - weil es nicht steuerbar ist.
Suche ganz eindringlich in diesen oben genannten Belangen und in allem was dir einfällt nach einer Steuereinheit. Ist da was? Oder geschieht einfach alles von alleine?
Es geschieht von alleine. Besonders fiel mir das beim Hang-Spielen vorhin auf: Die Hände bewegen sich, Töne erklingen, Impulse für Muster, Rhythmen, Abfolgen verändern das Spiel, aber es geschieht viel zu schnell, als dass irgendein Gedanke auch nur wagt, es "für sich" einzunehmen, gar von "Kontrolle" zu sprechen. Im Gegenteil: Je weniger Gedanken darüber "sprechen", desto leichter fliesst es.
Schon in der Schule, bei Matheaufgaben - oder jetzt, bei der Arbeit - "kommen die Lösungen einfach", und nur mühsam können die Gedanken darüber nachdenken, oder claimen ownership.
Wer kontrolliert die auftauchenden Impulse die diese Vorgänge ins Laufen bringen?
Keine Kontrolle über die Kontrolle.
Wieder: Kannst du einen Ort finden woher der Impuls kommt für Start/Stop?
Kein Ort für den Impuls. Es kann zwar der Eindruck entstehen, dass ein Impuls "von mir" ausgeht, aber der Impuls für den Impuls kann "ich" schon nicht mehr zu mir nehmen. Oder spätestens den Impuls für den Impuls für den Impuls... Wie bei den Schildkröten, auf denen die Welt ruht: Impulse "all the way down", die aus dem Nichts kommen.

Da ist kein "unbewegter Beweger" :-)
im Endeffekt kannst nur du selber wissen ob klar gesehen wurde, dass es kein getrenntes Ich gibt... :)
Wer kann sehen, ob klar gesehen wird? Wer sieht, dass es kein getrenntes Ich gibt? ;-)

Re: Was bleibt vom "Ich bin"?

Posted: Thu Sep 12, 2019 11:42 am
by barb
Das war gemeint. Ich werde die Bedeutung strikt mit "gerade erfahren" nehmen, künftig.
Es ist einfach nur Gewohnheitssache... Auch nach dem Durchschauen der Illusion ist es hilfreich zu versuchen den Fokus zu halten.
Aber auch das ausser acht lassend: Eben mal die Augen geschlossen, und tatsächlich erstmal ein Gedanke über die "Gegenwart": "ich sitze". Und dann driften sie davon, in alle Richtungen. Oder drehen in Endlosschleife das Gleiche.
Und je mehr das gesehen wird, desto uninteressanter wird der Gedankeninhalt. Mit der Zeit kann es geschehen, dass sich ein Amüsement über den Gedankenzirkus einstellt. Und die, die gar nicht mehr geglaubt werden verdünnisieren sich oft ganz von selbst... :)
Gehen – ist da ein Koordinator, der jede kleinste Bewegung steuert damit Gehen funktionieren kann?
Im Gegenteil - da sind immer wieder überraschte Gedanken, dass ich nicht hinfalle, weil die Gedanken, das Sehen wo ganz anders sind.
Kann schon geschehen, dass das Wundern und Staunen sich immer mehr ausweiten...:D

Es geschieht von alleine. Besonders fiel mir das beim Hang-Spielen vorhin auf: Die Hände bewegen sich, Töne erklingen, Impulse für Muster, Rhythmen, Abfolgen verändern das Spiel, aber es geschieht viel zu schnell, als dass irgendein Gedanke auch nur wagt, es "für sich" einzunehmen, gar von "Kontrolle" zu sprechen. Im Gegenteil: Je weniger Gedanken darüber "sprechen", desto leichter fliesst es.
Schon in der Schule, bei Matheaufgaben - oder jetzt, bei der Arbeit - "kommen die Lösungen einfach", und nur mühsam können die Gedanken darüber nachdenken, oder claimen ownership.
Schön gesehen... :)
Wieder: Kannst du einen Ort finden woher der Impuls kommt für Start/Stop?
Kein Ort für den Impuls. Es kann zwar der Eindruck entstehen, dass ein Impuls "von mir" ausgeht, aber der Impuls für den Impuls kann "ich" schon nicht mehr zu mir nehmen. Oder spätestens den Impuls für den Impuls für den Impuls... Wie bei den Schildkröten, auf denen die Welt ruht: Impulse "all the way down", die aus dem Nichts kommen.
Auf was beziehst du dich, wenn du sagst "von mir" ausgehend? Was und wo ist dieses „mir“? SCHAU ganz eindringlich, such danach wie nach einem Schlüssel, den du auf der Stelle sofort brauchst! Ist da was?
Da ist kein "unbewegter Beweger" :-)
Wie ist es so damit, dass einfach nichts zu finden ist?
Wer kann sehen, ob klar gesehen wird? Wer sieht, dass es kein getrenntes Ich gibt?
Braucht es dazu ein „wer“? So wie du gesehen hast dass es zum Atmen keinen Atmer braucht usw. ,
braucht es zum einsehen einen „Einseher“? Ist nicht alles einfach ein „Happening“?


Zuerst ist da die „Ein-bildung“ eines getrennten „Ichs“, und then maybe it happens, dass diese „Ein-bildung“ als solche erkannt wird – von niemandem... :)

Wenn wir gerade von Bildern reden... Wie schaut es aus mit dem Selbst-bild? Ist das ein Identifikationspunkt?
Für gewöhnlich gibt es ein Selbstbild basierend auf Erinnerungen... Was von diesem Selbstbild ist real direkt erfahrbar? Wie sehr unterscheidet sich dieses Bild von dem Selbstbild das in einem nächtlichen Traum erscheint?